Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

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carnik

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02.02.2010
Bonn
Hallo liebe Pflegegemeide,

wer einen alten und hilfsbedürftigen Menschen über längere Zeit pflegt oder gepflegt hat, kann vermutlich diese Schilderung und die sich daraus ergebenden Überlegungen nachvollziehen:

Meine Mutter (im März 95, noch Pflegestufe 2) wird seit etwa 6 Jahren von meiner Schwester (heute 70 Jahre) zu Hause gepflegt. Im letzten Jahr habe ich (67 Jahre) zu ihrer Entlastung diese Pflege von Fall zu Fall über einige Wochen in meinem Haus übernommen, weil meine Schwester körperlich und seelisch am Ende war. Nicht so sehr die eigentliche Pflege ist so belastend, sondern vielmehr die vielen Wünsche unserer Mutter drumherum, die dazu führen, dass man Tag und Nacht zur Stelle sein muss. Wenn sie nicht gerade schläft, ruft sie permanent nach einem, weil sie irgend etwas hat oder möchte.

Notwendige Aufenthalte in Krankenhäusern oder mal eine Kurzzeitpflege in verschiedenen Altenheimen waren und sind für unsere Mutter in höchstem Maße belastend. Sie will nur eines, wieder nach Hause. Kurzzeitpflegeaufenthalte haben wir daher immer vorzeitig abgebrochen.

Nun ist unsere Mutter seit 1 Woche wieder in einem weiteren und neuen Heim in einer Kurzzeitpflege, die auf 4 Wochen angelegt ist. Wir besuchen sie dort täglich gemeinsam oder wechselweise für mehrere Stunden. Schon wenn wir kommen, sagt sie jedes Mal nach dem bekannten Muster: Nehmt mich mit nach Hause, ich halte es hier nicht aus, obwohl es in diesem Heim in allen Belangen sehr schön ist.

Nun müssen wir, da wir dieses alle zu Hause nicht mehr leisten können, ernsthaft darüber nachdenken, unsere Mutter auf Dauer in diesem Pflegeheim zu belassen, was wir bislang immer abgelehnt haben. Wenn wir uns dafür entscheiden sollten, was auch neben einer externen Dauerpflege zu Hause die einzige Alternative ist, wäre das für unsere Mutter trotz dauernder Besuche von uns unerträglich.

Zu diesem Zielkonflikt bin ich für Meinungsäußerungen dankbar.

Beste Grüße
Carnik

P.S. Unsere Mutter hat uns in den Kriegsjahren und danach (Vater war im Krieg und ist später an den Kriegsfolgen gestorben) in rührender Weise und aufopfernd groß gezogen. Bis heute sind ihre Kinder ihr Ein und Alles.

Haben jetzt nicht auch die Kinder eine Bringschuld und unterlassen die Heimunterbringung?
 
Qualifikation
Pensionär
Fachgebiet
Unterwegs/Zu Hause
P

pegean

Unterstützer/in
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22.09.2009
düsseldorf
AW: Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

Hallo !

Die Bringschuld die Ihr jetzt habt ist dafür zu sorgen daß Eure Mutter gut gepflegt wird und all das bekommt was sie benötigt .Da Ihr ja auch nicht mehr die jüngsten seit könnt Ihr das auch gar nicht mehr alles allein schultern.
Das Verhalten der Mutter ist für mich nicht unbekannt .Unlängst starb bei uns eine Frau 99 J. nach 2 jährigem Aufenthalt ,für sie war der 80 j.Sohn immer der "Buhmann" und der "Kleine"
der sie nicht zu Hause haben wollte ihrer Meinung nach.Daß der "Junior" aber selbst schon einen Rollator benötigte um vorwärts zu kommen interessierte sie einfach nicht.
Wenn das Heim gut ist laßt die Mutter da .Vielleicht solltet Ihr versuchen die Sätze wie "nehmt mich mit nach Hause ..." zu überhören und irgendwie das Thema zu wechseln.Natürlich
weiß ich das so etwas sehr schwer fällt weil es die Mutter ist.Aber holt Euch Hilfe von den Mitarb. des WB .Diese kennen diese Situationen und können dementsprechend handeln.

LG
 
Qualifikation
krankenschwester
Fachgebiet
altenheim-lt.nachtwache
weissbrk

weissbrk

Unterstützer/in
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07.03.2006
Münster
AW: Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

