Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

theinic

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Mein Sohn (21) Zespanungsmechaniker (Ausbildung 3 1/2 J.), Vollzeit 2775,- plus Schichtzulagen Brutto.......

Mal ehrlich: heute kann man froh sein wenn man einen "alten" Arbeitsvertrag hat....
 
Qualifikation
GPA
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Diakonie, ambulant
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kingcrimson1959

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

moin,moin,...als pflegefachkraft überlebe ich in jedem gesellschaftlichen system,...heutzutage nach all den bemerkenswerten historischen schlachtungen und abschlachtungen von millionen von leuten für eigentümliche interessen iss doch wohl der beruf in der pflege von alten , kranken und behinderten eine kleine menschlich lücke im gegenwärtigen totalitären weltsystem wo noch ,,eben noch menschlichkeit erlaubt iss,...mier san doch eh die letzten die noch menschlichkeit praktizieren,..oder phällt jemand eine berufsgruppe ein die sich für alte kranke und behinderte sorgt und abends überlegt was man besser machen könnt, in diesem oder jener sach die einem im kopp rumgeht,..daß menschlichkeit als berufsgruppe methodisch drangsaliert wird , schlecht bezahlt und von politikern seltsam kommentiert wird ergibt sich aus der zweckrationalität der heutigen totalität,...dennoch sann wir halt so wie wir halt mahl sind,...die politischen systeme kommen und gehen,..auch das gegenwärtige ist wie das römische reich auch nuhr ein vergängliches,...wir pflegen,..wir pflegen,..wir pflegen,....
 
Qualifikation
krankenpfleger
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ambulanter pflegedienst
Bernd-Kl

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

ich habe mal bei der Gewerkschaft nachgefragt warum das so ist, kam die Antwort.....es sind so wenige Organisiert.
Hallo;

ich habe vor etlichen Jahren (als AG-Vertreter) einen anderen Weg eingeschlagen:
Bei einer Betriebsversammlung habe ich die Mitarbeiter/innen aufgefordert in die Gewerkschaft einzutreten.
Die Vertreterin von Ver.di ist bald auf den Rücken gefallen.
In einer Pause hat sie mich gefragt, warum ich das gemacht habe.
Antwort: "Ganz einfach. Ich schlage mich lieber mit einer Vertreterin der Gewerkschaft (bei der ich davon ausgehe, dass sie auch eine Ahnung von der Materie hat) herum, als mit 180 Kolleg/innen, die keine Bilanz lesen können und zum Teil nur einfach "meckern" (das ist jetzt nicht negativ gemeint)."
Wir haben uns im Tarifvertrag dann später daruf geeinigt, dass Mitglieder von Ver.di jährlich eine Sonderzahlung von 8 % ihres Monatsgehaltes bekommen.
Seitdem ist bei uns Ruhe eingekehrt. Der Organisationsgrad ist inzwischen vergleichsweise recht hoch. Die Bilanz wird jährlich bei Ver.di vorgelegt und die erkennen dann schon, dass z. Bsp. die Vorstandsgehälter bei uns nicht gerade hoch sind oder andere versteckte Prämien gezahlt werden (was leider gerade im Pflegebereich nicht unüblich ist).
Ver.di war es auch, die uns vor einigen Jahren über eine extreme wirtschaftliche Durststrecke geholfen haben, indem sie darauf hingewirkt haben, dass damals das Weihnachtsgeld in folgenden 2 Jahren in kleinen Teilbeträgen nachgezahlt wurde.
Ohne diese Maßnahme hätten wir damals kaum überlebt.
Aber keine Angst: Ab und an "fetzen" wir uns auch, doch das geht letztlich immer fair dabei zu.

