Zukunft der Fachkräfte!

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thorstein

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http://www.arbeitgeberverband-pflege...achkraefte.pdf


Zitat:
Andere geeignete Fachkräfte, z. B. aus der Hauswirtschaft, der Therapie, dem Sozialwesen, sollten als Fachkräfte im Sinne der Personalverordnungen der Heimrechte Anerkennung finden.
Zitat:
Eine quantitative Flexibilisierung des Qualifikationsschlüssels muss gerade dann, wenn es nicht gelingt genügend Fachkräfte zu finden, möglich sein. Flexibilisierung vor Schließung, das muss die Devise sein.
Nun konnte natürlich niemand mit einer solchen Entwicklung rechnen. Und die Macht des Faktischen, die Sachzwänge, zwingen uns jetzt zu einer Aufweichung der Fachkraftquote. Wirklich überzeugend. Und die Politik wird sich dieser ausgeklügelten Argumentation wohl anschliessen (müssen).

Zitat:
Daher muss ein genereller Bewusstseinswandel eingeleitet und dieser Berufsgruppe mehr Respekt gezollt werden, um dem Pflegeberuf mehr Beachtung zu verleihen.
Klar, kostet ja auch nix! Ich wäre mit besseren Arbeitsbedingungen und einer angemessenen Bezahlung durchaus zufrieden.

Optimistisch, wie ich bin, glaube ich ja, dass eine Grenze der Arbeitsverdichtung erreicht ist. Um überhaupt Menschen für dieses Arbeitsbereich zu motivieren, müssen sich daher die Arbeitsbedingungen verbessern. Wir haben also schon einen Personalmangel, brauchen aber noch mehr Personal, um überhaupt Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit wieder Menschen bereit sind, in diesem Beruf zu arbeiten. Klingt wie die Quadratur des Kreises. Lösungsvorschläge?
 
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Hallo,

was ich so höre von meinen Kollegen und Kolleginnen,und durch meine Tätigkeit in ganz Deutschland lernen ich viele kennen, ist in erster Linie: schlechte Arbeitsbedingungen und wenig Geld.
Schlechte Arbeitsbedingungen heisst: wenig Personal, teilweise Doppelschicht, kaum freie Wochenenden - wenn möglich noch eine Teilzeitstelle, bei der dann Unmengen an Überstunden anfallen - und das Ganze dann vielleicht noch bei einer ledigen PK für 1000 - 1200 € im Monat netto.

Wenig Personal muss nicht immer heissen, dass es kein Personal gibt, sondern kann auch heissen: es werden - aus Kostengründen - einfach nicht mehr Leute eingestellt!!!
Kann mir keiner erzählen wenn wir ein Überangebot an PK hätten, dass die Einrichtungen nun plötzlich 5 MA auf einer Station arbeiten lassen, wenn 2 es "genau so gut schaffen".

Dass wir eine aufwändige, verantwortungsvolle und körperlich und auch psychisch anstrengende Arbeit verrichten ist ja nun unbestritten. Demgegenüber steht dann eine Entlohnung von 8,50 - 15 € pro Stunde - im Gegensatz dazu bekommt eine Raumpflegerin in einem Privathaushalt einen derzeitig durchschnittlichen Lohn von mindestens 12 €/Stunde.

Das steht alles in keinem Verhältnis.

Klar, man kann sicherlich Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern holen, die kann man dann ggf. noch billiger beschäftigen...und die Examinierten können sehen wo sie bleiben...
Es kann mir keiner sagen, dass eine Ausbildung zur examinierten KP oder AP in osteueropäischen Ländern unserem Standard entspricht, von den mangelnden Deutschkenntnissen mal gar nicht zu reden.

So lange Einrichtungen auf Gewinn aus sind und mit möglichst minimaler Besetzung einen großen Teil der Bewohner zu "versorgen", d.h. Arbeitsbedingungen ändern sich nicht und der Lohn auch nicht, werden mit Sicherheit keine jungen Menschen mit Freude in die Pflege gehen wollen.

Eine große Lobby für bessere Pflegebedingungen, sprich mehr Personal vor Ort, wären eigentlich die Angehörigen oder die Pflegepersonen selbst.
Wenn ich mir vorstelle, 3800 € oder mehr monatlich für einen Heimplatz zu zahlen und ich müsste 20 Min. oder länger darauf warten, dass jemand kommt und mich auf die Toilette bringt, morgens husch husch mit dem Waschlappen durch das Gesicht fegt, mir die Hälfte meines Essens vorenthält weil "meine Zeit abgelaufen ist", ich nachts 1 Stunde im nassen Bett liege weil die PK 40 und mehr Bewohner betreuen muss und sich ja nicht zerteilen kann...ich würde mich bedanken!!!
Für das Geld kann ich mir ein Zimmer in einem schönen Hotel nehmen und eine PK aus Polen und würde eventuell das gleiche zahlen.

Meine Lösung? Z.Zt. keine.
 
