Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

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Hallo,
mich würde euere Meinung zur Zwangsbehandlung von Borderliner(innen) interessieren.
Auch interessieren mich moralische und rechtliche Aspekte!

Macht es Sinn, eine betroffenen Person tgl. zu einem sehr intensiven "Skilltrainig" zu verpflichten (mit Steinen in den Schuhen laufen oder mit Brennnesseln traktieren lassen)?

Was haltet ihr davon, einer betroffenen Person auf Verlangen einen Reiz aus zu setzen (z.B. mit einer Kanüle zwecks Blutfluss stechen)?

Wie bewertet ihr das Recht auf Selbstbestimmung des Pat.?

Welche Möglichkeiten seht ihr, wenn die/der Pat die Behandlung ablehnt, jedoch im Rahme des MRV untergebracht ist?

Über zahlreiche Fragen und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.
 
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stern3007

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Macht es Sinn, eine betroffenen Person tgl. zu einem sehr intensiven "Skilltrainig" zu verpflichten (mit Steinen in den Schuhen laufen oder mit Brennnesseln traktieren lassen)?

Was haltet ihr davon, einer betroffenen Person auf Verlangen einen Reiz aus zu setzen (z.B. mit einer Kanüle zwecks Blutfluss stechen)?
Skilltraining ist für Borderliner oft sehr wichtig. Aber das hier geht mir entschieden zu weit. Skills sollten eine freiwillige Maßnahme sein, um den Borderliner aus einer bestimmten Zwangssituation heraus zu bekommen. Beispiel: Wenn jemand sich ritzen will und zur Unterbindung einen starken Reiz braucht, dann wäre das Anfassen einer Brennessel ok. Es muß aber freiwillig geschehen.

Skills sind für mich freiwillige Aktionen, die der Borderliner sich unter Anleitung selbst antrainiert, um seine Zwangshandlungen in Griff zu bekommen. Alles andere wären für mich Strafmaßnahmen die nichts mit Selbstbestimmung zu tun haben. Ich sehe darin einen massiven Konflikt mit unseren Gesetzen, auch wenn es um MRV geht. Klingt schon fast nach mittelalterlichen Foltermethoden. Da sollte man gegen angehen. Wie? Tja gute Frage - so aus dem Stegreif heraus bin ich da gerade überfragt. Aber vielleicht wissen andere mehr darüber.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Aber das hier geht mir entschieden zu weit.
Skills sollten eine freiwillige Maßnahme sein,....

Skills sind für mich freiwillige Aktionen, die der Borderliner sich unter Anleitung selbst antrainiert, ....


ja, ich hoffe auf zahlreiche Rückmeldungen, glaubst du ein Training könnte erzwungen werden?
 
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stern3007

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Da antworte ich mit einem klaren Nein.

Ein Training muß freiwillig erfolgen. Nur dann verspricht es erfolgreich zu sein.

Das was du hier schilderst ist für mich eine zweifelhafte Zwangsmaßnahme. Fragt sich, wer eher in Therapie muß. Der Borderliner oder der Umsetzer einiger sadistischer Ideen.

Bei Borderlinern ist es leider so, dass Zwänge oft darin bestehen sich selbst zu verletzen. Das hat etwas mit sich spüren können zu tun. Man kann diese Zwänge nicht abstellen. Aber man kann durch ein Training versuchen, sie zu kanalisieren. Um Schmerz zu spüren, muß ich die Hand nicht auf eine Herdplatte legen oder mit einem scharfen Gegenstand ritzen. Ich kann auch einen Schmerzreiz auslösen, indem ich ein paar Wäscheklammern verwende. Wichtig ist in dem Fall, den Schmerzreiz so umzulenken, dass minimalste Verletzungsgefahr besteht. Das Ziel wäre, eine Kanalisation auf Aktionen ohne jegliche körperliche Mißhandlung zu bringen. Z.B. Telefonieren anstatt ritzen, oder Hausputz halten, oder raus gehen, was auch immer.

