"Zertifikat"

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manu1511

Neues Mitglied
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07.05.2006
44869
Hallo,
unser Haus soll im Oktober zertifiziert werden und ich möchte gerne wissen wie sowas eigentlich ablaufen soll?????Kann mir einer vielleicht mal eine Info darüber geben der sowas eventuell schon mal mitgemacht hat????Kann mir nicht vorstellen wie das vonstatten gehen soll unsere WBL konnte uns das auch nicht so genau sagen!!!!



MfG
manu1511:icon_wave
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Altenheim
S

Surrogat

Kurz gesagt: Eine Gruppe von externe Visitatoren prüft das Qualitätsmanagement und die allgemeinen Arbeitsabläufe eures Hauses - natürlich gegen bare Münze.
Der gesamte Prozess kann leicht zwei jahre in Anspruch nehmen.

Das geschieht in Form von Fachkonferenzen, Einzel- und Gruppengesprächen oder auch angekündigten Stationsbegehungen.
Im Laufe des Prozesses werden dann, meist schon seit Jahren fehlende bzw. unzeitgemässe Standards bearbeitet, Personal in bestimmten Pflichtveranstaltungen geschult (z.B. Reanimation und Brandschutz), das Layout der klinikeigenen Homepage und die klinikinterne Beschilderung überarbeitet, Dokumentationsverfahren für jeden noch so kleinlichen bürokratischen Akt ersonnen etc. etc.

Selbstbewertungen leiten den Prozess weiter.

Betroffen sind alle Ebene der Arbeitskräfte, vom frischesten Azubi bis zur Geschäftsleitung - das Arbeitsklima leidet meist gehörig unter dem Druck der aus der "Entscheiderebene" auf die niederen Bediensteten (das sind wir, zur Info) ausgübt wird...

Irgendwann kommt es dann zu angekündigten "Probevisitationen" auf allen Stationen/Fachbereichen bei denen ein Tross von 2 - 4 Visitatoren (gefolgt von ca. 5 - 15 Mitarbeiter der "Entscheiderebene") die entsprechenden Bereiche abgeht, Dokumente und Arbeitsabläufe kontrolliert und danach einen umfassenden Bericht erstellt.
Die entsprechenden Qualitätsmängel werden dann auf den entsprechenden Stations- oder Leitungskonferenzen besprochen und behoben.

Hierauf wird dann in Richtung der "Echtzertifizierung" hingearbeitet, heisst für die Angestellten der niederen Ränge: noch mehr Nachschulungen, Audits und die beständigen Hinweise der Stationsleitungen "das ja noch SOOO viel für die Zertifizierung getan werden muss" - ausserdem wird man plötzlich mit einer wahren Flut an Dokumentation konfrontiert, die das Arbeiten zwar nicht erleichtern, dafür allerdings die Bürokraten der Entscheiderebene glücklich machen.

Bei der Echtzertifizierung herrscht dann nochmal 2 - 3 Tage Stress und mit ein wenig Glück entgeht man dem ganzen Trubel a) durch geplanten Urlaub oder b) durch die einfache Tatsache das die Patientenversorgung immer Vorrang hat...und dann gibt`s ein schön gedrucktes Zertifkat, das Ihr dann im Eingangsbereich aufhängen könnt; und die örtliche Tageszeitung widmet euch ein paar Zeilen:thumbsup:

Irgendwann wird diese Zertifizierung in der gesundheitspolitischen Planung dafür sorgen, das Kassen mit euren Kliniken individuelle Verträge aushandeln, da ihr zertifizierte Mindeststandards erfüllt - ausserdem könnten Privatpatienten sich eher für euer Haus entscheiden (Gründe ditio).
Wie realistisch das ist...nun ja.

Das je irgendeine Klinik o.ä. eine Zertifizierung nicht bestanden hätte wäre mir nicht bekannt...bis zur "Zeugnisübergabe" ist ja auch schon genug Geld geflossen - ein Schelm wer Arges dabei denkt :wink:

Nach jeweils drei Jahren steht eine Re-Zertifizierung an.


