Wundverbände bei exulcerierenden Tumoren

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F

Friedmar

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11.08.2000
56271
www.wfi.ch
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer hat Erfahrungen bei der Versorgung von Patienten mit exulcerierenden Tumoren? Ich bin beruflich damit beauftragt, zum Thema Wundversorgung Schulungen zu halten. Ich habe für die sonst üblichen Wunden wie Dekubitus, Ulcus cruris und chirurgisch-septische Wunden schon klare Vorstellungen, welche Wundauflagen man nehmen kann und welche therapeutischen Maßnahmen auch sonst zu tun sind. Aber mit solchen Tumorwunden im Endstadium hatte ich im Praxisalltag keinen Kontakt und in der Fachliteratur läßt sich hierzu auch keiner aus.

Wer möchte mir weiterhelfen? Gibt es irgendwo brauchbare Literatur? Über Hinweise würde ich mich freuen.
 
Qualifikation
Schulungsreferent, Zertifizierter Wundmanager
Fachgebiet
Akademie Zertifiziertes Wundmanagement - KAMMERLANDER-WFI
B

Bodo Josewski

Mitglied
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13.10.2000
Hallo Friedmar
Bei exulcerierenden Tumoren hilft als einziges die operative Versorgung. Solte diese nicht mehr möglich sein kann man eigendlich nur Symtombehandlung machen. Exulcerierte Tumore sind immer hochentzündlich so das die Wunde so abgedichtet werden muß das eine Keimverschleppung unterbunden wird, das ereicht man eigendlich nur mit einem Unterdruckverband. Ist der Tumor an einer Stelle wo das nicht möglich ist bleibt eigendlich nur die Reinigung der Wunde durch Spühlen ( Nacl 0,9%) Dabei aber immer an die Keimverschleppung denken!!!.
Mit das größte Poblem bei den Betroffenden und dem Pflegenden ist die extreme Geruchsbelästigung. Ich habe mal einen Patienten erlebt wo die Wundversorgung nur von zwei Pflegekräften im wechsel möglich war. Dagegen hilft Wundeinlagen mit Metronidazol (Clont) getränkten sterilen Kompressen. Das Antibiotikum filtert einen großen Teil des Geruchs heraus und hat dabei noch eine keimreduzierende Wirkung. Zudem Hilft noch eine Duftlampe mit ein paar Tropfen Zitronenöl. Solte das nicht möglich sein tut es auch ein nasser Waschlappen mit Zitronenöl auf der Heizung oder in der Sonne. ( möglich ist auch Orangenöl bitte keine anderen öle verwenden da Geruchssteigernd).
Es sind nur Massnahmen zur Reduzierung der Infektion und der
Geruchsbelästigung aber ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen. Bücher Über das spezielle Thema habe ich leider nicht gefunden,
Grüße
Bodo
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für tumorkranke Patentinnen und Patienten
Fachgebiet
Hämatologie/ Onkologie/ KMT
F

Friedmar

Mitglied
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Themenstarter/in
11.08.2000
56271
www.wfi.ch
Hallo Bodo,

vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Da war viel Neues für mich. Was meinst Du mit "Unterdruckverband"? Ist das eine Vakuumversiegelung? Wenn nicht: bitte erkläre mir das etwas näher!

Was denkst Du (oder andere Leser) darüber: vor Jahren las ich einmal in einer Pflegezeitschrift für den ambulanten Bereich folgende Empfehlung:
Man nehme Kohlekompretten (die für den Durchfall), zerbrösle sie und verteile sie über die Wunde. Darüber dann sterile Kompressen und dann alles mit Haushaltsfolie geruchsdicht abdecken. So ungefähr habe ich es noch im Kopf.

Von folgender Version habe ich auch gehört: Alginatkoompressen werden auf die Wunde gelegt, sie verhindern ein Verkleben mit dem Tumor. Das wäre wichtig, damit beim Entfernen es nicht so sehr blutet. Darüber dann sterile Kompressen und abkleben. Vielleicht auch mit solchen großflächigen Folienverbänden. Kostet halt ganz schön, vor allem, wenn es eine große Wunde ist.

Was ist Deine / Eure Meinung dazu?
Friedmar :redface: Text
 
Qualifikation
Schulungsreferent, Zertifizierter Wundmanager
Fachgebiet
Akademie Zertifiziertes Wundmanagement - KAMMERLANDER-WFI
S

Sabine Rüdebusch

Mitglied
Basis-Konto
Hallo, Friedmar,
als Palliativmassnahme für exulzerierende Tumoren empfehle ich nicht- haftende, geruchsabsorbierende Wundeinlagen mit Aktivkohleeinlage ( z.B. Carboflex von Convatec [ sehr gut ] oder Carbonet von Smith & Nephew [ gut ] . Unsere onkologische Abteilung hat mit diesen Wundauflagen sehr gute Erfahrungen gemacht, zumal der Verbandwechsel für die Patienten atraumatisch und schmerzlos ist und die Wundauflagen eine hohe Absorption von Exsudat aufweisen (abgesehen von einer sehr effektiven Geruchsreduzierung ). Das Einbringen von zerkleinerten Kohlekompretten halte ich für wenig professionell und unangemessen. Herzliche Grüsse von S. Rüdebusch :cool:
 
Qualifikation
FKS I& A, Lehrerin für Pflegeberufe
Fachgebiet
FWB Intensiv- und Anästhesiepflege
S