Diese Umlenkungsstrategie muß man in einem Training erlernen. Erzwingen kann man überhaupt nichts, im Gegenteil. Solch eine Zwangsaktion ist absolut kontraproduktiv und sorgt eher dafür, dass ein derart behandelter Mensch eher in den Suizid getrieben als von seinen Zwangshandlungen abgebracht wird.

Ich arbeite übrigens in einer psychiatrischen Praxis und wir haben etliche Borderliner unter unseren Patienten.
 
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Baldr

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Ich kann mich Stern3007 nur anschliessen. Wichtiger scheint mir das man darauf achten muss ,dass der/die Borderliner/in den Therapeuten mag. Dann kann man sie/ihn eher zum training motivieren.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

danke für deine Zeilen,

über diverse sadistische Neigungen habe ich übrigens auch schon nachgedacht!

ich habe mir sogar schon Gedanken über die Approbation des CA gemacht (schriftliche Anordnungen über diverse Maßnahmen liegen vor)!

Aber insbesondere muss ich an mich und meine berufliche Zukunft denken, weshalb ich erhebliche Gewissensbisse habe!

Aus dem Bauch heraus, aber auch aus Erfahrung und auch aus Gesprächen mit der betreffenden Person weiss ich, dass die beschriebenen Maßnahmen "seltsam" sind.

Für mich bleibt guter Rat nun teuer,
ab wann bin ich eigentlich verpflichtet eine Strafanzeige wegen Körperverletzung o.ä zu machen? Bzw. wieviel Selbstschutz ist legitim?

Wer legt abschließend fest, ob eine Be-("Miß"-) Handlung therapeutisch wertvoll ist? Und heiligt der Zweck die Mittel?
 
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stern3007

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Für mich bleibt guter Rat nun teuer,
ab wann bin ich eigentlich verpflichtet eine Strafanzeige wegen Körperverletzung o.ä zu machen? Bzw. wieviel Selbstschutz ist legitim?
Das kann dir keiner beantworten. was kannst du vor dir selbst verantworten?

Wer legt abschließend fest, ob eine Be-("Miß"-) Handlung therapeutisch wertvoll ist? Und heiligt der Zweck die Mittel?
Eine Mißhandlung und die liegt hier für mich vor, ist sicher nicht therapeutisch wertvoll. Das ganze kann sehr ins Gegenteil ausarten. Borderliner haben eine wesentlich höhere Suizidrate als z.B. Schizophrene. Hier will jemand einem kranken Menschen mit Gewalt eine "Unart" austreiben. Eine Gewaltaktion ist hier nicht der Zweck. Als Gewaltaktion akzeptabel empfinde ich z.B. das Abnehmen eines scharfen Gegenstandes, wenn der Borderliner sich selbst angreifen will. Aber eine Therapie bzw. ein Training rechtfertigt niemals eine Gewaltaktion.

Wer übt denn genau bei euch die Gewaltaktionen aus? Gibt es eine Hierarchie die über dem Gewaltausübenden steht? Könnte man da mal nachhaken was legitim ist und was nicht?
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Die Weisungen erfolgen durch einen CA, wobei die Ausführung dem PP zugemutet wird. Seitens des PP ist es einerseits ein gewisser Gehorsamkeitsdrang mit dem Vertrauen darauf, dass alles richtig ist, was schriftlich angeordnet ist! der/die eine oder andere PP hat sicherlich auch sadistische Neigungen, andere einfach das Bedürfnis Macht aus zu üben. Manchmal geht es auch einfach nur um Isolierungen deren Dauer indirekt durch diverse Unterlassungen des PP einfach mal nen Tag oder Wochenende länger dauern als es nötig wäre!

praktisch finden sich nur wenige und immer seltener P`s, die sich bereit erklären diese Anordnungen zu befolgen!

und dennoch finde ich es zum kotzen

Die Pat verweigert generell eine aktive Teilnahme, .....

