Anästhesie Zukunft der Anästhesiepflege

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teilet

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Hallo,
bin in der Anästhesie tätig und merke gerade das meine Qualifikation als Fachpfleger gerne benutzt wird um Parallelnarkosen durchzuführen....Wie geht es euch? Ist der Anästhesistenmangel auch schon in euren Abteilungen angekommen und nimmt die wirtschafliche Zwangsjacke der Krankenhäuser euch auch schon in die Pflicht bzw. Verantwortung?
Freue mich über Feedback..
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Anästhesie
HBR69

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Wenn man sich die einschlägige Fachliteratur anschaut weiß man eigentlich ziemlich schnell wohin die Anästhesiepflege abgleitet!

In einem Flyer der Helios-Akademie heißt es: „Mit der Zusatzqualifikation zum Medizinischen Assistenten eröffnet Helios neue Perspektiven in den Pflegeberufen. Erstmalig ist es für hochmotivierte Mitarbeiter möglich, auch im nichtärztlichen medizinischen Bereich das eigene Kompetenz- und Qualifikationsspektrum über die Fachpflegeausbildung hinaus zu erweitern.” Ziel dieser Maßnahme ist es, wie es weiter heißt: „Ärzte in ihrer Tätigkeit zu entlasten und ihnen einen Zeitgewinn für die medizinische Entscheidungsfindung zu ermöglichen.”

So kann man es auch ausdrücken!!! Hier will der Arbeitgeber nichts anderes als sparen! Nämlich ärztliches Personal!! Oder was will uns die Helioskliniken damit sagen???

Die Fachausbildung (wird als solche nur in den Helioskliniken anerkannt) setzt sich aus mehreren Modulen (5 im theoretischem Teil) zusammen. Danach kommt dann noch der praktische Bereich dazu.

- Einleitug der Narkose: 50 Anlagen eines i.v. zuganges, 50 Maskenbeatmungen, 50 Laryngsmasken anlegen, 50 Intubationen.

- Narkoseführung: Beurteilung der Narkosetiefe, Beurteilung der Atmung/Beatmung, Beurteilung der Herz- Kreislauf- Funktionen, 100
Narkosen überwachen, 50 regionale Anästhesien beurteilen und überwachen.

- Ausleitung der Narkose: 100 Narkosen ausleiten,

- Postoperative Überwachung im Aufwachraum, Analgesie, klinische Beurteilung der Atemfunktion und Kreislaufüberwachung.

Gedacht ist diese Art der "Fachweiterbildung" als Ergänzung zur Fachweiterbildung I/A da diese sich innerhalb der Weiterbildung mehr und mehr der Intensivpflege zugewand hat. So sind z.B. die Einsatzzeiten in der Anästhesie zu Gunsten der Intensivpflege ziemlich reduziert worden.

Ich frage mich allerdings, was diese Art der Ausbildung soll und warum eine "normale" Fachweiterbildung in diesem Bereich nicht mehr ausreichen soll. Hier wird versucht den Pflegenden mehr Kompetenzen zu geben damit eine Pflegekraft während der Narkose den Patienten alleine versorgen kann.
Gegen die Parallelnarkosen sind die Ärzte schon Sturm gelaufen. Ich glaube, es gibt schon ein Gerichtsurteil das diese, fast schon gängige Praxis, verbietet.

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
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Tinimaus

Hallo ihr
bei solchen Themen werde ich schnell total gefrustet und wütend...:mad_2:

Wer haftet da?? Weiss das der Patient?? Wer bezahlt mich dafür?? Wer übernimmt meine Tätigkeiten die dadurch liegen bleiben?? Vielleicht will die Pflegekraft das gar nicht?? Qualitätsmanagement?? Ist alles gesetzlich geregelt??
Ich weiss net, mich macht das sooo nachdenklich und besorgt... Nicht das die Pflege das alles nicht könnte im Normalfall...
Ich denke mir in manchen Situationen oft im stillen: Muss erst was passieren damit die Leute die das entscheiden aufwachen und sich was ändert???

Arbeite zwar auf Intensiv, kann also im Anästhesiebereich nicht mitreden aber bei uns ist es ähnlich nur halt mit anderen Tätigkeiten...

