GuK Zeitmanagement, Tipps und Tricks im Alltag

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Krankenflegel

Hallo liebes Forum,


ich bin auszubildender Krankenpfleger im 3.Lehrjahr und ich habe etwas Probleme mit meinem Arbeitsablauf. In meiner Einrichtung ist es oftmals üblich, dass Schüler - egal ob sie sich im 1. oder 3. Lehrjahr befinden - etwas niederer eingestuft werden als eine ausgelernte Fachkraft. Ist natürlich auch verständlich, aber ich muss die in der Schule gelernten Inhalte auch mal praktisch üben und wenn man ständig nur "Waschmaschine" spielt, dann ist das schlichtweg nahezu unmöglich. Man hat dazu aus Zeitgründen wenig Einblick in die Diagnosen und die Krankengeschichte des Patienten, dass man schon fast beim Waschen Arzt spielen muss und nochmals eine vollständige Anamnese durchführt. Desweiteren fehlt es an Organisation im Krankenhaus bzw. auf vielen Stationen, dass immer wieder Verbände, Infusionen und vom Arzt neu angeordnete Dinge vergessen werden und wenn mal nichts vergessen wird, dann sind Überstunden leider oft unabdingbar - es ist für mich persönlich die Hölle, weil die Patienten darunter leiden. Zum Beispiel wird dann der Verband im einen Zimmer gemacht, nur hat man den anderen Patienten vergessen und dieser muss eine Stunde warten, bis man ihn im Bett aufsetzt, sodass er endlich essen kann. Das ist am Ende einfach unbefriedigend - ich gehe dadurch oft nicht gerne zur Arbeit.
Stichwort hier vielleicht "Priorisierung", wenn jedoch extrem viele Aufgaben anstehen und immer etwas dazwischen kommt, sodass man den Zeitplan nicht einhalten kann, dann funktioniert das nicht.
Dann sind wir oft bei folgender Priorisierung:
12 Patienten im Frühdienst zu versorgen, davon 4 schwerpflegebedürftig, 2 OPs und außerdem können Neuzugänge noch jederzeit kommen. Wenn man diesen Bereich zu zweit zu versorgen hat, dann verzweifelt man morgens schon fast nach der Übergabe, weil man ganz genau weiß, dass ein Patient nicht die Hilfe bekommt, die er hätte brauchen können. Und plötzlich ist die Priorität eben nicht nur die geplanten OPs vorzubereiten, sondern eben auch bei der Körperpflege nur den Intimbereich und das Gesicht zu waschen.

Klar werde ich mir nach der Ausbildung eine Einrichtung aussuchen, die mir gefällt und wo die Organisation stimmt, aber ich möchte auch jetzt schon etwas ändern, weil es einfach keinen Spaß mehr macht.
Deshalb zu meinen Fragen, wo ich gerne eure Meinung, Erfahrungen und Tipps hätte:

Zeitmanagement: Mit welchen Tricks organisiert ihr euren Alltag, bei dem einem immer etwas dazwischengeschoben wird?
Ich mache beispielsweise kurz nach der Übergabe eine Art Zeitstrahl mit allen wichtigen Punkten, den Patienten und der groben Uhrzeit wie Körperpflege, Infusionen, Frühstück, Lagerungen, Medikamente etc. (sehr grob - Visite kann man zum Beispiel auch nicht zeitlich einplanen...). Wenn ich eine Aufgabe bekomme schreibe ich sie meistens immer sofort auf, sei sie auch noch so klein. Manchmal vergesse ich aber auch das und manchmal wird aus einer kleinen Aufgabe - wie eine Infusion anzuhängen - eine etwas größere, weil der Patient ein Ei gelegt hat. Das belastet mich einfach. Ich möchte ja, dass es dem Patient gut geht, aber ich werde gestresst, wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf habe, dass ich noch sooooo viel anderes erledigen sollte. Dann bin ich nicht bei der Sache, unkonzentriert, hektisch und eben nicht so gesprächig. Die Patienten merken das auch sicher oft, aber ich habe in diesem Moment einfach nicht den Kopf dazu Witze zu reißen wie ich das sonst gerne tue.
Wie regelt ihr das?
Außerdem renne ich echt immer hin und her. Mir wurde das auch schon bei einer Anleitung von der Schule angekreidet, aber ich möchte eben nicht zu viele Materialien verwenden und bin eher sparsam.
Ich weiß... hört sich ganz nach Helfersyndrom an, vielleicht der falsche Beruf usw. aber ich nehme für gewöhnlich keine Probleme nach Hause. Trotzdem gehe ich dadurch eben nicht mehr allzu gerne arbeiten.

Mein Text ist etwas unstrukturiert, aber es ist eben ein sehr allgemeines Problem, vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps für mich...
Ihr dürft mich gerne zitieren und Stellen, zu denen euch etwas einfällt, kommentieren!


Liebe Grüße

Der Krankenflegel
 
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Keßler

Themenstarter/in
Auaha !

Wie erklärt man am Telefon, wie man eine Krawatte bindet ?

Klauen ist : - mit den Augen gut. - mit den Fingern schlecht !

Gucke Dir einen älteren Kollegen aus, der - offenbar - alles im Griff hat.
Beobachte ihn und analysiere seine Arbeitsabläufe.
(In jedem Betrieb sind andere Abläufe zweckmässig.)
 
