Sonstiges "Zahnräder im Kopf" - Wenn Theorie und Praxis Hand in Hand gehen

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Marco88

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(Ein freundliches hallo an alle Interessenten. Im Rahmen einer Facharbeit mit dem Titel "Der Weg zum Pflegefachartikel aus Sicht einer Wohnbereichsleitung" veröffentliche ich hier einen Pflegefachartikel mit dem Schwerpunkt der Anleitung von Auszubildenden im gerontopsychiatrischen Außeneinsatz.)

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Zahnräder im Kopf – Wenn Theorie und Praxis Hand in Hand gehen

Wenn man sich mit dem Thema der kommenden Generalistik beschäftigt, bemerkt man schnell welchen Stellenwert die Außeneinsätze in der neuen Pflegeausbildung erhalten. Die zukünftige Ausbildung der Altenpflege lebt von Einsätzen in unterschiedlichsten Einrichtungen. Dieser Umstand wird zu großen Anforderungen an die Träger dieser Außeneinsätze führen. Viele haben jedoch bereits jetzt Schwierigkeiten mit der sinnvollen Anleitung einzelner Praktikanten. In Zukunft wird sich die Anzahl von Praktikanten stark erhöhen. Ebenso erhöht sich die geforderte Anleitungsqualität. Die Zeiten, in denen ein Praktikant klischeehaft als „Kaffeebringer“ angestellt werden konnte, sind längst vorbei. Wenn Auszubildende nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gut ausgebildet sein sollen, muss sich jeder Träger mit dem Thema „Praktikantenanleitung“ auseinandersetzen. Auszubildende sind nur noch für kurze Zeitspannen in ihren Stammhäusern. Das Stammhaus wird darauf angewiesen sein, dass die eigenen Auszubildenden eine gleichbleibend, hochwertige Anleitung in ihren Außeneinsätzen erfahren.

Im Haus-am-Wunnenstein, in Winzerhausen-Großbottwar, ist es seit Jahren bereits gelungen eine gleichbleibende, hohe Qualität bei den gerontopsychiatrischen Praktika zu erzielen. Neben dem klassischen Einsatz im Pflegealltag und der sozialen Betreuung werden noch theoretische Komponente eingeflochten. So wurde eine Begleitmappe mit dem bezeichnenden Titel „Zahnräder im Kopf“ erstellt. Diese beinhaltet nicht lediglich Schulbuchwissen. Sie beinhaltet praktische Übungen aus der Sozialwissenschaft, ebenso wie anonymisierte Fallbeispiele aus einer psychiatrischen Einrichtung und einem geschlossenen Demenzbereich. Auszubildende führen „teilnehmende Beobachtungen“ durch, „Minimental-Status-Tests“ und ebenso „psychologische Befunderhebungen“. Sie verwerten die gesammelten Informationen zum Beispiel in Fallbesprechungen oder Evaluationen von Abläufen, wodurch die Erhebung dieser Daten einen Nutzen erfüllt und nicht nur sinnlos stattfindet. Ziel ist es, den Kontakt zu Menschen mit Diagnosen herzustellen, den sie bei ihren Ausbildungsträgern nicht herstellen können. Viele Auszubildende hatten erfahrungsgemäß noch nie Umgang mit einem schizophrenen Menschen. Es soll so ermöglicht werden, dass nicht nur Einzelne, sondern alle Praktikanten den gleichen Ablauf und somit eine hohe Qualität der Anleitung in ihrem Praktikum erleben. Natürlich genügt es nicht Arbeitsmaterial auszuteilen und den Auszubildenden damit alleine zu lassen. Ein Mitarbeiter mit entsprechendem Hintergrundwissen (im Fall des Haus-am-Wunnensteins, eine Fachkraft der Gerontopsychiatrie in berufspädagogischer Weiterbildung) nimmt den Auszubildenden an die Hand und arbeitet mit ihm zusammen jede Seite dieser Mappe durch. Es werden theoretische Inhalte, wie zum Beispiel Verhaltensregeln im Umgang mit bestimmten Diagnosen oder das Identifizieren verschiedener Arten der Demenz anhand von tatsächlich vorhandenen Bewohnern durchgeführt. Es werden praktische Aufgaben zusammen besprochen und Praktikanten bei der Durchführung angeleitet.

Praktikanten nehmen im Alltag ganz automatisch dem Team sehr viel Arbeit ab. Wenn die so gewonnene Zeit in den Praktikanten reinvestiert wird, indem sich jemand mit ihm beschäftigt, kann so ohne großen Aufwand viel Anleitungszeit generiert werden. In der Vergangenheit ist es im Haus-am-Wunnenstein gelungen durch solche durchgeplanten Außeneinsätze mehrere Auszubildende für die Einrichtung zu gewinnen. Auszubildende sind in der heutigen Zeit gut miteinander vernetzt, wodurch sich das wahrgenommene Bild einer Einrichtung unter zukünftigen Fachkräften schnell verbreitet. So kam es dazu, dass die Anzahl von sich bewerbenden Praktikanten im Haus-am-Wunnenstein in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. Ein Auszubildender der eine gute Anleitung in seinem Außeneinsatz erfahren hat, wird eine gute „Werbung“ unter anderen Auszubildenden für diesen Träger machen. In Zeiten des Fachkräftemangels sollte jede Chance auf zukünftige, gut ausgebildete Fachkräfte genutzt werden.

Ganz nebenbei hat dieses Projekt im Bereich der Gerontopsychiatrie das Potenzial die oft etwas in den Hintergrund geratene Weiterbildung zur staatlich anerkannten Fachkraft der Gerontopsychiatrie deutlich aufzuwerten.
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Über nützliche Anmerkungen freue ich mich immer sehr
 
Qualifikation
Fachkraft für Gerontopsychiatrie
Fachgebiet
WBL + Praxisanleitung
Wärter

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Ein schöner Artikel hier so früh am Morgen, den ich so voll und ganz unterschreiben kann. Ich bin auch sehr auf die Zusammenarbeit mit neuen Kooperationspartner im Rahmen der Generalistik gespannt und auch etwas angespannt, ob wir eine so große Zahl externer Auszubildender künftig kompetent werden anleiten können.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Stationär
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