Zukunft der Pflege

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Lurtz

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Ich hoffe das passt in dieses Unterforum.

Ich mache gerade die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an einem Akutkrankenhaus (Stufe III) mit gut 500 Betten.
Bin jetzt im zweiten Ausbildungsjahr angekommen und mittlerweile habe ich mich gut eingewöhnt und komme gut zurecht.

Ich liebe den Job, er ist interessant, abwechslungsreich (gerade in der Ausbildung durch den häufigen Wechsel) und die Arbeit mit den Patienten größtenteils einfach schön.
Und dann wieder hasse ich ihn. Für die teils unmöglichen Arbeitsbedingungen, die Zukunftsaussichten, den Pessimismus der einem allgegenwärtig an den Kopf geschmissen wird.
Komme ich als Schüler auf eine neue Station, habe ich innerhalb der ersten zwei Tage garantiert von mindestens zwei Kollegen die Aussage gehört "Lern bloß nicht Pfleger!". Wenn dann noch rauskommt dass ich Abitur gemacht habe, wird die Skepsis noch größer. Ich sag das schon gar nicht mehr gerne, man kommt sich ja vor wie ein Depp.
Und laut den älteren Pflegekräften war früher ja alles viel besser und der Job hat noch Spaß gemacht und war was wert, und mit älter meine ich Leute ab 35!

Zusätzlich macht sich der Mangel an Bewerbern schon deutlich spürbar. Laufe ich an den Fotos von ehemaligen Examenskursen mit 20 Schülern aufwärts vorbei, fällt es schon auf dass unser Kurs schon vor dem Ende des Probehalbjahres 6 Leute verloren hat, im jetzigen waren es 5. Teilweise mit falschen Erwartungen rangegangen, teilweise aber auch in Ausbildungsplätze in der Wirtschaft gewechselt.
Wann wacht die Politik auf und erkennt dass das Herabsetzen der Zugangsvoraussetzungen keine Lösung für Probleme in der Pflege ist?

Und davon ausgehend mache ich mir natürlich Gedanken um meine berufliche Zukunft. Also bis zur Rente (falls es die überhaupt noch gibt falls ich mal soweit bin) möchte ich in dem Job auf keinen Fall arbeiten, das ist ja kaum durchzuhalten.
Aber mittlerweile denke ich schon viel kurzfristiger und überlege mir gar nach der Ausbildung nochmal was ganz anderes zu machen. Jedenfalls sehe ich selbst in Pflegestudiengängen, von denen noch keiner so Recht weiß wie die Absolventen überhaupt eingesetzt werden sollen und ob sich die professionelle Pflege gegen die Mediziner und Wirtschafter durchsetzen kann, keine große Zukunft. Was wirklich schade ist.

Soviel zu meinen persönlichen Erfahrungen, wie seht ihr das? Glaubt ihr daran dass sich die Pflege zu einer echten Profession entwickeln kann oder wird es "dank" Personal- und Geldmangel immer schlimmer werden?
Wie zufrieden seid ihr mit euren momentanen Arbeitsverhältnissen? Überlegt ihr euch evtl. ins Ausland zu gehen?
 
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samoth

AW: Zukunft der Pflege

Hallo,

Dein Beitrag erinnert mich an meine eigenen Zweifel, die ich insbesondere im zweiten Ausbildungsjahr hatte. Hin und her gerissen zwischen positiven Erfahrungen mit Patienten, Kollegen und Medizinern, verschreckt durch die sich öffnende Kluft zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung und doch mit einer Grundüberzeugung, dass dieser Beruf das Richtige für mich ist.
Das war vor fast 30 Jahren, inzwischen habe ich 18 Jahre auf Stationen am Bett verbracht, dann Pflegemanagement studiert und nun arbeite ich seit über 10 Jahren im Projekt- und Qualitätsmanagement einer größeren Klinik. Fazit: ich möchte nichts missen, denn die vielfältigen Erfahrungen in der Pflegepraxis haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich finde meine Arbeit immer noch spannend, gehe die überwiegend meiste Zeit gern in die Klinik und sehe meine eigenen Visionen für eine umfassende Patientenversorgung langsam nach und nach Wirklichkeit werden.
Man braucht halt einen sehr langen Atem, um die Veränderungen zu erreichen. Was die Profession Pflege betrifft, ich sehe hier schon Potenzial, allerdings nur, wenn Pflegende bereit sind, Veränderungen in ihrem beruflichen Selbstverständnis wahr- und anzunehmen. Das klassische Bild der Krankenschwester, die sich hingebungsvoll um die ihr anvertrauten Patienten kümmert, wird es nur noch selten geben. Gefordert sein wird die Fachexpertin, die den Patienten durch seinen KH-Aufenthalt begleitet und steuert. Und dies wird dann auch wieder so interessant sein, dass Ausbildungszahlen wieder steigen werden. Wenn dann noch die Vergütung leistungsgerecht erfolgt (und die Gewerkschaften hier ihre Blockadehaltung aufgeben), ist mir um die Zukunft der Pflege nicht bange.