Steffie

Mitglied
Basis-Konto
31.01.2001
hallo ihr.
Während meines Einsatzes in der Strahlenklinik haben wir in solchen fällen häufig MEPILEX verbände benuntzt.Das sind selbstklebende Saugfähige auflagen aus so einer art Schaumstoff.
Zum Thema Wundversorgung,vom Uniklinikum Essen gibt es eine
Wundfiebel,wo unterschidliche Wundarten und behandlungsempfelungen(also welches Pflaster,was für ein verband drin aufgeführt sind).Ist so recht interesant.
Kann ja mal versuchen ob Du daran kommst,ansonsten muß ich das mal versuche und Dir dann als kopie schicken.
Bis denn
Steffi :rolleyes:
 
Qualifikation
Krankenpflegeschülerin
Fachgebiet
Im Moment 4 Woche schule und ab dem 17.3 Urlaun
F

Friedmar

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
11.08.2000
56271
www.wfi.ch
Hallo Steffi,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Das MEPILEX werde ich mir unter diesem Aspekt mal genauer betrachten. Steht in der Wundfibel aus der Uniklinik Essen auch etwas zur Versorgung dieser exulcerierenden Wunden drin? Kannst Du mal nachsehen? Wenn ja, würde mich interessieren, was man so in der Uniklinik dazu empfiehlt.
 
Qualifikation
Schulungsreferent, Zertifizierter Wundmanager
Fachgebiet
Akademie Zertifiziertes Wundmanagement - KAMMERLANDER-WFI
S

Steffie

Mitglied
Basis-Konto
31.01.2001
Hi Du.
Ich werde mal schauen ob ich einen Wundfiebel auf Station
finde.Ansonsten schaue ich nächsten Dienstag in der Schule
da haben wir sie auf alle fälle.
Ich melde mich dann wieder.
Steffi :smile: ;)
 
Qualifikation
Krankenpflegeschülerin
Fachgebiet
Im Moment 4 Woche schule und ab dem 17.3 Urlaun
M

muckel1966

Neues Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
51145
Hallo, Friedmar,
als Palliativmassnahme für exulzerierende Tumoren empfehle ich nicht- haftende, geruchsabsorbierende Wundeinlagen mit Aktivkohleeinlage ( z.B. Carboflex von Convatec [ sehr gut ] oder Carbonet von Smith & Nephew [ gut ] . Unsere onkologische Abteilung hat mit diesen Wundauflagen sehr gute Erfahrungen gemacht, zumal der Verbandwechsel für die Patienten atraumatisch und schmerzlos ist und die Wundauflagen eine hohe Absorption von Exsudat aufweisen (abgesehen von einer sehr effektiven Geruchsreduzierung ). Das Einbringen von zerkleinerten Kohlekompretten halte ich für wenig professionell und unangemessen. Herzliche Grüsse von S. Rüdebusch :cool:
Hallo auch wir arbeiten mit Kohlekompretten, wieso ist dies nicht gut?
Muss so ein Tumor absolut steril verbunden werden? Gruß Ines
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Palliativstation
U

UlrichFürst

Hallo auch wir arbeiten mit Kohlekompretten, wieso ist dies nicht gut?
Muss so ein Tumor absolut steril verbunden werden? Gruß Ines
V.a. dürfen wir als professionelle Pflegende nur Mittel gemäß ihrer Bestimmung verwenden. Und Kohlekompretten sind meines Wissens nur für die orale Gabe gedacht. Wenn dem so ist und es passiert etwas (sprich der Pat. klagt), dann hast Du nicht nur die Verantwortung als Anwender, sondern als Hersteller. Und dann wird's ungemütlich...

Ulrich
 
M

msoltau

Hallo @ all,

wir nutzen bei nicht mehr operablen Tumoren die Aktivkohle Kompressen von J+J (Actisorb).
Die sind rein Geruchsbindend und haben zusätzlich einen teil Silber zur Infektionsbekämpfung.
Den Patienten ging es gut unter dieser Behandlung, sie fühlten sich wohl und konnten ihrem sozialen Leben wieder nachgehen.

Gruß Maja
 
J

Jay84

Mitglied
Basis-Konto
22.12.2004
95028
Halli Hallo! Bin zwar erst im 2. Ausbildungsjahr, aber zur Zeit bei den Wundspezialisten in der Uniklinik. Eine Spülung mit Clont kenn ich nur gegen den Geruch, gegen die Entzündung nur systemische Antibiotikagabe (gerade bei Palliativpatienten - ist aber eh Arztsache) Ansonsten spülen wir die Wunden und versuchen dann ein physiologisch feuchtes Wundmilieu zu schaffen. Das wird je nach Wunde individuell entschieden. Wenn die Wunde entzündet ist und nässt könnte Silber empfehlenswert sein, da es eher trocknet. Ist die Wunde eher trocken kann man entweder feuchte Kohleauflagen oder Repithel (ist eine Mischung aus Jod, antinekrotische Enzyme und Liposomen) verwenden. Hat den großen Vorteil, das Nekrosen ut gelöst werden Den eigentlichen Verband würde ich auch nach individuellen Gesichtspunkten festmachen (Saugkompressen bei stark sezernierenden Wunden - Ansonsten find ich Allevin(auch so Schaumstoffzeug ich ganz gut, weil es je nach Ausprägung der Luftdichtheit unterschiedliche Abstufungen gibt.
 
Qualifikation
Student/ Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Studium
Pflegeboard.de

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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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