Bernd
 
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Heilerzieher/Krankenpfleger
Fachgebiet
Im Ruhestand
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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo;

ich habe vor etlichen Jahren (als AG-Vertreter) einen anderen Weg eingeschlagen:
Bei einer Betriebsversammlung habe ich die Mitarbeiter/innen aufgefordert in die Gewerkschaft einzutreten.
Die Vertreterin von Ver.di ist bald auf den Rücken gefallen.
In einer Pause hat sie mich gefragt, warum ich das gemacht habe.
Antwort: "Ganz einfach. Ich schlage mich lieber mit einer Vertreterin der Gewerkschaft (bei der ich davon ausgehe, dass sie auch eine Ahnung von der Materie hat) herum, als mit 180 Kolleg/innen, die keine Bilanz lesen können und zum Teil nur einfach "meckern" (das ist jetzt nicht negativ gemeint)."
Wir haben uns im Tarifvertrag dann später daruf geeinigt, dass Mitglieder von Ver.di jährlich eine Sonderzahlung von 8 % ihres Monatsgehaltes bekommen.
Seitdem ist bei uns Ruhe eingekehrt. Der Organisationsgrad ist inzwischen vergleichsweise recht hoch. Die Bilanz wird jährlich bei Ver.di vorgelegt und die erkennen dann schon, dass z. Bsp. die Vorstandsgehälter bei uns nicht gerade hoch sind oder andere versteckte Prämien gezahlt werden (was leider gerade im Pflegebereich nicht unüblich ist).
Ver.di war es auch, die uns vor einigen Jahren über eine extreme wirtschaftliche Durststrecke geholfen haben, indem sie darauf hingewirkt haben, dass damals das Weihnachtsgeld in folgenden 2 Jahren in kleinen Teilbeträgen nachgezahlt wurde.
Ohne diese Maßnahme hätten wir damals kaum überlebt.
Aber keine Angst: Ab und an "fetzen" wir uns auch, doch das geht letztlich immer fair dabei zu.

Bernd

Sehr cool:)
 
Qualifikation
ex. KS, FKS A+I, Diplom. GuKP, RbP, Studentin
Fachgebiet
freiberuflich, Bayern, Studentin Pflegepädagogik staatliche Hochschule Ba-Wü
Weiterbildungen
Studentin Pflegepädagogik , Gründungsmitglied Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
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Multimobid

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo ihr liebn Pflegekräfte,
da bin ich wieder. Es hat sich bei uns viel getan. Unser BR hat sich inzwischen aufgelöst weil 2 Kolleginnen/Kollege die Nerven durchgegangen sind. Ich als enziges BR Mitglied habe die restlichen BR-Geschäfte erledigt und .....inzwischen verkehren AG und ich als BR nur noch über den Anwalt, habe BR-Neuwahlen eingeleitet.
Fazit für mich: Gesundheitlich kaputt Nerven und Wirbelsäule, Dauerkrank, Div. Prozesse die noch ausstehen und AG hat mich in den Tagdienst versetzen lassen um mich indirekt zur Kündigung zu bewegen. Ich mag vielleicht taktisch einiges verkehrt gemacht haben, aber hier zeigt sich deutlich wenn man Arbeitnehmer Interessen durchsetzen will, das es insbesondere in der Einrichtung wo ich arbeite ein Problem darstellte.
PS. Ein gutes hat es ja. Der Gewerbeaufsichtsbeambte will sich jetzt intensiver um die Pausenregelungen in den Altenpflegeeinrichtungen kümmern.

Grüße an alle die des kämpfens noch nicht müde sind

Barny
 
Qualifikation
Pflegekraft
Fachgebiet
Nachtdienst/stat. Altenpflege
Bernd-Kl

Bernd-Kl

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Der Gewerbeaufsichtsbeambte will sich jetzt intensiver um die Pausenregelungen in den Altenpflegeeinrichtungen kümmern.Barny
Also etwas verstehe ich nicht.
Bei uns sieht sich die Heimaufsicht stichprobenmäßig die Dienstpläne an und achtet dabei auf die festgelegte Fachkraftquote, die Freizeiten zwischen den Schichten und darauf, dass die Pausenregelungen für die Beschäftigten aushängen.

Der Beamte sagt, dass er für das Wohlergehen der Bewohner/innen zuständig ist und ausgepowertes Personal kann, ob es will oder nicht, nun mal keine gute Arbeit leisten.
Er stellte sich aber auch beim Heimbeirat schützend vor die Einrichtung und die Beschäftigten, wenn von dort utopische Forderungen kommen.

Merkt denn bei Euch nicht die Heimaufsicht, dass das Betriebsklima den Bach runter gegangen ist?

Ich wünsche Dir viel Kraft und kündige auf keinen Fall.