Zu visionär? Mag sein, aber ich bin die ewigen Tiraden leid, ich will und werde nicht jammern.

Gruß
 
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traveler

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AW: Zukunft der Pflege

@lurzt

Das was du schilderst kennt jeder von uns der länger im Beruf ist.

Zweifel ob es das Richtige ist etc. etc., das sehe ich aber bei Bekannten in anderen Berufen ähnlich. Also nix Pflegespezifisches.

Wohin entw. sich die Pflege? Die Frage ist gut.
Dahin wohin die Pflegenden sie selbst entwickeln, denn wer sollte es denn sonst tun.

Wenn wir endlich das Jammern aufhören und die Energie in Veränderung stecken würden, was hätten wir für ein Potential.

@samoth:
die Vergütung leistungsgerecht erfolgt (und die Gewerkschaften hier ihre Blockadehaltung aufgeben),
Hast du da nicht Gewerkschaften mit AG verwechselt?
Gewerkschaften blockieren sonst würden AG mehr zahlen???:wassat:
 
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samoth

AW: Zukunft der Pflege

@renje: Nein, das habe ich schon so gemeint, es geht mir hier nicht um die Vergütung gesamt, sondern um den Bestandteil, der eigentlich leistungsbezogen ausgeschüttet werden soll (TVöD). Dies geschieht aber in den seltensten Fällen, weil es häufig nicht zu der notwendigen Betriebsvereinbarung zwischen AG und BR kommt. Zumindest bei uns wird von Betriebsratsseite mehr oder weniger deutlich gesagt, dass es nicht im Interesse von Verdi liegt, hier entsprechende Modelle zu schaffen. Also wird jedes Jahr ein bestimmter Prozentsatz nicht als Leistungszulage ausgeschüttet, sondern landet auf einem Treuhandkonto. Schließlich hat die AG-Seite diesen leistungsbezogenen Vergütungsbestandteil in den Tarifverhandlung durchgesetzt.
Ich persönlich denke, dass es höchste Zeit wäre, von der Grundannahme weg zu kommen, alle in einem Arbeitsbereich (z. B. Station) Beschäftigten würden die gleiche Leistung bringen und deshalb müssten auch alle gleich viel Gehalt bekommen. Ich bin überzeugt, die meisten wissen, dass dem nicht so ist. Aber das ist ja wohl ein eigenes Thema...
Gruß
 
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Fripi

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AW: Zukunft der Pflege

Ich persönlich denke, dass es höchste Zeit wäre, von der Grundannahme weg zu kommen, alle in einem Arbeitsbereich (z. B. Station) Beschäftigten würden die gleiche Leistung bringen und deshalb müssten auch alle gleich viel Gehalt bekommen. Ich bin überzeugt, die meisten wissen, dass dem nicht so ist. Aber das ist ja wohl ein eigenes Thema...
Hi Lurtz,

Wenn du noch ein Argument brauchst um möglichst schnell aus der Pflege wegzukommen lege ich es dir Nahe die Argumentation von Samoth mal inhaltlich zu überprüfen und konsequent zuende zu denken. Wie man allen ernstes die Zukunft der Pflege in der Leistungsorientierten Zahlung sehen kann ist mir ein Rätsel, passt aber gut in die Struktur der Zukunft: Diejenigen die es sich leisten können bekommen die Leistungswilligen und fähigen, die anderen bekommen die faulen Eier, was soll man sich auch schon um einen HartzIV-Empfänger kümmern? Von wegen gleichbehandlung, ethisches Handeln. Nur soweit das Geld reicht.
Dafür lernst du den Beruf, halte dir das vor Augen, wenn solche Ansichten die Oberhand gewinnen. Ich blockiere auch jedes Mal die leistungsbezogene Ausschüttung - denn das was die meisten Arbeitgeber damit anfangen wollen, ist die Gewinnbereiche zu unterstützen, keinesfalls diejenigen die gute Pflege durchführen. Wehret den Anfängen.