Das Problem an der Sache ist dennoch eine gewisse Obrigkeitshörigkeit die sich im gesamten Stationsalltag widerspiegeln, beschriebene Dinge verstehen sich als Spitze eines Eisberges der mich beginnt wahnsinnig zu machen!

Menschliche Anteilnahme und Empathie gelten in diesem Sys. kaum etwas, jedoch "Kompetenzen" und Hierarchie!

Wenn ich diese Dinge zu intensiv kritisiere sehe ich mich mit Kommentaren konfrontiert für diese Arbeit nicht geeignet zu sein!



Was kann ich vor mir selber verantworten? ich hadere damit diese Frage zu beantworten, vielmehr habe ich mich entschieden diese Abteilung zu verlassen. Einige Dokumentationen und Anordnungen werde ich als Kopie irgendwo sicher deponieren, damit ich der Pat sinnvoll zur Seite stehen kann, falls sie sich irgendwann mal beschweren möchte! Aber ich kann und darf die Pat nicht auffordern dieses zu tun. Also wie alle in diesem Sys einfach mal feige die fresse halten!
 
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stern3007

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Was ist ein CA? Welche med. Kompetenzen stehen dahinter?

Wenn ich diese Dinge zu intensiv kritisiere sehe ich mich mit Kommentaren konfrontiert für diese Arbeit nicht geeignet zu sein!
Das ist natürlich Quark. Auch Inhaftierte haben einen Anspruch auf Empathie und eine gescheite medizinische Versorgung, die hier absolut zweifelhaft ist. Wenn der Patient generell eine aktive Teilnahme verweigert, muß erst einmal eine Basis geschaffen werden, die eine Teilnahme gewährleistet. Mit den jetzigen Methoden wird er sicher nicht dazu gebracht, aktiv mitzuarbeiten. Der Mensch kommt letztendlich wesentlich kränker aus der Haft heraus, wie er hereingekommen ist.

In dieser Situation solltest du auch an dich denken. Ein Arbeiten unter solchen Umständen wäre für mich unmöglich. In dem Moment wo du eine andere Stelle hast, bieten sich dir auch andere Möglichkeiten, einzugreifen.

Kannst du mit den PP offen reden? Zumindest mit denen, wo du das Gefühl hast, dass sie korrekt agieren? Grundsätzlich müßten solche fraglichen Maßnahmen ja von allen PP abgelehnt werden. Gemeinsam kann man eine Menge erreichen, z.B. sich an höhere Institutionen wenden zwecks Unterbindung der aktuellen Situation. Was ist mit Presse? Schreiben an das Justizministerium oder das Ministerium, was für euch zuständig ist.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Recht haben und recht kriegen sind in diesem Land bei weitem nicht das Selbe!
Presse? mal abgesehen von der Schweigepflicht ???? Es ist anschl als "Nestbeschmutzer" nicht besonders angenehm seinen weiteren Alltag zu fristen! ich habe mal daran gedacht mich der Ärztekammer an zu vertrauen, .....

Die Kollegen mit denen ich darüber offen rede sind noch weniger risikofreudig als ich !
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

ein CA ist ein Chefarzt
 
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Baldr

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Tja, anderen Job suchen wenn möglich wäre auch mein Ratschlag, hört sich ja bei dir an als sei dir das möglich. Danach mal den Patienten auf seine Beschwerdemöglichkeiten hinweisen. Denke doch er hat jemanden der seine Interessen vertritt. Allerdings muss er dazu wissen das "Folter" keineswegs Standardbehandlung oder aktzeptabel im MRV ist. Wenn er es als "ist halt so" ansieht wird er auch nicht dagegen vorgehen.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Oha, das ist ja mal wieder ein heißes Thema im Psychiatrie-Fred...

