Wie viel pharmakologische Kenntnisse hat/braucht das Pflegepersonal?

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H

Hartwig

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30.11.2005
75010
Moin Forum!

In der Praxis erlebt man immer wieder Situationen wie die folgenden:

Ein Patient fragt: "Wozu muss ich denn die kleine gelbe Pille nehmen, die hatte ich doch sonst auch nicht?"
Die Schwester antwortet:"Keine Ahnung, die ist ihnen eben angeordnet!"

Eine Patientin fragt:"Muss ich die Pille vor oder nach dem Essen nehmen?"
Die Schwester antwortet:"Das müssen sie den Arzt bei der Visite fragen!"

Eine Schülerin will sich auf ihr praktisches Examen vorbereiten, lernt Wirkung und Nebenwirkung der Medikamente, hat diesbezüglich eine Frage an die Schwester, diese antwortet: Das musst Du nicht wissen, oder willst Du etwa Ärztin spielen?"

Diese und ähnliche Erfahrungen, zusammen, mit der Erkenntnis, dass Pharmakologie zumindest in meiner Ausbildung so gut wie nicht unterrichtet wurde, bringen mich zu der Frage, was und wie viel müssen/wolle wir eigentlich wissen?
Manchmal scheint es mir, einige Kollegen sehen ich - vielleicht unbewusst - vor allem in der Rolle des Pillenverteilers. Es genügt, zu kontrollieren, ob der richtige Patient, das richtige Medikament bekommt. Ist das alles? Ist das Pflege??? :nono:
Muss man sich da nicht die Frage stellen, ob es dann noch betriebswirtschaftlich gerechtfertigt ist, dass Tabletten von Krankenschwestern gestellt und verteilt werden, denn wenn Kontrolle alles ist, kann man dafür auch ungelernte 1 Eurojobber nehmen.
Wo liegt also unser Knowhow, unsere pflegerische Kompetenz, wie rechtfertigen wir, dass wir weiterhin diese Aufgabe übernehmen?

Gehört es nicht zur Pflege, den Patient zu informieren, wann und wie er das Medikament zu nehmen hat?
Ist es nicht die zentrale Aufgabe der Pflege in Verbindung mit den Medikamenten, darauf zu achten, ob sich wirken, oder eventuell Nebenwirkungen entwickeln?

Bei meiner praktische Prüfung führte ich bei zwei Patienten Medikamentenschulung durch. Bei dem einen Medikament handelte es sich um ein Immunsuppresiva. Ich informierte den Patienten kurz über die Wirkungsweise des Medikaments, über den Grund, weshalb es es einnahmen müss und führte dann eine ausführliche Beratung durch, auf welche Dinge er in Zukunft für die Dauer der Einnahme achten sollte. Die Lehrerin reagierte sehr positiv auf diese Beratung, die Kollegen auf der Station eher weniger: Was sowas sollen wir auch noch machen? Da habe ich gar keine Ahnung! Das ist Aufgabe der Ärzte!
Wo sehen wir also unsere Position? Sind wir überbezahlte Pillenverteiler, oder können wir Verantwortung übernehmen und den Patienten professionell beraten?
Die Frage ist allerdings: Bietet die Pflegeausbildung in der bisherigen Form ausreichend Inhalte, um dieser Verantwortung nachzukommen? Müsste nicht noch viel mehr Wert gelergt werden auf die Wirkungsweise und Dosierung der Medikamente und auch speziell auf deren Nebenwirkungen, denn wie soll ich etwas beobachten, wenn ich nicht weiß, auf was ich achten soll?
Das einzige Mal, wo wir damals im Unterricht ausführlich über Wirkungsweise von Medikamenten gesprochen haben war bei den Diuretka. Also, beispielsweise, an welchem Teil der Henle-Schleife setzen Schleifendiuretika an? Wie funktionieren Kalumsparende Diuretika, wie wirken Aldosteronantagonisten usw. Als ich damals auf meiner Station davon erzählte war der Kommentar: Wozu brauchst Du das, das einzige, was du bei Diuretika wissen musst ist, dass man danch pissen muss, alles andere interessiert den Arzt...
Soviel zum Thema Beratungskompetenz. Die Frage ist also, was sollte Pflegepersonal über Pharmakologie wissen?

Gruß Hartwig
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
B

BMG77

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
28201
Viele Fragen, keine Antwort...