Ich verstehe dich, die Zukunft ist grauenerregend, nicht nur müssen sich die Pflegenden in der Zukunft mit dem Pflegemangel, schlechtem Gehalt und leuten rumschlagen die meinen das geht alles noch effizienter, nein, jetzt kommen die leute aus den eigenen Reihen und erklären das die Kollegen sich einfach zu doof anstellen.
Auch ich kann dir nichts positiveres sagen, trotzdem ist die Arbeit toll - wenn man jemals in die Position kommt sie durchführen zu können...

Liebe Grüße,

Nils
 
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traveler

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AW: Zukunft der Pflege

@fripi:
die anderen bekommen die faulen Eier, was soll man sich auch schon um einen HartzIV-Empfänger kümmern?
Aha, meinst du das wirklich so?

...wenn solche Ansichten die Oberhand gewinnen.
Zuerst vor der eigenen Tür kehren und seine eigenen Ansichten prüfen bevor ich mich über die Anderer aufrege!
 
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Fripi

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AW: Zukunft der Pflege

Hallo Renje,

Vielleicht hast du das falsch verstanden, aber ich gebe keinesfalls meine (wunsch) Version einer Zukunft wieder. Ich gehe aber davon aus das auch du gut informiert darüber bist was aktuelle Gesundheitsreformpläne vorsehen und wie weit die Spaltung des Gesundheitswesens vorangetrieben wird. Denkt man die Leistungsorientierte Zahlung und die erhöhte Privatisierungsrate durch ist das was ich beschrieb ein, vielleicht vorerst überspitztes, Ziel der aktuellen Politik.

Und ich darf mich ohne weiteres darüber aufregen was gerade läuft, was genau soll ich den bitteschön vor meiner Tür kehren? Das würde mich doch jetzt ernsthaft interessieren, ein bisschen mehr als ein euphemismus wäre jetzt doch angebracht, schieß los.

Gruß,

Nils
 
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traveler

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AW: Zukunft der Pflege

@fripi:
weiß jetzt nicht auf was du Antwortest?
Wenn du meinen Beitrag meinst hast du den dann überhaupt gelesen?

Habe doch eindeutig Zitiert auf was ich mich beziehe!
 
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thorstein

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AW: Zukunft der Pflege

Hallo samoth,

ich bin über deine Argumentation doch auch etwas erstaunt. Immerhin bist du schon 55. Arbeitest du noch in der direkten Pflege? Ich habe auch schon 25 Jahre Pflege auf dem Buckel (im wörtlichen Sinne) und leiste tatsächlich nicht mehr so viel, wie vielleicht vor 20Jahren. Und möglicherweise leiste ich in 10 Jahren, wenn es dann so langsam auf das Rentenalter zugeht, noch weniger.
Tragfähige Konzepte für ältere Mitarbeiter in der Pflege bräuchten wir mit Sicherheit, bei Diskussionen um leistungsgerechte Bezahlung bin ich mir da weniger sicher.