Hab mich jetzt mal ein wenig eingelesen und festgestellt, dass mir ein paar wichtige Infos fehlen.

Wie lange ist der Patient schon auf deiner Station und wie lange wird er voraussichtlich bei euch bleiben?
Mit welchem Paragraphen ist er im MRV? §63, §64, oder ein ganz anderer?

Vieles ist schon erwähnt worden. Borderliner haben, meist als Konsequenz ihrer Erkrankung, häufig die Fähigkeit, ganze Teams zu überfordern oder zu sprengen.
Ich bin jetzt kein ausgewiesener Spezialist für Persönlichkeitsstörungen dieses Typs, aber im Drogenentzug kommen eben auch öfter solche Klienten an.

Wichtiger scheint mir das man darauf achten muss ,dass der/die Borderliner/in den Therapeuten mag.
Das ist Unsinn, sorry Baldr!

Beziehungsgestaltung sollte prinzipiell auf einer professionellen Ebene geschehen. Hier kann man sich empathisch begegnen. Persönliche Vorlieben können hilfreich sein, sollten aber keine tragende Rolle spielen.
Vor allem bei Borderline-Patienten ist eine sehr enge Führung mit sehr straffen Regeln gefordert. Persönlichen Vorlieben des Patienten nachzugeben, wäre in diesem Fall absolut kontraindiziert, Spaltungstendenzen Tüpr und Tor geöffnet. Störungen der therapeutischen Beziehung müssen ausgehalten und bearbeitet werden, nicht umgangen.

Die Selbstverletzungen eines Borderliners sind keine Zwangshandlungen im eigentlichen Sinn. Es dient dem Abbau innerer Spannungen, die der Betroffene als unerträglich empfindet. Mit dem Schneiden oder Ritzen will er weniger sich selbst Schmerzen zufügen, als innerlich empfundenen Druck abbauen. Der mit einhergehende Schmerz hilft zusätzlich, sich selbst in all der Anspannung noch wahrzunehmen..

Die Skills sind eine Möglichkeit, mit deren Hilfe sich geschulte Betroffene in verschiedenen Stadien des Drucks verschieden starke Reize setzen können und so eben auch lernen, dass es innerhalb ihrer Anspannungen noch Unterschiede gibt, die sie lernen können, wahrzunehmen.
Ziel dabei ist natürlich, schwere Verletzungen, Infektionen usw. zu verhindern.

Die Frage, ob ein Borderlinepatient Skills nutzt oder nicht, bleibt immer ihm selbst überlassen.
Keinesfalls wird ihm auf eigenen Wunsch, geschweige den auf Wunsch eines Therapeuten von anderen ein wie auch immer gearteter Schmerzreiz gesetzt. Selbst wenn er es selbst möchte, muss auch die Handlungsverantwortung bei ihm bleiben.

Wenn der Patient noch keine Skills kennt, kann man ihn in diesem Fall natürlich zur Teilnahme an einem Skills-Training zwingen!
Der ist im MRV, das bedeutet ZWANGS-Therapie. Er wurde dazu verurteilt, an seiner Erkrankung zu arbeiten. Mit Freiwilligkeit ist´s da vorbei, wenn man die entsprechenden Paragraphen hat.
Und das ist eine Chance für ihn, andernfalls säße er nämlich schlicht und ergreifend im Knast!

Das darf natürlich niemals in aggressive Gewaltmaßnahmen ausarten. Von "Foltermethoden" ganz zu schweigen.

Ich kenne die Behandlungen in unserem MRV. Die Teams stehen sehr eng zusammen, alle Therapien und Zwangsmaßnahmen werden miteinander besprochen, der Chefarzt trifft keine einsamen Entscheidungen.

Meine persönlichen Erfahrungen beziehen sich hierbei auf den MRV in Ba-Wü. Hier ist er noch absolute Hoheitsaufgabe des Landes.
Allerdings habe ich an anderer Stelle hier im Forum erfahren, das manche Bundesländer hier eine Art "teilprivatisierte Mischform" des Maßregelvollzugs betreiben.