Ich denke es liegt daran wo man arbeitet und wie sehr man mit Medis in Berührung kommt. Ich behaupte mal das in der Chirurgie weniger Medis gegeben werden als in bei den Internisten. Auch ist es von Bereich zu Bereich unterschiedlich welche Medis gegeben werden.

Grundsätzlich sollte man wissen wann und wie die medis eingenommen werden. Wie kontrolliert wird und warum doppelt kontrolliert wird sollte man auch wissen, ist nämlich wichtig!!
Das ist das was jeder wissen/können sollte, sind auch leicht zu beschaffende Informationen.

Dann finde ich es noch wichtig das man die gängigen medis der Abteilung kennt in der man arbeitet. Alles weitere ist Arztsache oder auch die des Apothekers, nicht Angelegenheit der Pflege.

Mehr gibt es da meiner Meinung nicht zu sagen. Pflege sollte erstmal lernen pflegefachlichen Rat zu vermitteln dann kann man über weiterführende Felder reden.

Gruß
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
postoperativ

postoperativ

Mitglied
Basis-Konto
01.04.2007
67551
Hallo,

gerade in der AP war Med-lehre zwar Unterricht gewesen aber nicht wirklich relevant.
Wenn Medis verordnet wird die nicht gänig bzw, unbekannt ist schau ich nach. Will ja schon wissen was ich den Leuten gebe......und es ist wichtig bei neuen Medis Nebenwirkungen ect. zu kennen.


LG, postoperativ
 
Qualifikation
exam. Altenpflergerin
Fachgebiet
ambulante Pflege
Weiterbildungen
PDL, PA,TQB
T

Tinimaus

Hallo,
also ich denke das wir schon eine gewisse Pflicht haben zu wissen was wie und wann wir das geben... denn ich trage die verantwortung für meinen Patienten ja auch... und beim waschen weiss ich ja auch wies geht ...
bei uns ist es relativ einfach denn wir stellen medis immer dann in der Minute in der wir sie brauchen und verteilen sie dann gleich... ( tabletten, IV, ...)
allerdings denke ich geht das auf Intensiv einfacher... dann kann ich jedesmal nachlesen welche besonderheiten es gibt...
Ausserdem kann man Listen entwerfen wo die dort gebrauchten Medis stehen und deren Besonderheiten...
Ich finde es macht schon etwas aus wie kompetent wir auftreten vor den Patienten und vor den Ärzten... Ich habe da aber auch einen sehr hohen anspruch an mich selbst und ärgere mich immer wenn ich was net weiss und lese nach...
bei uns kam in der Ausbildung Pharma auch viel zu kurz, aber das grösste problem fand ich war die Verteilung der Stunden... Du lernst was über Diuretika und hattest die Niere aber noch net in Anatomie Zum Beispiel... das fand ich nervig...
LG Tini
 
S

stupanka

Aktives Mitglied
Basis-Konto
29.11.2006
52070
Hallo,natürlich haben wir eine Beratungspflicht bezüglich der Medikamente.
Zumindest im AH werden in der Regel ähnliche Medis verordnet.
Im Grunde muss ich wissen für was das medikament da ist,m.E:reicht es aus im Groben zu wissen wie die Wirkweise ist.Besonderen Wert sollte gelegt werden auf NW und WW.Manchmal wissen auch Ärzte nicht alles,aber wer lesen kann ist klar im Vorteil,icxh lese nach wenn ich etwas nicht weiss.
Ich sage auch dem BW,wenn ich es nicht genau weiss und gehe mit ihm den Waschzettel durch.

Was mir irgendwie immer im Kopf ist,sind die NW von Aigoxin und Digitoxin sowie Marcumar und ASS.
Das sind die Medis die bei uns sehr häufig angeordnet sind.
Wenn ich den HA informiere,dass sein Patient über Übelkeit klagt und das schon seit Tagen,ohne ein Anzechen von Infektion,dann erwarte ich eigentlich,dass er ein Blutbild macht,ob eine Überdigitalisierung vorliegen könnte.
Aber....Pustekuchen,der Mensch verordnet Omep.
Auf die Nachfrage ob in letzter Zeit ein Digitalisspiegel gemacht wurde war die Antwor,Jaaaaaaaa,ich komme morgen mal vorbei zur Blutabnahme.
Ohne weiteren Kommentar wurde das Digitalis reduziert.
Also,ich sehe auch unseren Teil der Verantwortung,denn Pillen einfach verteilen,da kann ich jeden Depp nehmen.
Wozu machen wir denn sonst unsere Ausbildung???
Und wir haben die Pflicht uns selber Fort und Weiter zu bilden.