Wie fühlt ihr euch dabei wenn ihr alleine seid?? Ich glaub ich hätte schiss :cry:

LG TINI
 
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Surrogat

Hallo miteinander,

egal was wir aus er A+I-Ecke davon halten - die Anästhesiologen sind sich da wohl eher einig; finanzielle Verbindlichkeiten hin oder her...

Gruss,

Surrogat

Parallelnarkosen gefährden Patientenleben
Wie viel Arzt verdient der Patient?

Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) lehnt die - auch nur zeitweilige - Betreuung von Patienten während der Narkose durch Medizinische Assistenten für Anästhesiologie (MAfA) strikt ab. Bei über acht Millionen Narkosen im Jahr könne der Kostendruck im Gesundheitswesen nicht mit der Einschränkung medizinischer Leistungen einhergehen, so Professor van Aken, Präsident der DGAI und Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Münster im Vorfeld des Deutschen Anästhesiecongresses in Hamburg.

Anästhesiezwischenfälle sind lebensbedrohliche Krise

Schwere Anästhesiezwischenfälle sind selten, aber wenn sie auftreten, dann handelt es sich häufig um lebensbedrohliche und gefährliche Krisen. In solchen Situationen ist fachärztliches Know-how unabdingbar, um drohenden Schaden vom Patienten abzuwenden. Oft liegt zwischen dem Erkennen eines sich ankündigenden Zwischenfalls und dessen Beherrschen nur wenige Minuten, so die Experten der DGAI. Ist der Anästhesist, wie im "MAfA-Konzept" vorgesehen, in Rufweite, beispielsweise in einem anderen Operationssaal, fehlen diese lebenswichtigen Minuten. "Hinzu kommt, dass die ersten Alarmzeichen einer Komplikation oft nicht erkannt werden und der Anästhesist oft auch nicht gerufen wird. Man darf nie vergessen, dass auch Routineeingriffe nie ganz risikolos sind. Hat der Arzt bei einem Zwischenfall sogar zwischenzeitlich den OP verlassen, dann liegt außerdem ein schwerer Kunstfehler vor", sagt van Aken. "Anästhesie-Führung erfordert eine kontinuierliche Überprüfung von Diagnosen und Therapie. Auch medizinische Risiken müssen bei einer Abwägung berücksichtigt werden. Das fällt eindeutig in den Kernbereich ärztlicher Tätigkeit", erläutert der Präsident der DGAI.

Vergleich mit anderen Ländern hinkt

Die Berufung auf ein "Schweizer Modell" oder Erfahrungen anderer Länder, wo Parallelnarkosen historisch gewachsen sind, hält van Aken für äußerst bedenklich: "Ob Anästhesien in diesen Ländern gefährlicher oder gar sicherer sind als in Deutschland, ist nicht untersucht", so van Aken in einem Artikel der Fachzeitschrift AINS "Anästhesiologie Intensivmedizin Notfallmedizin Schmerztherapie". Auch ein gelegentlich gezogener Vergleich mit den USA hinke. Dort werden an vielen Kliniken Narkosen von CRNA-Fachschwestern, also Certified Registered Anesthesia Nurses, durchgeführt, mit guten Ergebnissen, wie van Aken berichtet. Doch diese verfügten anders als die Medizinischen Assistenten für Anästhesiologie über eine mehrjährige universitäre Ausbildung und sie würden auch in den Kliniken besser trainiert als MAfAs in Deutschland.

Wie ein Flugzeug ohne Pilot

Professor van Aken vergleicht tödliche Narkosezwischenfälle mit Flugzeugabstürzen. In der Luftfahrt käme niemand auf die Idee, den Piloten durch weniger qualifiziertes Personal zu ersetzen. Dies sollte auch im Operationssaal so sein, wo der Anästhesist mit dem Operateur die wichtigste Schlüsselperson für die Sicherheit und das Leben der Patienten ist.

Quelle:

Th. Prien, E. Biermann, H. van Aken, Parallelverfahren in der Anästhesie: Ja oder Nein?; AINS - Anästhesiologie Intensivmedizin Notfallmedizin Schmerztherapie 1-2007, Georg Thieme Verlag, Stuttgart
 
HBR69

HBR69

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Anscheinend ist der Druck aus dem Anästhesistenbereich (BDA und DGAI) so groß geworden bzw. vieleicht??? auch durch einen Narkosezwischenfall haben sich die Helioskliniken dazu durchgerungen, das Konzept der Ausbildung zum MAfA abzuändern.