grüsse
 
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samoth

AW: Zukunft der Pflege

@thorstein:
Nein, ich arbeite nicht mehr in der direkten Pflege am Bett, weiß aber sehr gut, was dort abgeht. Die Frage bei der leistungsorientierten Bezahlung ist doch, welche Kriterien ich hierfür wähle. Was ist denn gute Pflegeleistung? Wohl doch nicht unbedingt eine quantitativ hohe Zahl von Patienten, die abgefertigt werden, sondern eher eine Zahl x von Patienten, die zufrieden mit den Leistungen der Pflege waren. Was die körperliche Leistungsfähigkeit betrifft, natürlich nimmt die mit zunehmendem Alter ab, aber gleichzeitig nimmt doch die Erfahrung zu, das ist doch eine mindestens ausreichende Kompensation. Für die Führungskräfte wird es mehr denn je darauf ankommen, eine gesunde Mischung aus alt und jung ins Team zu bekommen. Und ich stimme Dir zu, es muss viel mehr darüber nachgedacht werden, unter welchen Umständen ältere Mitarbeiter ihren Job weiter machen können, ohne körperlichen oder psychischen Schaden zu nehmen.
Ich ärgere mich ja nur über die grundsätzliche Ablehnung, wie ich sie in Fripis Beitrag lese. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, sogleich steht Hartz IV vor der Tür und überhaupt ist alles gaaanz schlecht, insbesondere wenn es der böse AG will. Ich frage mich da schon, warum Menschen sich das antun, wenn sie so gefrustet sind - keine Alternative zu haben kann es doch wohl nicht immer sein.
Ich habe es nie verstanden, warum ich gemäß dem alten BAT alle zwei Jahre mehr Geld bekommen habe (zugegebenermaßen keine umwerfenden Summen), nur weil ich älter geworden bin. Was ist denn das für eine Leistung, das älter werden? Da wäre es mir schon lieber, ich bekäme mehr Geld, weil ich meine Arbeit gut gemacht habe.

@Fripi:
denn das was die meisten Arbeitgeber damit anfangen wollen, ist die Gewinnbereiche zu unterstützen, keinesfalls diejenigen die gute Pflege durchführen. Wehret den Anfängen.
Woher weißt Du das? Gibt es da Untersuchungen, Zahlen, Daten, Fakten? Oder ist das eine Vermutung?

Gruß
 
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Fripi

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AW: Zukunft der Pflege

@fripi:
weiß jetzt nicht auf was du Antwortest?
Wenn du meinen Beitrag meinst hast du den dann überhaupt gelesen?

Habe doch eindeutig Zitiert auf was ich mich beziehe!
Klar. Ich bin etwas erstaunt gewesen, der von dir Zitierte Abschnitt war doch recht klar als nicht meine Meinung erkennbar, zumindestens finde ich da auch nach dem wiederholten lesen meines Beitrags. Deswegen erübrigt sich die Frage ob ich das wirklich so meine, bzw. ist ungenau gestellt. Nein, natürlich ist es nicht meine Meinung das es so sein sollte, nochmal zur Klarstellung. Sehr wohl bin ich der Meinung das momentan das Gesundheitssystem in eine Richtung gelenkt wird die ethisch nicht zu rechtfertigende Entscheidungen provoziert und bereits jetzt solche Auswirkungen hat.
Dementsprechend kann ich den Kommentar "erst mal vor der eigenen Türe kehren" auch nicht nachvollziehen - deswegen habe ich ja eine genauere Eingrenzug gefordert welche Ansicht deiner Ansicht nach geeignet ist um mir die Kompetenz abzusprechen mitzudiskutieren. Also nochmal, bitte Präzisiere doch a) ob du wissen willst ob das Zitat in seiner losgelösten Form mein ernst ist oder ob das Zitat b) in seiner Bestehenden gesamtform als meine Meinung über die Zukunft eines Systems mein ernst sein soll, sowie c) wo ich denn nun kehren soll und warum.