Gruß
Bernd
 
Qualifikation
Heilerzieher/Krankenpfleger
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Im Ruhestand
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Multimobid

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hi Bernd

nee, ich kündige nicht. Übrigend bin ich hier in Niedersachsen. Vielleicht ticken hier die Uhren anders als wo anders. Und so wie ich gelesen habe, sind die Pflegesätze hier in Niedersachsen das Schlußlicht gegenüber den anderen Bundesländern. Warum das so ist wissen die Götter. Das merkt man auch an den Gehältern.

Gruß

Barny:sad:
 
Qualifikation
Pflegekraft
Fachgebiet
Nachtdienst/stat. Altenpflege
sistermercy

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Es hat sich bei uns viel getan......Der Gewerbeaufsichtsbeambte will sich jetzt intensiver um die Pausenregelungen in den Altenpflegeeinrichtungen kümmern...:laughing:
WOW. Na immerhin! Bei uns gibts keine Pause.
:heul: sistermercy
 
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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hi,
irgedwie muß man sich auskotzen. Es gibt auch welche die gehen in den Wald und brüllen Bäume an. ich bin nun 63 Jahre alt, habe mit 46 meine Umschulung zum Altenpfleger begonnen und dann überwiegend im Nachtdienst gearbeitet. Und wenn man nur in Pflegeeinrichtungen kommt ( und ich bin fast quer durch die Bundesrepublik gejobbt) wo überwiegend nur Scheiß läuft dann kann man garnicht anderes reagieren. Ichwar vorher inder Metallindustrie als Feinmechaniker. Wenn du da häufiger Mist gebaut hast (Ausschuß oder das nicht einhalten von Qualitätsvorgaben), bist du geflogen. Aber hier am alten Menschen was da alles durchgeht. Ich war gestern im KH ( Gynokologie), es war nur eine Schwester da !!!! Und die.....hat die Schulter hoch gezogen. Normal?

Gruß

Barny
 
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Nachtdienst/stat. Altenpflege
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osi31

AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Genau das ist der Punkt. Erstens wird in der Politik gesagt der Pflegenotstand kommt. Völliger Mumpitz der hat uns schon überholt.Zweitens: Das Problem ist meines Erachtens das im Gegensatz zu den Ärzten und dem Krankenpflegepersonal die Altenpfleger,entschuldigt, nicht genug A...... in der Hose habe um auf die Straße zu gehen und sich mal Gehör zu verschaffen. Wenn den mal welche den Mut haben sind es vielleicht ein paar hundert bei einer kleinen Kundgebung.Bei den Krankenschwestern -pflegern und Ärzten sind es gleich ein paar Tausend.
Da liegt der Unterschied.
 
Kessia

Kessia

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Das Problem ist meines Erachtens das im Gegensatz zu den Ärzten und dem Krankenpflegepersonal die Altenpfleger,entschuldigt, nicht genug A...... in der Hose habe um auf die Straße zu gehen und sich mal Gehör zu verschaffen.
Traurig aber wahr. Ich kenne welche, deren Standartspruch lautet: "Das fällt uns auf die Füße" und genau das sind die, die zwei Stunden eher anfangen zu arbeiten und zwei Stunden nach Arbeitsende immer noch auf der Matte stehen, um dem Arbeitgeber zu gefallen.
 
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Niehus

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo, endlich mal einer oder eine??, die erkannt hat, was in der Pflege abgeht. Nämlich nichts!!!
Und das schon seit 1903, seit Agnes Karll mehr Eigeninitiative eingefordert hat.

Grüße H.G.Niehus
Förderverein Pflegekammer in NRW.:rolleyes:
 
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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo alle zusammen.
Als ich dieses Thema erstellte war mir schon klar, das sich hier einige zu Wort melden würden und ihren a) Frust loszuwerden, b) mich bestätigen. Aber damit ist unserem Berufsstand nicht geholfen, weil es einfach zu wenige erreicht. Vielleicht sollte man andere Medienarten heranziehen wie z.B. Facebook o.ä.
Auch könnte ich mir vorstellen, das z.B. Verdi und gleichgeschalteten Berufsverbände aufrufen für einen 1 stündigen bundesweiten Generalstreik um hier in Deutschland alle betroffene aufzurütteln. Es bedarf hierzu aber einen Leitwolf,Leitfigur o.ä. der das in die Wege leitet.