Lg stupanka
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Stationär Altenheim
flocky

flocky

Mitglied
Basis-Konto
25.12.2005
14157
Ich denek schon dass man zuimindest Grundkentnisse im Bereich Pharmakologie haben sollt , und auch bei uns kam die ttatsächlich in der Aisbildung viel zu kurz- also immer schön nachlesen , denn wenn ich eine Medikament verabreiche sollt ich zumindest im Groben wissen was für Nebenwirkungen auftreten könnten.Allerdings eine Medikamnetschulung durchführen das ist meiner Ansicht nach Bestandteil der Therapie und das ist Aufgabe des Arztes.Nichts desto trotz sollte man schon in der Lage sein auf Nachfragen , zumindest im Groben zu antworten-obwohl nach chemischen Details fragen auch die wenigsten.
Leider sind auch die Ärzte in Pharmakologie nicht besonders gut geschult - meist gibt es in verschieden Häusern Standardtherapien und wenn du mal was hinterfragst steh die auch oft auf dem Schlauch. z.B. Medimanetengabe über PEG welche Medikamente dürfren gemörsert werden , welche auf keinen Fall , passiert immer wieder dass wir als Pflegekräfte darau hiweisen müssen das die Medikation umgestellt werden muss.
Flocky
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere
U

UlrichFürst

Ich behaupte mal das in der Chirurgie weniger Medis gegeben werden als in bei den Internisten.
Ahem *Räusper*. Kann schon sein, aber es stürzt durchaus der ein oder andere internistisch vorbelastete Patient.

Zum Thema:
Ich denke auch, dass man wissen muss, was man da verteilt. Zum einen muss ich auf Nebenwirkungen achten können. Auch wenn mir Wechselwirkungen, Kontraindikationen o.ä. bekannt sind muss ich ja den Arzt informieren können. Ich muss wissen, ob der Patient das Antidiabetikum vor, deutlich vor oder zum Essen einnehmen muss; wann ich Schilddrüsenmedikamente geben muss (und am besten auch warum, erhöht die Komplienz des Pat ungemein) uvm.

Schließlich bin ich derjenige der darauf achten muss, dass es auch wie gedacht eingenommen wird. Sonst frägt sich der Arzt, warum das so schlecht wirkt oder warum sich der Patient so schlecht einstellen lässt.
Im Prinzip sind das Dinge die der Patient selber können sollte, wenn er das entsprechende Medikament einnimmt. Da wir ja die Dinge vom Patient übernehmen, die er/sie nicht mehr selbständig durchführen kann bzw. ihm dabei helfen, sind wir es die dieses Wissen haben müssen.

Ulrich
 
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
Basis-Konto
15.09.2006
86647
:thumbsup2: Yo Ulrich, genau so und ich freue mich, wenn es Pflegekräfte wie Stupanka gibt!
und ich habe auch geräuspert!

Stellt Euch vor Ihr ruft den HA vom AH an und meldet son dunklen Stuhl, vielleicht Teerstuhl...und am dritten Tag "aber der BW nimmt Marcumar!!!" Mal so als grobes Beispiel. Im KH hatten wir immer Hämoccults im Stationsschrank und konnten Annahmen gleich beweisen und der Arzt war greifbarer als ein zuständiger Arzt im AH.

Pharmakologisches Wissen sollte man haben und im Zweifel nachlesen- das ist unsere Pflicht in unserer Verantwortung begründet!

Aber ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass jede Pflegehilfskraft das Basiswissen hat, um entsprechend wichtige Beobachtungen ernst zu nehmen und sie dann an das Fachpersonal weiterzugeben. Auch wenn, ist nicht immer gegeben, dass adäquat reagiert wird. Weil leider oft Zuständigkeiten-hierarchiebedingt?- von einem zum Nächsten geschoben werden...

Da sollten viele Pflegekräfte kritischer mit sich selbst ...und auch manchmal zum Wohle der anvertrauten Menschen mit den Ärzten umgehen.Leider...