Deshalb würde ich gerne etwas mehr über die Station erfahren, auf der du arbeitest.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Hallo Schwester C.

die der betroffene/r Pat ist seit 12 Monaten nach §64 untergebracht, weitere 12 Monate stehen noch aus.
Die Verweigerungshaltung der/des Pat wurde dem § entsprechend mit Freiheit entziehenden Maßnahmen geahndet, weshalb das Körpergewicht sich in 12 Monaten verdoppelt hat!
die betroffene Person hat bereits erhebliche Therapieerfahrung, kann und will sich selber so akzeptieren wie sie/er ist! Alleine der Zwang zur Therapie hat erhebliche Ablehnung hervorgerufen!

Eigentlich bezieht der Zwang zur Therapie sich auf die Dauer einer Chance, die ein Kassenpat nie erhalten würde. Es ist nie möglich ein Verhalten zu verändern welches ein Probant nicht ändern möchte! Eine Freiheitsentziehende Maßnahme kann jedoch sehr motivierend wirken! In Bayern und BaWü werden die MRV Pat intensiver mit der Alternative zur Behandlung konfrontiert, weshalb Probanden zumindest scheinbar motivierter sind.

Die zu behandelnde Abhängigkeit bezieht sich auf THC Konsum und gelegentlichem Alkoholkonsum! Entgegen der üblichen Unterbringungen gibt im Urteil lediglich den §64, aber keine Haftstrafe! Ansonsten hast du recht, wer dauerhaft nicht Therapiewillig ist wird in die JVA zurück geführt.
Hier in NRW wird die Maßregel derzeit nicht privatisiert, .....

Ein wesentliches Problem in unserem Behandlungsteam ist unser CA, welcher mit Allmachtsfantasien ausgestattet regelmäßig seine Alleingänge durchzieht! Wie das mit CA`s eben so ist wird man die nicht so leicht los. es gab bereits Gespräche und Arbeitsvereinbarungen mit ihm, wie z.B. ein Vetorecht fürs Team, doch umgeht er dieses stets, indem er den Pat seine Entscheidungen ohne vorherige Rücksprache mit dem Team im Beisein selbigen mitteilt. (also ein so genanntes A.-loch)

Im aktuellen Fall entscheidet er eben was richtig ist, da können Leute wie du und ich ruhig das Gegenteil behaupten, aber Recht bekommen wir dadurch nicht, da er "die Kompetenz" ist.


Ich für meinen Teil habe mich entschieden meinen Wirkungskreis zu verändern, benötige nach einer gewissen Zeit des "Leidens" auch Foren wie dieses, um provozierte Selbstzweifel wieder ablegen zu können. In diesem Sinne vielen Dank für deine Rückmeldung. Deine Ausführungen sprechen wirklich für enorme Erfahrung.
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Hallo Baldr,

einer Person mit benannter Persönlichkeitsstörung auf diverse Beschwerdemöglichkeiten aufmerksam zu machen unterliegt dem Risiko der Spaltungstendenz nach zu gehen! Denkbar ist sogar, dass sich eine solche Person darüber beschwert, auf Beschwerdemöglichkeiten aufmerksam gemacht worden zu sein, weil sich an dieser Stelle ein größeres Spaltungspotential bietet! Dann stehst de da mit nem langen Gesicht, hast nen Sack voller Probleme und wirklich nichts erreicht!

Diese Pat tun was sie tun nicht weil sie bösartig sind, sondern einfach weil sie es können!
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Ein wesentliches Problem in unserem Behandlungsteam ist unser CA, welcher mit Allmachtsfantasien ausgestattet regelmäßig seine Alleingänge durchzieht!
Das ist natürlich ein echtes Problem!