Also.....Stoff zum Nachdenken
 
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Rundumsorglospaket

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Was einige Pflegende auch schon in die Tat umsetzten (Facebook). Dort gibt es mehrere Gruppen zum Thema Pflegekammer u.a.

Seit 1896 : Erste Überlegungen von Agnes Karll zur Gründung eines Berufsverbandes und seit 1903: Umsetzung von Agnes Karll :

Ja seit dem tat sich so Einiges in der Pflege und das nicht gerade wenig.

Ich kann die Aussage, dass sich seit 1903 nichts in der Pflege getan hat, überhaupt nicht so stehen lassen. Es entspricht nicht der Realität und vielleicht sollte man sich nur eben immer wieder vor Augen halten, was sich seither verbesserte.

Das ist ne ganze Menge:

Tarifverträge
Mehr Urlaubstage für Pflegende im Schichtdienst
Arbeitszeitgesetz
Krankengeld
Aus- und Weiterbildungsgesetze/- verordnungen (leider noch nicht in jedem Bundesland).
Fachweiterbildungen seit den 50igern (Anästhesie- und Intensivmedizin)
Gesundheitsfördernde Maßnahmen durch den AG ( Steuerbefreit)
Hilfsmittel
Anwenderfreundliche Geräte
Arbeitssicherheit
Kinästhetik
u.s.w.

Allerdings kann man durchaus daran arbeiten eine angemessene Vergütung zu erreichen. Ebenso ist es wichtig einheitliche Regelungen für Aus- und Weiterbildungen zu schaffen und vorallem eine Institution, die das regelt.

Pflegende sollten sich solidarisieren und nicht nur an sich selbst denken. Es ist durchaus in Ordnung an sich zu denken, aber dennoch ohne Solidargemeinschaft funktioniert da garnichts.
Es wird gemotzt, gejammert, genörgelt und das unsoziale Verhalten gegenüber Anderen wird immer schlimmer. Es herrscht Neid, Missgunst, Intrigen und keine Wertschätzung untereinander. Es werden wohl so geschätzte 80% der Pflegenden nicht mehr zufrieden sein mit der Situation. Aber es sind geschätzt unter 20 %, die aktiv werden oder sich mal Gedanken machen. Die Idealisten sind gespalten:

Die eine Gruppe der Idealisten ist aktiv und die andere Gruppe am kränkeln.

Daher passt die Überschrift dieses Thema ganz gut.
 
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Tilidin

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo Rundumsorglospaket
Ich schätze deine Beiträge ja immer, auch diesem würde ich fast kommentarlos stehen lassen.
Von meiner Gesinnung gehöre ich sicherlich in die Gruppe der von Dir zitierten unter 20%, trotzdem denke ich, das so um 1990 die Spirale in der Pflege sich langsam wieder nach unten dreht.
1. Abnabelung vom BAT, hin zu den Haustarifen
2. Betriebszugehörigkeit, wird schon fast nur noch als Kostenfaktor gesehen
3. Einzug von Minijobbern u. Zeitarbeit in der Pflege
4. Pflegeeinhrichtungen/Krhs. werden alle privatesiert ( schlechtere Rahmenbedingungen)
5. Leistungen werden kaum noch gewürdigt.( Draußen stehen genug vor der Tür)
6. Gewerkschaften haben kaum noch direkten Kontakt zu den Einrichtungen.
7. Personalräte, werden teilweise durch den AG gestellt.
8. Pflege war auch mal von Zuwendung u. Wärme geprägt, heute vom PC u. Pflegeplanung.
u.s.w.
Dein Aufruf nach mehr Solidarität u. einem Miteinander hat absolute Gültigkeit.( nur wer spannt sich freiwillig vor den Wagen)
Ich befürchte, das die Pflege in 10 Jahren die gleichen Sätze hier absetzen wird.
Die Fremdbestimmung ist unser Schicksal, alles andere ist Beschäftigungstherapie, vieleicht auch noch Musiktherapie, aber die Musik haben wir nicht bestellt.
Es hat sich sicherlich viel getan in der Pflege, leider geht es gergab.
P.S. ich hoffe das ich deinen Beitrag richtig interprätiert habe.
 