Hallo Carnik,
obwohl die Grundsituation bei mir vor einigen Jahren eine ganz andere war, äußere ich mich trotzdem.. es ging um meinen Schwiegervater, der nach einem Sturz plötzlich zum Pflegefall wurde.
Ich wurde eher von meinem Umfeld subtil unter Druck gesetzt, dass es doch wohl meine Pflicht....
Es war für mich aber klar, dass ich nicht in der Lage bin, ihn langfristig so zu pflegen, wie es richtig und angemessen wäre.
Hätte ich den Versuch gemacht, wäre ich irgendwann zusammen geklappt... und dann hätte er von heute auf morgen irgendwo untergebracht werden müssen, ohne die Chance, eine Wahl beim Heimplatz zu haben, ohne die Chance, ihn bei dem Übergang zu begleiten.
Diese Überlegung hat meine moralische Position für mich gestärkt.. dass es nämlich keineswegs purer Egoismus ist, einen Angehörigen ins Heim "abzuschieben".. sondern es einfach auch für sein Wohlergehen besser sein kann. Auch wenn der Übergang schwierig ist bzw sein kann.
Meiner Meinung nach ist weder Pflege zu Hause noch Pflege im Heim richtig oder falsch. Das kann immer nur ganz individuell entschieden werden, unter Berücksichtigung der Belanger aller Beteiligten, also auch derer, die die Pflege durchführen.
Ich habe mir damals sehr genau überlegt, was ich auf die Dauer leisten kann..also nicht nur in den nächsten 3 oder 4 Monaten.
Und Fachleute (Sozialdienst, Hausarzt, Pflegedienst) gefragt, was auf mich zu kommt, wie ich meinem Schwiegervater gerecht werden kann, ohne mich selber aufzugeben.

Fragt doch mal nach, wie es Eurer Mutter geht, wenn Ihr nicht da seit. Mehrstündigen tägliche Besuche sind, denke ich, keine wirkliche Pause, besonders von der psychischen Belastung.
Und erkundigt Euch nach der Machbarkeit der Dauerpflege zu Hause.
Ich habe allergrößte Hochachtung vor der Leistung, die Ihr in den letzten 6 Jahren erbracht habt. Und ich denke, dass Ihr richtig handelt, darüber nachzudenken, wie es weiter geht. Die Bringschuld der Kinder ist es meiner Meinung nach, nach besten Möglichkeiten für das Wohlergehen der Eltern zu sorgen, wenn diese es brauchen. Und manchmal ist die beste Möglichkeit eben auch eine Heimunterbringung.
Ich wünsche Euch viel Kraft und egal wie Ihr Euch entscheidet.. unterstützt Euch weiter gegenseitig und stellt Eure Entscheidung nicht im Nachhinein in Frage.

mit den besten Wünschen für Euch alle
weissbrk
 
Qualifikation
Verwaltung
Fachgebiet
privat
Joan Doe

Joan Doe

Unterstützer/in
Basis-Konto
23.06.2009
Wolfsburg
AW: Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

Moin carnik

Ich kann den Antworten meiner Verschreiber nichts hinzufügen. Besonders die Aussage von weissbrk:
Fragt doch mal nach, wie es Eurer Mutter geht, wenn Ihr nicht da seit.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es die Bewohner oft ganz zufrieden sind - wenn die Angehörigen nicht da sind. :whistling

Wenn ihr mit dem Heim zufrieden seid und ein gutes Gefühl dabei habt ....

Ich selbst (arbeite im amb. Bereich) habe oft die Erfahrung machen müssen, dass die Angehörigen sich bis an die Grenzen der Selbstaufgabe aufarbeiten. Wenn es dann bei euch zum Zusammenbruch kommt ist keinem geholfen.

Wechselt euch mit den Besuchen ab, damit jeder von euch mal Pause hat. Haltet möglichst feste Zeiten ein - nicht einen Tag von 14 - 16 Uhr und am nächsten Tag wann anders. Einen Tag du, einen Tag deine Schwester.

Eure Batterien müssen jetzt die Möglichkeit haben, mal wieder aufzuladen.

Ich wünsche euch viel Kraft bei eurer Entscheidung - die euch sicher nicht leicht fallen wird.


Liebe Grüße von Joan
 
Qualifikation
Altenpflegerin/Sozial- und Pflegeberater in der Altenhilfe
Fachgebiet
Arbeitsuchend
H

husChel

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15.08.2009
07549
AW: Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

Ich kann mich auch nur anschließen!
Ich arbeite in einem Altenheim und erlebe Neuaufnahmen hautnah mit.
Wenn die Kinder kommen wird gesagt wie schrecklich es ist und die Bw betteln um wieder mitgenommen zu werden.
Natürlich ist es zu Hause im gewohnten Umfeld und bei den liebsten schöner aber oft ist ein Pflegeplatz das Beste für alle Beteiligten.
Ein guter Tipp: Reduziert die täglichen Besuche, das tut eurer Mutter und euch nicht gut!
Oft warten Bw nur auf diesen Besuch und rundherum ist alles uninteresssant, sie fixieren sich auf diese Besuche!

Lg
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Altenplege
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carnik

Mitglied
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Themenstarter/in
02.02.2010
Bonn
AW: Zielkonflikt: Häusliche Pflege oder Altenheim

Allen herzlichen Dank für die Tipps, Anregungen und Hinweise. Gerne werden wir sie beachten.

Beste Grüße
carnik
 
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Pensionär
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Unterwegs/Zu Hause
Pflegeboard.de

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05.07.2001
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