Kenne ich so nicht! In unserem Haus bewegt sich der Chefarzt auf Augenhöhe mit der entsprechenden PDL; nennt sich "Duale Leitung"! Einfaches, aber geniales Prinzip - keiner kann ohne den anderen etwas entscheiden.

Natürlich hat man es immer wieder mit Medizinern zu tun, die mit dem Begriff "Teamarbeit" nichts anfangen können.
Gerade im MRV ist sowas aber extrem fatal, weil hier eben alle die Behandlung mittragen und mit dazu beitragen sollten.

Wenn du in so einer Lage dann noch einen Borderliner auf Station hast, merkt der als erster, wo die Risse sind und kann genau da seine Spaltkeile ansetzen.

Beschwerdemöglichkeiten, auch für Borderliner, sind prinzipiell eine gute Sache. Man kann sich dadurch gut selbst reflektieren.
Setzt dummerweise ein gutes Team voraus, dass mit den sich ergebenden Konsequenzen umgehen kann.

Ein Borderlinepatient kann sich z.B. über seine Bezugspflegekraft beschweren, weil der für Verweigerungshaltung oder Regelverstöße die entsprechenden Sanktionen eingeleitet hat und sich der Patient ungerecht behandelt fühlt. Er möchte einen anderen Bezugspfleger haben, nämlich den, dessen Nase (oder Pullover oder Musikgeschmack ...) ihm gerade besser gefällt.

Was passiert: Jemand vom Beschwerdemanagement nimmt sich der Sache an, lädt die Beteiligten zum Gespräch, die Sache wird erörtert. Der Beschwerdemanager erfährt, dass die Sanktionen einem festgelegten Ablauf folgen, über die der PAtient informiert war. Die Sanktion (z.B. eine Rückverlegung aus einem offenen in den geschlossenen Bereich) ist evtl. sogar mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen. Er erfährt weiter, dass die Pflegekraft absolut professionell gehandelt hat und dass keinerlei fachliche Gründe vorliegen, die Bezugsperson zu wechseln.
Damit muss der Patient klarkommen!
Das Team muss damit klarkommen, dass der sowas evtl. 8x die Woche macht. Das ist anstrengend, wenn man da aber eng beisammen steht, wird dem Patienten das selbst irgendwann zu blöd, weil er sieht, dass er da nicht weiterkommt. Folgkich wird er sein Verhalten ändern.

Das wäre der Idealfall!
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Hallo erst mal,
würde mal sagen das man im MRV immer von einer Zwangsbehandlung reden kann. Denn direkt freiwillig ist keiner da, bis auf die Möglichkeit sich Aussichtslos schreiben zu lassen (ugs)
Eine Behandlung mit diesen Methoden ohne einverständnis des / der PatientIn verstößt gegen Deutsches Recht. Es sei denn die Behandlung wurde vom Gericht in dieser Art genehmigt
Du als Pflegekraft hast meines erachtens 2 Möglichkeiten.
1. Du arbeitest weiterhin auf dieser Station mit diesen Behandlungsmethoden und findest Dich damit ab
2. Du meldest diese Vorfälle an den geeigneten Stellen (Dienstweg einhalten ist immer gut) sonst: Polizei, denn es ist eine Straftat

Dann jedoch ein paar Fragen von mir, da mir einiges unklar ist:
a) wie finden diese Behandlungsmethoden statt? Wird die Patientin festgehalten oder fixiert oder ähnliches
b) welche Personen sind bei der Zwangsbehandlung dabei?
c) warum unternimmt die Patientin nichts? Liegt es am Borderline.
d) Jeder PatientIn hat einen Verteidiger / RA und diese Post darf nicht gelesen werden!!