Sehr merkwürdige Vorgänge dort. Leid tun mir die Leute, die viel Geld in die "Ausbildung" gesteckt haben (um 5000 €) ohne, dass sie dadurch nun (rechtlich abgesichert!!!) anders arbeiten "dürfen" als alle "normalen Fachkrankenpfleger".....

Bin mal gespannt ob dies auch zum Thema auf dem Intensivpflegekongress in Weimar sein wird. Dort gibt es mehrere Themenblocks zum Thema Recht und da genau um die delegierbaren Tätigkeiten.

Gruß
Heike
 
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Tinimaus

Hallo Surrogat,
das sind sehr eindeutige Stellungnahmen... Beruhigend :eek:riginal:
Eigentlich logisch, denn es würde ja auch niemand auf die Idee kommen sich von ner Krankenschwester ne Hüfte einklopfen zu lassen... :wink:

Warum kommen solche Diskussionen oft in der Anästhesie auf??
sind Chirurgen immer noch heilig?? Oder gibt es dort ähnliche Diskussionen wegen Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten??
Bei uns niemals denn da sind die Chirurgen Götter :spinner:
LG Tini
 
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xray3279

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Immer wieder lese ich wer hier haften soll? Und das diese arztliche Tätigkeiten sind!
Ist die Einstellung der Beatmungsparameter auf einer ICU auch nicht Anästhesiearzt Aufgabe, und machen das in Real nicht eigentlich die Pflegekräfte? Wer haftet denn da wenn was passiert?
 
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Surrogat

Hmmm,

ich würde 'mal sagen, das, so ein Arzt mir -fehlerhafte- Parameter zu Einstellung vorgibt, Anordnender und Durchführender haften; schliesslich ist es als Fachkraft natürlich meine Aufgabe, die ärztliche Anweisung auf Risiken und Plausibilität zu prüfen.

Verstelle ich die entsprechenden Parameter nach eigenem Gutdünken und ohne Arztrücksprache, so hafte ich als Verursacher natürlich alleine.

In der so oft beschworenen Realität ist es vieleicht sogar besser, das Pflegekräfte die Geräte bedienen - wenigstens haben wir i.d.R. eine Einweisung nach MPG...was, so denke ich, den Unterschied zwischen fahrlässigem und grob fahrlässigem Handeln ausmachen könnte.

Gruss,

Surrogat
 
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xray3279

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Was ich damit sagen möchte, das wir manche Aufgaben selbstverständlich annehmen und durchführen (ärztliche), wenn dann aber neue Aufgaben auf uns zukommen, sind wir am schreien.
Wir sollten uns nur in der Pflege einig sein was wir machen, entweder Back to Basic oder offen für neue Anspruchsvolle Tätigkeiten, natürlich müsste da der Gesetzgeber noch nachziehen.
 
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Das Optimale ist die Teamarbeit. Da sollte es zwischen der Ärzteschaft und den Fachpflegern eigentlich keine Probleme geben. Natürlich übernimmst du als Fachpflegekraft auch Aufgaben aus dem ärztlichen Bereich. Dafür lernen wir aber auch 2 Jahre nichts anderes. Trotzdem hört die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten damit auf wenn es um die eigenständige Narkosenführung geht. Dagegen, dass mein Anästhesist mal für eine Zigarette kurz den Saal verlässt hat ja keiner etwas. Wenn aber während der Ausleitung inklusive der gesamten Narkosezeit nur sporadisch mal ein Arzt durch die Tür schaut....na ja, dass kann es ja nicht sein, oder? Mal abgesehen davon, dass dies rechtlich überhaupt nicht abgesicht ist!

Wie geschrieben, es geht nicht um die Tätigkeiten die wir sowieso mitgestalten müssen aber solange ich mein Handeln nicht rechtlich abgesichtert bekomme habe ich ein Problem damit!
Da ist die Respiratoreinstellung noch das kleinste Problem....

Gruß
Heike
 
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Tinimaus

Hallo rettungsmaus, kann dir nur zustimmen!

Hallo xray, ich denke nicht das alle schreien wegen neuen Tätigkeiten,
aber wenn ich welche übernehmen soll dann müssen mir auch andere pflegefremde tätigkeiten abgenommen werden!! Davon machen wir nämlich auch noch genug... denke ich

LG Tini
 
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