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Krankenpfleger,Fachpfleger Psych,PDL
Fachgebiet
Erwerbsunfähig
Weiterbildungen
Krankenpfleger
Fachpfleger für Psych.
große PDL- Ausbildung
Fragmentis

Fragmentis

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Tja, wir lassen uns ja auch klein halten... und wir tragen schon durch kleinste Kleinigkeiten, die wir bewegen könnten im Alltag, mit dazu bei...

Beispiel:
Ich habe grad die neueste Ausgabe des Lehrbuchs Psychiatrische Pflege erhalten. In diesem Buch, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, da es eine sehr professionelle Haltung zum Thema Pflege und "Ich als Fachkraft" vermittelt, von der sich jeder auch nicht psychiatrisch Pflegend mal ein Scheibchen abschneiden kann, steht ein klitzekleiner Kasten, in dem die geschätzten Kollegen einfach mal so aussprechen, was durchaus leider noch gar nicht Realität ist. Sie gehen nämlich einfach mal davon aus, dass so Bezeichnungen wie "Oberpfleger" oder "Schwester" inzwischen ausgestorben sein sollten bei professionell Pflegenden, da sie weder zeitgemäß noch einer Fachkraft gegenüber angemessen sind. Das "siezen" sollte selbstverständlich sein.

Und jetzt frage ich mal so ganz einfach provokant:

Was soll denn eine Pflegekammer im großen bewegen, wenn der/die KollegIn an der Basis es sich noch nicht einmal traut oder noch nicht einmal den Wunsch in sich verspürt, sich den normalsten Respekt von den Patienten und den non-pflegerischen Kräften wie z.B. - na, wie heißen die nochmal, ach ja - Ärzten einzufordern.

Ich möchte mal die "Fachangestellte für Finanzen" hinter dem Tresen einer Sparkasse sehen, die nicht hinter ihrer Scheibe zur Wildkatze wird, wenn ein Kunde es wagen würde, sie zu "duzen". Die haben auch selten "Kassiererin Stefanie" auf ihrem Namensschild stehen.

Ja, ich höre schon die Rufe "Aber so kann ich besser eine Beziehung aufbauen" und so weiter. Und das mag vielleicht in der Demenz-Pflege stimmen oder in der Kinder-Jugend-Psychiatrie, aber jeder weiß, dass eine Peplau und die anderen nirgends reingeschrieben haben "Bitte baut eine Beziehung auf, in dem ihr in die notwendige Rolle geht und Euch duzen lasst".

Also:
Ändert sich sowas im Kleinen nicht, dass wir aufrecht und stolz durch unser Berufsleben gehen, dann wird auch im Großen nichts bewegt werden, denn keiner wird aufstehen und mitstreiten, wenn eine Pflegekammer rufen würde. Und mal ehrlich: Wieviele von Euch würden auf Anhieb 5 große Pflegende benennen können, die sich politisch oder in den Medien so etabliert haben, dass ein Abgeordneter sie ernst genommen hätte und etwas bewegt worden wäre, was an der Basis von mehr als 10% der Kollegen bemerkt worden wäre. Selbst "Fippsi" Rösler hat doch bis zu seinem Aufstieg im Jahr der Pflege keinen von denen ernst genommen. Es gibt einfach keine wirklichen Leitfiguren in der Pflege. Ein paar fachliche Vorbilder vielleicht, aber richtige Leitfiguren ? Leute, auf die einer auch hören würde und welche die Pflegenden berühren und erreichen ?
Ach, doch: auf WDR5 ist grad ne Reihe um kurz vor 8:00 Uhr zum Thema "Pflege". Nicht gehört ? Ne ? Na, dann... mal podcasten. eine Kollegin sagte da deutlich, dass sie keinem unseren Job empfehlen könnte und dass es seit zig Jahren bergab geht. Ach, dass habt Ihr auch bemerkt ? Na dann... kann es ja so weiter gehen... die spricht das Problem aber mal aus ohne Rücksicht. Die ist im Kleinen schon ein Vorbild für mich...

