Arbeitsrecht Wieviele demente Bewohner darf ich allein beaufsichtigen?

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Schnafti

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22.06.2022
Wilhelmshaven
Hallo ihr Lieben!
Ich (Pflegeassistentin) und mein Kollege (Fachkraft) stellen uns seit ein paar Wochen einige Fragen, auf die wir aber keine wirklich eindeutigen Antworten erreichen. Ich schildere mal die dieszeitige Situation;
Seit knap 1,5 Jahren ist es mittlerweile Standard geworden in unserem Haus, dass am Nachmittag nur eine Fachkraft für 53 Bewohner zuständig ist, der Rest sind Pflegessistenten. Wir haben zwei WB's auf dem unteren leben 33 Menschen auf dem oberen 20 und alle sind dement, da wir eine Fachabteilung sind für diese Erkrankung. Und die Demenz reicht von ganz gering biszu sehr stark, allein auf unserem WB oben sind von 20 Leuten 14 Stück PG 4 oder 5. Und, naja, wie schon gesagt ist es jetzt schon seit langer Zeit so, dass eine Fachkraft sich am nachmittag um alle Medi's und Insuline und alle anderen anfallenden Aufgaben kümmern muss für 53 Bew. Es kommt dadurch oft vor, dass ich oben alleine bin und in der Zeit die 10 Rollstuhlfahrer alleine mobilisiere, Toilettengänge mit den anderen mache und dann noch die Essen und Trinken Versorgung zur Kaffeezeit komplett übernehme, inklusive 4 Leuten anreichen. Mir kommt das sehr falsch vor, wenn wir nachfragen, werden wir vertröstet, dass es nicht nochmal vorkommt, aber in der nächsten Woche gestaltet es sich dann doch wieder so und das einzige Gefühl dass mir und meinem Kollegen bleibt ist, dass wir verzweifelt sind, weil alles zu viel ist und nur Akkordarbeit oder noch schlimmer, man muss sich bei den Bew. Prioritäten setzen, wenn mehrere auf einmal ein Problem haben, versteht ihr?
Ich liebe meine Arbeit, ich liebe meine Bewohner, ich arbeite überaus gerne mit dementiell erkrankten Menschen, aber dass geht so nicht, deswegen sind meine fragen:
- Wie viele Bewohner darf eine Fachkraft alleine beaufsichtigen?
- wie lange kann man den Umstand 'Akuten Personalmangel' durchgehen lassen?
- und wie können wir mit der Heimleitung in Kontakt treten, ohne dabei wieder weggeschickt zu werden?
Denn das, was wir immer hören ist, dass wir nicht mehr Personal kriegen weil unser Schlüssel voll sei, ich meine mal gehört zu haben, dass es für Demenzfachbereiche einen anderen Schlüssel gibt, aufgrund des erhöhten Bedarfes der Bewohner oder täusche ich mich da?
Ich hoffe, ich konnte unser Problem einigermaßen gut schildern und freue mich über Ideen, Tipps und Antworten!
Danke im Voraus!
 
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Kenne ich gut.
Ohne es eine Lösung zu nennen:
Die Summe der Stunden an Pflegeaufwand für alle Bewohner ergibt sich aus den Pflegestufen. Da ist der Zeitaufwand je Bewohner ermittelt und festgeschrieben worden. Diese Zeit verkauft die Leitung/der Betreiber an die Kunden/Bewohner.

Laut Pflegeschlüssel und Mitarbeiterzahl verteilen sich diese Pflege-Stunden täglich auf euch, z.B. FD 3 Mitarbeiter +Hauswirtschaft, SD 2 MA + Hauswirtschaft, ND 1 MA (nur als Beispiel). Erbringen diese Mitarbeiter die erforderlichen Gesamtstunden des Tages für das Haus/den Wohnbereich? Wieweit PDL, Heimleitung und Büro da von ihrer Zeit in die Berechnung reinfließen lassen, ist mir unbekannt. Sollte die Stelle, die den Pflegegrad ermittelt, sagen können.