Zusammenfassend kann ich, trotz des hoffentlich erkennbaren ironischen Untertones, sagen das die Zertifizierung durchaus sinnvoll ist, da sie die Entscheiderebene zwingt schon seit Jahren bestehende Mängel (Typ: "das machen wir schon immer so!") abzustellen und bestimmte Arbeitsschritte endlich im Ablauf flüssiger zu gestalten.
In den meisten zertifizierten Betrieben die ich kenne wurde auch noch geräte- und bautechnisch plötzlich einiges auf den aktuellen Stand gebracht (insbesondere im repräsentativen Verwaltungsbereich - für den Stuhl in dem mein Einkaufsleiter seit neuestem sitzt könnte ich mir eine komplette HiFi-Anlage kaufen :mad_2:)
Der Stress der während des Prozesses entsteht war jedoch völlig unnötig und entsteht meist dadurch, das Entscheidungen und Handlungsschritte bis kurz vor den jeweiligen Kontrolltermin geschoben werden.

Zertifizierung können natürlich auch anders ablaufen - je nanchdem welches Institut man beauftragt und welchen Standard man für welchen Bereich (KH, Altenheim, Reha,etc.) erfüllen will...

...mein Haus ist seit April 2006 nach ProCumCert zertifiziert!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Info`s findest du u.a.hier:

News / KTQ

Homepage proCum Cert Zertifizierungsgesellschaft, konfessionell, Krankenhäuser, Sozialeinrichtung
 
Jürgen R.

Jürgen R.

Mitglied
Basis-Konto
15.06.2004
74074
www.cultus.info
Hallo,

auf welcher Grundlage werdet Ihr denn zertifiziert? ISO 9001, Diakonie-Siegel Pflege oder KTQ?
Falls KTQ, dann verläuft es so, wie "surrogat" das schon beschrieben hat.

Wenn ihr nach ISO oder Diakonie-Siegel zertifiziert werden wollt, dann wir zuerst mal vorab Eure Dokumentation (QM-Handbuch, Verfahren, Prozesse und Arbeitsanweisungen) geprüft. Diese Prüfung geschieht nicht in der Einrichtung, sondern beim Zertifizierungsinstitut. Daraufhin erhaltet Ihr einen Bericht darüber, ob die Dokumentation ausreichend und normenkonform ist. Bei positivem Bericht erhaltet Ihr dann einen Auditplan und einen Termin, wann das Zertifizierungsaudit durchgeführt werden soll. Das Audit kann je nach Mitarbeiterzahl der Einrichtung von mehreren Auditoren über ein oder mehrere Tage durchgeführt werden. Wie gesagt, das ist alles abhängig von der Anzahl der Mitarbeiter.

Ablauf des Audits: Zu Beginn findet ein Einführungsgespräch statt, an dem in der Regel die Führungsverantwortlichen teilnehmen. Der Auditleiter klärt dort u.a. über den Tagesablauf auf (Auditplan). Die Audits selbst werden dann "vor Ort" bei den Leitungskräften und Mitarbeitern durchgeführt. In der Regel werden die Mitarbeiter nach den Leitsätzen, der Pflegekonzeption und den Zielen der Einrichtung befragt und sollen zudem verschiedene Prozesse und Abläufe schildern, die der Auditor dann mit der Dokumentation auf Übereinstimmung vergleicht. Mitarbeiter werden in der Regel zwischen 5 und 15 minuten auditiert, danach geht´s schon woanders weiter. Zum Schluss gibt´s dann noch ein Abschlußgespräch, in dem auf die positiven und negativen Feststellungen eingegangen wird.

Wenn Euer QM-System mit der Dokumentation übereinstimmt und dazu noch alles normenkonform ist, dann bekommt Ihr euer Zertifikat.

Noch was zur Beruhigung: Gute Auditoren suchen nicht nach Fehlern, sondern nach Übereinstimmungen. Sie kommen aus dem Fachbereich "Gesundheitswesen" und sind daher nicht branchenfremd. Auch ist mir kein Fall bekannt, wo evtl. einer meiner Kollegen einen Mitarbeiter gebissen hätte. Seid einfach ganz ihr selbst und sagt das, was Ihr wisst und was Ihr tagtäglich in Eurem Job tut. Ihr dürft selbstverständlich auch gerne vor jeder Antwort überlegen oder Dinge hinzufügen, die ihr vielleicht zuvor vor Aufregung vergessen habt. Die Auditoren helfen Euch auch dabei.

Grüße,
Jürgen
 
Qualifikation
Heimleiter, Auditor, Unternehmensberater, Berufsbe
Fachgebiet
Selbständig
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Teammitglied
05.07.2001
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