@samoth
Ob es Untersuchungen dazu gibt ob das Leistungsentgelt in Menschliche Pflege oder mehr Gewinn gesteckt wird? Sicherlich nicht, dadurch wird aber deine Argumentation nicht richtiger. Wenn deine Idee tatsächlich realistisch wäre hättest du soeben das Prinzip entdeckt wie man ein Gewinnorientiertes System im Wettbewerb plötzlich mit anderen Werten aufwiegen kann. Wenn das Gesundheitssystem weiter Privatisiert wird hätte ein Manager der Menschliche Pflege fördert und damit zwar einen subjektiven Gewinn für den Patienten schafft aber keinen monetären, immer das nachsehen im vergleich zu denen die sich genau darauf konzentrieren. Du wirst nun vermutlich sagen das die Patienten in dem einen zufriedener sind und deswegen das andere langfristig untergehen wird - dem gegenüber stehen aber Krankenhäuser mit grauenhaftem Ruf die immernoch existieren und teilweise sogar schwarze Zahlen schreiben. Die Illusion das der Markt sowas sinnvoll regelt halte ich zumindestens für... sagen wir mal weltfremd.
Zu deinen Leistungsorientierten Zahlungen.... Ich erinnere mich an zahlreiche Patienten die der Krankheit angemessen sehr gut versorgt wurden und die trotzdem oder gerade deswegen sicherlich keine durchgehend gute Meinung über den Aufenthalt im Krankenhaus hatte. Nur um ein paaar beispiele zu nennen, was ist mit den Dementen, den Süchtigen, denen die nicht begreifen (können) was sie tun sollen schlicht weil sie es kognitiv nicht schaffen, was amcht die Psychiatrie? Gu8t, du magst jetzt einwenden es gibt ja auch noch die objektiven Kriterien, Pflegeplanung, Wunddoku, Statistiken und Pflegeberichte... Dann haben wir endlich diejenigen belohnt die perfekt dokumentieren können. Wenn man hier mal liest welche Maßnahmen in Pflegeheimen vonstatten gehen bevor der neue "Pflege-TÜV" ins haus kommt kann man sich ungefähr ausmalen wie das in Zukunft aussehen wird.
Und ja, ich erwähne den HartzIV empfänger symbolisch für diehjenigen die ganz unten in unserer Gesellschaft stehen, denn danach bemisst sich doch am ehesten eine Gesellschaft, danach wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht. Ich sehe HartzIV nicht als drohung für die Pflegekräfte, ganz sicher nicht, aber wenn Herr Rösler sich durchsetzt werden viele Leistungen für diese Patientenschicht in Zukunft nicht mehr möglich sein. Ein kluger Manager wird also in Zukunft sich derartige Patienten vom leib halten soweit es geht, denn an denen lässt sich kein Geld verdienen.
Ich finde das Argument das du wie tausende Manager auch hernimmst allerliebst:"Mit dem alter nimmt doch die Erfahrung zu, das ist doch ein Ausgleich" - Wenn man tatsächlich in der Lage ist Prozesse in der Pflege zu optimieren, so wie du es tust wenn du als QMB dich einem Problem annimmst, dann wärt ihr doch in der Lage derartige Altersschwankungen zu relativieren und den neuen möglichst schnell die Instrumente an die Hand zu geben damit sie die gleiche Leistungsfähigkeit erreichen die auch die Älteren Kollegen haben.
"Neinein" hört man dann, es gibt ja auch subjektive Erfahrungen die man nicht weitergeben kann und die manche auch nie lernen - aber wenn das so ist, wie groß ist dann die Berechtigung von so einem System, ab wann wird es unsinn, wie weit kann man es anwenden? Wie kann man annehmen das ein solches System jemals in der Lage ist gerecht die "Leistung" abzubilden? Jedes System was ich bisher kennen gelernt habe, und das sind beileibe nicht wenige, hatte mindestens einen gravierenden Mangel der das System an sich in Frage stellen muss.

Ich bin kein Feind von QMB, keiner von verbesserungen und wenn mir jemand den Stein der Weisen bei der Leistungsorientierten Zahlung vorlegt werde ich nciht dagegen sein, aber in einem zunehmend Privatisierten Gesundheitssystem ist das doch nicht realistisch machbar. Gute Pflege ist ein grundrecht und ein Grundanspruch, nichts was es teilweise gibt. Halbtot ist schließlich auch keine Definition eines Zustandes sondern nur ein fiktives, wissenschaftlich ungenause Wort.

Liebe Grüße,

Nils
 
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nofretete

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AW: Zukunft der Pflege

Genau bei uns wird z. B. die Leistungsprämie nach dem Stand der Krankentage "errechnet". Also wer Krankenschein bringt kriegt weniger und wer nicht zum Arzt geht bekommt die volle Prämie, egal wie gearbeitet wird. Frage mich dann jedesmal warum es Leistungsprämie heißt und nicht "Quäl dich trotz Krankheit durch die Schicht" Prämie! Was ja viele machen, jetzt nicht unbedingt der Prämie willen. Das ist jetzt nur ein Beispiel.
 