Falada

Falada

Mitglied
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17.11.2010
70374
Das Thema ist sehr brisant, v.a. weil unser Pflegeberuf zunehmend durch Zeitdruck und Aufgabenflut geprägt ist - sei es, weil die uns auferlegten Aufgaben immer mehr zunehmen, dabei immer kompexer werden und ein höheres Verantwortungspotenzial besitzen. Meist entsteht die persönliche Überlastung aber durch das häufige Arbeiten in Unterbesetzung, weil mehr vom Einzelnen verlangt wird, als was eigentlich zu schaffen und zu verantworten wäre. Wie geht man damit um?
Nun, zunächst einmal: Beanstanden! Klar, die meisten Pflegekräfte meinen, sich immer wieder zu beschweren, würde nichts nützen. Ich bin da anderer Meinung. Der stete Tropfen höhlt den Stein.
Ein verlässliches Zeitmanagement zu finden ist daher nicht leicht. Auch wir, die "alten Hasen" tun uns schwer damit, weil heute vieles anders läuft, als noch vor ein paar Jahren. Im Prinzip werden jeden Tag die Karten neu gemischt. Es kann sein, dass ich gestern noch problemlos 12 Patienten versorgen konnte und heute - unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen (z.B. Neuzugänge, neuen Schüler anleiten, neuer Arzt, schwierige Angehörige...) - sind bereits 6 Patienten eine Herausforderung.
Du wirst für dich deinen eigenen Weg finden müssen, evtl. in Zukunft auch dementsprechend eine Abteilung, die deinen persönlichen Möglichkeiten entspricht.
Eine persönliche Priorisierung - die rechtlich korrekt und persönlich auch vertretbar ist - ist unbedingt norwendig. Manche Einrichtungen verfügen auch über sogenannte "Notfallpläne" oder Priorisierungspläne bei Unterbesetzung. Sprich es evtl. mit deinen Vorgesetzten oder dem Betriebsrat ab.
Meine Liste sieht i.d.R. grob so aus:
Priorität 1:
Patientenversorgung: 1. ärztl. verordnete medizinische Versorgung, 2.Grundpflege, 3. Kommunikation
Priorität 2:
Dokumentation
Priorität 3:
Organisatorisches
Wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich alles korrekt durchführen konnte, evtl. aus Zeitdruck Wichtiges vergessen habe oder Aufgaben, die notwendig gewesen wären, nicht erledigen konnte, schreibe ich eine Überlastungsanzeige.
Und ein Tip noch: lerne zu delegieren!!! Viele Pflegekräfte meinen noch immer, sie müssten alles allein schaffen....
 
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Psychosomatik
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Praxisanleiter, Palliative Care, Entspannungstherapie
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Care2000

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18.02.2014
Berlin
Du bewegst dich mit deiner Prioriserung aber auf Glatteis. Ich würde zumindest die gesetzlichen Mindestangaben einer Dokumentation erfassen. Da man sonst bei einem Schadensfall in Haftung genommen werden könnte. Daher ist eine bestätigte "Überlastungsmeldung" bei dem AG in solchen Fällen gar nicht verkehrt. Im Nachgang eine Überlastungsmeldung schreiben ist immer etwas problematisch.

Ich würde dann nur den "kölsche Wisch" bei den Pflegebedürftigen machen und im grundpflegrischen Bereich nur das notwendigste. Wo steht geschrieben das morgens alle sauber und gestriegelt am Tisch/Bett sitzen - bin ich zuhause auch nicht immer.
 
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TQM Auditor, Gutachter, Wundspezialist, DCM, exam Krpfl. etc.
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Keßler

Themenstarter/in
Organisieren :

Falada hat hier einen sehr guten Aspekt angesprochen :

Auch ein Schüler darf/muss deligieren können/dürfen !
Gerade in der Prüfungssituation muss der Prüfling erkennen können, wann ihm der Aufgaben-/Arbeitsaufwand
über den Kopf wächst. Er muss im Stande sein adäquat zu reagieren = Hilfe anzufordern. (u.U. ein KO-Kriterium!)
 
dikle

dikle

Mitglied
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16.10.2008
83512
Du beschreibst hier - zwar etwas "ungelenk" aber dennoch sehr eindrücklich, wie der Alltag der Pflege in unseren deutschen Kliniken realistisch abläuft: Kampf ums nackte Überleben, ständig priorisieren und weglassen und dabei hoffen, dass niemand zu Schaden kommt ...
Der Gesetzgeber will dies offenbar so, de er die nachweislich annähernd 100.000 (gem. PPR) in den deutschen Krankenhäusern fehlenden Stellen ignoriert und "großkotzig" mit dem angekündigten Pflegeförderprogramm bundesweit in den kommenden drei Jahren gerade einmal etas mehr als 3.500 Stellen finanziert!

Zu deiner/eurer Sicherheit empfehle ich daher, den Arbeitgeber umgehend und stets via "Gefährdungsanzeige" (kann auch "Überlastungsanzeige" heißen) über die drohende Patientengefährdung, Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten sowie die nicht mehr zu erfüllenden (weggelassenen) Tätigkeiten in Kenntnis zu setzen. Damit geht der Teil der "Organisationshaftung" (personelle Unterbesetzung)rechtsgültig wieder an ihn zurück. Der Jurist würde sagen, er ist vom Status der "Gutgläubigkeit" ("... es funktioniert doch alles ganz gut ...") in den Status der "Bösgläubigkeit" (Jetzt kann er nicht mehr sagen, er habe es nicht gewusst!) versetzt.
Ihr seid allerdings nach wie vor für die fachlich korrekte Ausführung der - dann noch leistbaren - Tätigkeiten in der Verantwortung.

Da unser Pflegenotstand politisch gemacht/gewollt ist, wird dieser auch nur auf dieser Ebene zu bekämpfen sein. Wenn du also persönlich Dein Quäntchen dazu beitragen möchtest, empfehle ich dir, der einzigen Organisation beizutreten, die wirksam - weil mächtig genug - auf dieser Bühne etwas für uns erreicht hat und weiter erreichen kann: Der Gewerkschaft ver.di!
 
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OP/Chir. Notaufnahme
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