Schönen Abend noch und süße Träume:eek:riginal:

Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
S

Surrogat

Pharmakologie ist ein hinreichend komplexes Thema wenn es richtig behandelt und nicht nur angeschnitten wird - so komplex, das selbst die meisten Ärzte nur ihr Standardrepertoire an Medikamenten kennen und so bei Neuverordnungen - theroretisch - gezwungen sind, die Rote Liste zu konsultieren.
Die meisten Anordnungen zur Medikamentengabe ignorieren schlicht die spezifischen Wirkweisen bestimmter Stoffe (nüchtern oder nach dem Essen macht teils schon einen grossen Unterschied) und so mancher Schmerzpatient musste schon leidvoll erfahren, das bestimmte Medi's sich in Kombination in ihrer Wirkung eben nicht ergänzen bzw. schon nicht mehr wirken bevor die nächste Dosis ankommt.

Aufgrund der aktuellen Rechts- und Ausbildungslage in Deutschland steht es Pflegekräften natürlich nicht zu eigenmächtig Medikationen an -, um - oder abzusetzen -lediglich Vorschläge dürfen geäussert, Gaben in sinvollem Rahmen "verzögert" und Hinweise an den anordnenden Arzt gegeben werden, aber selbst dies setzt natürlich voraus das man ein breitgefächertes Wissen im pharmakologischen Bereich besitzt, selbst wenn es nur für die üblichen Verdächtigen gilt - im Zweifelsfall hat der Beipackzettel schon so manches Problem gelöst.

Aktuell empfinde ich den Stellenwert der Pharmakologie in der Pflegeaus- und Weiterbildung als eindeutig zu gering, insbesondere wenn es um Dinge wie Kentnisse von Neben- und Wechselwirkungen (die ja in deutlich in den Bereich der Krankenbeobachtung und Risikominimierung gehören) geht - und gerade in Relation zu anderen Themen wie z.B. den auf nahezu unerträglich Länge ausgewalzten Pflegetheorien nach xyz.

Medikamenten stellen, verteilen oder diskutieren wir schliesslich jeden Tag (meist mehrmals pro Schicht) - hier muss eindeutig eine besser Aus- und Weiterbildung her, gerade um unserer Fürsorgepflicht gerecht zu werden.
Von der seit der GuKP-Ausbildung so häufig beschworenen "Beratungs- und Präventionstätigkeit" ganz zu schweigen.

Nebenbei können wir froh sein, das das deutsche Rechtswesen immer noch recht pflegefreundlich gestaltet scheint und die Anwälte nicht an Schadensersatzforderungen profitieren wie in den USA.
Dort wäre dieser Dialog

Ein Patient fragt: "Wozu muss ich denn die kleine gelbe Pille nehmen, die hatte ich doch sonst auch nicht?"
Die Schwester antwortet:"Keine Ahnung, die ist ihnen eben angeordnet!"
eine Lizenz zum Geld drucken...


Gruss,

Surrogat
 
B

BMG77

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
28201
Ahem *Räusper*. Kann schon sein, aber es stürzt durchaus der ein oder andere internistisch vorbelastete Patient.
Ändert nichts an der Tatsache das bei den Internisten mehr Medis gegeben werden. :blushing:

Gruß
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
B

BMG77

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
28201
Stellt Euch vor Ihr ruft den HA vom AH an und meldet son dunklen Stuhl, vielleicht Teerstuhl...und am dritten Tag "aber der BW nimmt Marcumar!!!" Mal so als grobes Beispiel. Im KH hatten wir immer Hämoccults im Stationsschrank und konnten Annahmen gleich beweisen und der Arzt war greifbarer als ein zuständiger Arzt im AH.
Ist mir was entganagen?? Stellen Pflegekräfte neuerdings Diagnosen??? Was wenn trotz Teerstuhl und Marcumar keine Blutung vorliegt?? Oder andersherum??
Es ist nunmal so geregelt das Ärzte für Diagnose und Therapie zuständig sind und nicht die Pflege. Natürlich ist es richtig und wichtig solche Beobachtungen weiterzugen und ggf. weitere Meinungen einzuholen, aber mehr sollte die Pflege sich nicht anmaßen.

Pharmakologisches Wissen sollte man haben und im Zweifel nachlesen- das ist unsere Pflicht in unserer Verantwortung begründet!
Richtig! Wichtig!