Wir bekommen keinen Respekt, weil keiner mehr voller Stolz und mit gesundem Menschenverstand einem jungen Menschen empfehlen könnte in diesen Job zu gehen, ergo: weil wir selbst keinen Respekt mehr vor unserer Leistung haben.
Weil wir jeden Tag hören, dass "jeder Pflegen kann" und jeder von uns, wenn denn die Grenzen offen genug sind, auch von günstigeren ausländischen Kräften ersetzt werden kann. Tja, was zeichnet mich denn dann noch aus, außer, dass immer mehr von meiner Sorte gebraucht werden, um schneller mehr schlechtere Arbeit abzuliefern ? Warum sollte ich stolz auf meine Fachlichkeit sein, wenn jeder so fachlich sein kann und jeder dahergelaufene Manager oder selbst berufene Pflegefachmann besser weiß, was ich wie schnell zu tun habe oder noch besser: andere meine Arbeit oder zusätzliches Engagement sich auch nicht für den besten Betrieb lohnt, weil er eh nur die Fallpauschale für meine Arbeit bekommt ? Und warum sollte ich aufstehen, wenn ich eher kleinlaut selbst auf der Party lieber sage, dass ich "im Gesundheitswesen" arbeite, statt zu sagen, dass ich eine pflegende Fachkraft bin ? Wie soll ich stolz sein, wenn meine Gewerkschaft oder Tarifgemeinschaft schlechtere Abschlüße für die Kollegen rausholen, die nach mir kommen, ich gleichzeitig bei der Fahrt zum Frühdienst im Radio höre, dass die Ärzte "unmöglich mit Schicht- und Bereitschaftsdiensten ein Familienleben haben können" und außerdem noch ca 25% mehr Geld haben wollen, nachdem sie beim letzten Mal schon so gut dabei weggekommen sind ? Ja, ich höre auch schon die kollegialen Kollegen der alten Machart "Ja, aber die Ärzte haben es doch echt schwer.". Ja, die armen Ärzte. Bitte mal alle aufzeigen und hier im Forum melden, denen ein Arzt einen frischen Kaffee einschüttet, den er für besagten Pflegenden gekocht hat wie jeden morgen, wenn der Pflegende seine 12 Schichten mit 3 kurzen Wechseln gemacht hat. Wer ist stolz darauf, dass ich für meine Art von Schichtarbeit weniger Geld, aber genauso viele Urlaubstage (wenn nicht sogar weniger) bekomme als jeder schichtarbeitende Gabelstaplerfahrer (JA, stimmt so wirklich ! Fragt mal rum im Bekanntenkreis. Ich kenne so einen.) oder nicht schichtarbeitende Sparkassenangestellte, die auch keine Angst um ihren Job im Mutterschutz haben muss oder um ihre Stelle und nebenher noch die freundlichen Kindergartenzeiten nutzen kann, für die jede pflegende Mutter sich überlegen muss, die Stelle zu reduzieren oder die nächsten 10 Jahre in die Nachtwache zu gehen.

Wie gesagt:
betont überzogen und etwas karikiert, aber ich hoffe, so den Kern meines Gedanken vermitteln zu können, warum auch wir im Kleinen oftmals schon nicht mehr stolz sein können/wollen/dürfen.

Wie ich es halte ?!?
Ja, ich lasse mich siezen und kriege trotzdem eine Beziehung hin zu meinen Patienten.
Ja, ich bin stolz auf meinen Job und das jeden Tag mehr, wenn ich merke, was für tolle Arbeit ich mache unter oft ziemlich suboptimalen Umständen und mir bewußt wird, wie viel ich sogar noch machen könnte, wenn andere Berufsgruppen oder Rahmenbedingungen uns mal nicht blockieren.
Ja, wir brauchen eine Pflegekammer, die uns auch mal vertritt und auch mal den Respekt einfordert, den wir verdienen.
Aber auch: Ja, wir müssen auch im Kleinen dazu beitragen. Fangt doch mal an und lasst Euch siezen vom nächsten Patienten und vom nächsten Assistenzarzt und Sozialarbeiter. Haltet das mal aus und genießt den anderen Umgang mit Euch. Und tretet dann einer Gewerkschaft oder einem Berufserband bei...

Ihr seid alles Fachkräfte !

