Intensiv Wieviel Urin nach BVK-Anlage ablassen ?

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B

Bubbleman

Ich poste einfach mal hierein, weil sich diese (An-)Frage nicht an einem spez. Fachgebiet festmachen lässt.

Immerwieder hört man, daß man nach Neuanlage eines Blasenverweilkatheters (bei zB Harnverhalt) zunächst nicht mehr als ca. 500ml Urin spontan ablaufen lassen soll.
Nun frage ich mal in die Runde, was Ihr dazu meint.
Bitte begründet eure Antworten eindeutig.
Welche Meinung ich vertrete und die entsprechende Begründung poste ich später um keinen in seiner Antwort zu beeinflussen.
Ich bin neugierig auf Eure Antworten.
 
R

RETTUNGSSANI

Mitglied
Basis-Konto
22.03.2001
www.wuffwuff.at.tf
Hi Bubbleman!

Also, das haben wir auch so gelernt und zwar mit der Begründung, dass die Blase sonst in sich zusammmenfällt! Muss wohl mit den großen Druckunterschied was zu tun haben! Ich kann mir nur vorstellen, dass durch den Ablass ein Unterdruck entsteht!

Lg
RETTUNGSSANI :redface:
 
Qualifikation
Schülerin
Fachgebiet
Schule für Gesundheits- und Krankenpflege im Kaiserin Elisabeth Spital Wien
Achim

Achim

Mitglied
Basis-Konto
16.01.2001
Kerken
Hallo Bubbleman.

Ich kenne genau die selbe Begründung wie Rettungssani. So hat man es mir in der Schule beigebracht. Ältere Kollegen sind auch auf diesem Stand und wissen nur diese Begründung.

Aber bin mal gespannt, was Du dazu schreiben wirst.

Gruß
Achim

[ 14. August 2002 17:41: Beitrag editiert von Achim ]
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Hospiz & Substitutionspraxis
Weiterbildungen
RettAss
B

Bubbleman

Themenstarter/in
Ich antworte einfach jetzt schon mal.
Die Blasenwand und somit die Blase ist ein dehnfähiges Gewebe.
Ist die Blase leer, zieht sie sich zusammen, füllt sie sich, dehnt sie sich aus. Genau wie ein Luftballon.
Es handelt sich nicht um muskuläres Gewebe.
Daher macht die Begründung, daß ein Vakuum entsteht, die Blase "Verkrampft" oder kolabiert, wie man so manchesmal hört überhaupt keinen Sinn. Diese Ansicht vertreten auch unsere Urologen.
Der einzige Grund der EVTL. vorstellbar ist, ist folgender :
Wenn die Blase sehr stark gefüllt ist, verdrängt sie die umgebenden Organe und presst ein Teil des Blutes aus Ihnen heraus. Läßt man den Urin SEHR schnell ab, besteht die theoretische Möglichkeit, daß das "schnell" wieder in die Organe einfließende Blut zu einem Blutdruckabfall führt.
Andererseits muß man sich überlegen, was bei einer Geburt passiert. Das Volumen das dort u.U. sehr schnell "verschwindet" dürfte deutlich höher liegen. Ganz zu schweigen von der höheren Verdrängung.

Meiner Meinung nach macht es also überhaupt keinen Sinn nach 500ml abzuklemmen, man verlängert nur unnötig die Qual des Patienten (Harnverhalt).

Ich bitte um Meinungen.
 
D

Dirk Knück

Themenstarter/in
Hallo Bubble!
Hierzu ein ZItat aus dem Pflegebuch aus dem Thieme-VErlag (Auflage 9 Jahrgang 2000) : <BLOCKQUOTE>quote:</font><HR>sind grössere Mengen Urin in der Blase, kann das Ablassen von mehr als 800 ml zu einem sogenannten Blasenkollaps führen. Dabei füllen die Baucheingeweide den plötzlich wieder frei gewordenen Platz der Blase aus. Je nach Situation des PAtienten kann dieses zu einem Blutdruckabfall (relativer Volumenmangelschock) führen. Es empfiehlt sich daher, den Kathetervorgang nach 800 ml abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.<HR></BLOCKQUOTE>
Hier spricht man also lediglich von einer Empfehlung, und auch die Menge ist mit 800 ml beschrieben. Ein anderes Standardwerk in der Pflege "KLinikleitfaden Pflege" schreibt zu diesem Thema : <BLOCKQUOTE>quote:</font><HR>ACHTUNG: bei Harnverhalt (überfüllte Blase) Urin nicht im Schuss entleeren, Urinfluss durch zusammendrücken des Katheters drosseln, nicht die gesamte Urinmenge auf einmal ablassen (ca. 30 Minuten Zeit zum Ausgleich der Druckverhältnisse lassen)<HR></BLOCKQUOTE>
Nun stellt sich die Frage : Ist das was die Literatur beschreibt seit Jahren falsch, oder hat man es nur nicht wiederlegen wollen ????
Die nächste Frage ist : wie gross ist denn der Leidensdruck eines Patienten mit Harnverhalt, NACHDEM bereits eine Urinportion von 500 - 800 ml entleert wurde ???
Gerade letzte Woche habe ich im Nachtdienst eine Patientin erlebt, die vollkommen beschwerdefrei eine Urinmenge von 1900 ml in der Blase angesammelt hat. Es war sicher vertretbar, dort den Urin fraktioniert abzulassen.