Aber ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass jede Pflegehilfskraft das Basiswissen hat, um entsprechend wichtige Beobachtungen ernst zu nehmen und sie dann an das Fachpersonal weiterzugeben. Auch wenn, ist nicht immer gegeben, dass adäquat reagiert wird. Weil leider oft Zuständigkeiten-hierarchiebedingt?- von einem zum Nächsten geschoben werden...
Also sollen die Symptome bekämpft werden?? Fachpersonal weiß mehr und sieht mehr??

Erstmal sollten die von dir beschriebenen Ursachen bekämpft werden und dann kann man darüber nachdenken was Pflege über Sachen wissen sollte die ins Aufgabengebiet des Arztes fallen.

Das heißt jetzt nicht das Pflege nichts wissen muss, nur das hier in diesem Thread dargestellte geht mir zu weit.

Hieraus entstehen dann Situationen wo der unerfahrene Arzt sich auf Schwester XY verlässt ("Die weiß das ja...") und in der Spätschicht steht dan Jungschwester YX und verlässt sich auf den unerfahrenen Arzt (der ja nicht nach der Frühschicht geht...) derwiederum meint alle Schwestern wissen das was XY weiß, und so weiter und so fort...

Erzählt mir jetzt nicht das sowas ja kaum vorkommt... Man muss nur mal diverse Studien über Fehler im KH lesen und man weiß das der häufigste Fehler der Medikationsfehler ist.
Wenn man da reinguckt sollte man sich erstmal darüber Gedanken machen wie man sicherstellt das die Medis richtig verteilt werden, heißt jeder Pat. bekommt das was verordnet ist. Dann kann man m.E. weiter über pharmakologisches Wissen von Pflege reden.

So long
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
MuuuHaaa

MuuuHaaa

Gesperrter Benutzeraccount
07.02.2007
0815
Hi,

ich kann nur sagen das ich während meiner Ausbildung mit Pharmakologie von meinen Kollegen "gequält" worden bin.

Worfür ist das?
Wie wird das abgebaut?
Welche Nebenwirkungen?
Welche Unverträglichkeiten?
u.s.w.......

Ich bin heute meine Kollegen noch dankbar für diese Fragstunden.

Ich möchte wissen wie es wirkt, wie es sich abbaut, welche nebenwirkungen es hat (ob die nach einiger Zeit verschwinden oder nicht), gibt es unverträglichkeiten. Wann darf ich was nicht geben........usw...usw

Vielleicht sollten wir uns daran erinnert das Ärzte auch nur Menschen sind (obwohl manche bestimmt gerne noch "halbgötter" wären) und das wir dem Patienten die "Gifte" reinschieben, dann sollten wir wenigsten wissen wofür und was passieren kann.

Ausserdem finde ich es extrem peinlich, wenn ein Patient mich zu Medikamenten etwas fragt und ich auf den Arzt verweisen muss.

Gruß

Vader
 
Qualifikation
Pointenkiller
Fachgebiet
Niemansland
T

Tinimaus

kann vader nur zustimmen...
 
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
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15.09.2006
86647
Wir können mit mehr Wissen aber adäquater agieren und entsprechend den Ärzten argumentieren- um des Pat. Willen, nicht um uns was anzumassen!

Wir massen uns nicht an Diagnosen zu stellen sind aber entsprechend geschult...warum sollten wir also nicht reagieren!? Wenn wir uns irren, wird der Pat. uns nicht böse sein wohl aber die Lawine nach uns-wenn wir richtig liegen- wenn sie mitbekommen,
dass wir die (un)er(n)ste Arztreaktion(nach evtl richtiger Vermutung) mit Schulterzucken hinnehmen....

Nein, wir massen uns nichts an...wir sind geschult, Verdachtsmomente zu werten und weiterzugeben! Und dabei bilden wir in unseren Köpfen natürlich "Diagnosen"

Und wenn Symptome zur Medikation in Relation stehen-könnten sollten wir das erkennen können.

Wenn wir was(aktuelles) nicht wissen, sollten wir uns schlau machen.....

und uns immer im Klaren darüber sein, dass wir vermutlich immer zu wenig wissen werden!

Und das hat für mich wenig mit Anmassung zu tun!

LG Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.01.2006
63110
Wenn wir was(aktuelles) nicht wissen, sollten wir uns schlau machen.....

und uns immer im Klaren darüber sein, dass wir vermutlich immer zu wenig wissen werden!

Und das hat für mich wenig mit Anmassung zu tun!
:thumbsup2:Genau!