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Zitat:
Für das Geld kann ich mir ein Zimmer in einem schönen Hotel nehmen und eine PK aus Polen und würde eventuell das gleiche zahlen.
@ Böserwolf,
ein bischen rechnen würde vermutlich schon genügen um zu erkennen, das dies eine "Stammtischparole" ist - oder anderst gesagt - reine Stimmungsmache.
Aber mal im Ernst: du forderst für uns PK mehr Gehalt (bin ich auch dafür) sagst im Gegenzug die Bewohner zahlen zu viel für die Leistungen, die die Bewohner erhalten. So weit so gut.
Hast du dabei bedacht, wenn die Bewohner alles bezahlen? Die Nachtwache, die Frühschicht, die Spätschicht, die PDL, die HW, die Personalabteilung u.s.w.
Lisy
 
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Für 80 €/Tag kannst du gut im Hotel wohnen und hast auch noch dein Essen. Eine PK aus Polen kostet dich ca. 1000 € im Monat, da bist du bei 3400 €.

Ich weiß, was die Bewohner zahlen und das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die von Bewohnern bzw. Angehörigen. Man zahlt 4000 € im Monat und hat ein Minimum an Versorgung und jetzt erzähl mir nicht, dass das nicht stimmt. Oder hast du Zeit mit Frau Meier nachmittags einen Spaziergang zu machen???
 
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Zitat:

Hast du dabei bedacht, wenn die Bewohner alles bezahlen? Die Nachtwache, die Frühschicht, die Spätschicht, die PDL, die HW, die Personalabteilung u.s.w.
Lisy
Sag doch einfach das Personal, die Energiekosten, Versicherungen, Essen und Getränke, Materialkosten, Handwerker, Reparaturen, Wasser, Abwasser, Zinsen für Kredite etc.pp
 
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Naja im Prinzip habt ihr ja alle Recht. Aber wirklich, wenn ich mir so überlege, was die Leute so zahlen für nen Heimplatz und dafür bekommen? Prost Mahlzeit kann ich da nur sagen. Apropos Mahlzeit, schon das Essen manchmal, da kann ich nur sagen, na guten Appetit! Und die Bew. sind zufrieden, scheint mir. Die einzige Beschwerde, die ich immer wieder höre ist eigentlich nur, ach wenn ihr doch nur mehr Zeit hättet.
 
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Zitat:
Für 80 €/Tag kannst du gut im Hotel wohnen und hast auch noch dein Essen. Eine PK aus Polen kostet dich ca. 1000 € im Monat, da bist du bei 3400 €.

@böserwolf,
dann melden wir uns alle am besten Arbeitslos und holen die "Sklaven" aus Polen zur Versorgung unserer Pflegebedürftigen.
(Nichts für ungut, aber das mußte jetzt sein.)
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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Eine PK aus Polen kostet dich ca. 1000 € im Monat
Dann arbeitet die aber schwarz .Schau Dir mal die Preise bei den "legalen " Anbietern an .Da bist Du ganz schnell auch bei 2000-2500€/Monat .

LG
 
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thorstein

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AW: Zukunft der Fachkräfte!

Das ist eine traurige Diskussion. Ein Pflegeplatz kostet 3000 Euro und was bekommen die Pflegebedürftigen dafür? Eigentlich die richtige Frage, aber die Antwort scheint niemanden zu interessieren.

Wenn man darüber nachdenkt, was eine Stunde tatsächlich stattfindende Grundpflege, also direkte Pflege am Bewohner kostet, kommt man auf ca 40 Euro.


Woran liegt das? Pflegekräfte werden auch bezahlt wenn sie Urlaub haben oder krank sind. Pflegekräfte machen Übergaben, richten Medikamente, planen und dokumentieren die Pflege.

Da gibt es Pflegekräfte, die gar nicht in der direkten Pflege arbeiten und auch bezahlt werden müssen: PDL, Überleitung, QM usw.

Wenn wir als Pflegekräfte fordern, dass wir durchschnittlich 2h direkte Pflege pro BewohnerIn für eine angemessene Versorgung brauchen, würde das bedeuten, dass alleine 2400 Euro für die Pflege anfallen! Das wäre der Preis für 2h direkte Pflege pro Tag in einem Heim. Zu viel verlangt?


Ich bin der Meinung, das geplante Pflege Zeit braucht und auch bezahlt werden muss, ich bin der Meinung, dass Übergaben wichtig sind und auch bezahlt werden müssen, ich bin der Meinung, dass Heime eine PDL und ein Qualitätsmanagement brauchen und das auch etwas kosten darf.


Muss man sich ernsthaft wundern, dass die Gesellschaft nicht bereit ist, diese Kosten zu tragen, wenn auch uns Pflegekräften unsere Arbeit offensichtlich nichts wert ist? Wenn auch die Pflegekräfte selbst nicht erklären können, warum ein Heimplatz mit 3000 Euro unterfinanziert ist, wie soll sich dann etwas ändern? Mit diesen 3000 Euro lassen sich gerade mal 80 Minuten direkte Pflege pro BewohnerIn finanzieren. Das erklärt, warum wir ständig von BewohnerIn zu BewohnerIn hecheln und nie Zeit haben.
 
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