Puh, das mal loslassen wollend ohne die ganzen vielen Beiträge in Ihrer Vollständigkeit gelesen zu haben und auf die Gefahr hin, andere Äußerungen somit zu wiederholen, aber dennoch herzlichst grüßend,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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Psychiatrie
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EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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Tilidin

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo Fragmentis
Deine Aussage: Wir bekommen keinen Respekt, möchte ich schon unterteilen.
Ich glaube das Du tägl. deinen pers. Respekt bekommst, einfach durch deine Rolle im Team, durch deine Erfahrung, Arbeitsleistung, durch Kompetenzen die für viele Entscheidungen wichtig sind, u. letzendlich ist es auch deinen Sozialisationsprozeß u. beruflicher Werdegang.
Das ist schon ganz schön viel, u. sollte deiner Persönlilchkeit eigentlich gut tun. ( schreibst Du ja auch)
Einen gesellschaftlichen Respekt kannst Du leider z. Zt. nicht einfordern, hier geht es der Pflege ähnlich wie vielen anderen Berufen ( z. B. Strafvollzug)
Das pers. Feedback ist viel wichtiger u. hilft auch beim tägl. Tanz auf dem Drahtseil, wenn es um Nähe u. Distanz geht.
Die Abgrenzung zum Pat. bedarf keiner Diskusion, hier sollte schon ein klares Sie im Raume stehen.
Für mich ist es auch ein Zeichen von Größe, wenn in der Interaktion zwischen zwei Menschen im beruflichen Alltag, das Du vorkommt.
Ich glaube nicht, das damit die Kompetenz des anderen generell mißachtet wird, sicherlich bedarf es hier einer genauen Dosierung.
Dein Status, macht vieleicht viele deiner jungen Kol. zum Kämpfer, unterstütze sie.
An dieser Stelle möchte ich rundumsorglospaket noch einmal Recht geben, es hat sich in der Pflege etwas getan.
Als ich mit der Pfl. anfing, da gab es für die St.- Leitung nur eine Kernkompetenz u. die nannte sich Autorität. Gott sein es gedankt, das heute ein paar mehr dazu gekommen sind.
Und zum Schluss: stimme ich deiner Forderrung bei, das sich hoffentlich viele viele Pflegekräfte endlich mal wieder organiesieren.
 
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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo,
diese Art von Diskussion finde ich gut............weiter so
 
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Fragmentis

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AW: Wir sind alle selber Schuld an der Pflegemisere

Hallo Tilidin,

natürlich hast Du recht. Wie gesagt, ich will nicht jammern und habe bewußt ein wenig pauschalisiert. Ich glaube, dass nicht nur mir und auch Dir, sondern jedem kompetenten Kollegen Respekt entgegengebracht wird... in seiner Berufsgruppe und auch von den Kollegen anderer Disziplinen. Ich spreche auch nicht unbedingt von meiner persönlichen Situation direkt, denn ich glaube, ich habe es sehr gut getroffen mit meinem "Kernteam" und das hilft mir, viele Suboptimal-Zustände besser auszuhalten. Ich glaube, das kennt jeder, der nicht in einem "T-oll, E-in A-nderer M-acht's" arbeitet, sondern in einem echten Team, wo multidisziplinäres Zusammenarbeiten gelebt wird und die Leistung des anderen gewertschätzt wird... und seine berufliche Kernkompetenz. Das wird jeder, der in der Psychiatrie arbeitet, noch besser nachvollziehen können, denn wenn nicht hier, wo dann, kommt es zu den meisten Überschneidungen der Aufgabenbereiche der verschiedenen Teamer.

Ich stimme Dir ebenfalls vollkommen zu, wenn Du das mit dem nicht einforderbaren gesellschaftlichen Respekt benennst. Dies ist der Unterschied, um den es mir aber auch sehr ging, denn etwas hat sich verändert. Ich habe letztens in einer Fortbildung gesessen zum Thema "Gewalt im häuslichen Bereich" und da hat mich eine Äußerung des Dozenten sehr erschreckt. Er sagte sinngemäß und doch fast wörtlich: "Es gibt noch einen Bereich der Gewalt, nämlich den Bereich der Gewalt in der Pflege, der oft und in hohen Dunkelziffern vorkommt, die man nicht erahnen kann". Ich musste schlucken. Ein studierter Pädagoge, der mal eben pauschal sagt, dass pflegerische Gewalt fast schon alltäglich ist. Mein Gott, dachte ich.