Liebe Grüsse

Dirk
 
S

Simon Joerg

Mitglied
Basis-Konto
27.03.2002
Wir wissen doch alle, dass das wenigste in den Pflegebüchern wissenschaftlich bewiesen ist. Ich erinnere nur an das Eisen und Fönen. Dann macht mal einer eine korrekte Studie und schon steht es nirgendwo mehr. Aber es gibt halt viel zu wenige pflegepraktische Studien, wer soll die auch bezahlen :confused:
Ich begründe meine Meinung mal ganz pragmatisch:
Wenn ich auf einer Party mal sehr viel Bier trinke, dann zögere ich den ersten Toilettengang immer sehr lange heraus. Durch eine "Eigenstudie" hat sich der Satz "Gehst du einmal, gehst du immer!" bewahrheitet.
Wenn ich dann das erste mal Wasser lasse, ist das eine sehr große Menge. Bisher bin ich erstaunlicherweise noch nie in einen Volumenmangelschock gekommen, meine Blase ist auch noch nicht kollabiert. Ich möchte den Selbstversuch aber nicht auf das Katheterisieren ausdehnen :D !
Schönen Gruß
Simon
 
Qualifikation
Krankenpfleger Student der Pflegepädagogik
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
R

RETTUNGSSANI

Mitglied
Basis-Konto
22.03.2001
www.wuffwuff.at.tf
[QB]Ich antworte einfach jetzt schon mal.
Die Blasenwand und somit die Blase ist ein dehnfähiges Gewebe.
Ist die Blase leer, zieht sie sich zusammen, füllt sie sich, dehnt sie sich aus. Genau wie ein Luftballon.
Es handelt sich nicht um muskuläres Gewebe.

Es handelt sich serwohl auch um Muskelgewebe:
Medizinische Physiologie, Schauf, de Gruyter:
Die Harnblase ist eineme dichten Sachk vergleichbar, dessen Wand aus glatter Muskulatur besteht und mit einem dehnbaren Übergangsepithel ausgekleidet ist...


Der einzige Grund der EVTL. vorstellbar ist, ist folgender :
Wenn die Blase sehr stark gefüllt ist, verdrängt sie die umgebenden Organe und presst ein Teil des Blutes aus Ihnen heraus. Läßt man den Urin SEHR schnell ab, besteht die theoretische Möglichkeit, daß das "schnell" wieder in die Organe einfließende Blut zu einem Blutdruckabfall führt.
Andererseits muß man sich überlegen, was bei einer Geburt passiert. Das Volumen das dort u.U. sehr schnell "verschwindet" dürfte deutlich höher liegen. Ganz zu schweigen von der höheren Verdrängung.

Klingt recht logisch!

Meiner Meinung nach macht es also überhaupt keinen Sinn nach 500ml abzuklemmen, man verlängert nur unnötig die Qual des Patienten (Harnverhalt).

Ich glaub zwar nicht, dass ich diese Erfahrung habe wie du Bubbleman, frage jetzt aber trotzdem: Ist es bei dir schon mal passiert, dass die Blase "kollabiert", oder wie immer man es jetzt nennen mag, ist?

Ich bitte um Meinungen.[/QB]
Lg
RETTUNGSSANI :redface:
 
Qualifikation
Schülerin
Fachgebiet
Schule für Gesundheits- und Krankenpflege im Kaiserin Elisabeth Spital Wien
B

Bubbleman

Themenstarter/in
Es ist noch nie irgentwas passiert, was ich aber nicht als Beweis ansehe.
Die Blasenwand besteht natürlich auch aus muskulärem Gewebe, habe mich da von grauen Erinnerungen verleiten lassen. Nachdem ich selbst nochmal nachgeschlagen habe muß ich mich hier korregieren. Ich glaube dennoch nicht an einen potenzielle Verkrampfung. Wie gesagt manche Miktion geht schneller als das Ablassen über einen BVK.
 
B

Bubbleman

Themenstarter/in
Wenn man mal beobachtet wie "schnell" der urin durch einen Katheter gängiger größe abfließt (12-18 Ch) stellt man fest, daß es erheblich langsamer (12Ch) oder höchstens etwas schneller (18Ch) als bei einer physiologischen Miktion von statten geht. Um einen Volumenmangelschock auszulösen müßte die Blase schon "platzen". Und ich erinnere nochmal an die Entbindung.
Klar gibt es Patienten, die selbst sehr große Urinmengen in der Blase problemlos tollerieren, es nichtmal merken (...ich habe schon 2 Tage kein Wasser mehr gelassen, da stimmt doch was nicht), zahlreichen macht es aber enorme beschwerden.
Ihr kennt das sicher wenn Ihr mal müßt, und und die nächsten zwei Stunden ist keine Toilette erreichbar, und die 7 Bier von eben sind nichtmal in der Blase angekommen.

Und leider ist es tatsächlich so, das viele Pflegetätigkeiten in keiner Weise erforscht sind. Man macht einiges weil man es so gelernt hat, und weil es richtig erscheint aber tatsächlich bewiesen hat es noch keiner. Da müssen die Pflegewissenschaftler noch viel forschen.

Da fällt mir spontan noch ein Beispiel ein. Wir nutzen zur Decuprophylaxe Pegasus Biwave Matrazen, wenn Lagern allein nicht hinreichend ist. Irgentwer (könnte sogar der Hersteller gewesen sein) brachte die Parole aus, daß keine Spannbettlacken dafür verwendet werden dürften, da dies die Wirksamkeit beeinträchtigen würde (Hängematteneffekt, das Lacken spannt ja über den leeren Kammern und erzeugt Druck).
Man solle doch lieber unsere alten, konventionellen (harten, gestärkten) Lacken verwenden...
 
Pflegeboard.de

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05.07.2001
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