Diskutiere das mit Kollegen, Kolleginnen, Betriebsrat, PDL, Heimleitung, Gewerkschaft. Es gibt noch andere Stellen, die das interessiert, aber nach aussen tragen ist so eine Sache. Hab ich nie gemacht, nur still gelitten und meine Zeit hergegeben.:headwall:

14 x PG4 gibt aber ne menge Zeit, 7 Sunden sind in einer Schicht schnell an die BW verbraucht (eine halbe Stunde je BW, vom Gesamt-Tagesaufwand des BWs), und das nur mal die PG4, andere sind ja auch noch zu versorgen - ich weiß nicht, wie PDL und HL sowas rechnen. Ich habe das Gefühl, es geht nach der Formel:
((Hat doch bisher geklappt) * (so weitermachen) + (kein Hahn kräht danach) ) / (die Bank).:ironie3:
 
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Willy_Wuff

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Wie cool is das denn ?
Maximale Gewinne bei minimalen Personalkosten.
So wie du es beschreibst würde ich für mich als einzige Möglichkeit nen Arbeitsplatzwechsel sehen, denn das hält niemand lange durch und die eigene Arbeitskraft verkauft man für Geld, nicht für gute Worte. Die eigene Gesundheit sollte man nicht verkaufen, erst recht nicht so billig.
Wenn mehrere zum gleichen Arbeitgeber wechseln hat der genug Personal und somit auch anständige Arbeitsbedingungen.
Smile

Einfach mal in nem anderen Haus anrufen und sagen das man Interesse hätte da zu Arbeiten und nen termin sagen an dem man gerne Hospitieren möchte.
Der neue Arbeitgeber kann sich nen erstes Bild machen und vor allem kann man sich selbst nen Bild machen, in dem man sich anguckt ob die Leute in dem Haus genau so vertig aussehen wie im eigenen Haus.
Job wechsel in unserem Beruf ist so herrlich einfach und das beste ist... WIR können uns unseren Arbeitsplatz aussuchen.
 
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Fachpfleger für Intensiv Medizin
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23.03.2006
26169
Wenn mehrere zum gleichen Arbeitgeber wechseln hat der genug Personal und somit auch anständige Arbeitsbedingungen.
Mehr AN = mehr Lohnkosten, er wird betriebsökonomisch denken und nicht mehr einstellen, als er muss. Er ist schließlich kein Armenhaus - oder ist er?
Job wechsel in unserem Beruf ist so herrlich einfach und das beste ist... WIR können uns unseren Arbeitsplatz aussuchen.
Hast du das öfter gemacht? Ist das so?
Die Geschichte vom AG, der händeringend auf mich gewartet hat und zu allen Bedingungen ja sagt, halte ich für einen Wunschtraum.
Klar braucht er mich, aber zu SEINEN Bedingungen.
und die eigene Arbeitskraft verkauft man für Geld, nicht für gute Worte
Ich habe mal nach einem Kurzeinsatz (vom Arbeitsamt vermittelt) im Übernahmevertrag Änderungen formuliert, die ICH haben wollte, AG: "NEIN. Individuelle Arbeitsverträge machen wir nicht." Da bin ich wieder gegangen. Nächster AG - mit Handkuss genommen, aber - ich kleinlaut zugesagt :applause: :shy:, keine große Klappe mehr.:bucktooth:

Jau, ich war kein Working Class Hero.:motz2:
 
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Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Mehr AN = mehr Lohnkosten, er wird betriebsökonomisch denken und nicht mehr einstellen, als er muss. Er ist schließlich kein Armenhaus - oder ist er?

Hast du das öfter gemacht? Ist das so?
Die Geschichte vom AG, der händeringend auf mich gewartet hat und zu allen Bedingungen ja sagt, halte ich für einen Wunschtraum.
Klar braucht er mich, aber zu SEINEN Bedingungen.

Ich habe mal nach einem Kurzeinsatz (vom Arbeitsamt vermittelt) im Übernahmevertrag Änderungen formuliert, die ICH haben wollte, AG: "NEIN. Individuelle Arbeitsverträge machen wir nicht." Da bin ich wieder gegangen. Nächster AG - mit Handkuss genommen, aber - ich kleinlaut zugesagt :applause: :shy:, keine große Klappe mehr.:bucktooth:

Jau, ich war kein Working Class Hero.:motz2:
Kla wird er betriebsokonomisch denken, aber wenn er die Leute hat die er braucht, ist er ja schon der Held auf dem Markt.

Individuelle Verträge ist immer schwierig, eigendlich nur ne Frage der Zeit, bis sie den Betriebsfrieden eliminieren.

Aber ich kann hospitieren und zumindest begrenzt hinter die Mauern gucken, bevor ich nen Vertrag unterschreibe.
Ich kann gucken ob er tariflich, übertariflich oder untertariflich zahlt.
Ich kann schaun was für Zulagen er zahlt und ich kann schauen was mir ein anderer bietet, und dann entscheide ich mich für die best mögliche Lösung.
Wenn ich mobiel und flexiebel bin ist such Zeitarbeitsfirma ne Option.
Angebot und Nachfrage, das Angebot ist klein, die Nachfrage ist gross, wird also mal zeit das die Pflege wirtschaftliche Gesetzmässigkeiten für sich nutzt.
 
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Fachpfleger für Intensiv Medizin
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IMC

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