Nicht falsch verstehen: Ja, es gibt auch Gewalt durch Pflegende. Dieses Tabuthema müssen wir auch alle auf dem Schirm haben. Aber ist es wirklich schon so weit, dass alle "da draußen" denken, dass die Standard-Krankenschwester entweder ein hilflose-Helfer-Syndrom hat, ausgebrannt ist, gewalttätig ist, einen ekeligen und durch jeden Bufdi ausführbaren Job macht oder aber auch nur ihren Hintern platt sitzt im Dienstzimmer ? Wer ist diesen Vorurteilen nicht schon einmal begegnet ? Dem konnte man früher auch gut begegnen, denn die Leute haben noch die Wichtigkeit und auch die Belastung gesehen und man hat zumindest ein "Den Job könnte ich nicht machen" geerntet.

Ich denke: Ja, es hat sich was in der Wahrnehmung verändert. Denn heute erntet man nicht mehr als ein müdes Belächeln und den Satz "Bist Du bekloppt, dass Du das für das Geld machst ?" oder ein auf die Stirn geschriebenes, wenn auch nicht ausgesprochenes, "Selbst schuld, hättest ja was Vernünftiges machen können.".

Und bei noch einer Sache gehe ich vollkommen innerlich jubelnd mit Dir konform:
Du sagst, ein Du ist ein Zeichen von innerer Größe. Ich möchte sogar sagen: Ein DU will sich verdient werden. Es ist eine Auszeichnung für mich und mein Gegenüber, ein Sinnbild für eine Grenze, die ich fallenlasse, weil ich weiß, dass - obwohl ich den Gegenüber näher an mich lasse - ich nicht ausgenutzt werde, wir die persönliche und die berufliche Ebene professionell auseinanderhalten, eines in einer individuell verschiedenen, aber doch längeren Zeit, erarbeiteten und verdienten Vertrauens. Das kriegt doch nicht jeder Praktikant, der 2 Wochen auf Station ist (wertfrei gemeint !!!).

Ich wage nochmal die These aussprechen, die ich schon anderswo gesagt habe: Würden wir unsere Schüler schon siezen, weil es erwachsene Menschen sind (ob sie wollen oder nicht), dann würden sie mit einem anderen Selbstbewußtsein pflegerisch sozialisiert und viele Kolleginnen und Kollegen, die vielleicht weniger interessiert am Engagement bei der Ausbildung sind, würden die Auszubildenden anders wahrnehmen und so manches Reflektionsgespräch würde sachlicher verlaufen, manches Zeugnis wertfreier und im Endeffekt die Schüler mutiger, für ihre Bedürfnisse einzutreten.

Und mal auf Team-Ebene: Obwohl ein Kollege aus der Pflege kommt, habe ich trotzdem noch nicht mit ihm im Sandkasten gespielt. Und nur weil ein Arzt mit mir aus der gleichen Kaffeekanne trinkt, heißt das nicht, dass er sofort über meine Grenze gehen kann, die ich meinem Nachbarn nicht einmal einräume nach 2 Jahren.

Und noch weiter gehe ich: Vergleicht mal den Satz gefühlt:
"Stefanie, ich habe das benutzte Spritzentablett dahin gestellt." (innerlich sage ich grad: Ja und ? Ist mein Arbeitsauftrag jetzt, Dich in die Mülltrennung einzuweisen ?)
"Frau Möller, würden Sie bitte gleich mal ausnahmsweise mein Spritzentablett entsorgen ?"

Aber es geht hier nicht ums Sie in der Diskussion, aber das ist für mich schon lange das offensichtlichste Beispiel für fachliche Wertschätzung und eine berühmte Kleinigkeit, die Abgrenzung und somit auch Standing fordert und fördert.

Zurück zum Thema aber, denn eines habe ich nicht verstanden, wie Du das meinst: Wieso macht mein Status viele junge Kollegen zu Kämpfern ? Ja, man muss sie natürlich unterstützen. Aber das ist - ich denke, da sind wir einer Meinung mit vielen anderen - eine der Kernaufgaben einer Leitung, egal ob Station, Abteilung oder PDL. Kannst Du mir das nochmal erläutern ?

Herzlichst grüßend und erquickt von der Diskussion,
Fragmentis
 
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