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pegean

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AW: Zukunft der Pflege

sondern eher eine Zahl x von Patienten, die zufrieden mit den Leistungen der Pflege waren
Was glaubst wieviel Menschen ich in 35 Jahren ( 15 KH ,20 AH ) ich kennen lernen mußte die trotz enormen Pflegeaufwands (aber nicht dement) mit absolut nichts zufrieden waren ? Mehr wie genug .

LG
 
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AW: Zukunft der Pflege

@fripi:
Sag mal hast du immer so ein lange Leitung?
Oder bist du dir dessen nicht bewusst was du von dir gibst?

Ich habe aus deinem Beitrag zitiert:
@fripi:
die anderen bekommen die faulen Eier, was soll man sich auch schon um einen HartzIV-Empfänger kümmern?
Darin setzt du faule Eier mit HartzIVempfängern gleich.

Na Dankeschön.
 
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Fripi

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AW: Zukunft der Pflege

Hallo Renje,
da hast du mich falsch herum verstanden. Das was ich meinte war die Spaltung zwischen den Pflegenden die Jung oder leistungskräftig sind und sich dann um die Zahungskräftige kundschaft kümmern darf sowie denjenigen denen es gesundheitlich nicht mehr so gut geht oder selten da sind, diejenigen werden dann zu denen geschickt bei denen es monetär keinen UNterschied mehr macht ob sie gut oder schlecht behandelt werden.

Auf die Idee Sozialschwache als faule eier zu bezeichnen, sorry die Idee ist so weit weg das ich nicht mal auf die Idee gekommen bin das du das so interpretieren könntest. Und um es noch klarzustellen, ich wollte auch nicht ausdrücken das in der Pflege so viele "faule Eier" gibt, aber auf diese unterscheidung laufen die Leistungsorientierten Zahlungen hinaus. Dadurch wird gleichwertige Krankenversorgung massiv in Frage gestellt.

Gruß, Nils
 
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Schokokeks

AW: Zukunft der Pflege

Grüße dich Lurtz,

ich bin auf dem gleichen ausbildungsstand wie du, allerdings in der altenpflege.
ich frage mich auch manchmal, wieso einrichtungsstätten die ausbildung nicht attraktiver gestalten wollen.
ich weiß nicht, wie es in der kp zugeht, aber in der ap ist es schon größtenteils kommerziell orientiert. niemand hat so wirklich plan und lust, schüler angemessen auszubilden. dienstplanfüller, hohe anforderung und wenig rechte. burnout ist auch nichtmehr wirklich weit und am ende will man garnichtmehr in der pflege arbeiten. so habe ich es bei anderen leider bemerkt.
ich lasse mir meine lust und interesse nicht streitig machen. mein wunsch ist es, mit 60 noch pflege am bett auszuführen, denn es ist mein traumberuf! ich bemerke jetzt schon eine art an mir, mich nur auf das wesentliche zu fokusieren und unwichtiges einfach an den rand zu drängen, nach dem motto "soviel nutzen wie möglich, und aufwand wie nötig"
die ausbildungszeit ist eine "akutsituation" für mich, in der mir klar ist, es nur aus einem begrenzten blickwinkel beurteilen zu können. danach warte ich auf den großen Segen *LACH

liebe grüße
 
B

Bookwood

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AW: Zukunft der Pflege

Leider wird sich im Bereich der Pflege erst etwas ändern, wenn das ganze System zusammenbricht. Durch meine Tätigkeit bin ich in sehr vielen Einrichtungen (stationär und ambulant) und man hört immer öfter, das verzweifelt fähiges Fachpersonal gesucht wird.
In meinem Bekanntenkreis rate ich keinen mehr zu einer Ausbildung in der Pflege. Der AG befindet sich doch in der Rolle nur noch Leistung einzufordern, ist aber selten bereit den MA entgegen zu kommen. Durch dieses Ungleichgewicht ensteht unzufriedenheit. Ich selber bin froh nicht mehr direkt am Patienten/Bewohner/Pflegebedürftigen zu arbeiten und genieße meine flexiblen Arbeitzeiten. Obwohl ich "meine" Bewohner vermisse!!!
 
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Exam. Krankenpfleger, Wundmanger (ICW), Qualitätsbeauftragter DIN ISO (TÜV), DCM Basic, TQM Auditor (EQ Zert), Gutachter
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