Mal angenommen alle Mitarbeiter / Kollegen auf Deiner Station behandeln auf solche Art, dann brauchst Du Dir um deinen Job keine Sorgen machen,
denn diese Stellen können als erste wieder besetzt werden. :laughing::laughing:
 
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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Hallo weisnet,

die Borderline - Erkrankung der Pat ist sicher sehr ausgeprägt, jedoch gibt es keine vom Gericht speziell angeordneten Zwangsmaßnahmen!
Die Pat hat bezüglich dieser Erkrankung umfangreiche Therapieerfahrung. Sie ist gewillt sich und ihre Beeinträchtigung so zu akzeptieren, wie sie zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme war. Erwähnenswert ist, dass sie in einer langjährigen Partnerschaft lebt, was ihre Therapieerfolge unterstreicht. Die Unterbringung hat sich nicht negativ auf diese Partnerschaft ausgewirkt!

In 2 Fällen lies die Pat sich vom PP auf eigenen Wunsch mit einer Lanzette stechen. Sie hatte es in 8 Wochen geschafft 2 Mitarbeiter hierzu zu bewegen. Nach kritischer Betrachtung seitens des Teams wurde dieses nicht Wiederholt.

Der für die Pat erstellte Therapieplan sieht vor, ihr bei Nichteinhaltung von allgemeinen Stationsregeln wie Pünktlichkeit etc ihr einen Teil ihrer Freizügigkeit zu nehmen. Das Problem an der Sache ist, das die Pat keinerlei Amstrengungen unternimmt Freizügigkeit zu erlangen, weshalb ihr auch nicht viel genommen werden kann, wenn sie "nicht funktioniert". Sanktionen begrenzen sich dann also auf Kontaktsperre, zu Angehörigen, im wesentlichen dann zu ihrem Partner.

In welcher Weise es zur Anwendung eines erzwungenen Skilltraining kam kann ich nicht eruieren, jedoch steht fest, dass sie das beschriebene Training ablehnt. Alles in allem gibt es im Team einige Mitarbeiter die jedmögliche persönliche Verantwortung ablegen, sobald es eine schriftliche ärztliche Anordnung gibt.

Ich habe für mich eine elegante Lösung gefunden das Team zu verlassen ohne diese Dinge zu forcieren.
Der CA geniest seitens der PDL umfangreichen Schulterschluss!

Im Einzelfall, und das ist ein Einzelfall, besitze ich nicht mehr die Energie meine moralischen Vorstellungen in den Stationsalltag einfliessen zu lassen! Andererseits steht da auch nichts von in meinem Arbeitsvertrag! Es tut mir einfach ganz gut mir in Foren wie diesem den Standpunkt anderer Fachkräfte anzuhören, da mein Tätigkeitsfeld zeitweise Selbstzweifel verursacht!

vielen Dank für dein Interesse
 
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weisnet

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AW: Zwangsbehandlung bei Borderline!?!

Hallo erst mal,

Dies ist leider oft der Fall, das Ärzte zuviel Macht haben. Aber zum Glück haben die Pflegekräfte auch Rechte.

Es ist sehr WICHTIG das man (oder Frau) nach einem Arbeitstag noch in den Spiegel schauen kann.

Wir werden die Welt nicht retten, auch können wir andere nicht ändern, sondern andere können sich nur selbst ändern.

Wir haben einen Job, der durch einen Vertrag geregelt ist undbekommen Geld dafür.

Der allerbeste Spruch den ich kenne lautet:

Wir arbeiten um zu Leben, Wir Leben nicht um zu arbeiten (BB)

Also stecke Deine Energie in die wichtigen Dinge des Lebens, hast mehr davon.

Höre auf Dein Gefühl, dann tust Du das richtige

Grüße :rolleyes::rolleyes:
 
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Hallo erst mal,


Wir arbeiten um zu Leben, Wir Leben nicht um zu arbeiten (BB)

Also stecke Deine Energie in die wichtigen Dinge des Lebens, hast mehr davon.

Höre auf Dein Gefühl, dann tust Du das richtige

Grüße :rolleyes::rolleyes:

Danke für deine ermutigenden Worte.
 
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