:nono: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht. :suche:

Eveline
 
Qualifikation
Krankenschwester
A

ApoTom

Hallo,
ich möchte mal einen Beitrag aus der anderen Blickrichtung bringen und einmal mit einer vielleicht etwas provokativen Frage beginnen:

Wer kann Änderungen im Befinden oder im Gesundheitszustand eines Bewohners besser feststellen als ein Pfleger, der praktisch jeden Tag einen recht engen Umgang mit dem Patienten hat? Wieviel (und welches) pharmakologische Fachwissen ist dafür erforderlich?

Ich stimme einigen Teilnehmern hier vollkommen zu: das Pflegepersonal trägt eine hohe Verantwortung bie der Anwendung der Arzneimittel. Wie können die Pfelger dem gerecht werden, wenn selbst Ärzte und Apotheker nicth selten überfordert sind mit den komplizierten Fragestellungen gerade z.B. in der Altenpflege?

Außerdem stellen Diagnose und Verordnung ja nur einen Teil der Arzneimittelanwendung dar. Fast ebenso wichtig aber oft sehr vernachlässigt ist auch die Erfolgskontrolle der Behandlung, das Monitoring: wie wirksam ist das verordnete Medikament, Erfüllt es seinen Zweck (Was ist überhaupt der genaue Zweck?) und wird es vom Patienten vertragen?

Wenn Ärzte Fachleute auf dem Gebiet der Krankheitsdiagnose und (pharmakologischen) -behandlung sind und Apotheker Fachleute in Bezug auf die Eigenschaften der einzenen Medikamente sind, erleben Pfleger sehr häufig die Auswirkungen der Medikamente am Patienten hautnah. Sind sie nicht in gewisser Hinsicht die Fachleute, was die Verlaufskontrolle und die Beurteilung des Anwendungserfolges angeht? Hier ist es wichtig, mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen auch als solche zu erkennen und nicht als eigenständiges Krankheitssymptom zu deuten (was nach aktuellen Schätzungen bei etwa 40% der UAW geschieht).

Ich bin begeistert von den verantwortunsgbewußten Beiträgen hier, etwa von PetraS, UlrichFürst oder Stupanka.

Ich stimme auch Surrogat vollkommmen zu: die Pharmakologie ist ein hinreichend komplexes Thema. so komplex, dass meiner Meinung nach die meisten Fragen nur im Austausch zwischen den oben genannten Fachleuten liegt. Dass dies mit einigen Ärzten und auch Apotheker-Kollegen manchmal nicht einfach und manchmal auch nicht möglich ist, halte ich für das eigentliche Problem. Ich bin gerade dabei, eine Arbeit zu dem Thema zu schreiben und finde die Beiträge, die hier zu dme Thema gemacht werden sehr interessant.

Viele Grüße

ApoTom
 
HBR69

HBR69

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.10.2000
58644
Hallo Zusammen,

vieleicht kann man meinen Arbeitsbereich nicht ganz so vergleichen mit dem Bereich der Altenpflege aber wir mußten in der Fachweiterbildung reichliches Wissen in Bezug auf die Pharmakologie über uns ergehen lassen. Ich fand es damals ziemlich heftig. Heute bin ich froh darüber und wende es im Grunde täglich an. Allerdings ist der Bereich der Notfallmedis sehr überschaubar und leicht zu beherrschen. Wenn ich mir allerdings die Hausmedikation einiger internistischen Patienten so ansehe kann einem schon recht "schwindelig" werden bzw. weiß ich bei vielen Medis nicht so recht wie genau die Phamakogenetik ist oder auch wie eine Wechselwirkung auszuschließen ist. ABER: Das ist Gott sei Dank nicht mein Job!
Bei "unseren" Medis ist es so, dass wir bei allen Medis wissen, wie genau sie wirken und welche NW evtl. zu befürchten sind. Das liegt natürlich auch an der Tatsache das wir sie selber spritzen müssen und somit Bescheid wissen sollten:wink:

Es ist für mich auch selbstverständlich bei meiner Krankenbeobachtung auf evtl. Überdosierungen von bestimmten Medis zu achten. Das sollte aber von jeder Pflegekraft zu schaffen sein.....
Es dürfte doch jeder Pflegekraft auffallen, ob die Ödeme zunehmen und die Diuretikagabe evtl. erhöht werden müssten. Oder ob die Patienten tachycard oder arrhythmisch sind. Auch das ist keine große Kunst und gehört in jede Grundausbildung. Wenn mein Patient spastisch atmet und ich weiß, dass er COPD´ler ist gibt es auch eine Info an den Doc.
Großes Feld auch in der Analgesietherapie. Wer könnte denn besser als die Pflegekräfte beurteilen ob die Pillen oder das Pflaster oder die Spritze ausreicht?? Der Arzt, der einmal am Tag kurz den Patienten fragt ob denn die "Schmerzspritze" reicht?? Da sehe ich mich doch in der Pfiicht unseren Ärzten auf die Füße zu treten und eine evtl. Umstellung der Medis hinzubekommen. (Schmerzprotokolle werden bei uns ausschließlich vom Pflegpersonal geführt)

So gibt es noch weitere Beispiele wo ich durch einfache Krankenbeobachtung "Diagnostik" betreibe und "rein in der Pflege bleibe".

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
Kiki76

Kiki76

Mitglied
Basis-Konto
28.11.2007
21354
Hallo alle zusammen,

heikles Thema, dass bei meinen Kollegen gerne runtergespielt wird nach dem Motto: " Ja sind wir denn Ärzte "? Nee, aber Fachkräfte und mit Verabreichen des Medikamentes auch in der Verantwortung. Ich habe manchmal das Gefühl, dass eine AVO das Nonplusultra ist und Mitdenken somit überflüssig wird.

Ich hatte eine sehr gute Ausbildung ( mal Grüße an meine Schule schick ) und wir wurden zumindest in den gängigen Medikamenten und Medi-Gruppen ausgebildet. Da nun Generika auf dem Markt sind, wird es leicht unübersichtlich, aber man wurschtelt sich durch mit den Wirkstoffen. Ich finde es sehr wichtig, dass bestimmte Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und co. bekannt sind und das gebe ich auch an meine Schüler und helfer weiter, die mich dann umgehend rufen, wenn sie jene oder ähnliche Symptome feststellen. Sicher wäre es übertrieben, sämtliche Medikamente zu kennen, aber einen Grundstock an Wissen kann ich doch erwarten.

ABER: Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich einen Arzt auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen aufmerksam gemacht habe und dieser mich am Telefon zur Maus machte. Ich hätte mich da rauszuhalten, schließlich habe er studiert und nicht ich. :spinner: Dabei wollte ich doch nur größeren Schaden vermeiden, der dann auch eintrat. Und Gott sei Dank habe ich das Dokumentiert und schriftlich meiner PDL und GF mitgeteilt. Denn der Arzt sagte danach, er hätte nichts von dem anderen Medikament gewußt und es wäre meine Pflicht gewesen, ihn zu informieren. Das könne man von meinem Ausbildungsstand erwarten... :mad_2:

Grüße aus dem stürmischen Norden

Kirstin :lolli:
 
Qualifikation
Pflegefachkraft, WBL, Gerontofachkraft
Fachgebiet
WBL eines Wohnbereiches für Demenzerkrankte
Weiterbildungen
Mitglied im psychiatrischen Verband Schleswig- Holstein und Mitglied in einem Verband für Kommunikat
Fragmentis

Fragmentis

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Leute,

ich finde die Pharmakologie in der Pflege wichtig und richtig...
Natürlich tun wir dabei ein wenig den eigentlichen Job der Ärzte, die sich die Zeit nehmen sollten, das alles den Patienten zu erklären. Aber die meisten finden noch nicht mal Zeit, die wichtigsten Sachen ihren pflegerischen Kollegen zu erzählen (ich bin froh, da einen ärztlichen Kollegen zu haben, der sein Wissen auch teilt).

Aber im Endeffekt sind wir doch diejenigen, die für die Krankenbeobachtung Spezialisten sind. Und somit merken wir es auch als Erste, wenn es zu Nebenwirkungen kommt. Also müssen wir diese zumindest ungefähr einschätzen können.

Ich stelle fest, daß sich die Auszubildenden da ihrer Verantwortung selten bewußt sind. Dazu gibt es aber noch da Problem, daß die "alten Hasen" sie aber nie an den Medi-Schrank heranlassen und sie auch nicht von ihrer Erfahrung profitieren lassen. Das sagen mir viele Schüler, wenn sie im letzten Ausbildungsjahr zu uns auf die Station kommen. Und dann mit einem Oberkursler durch den Medi-Schrank zu wandern und festzustellen, daß er nicht einmal weiß...naja...egal...

Ich denke, daß sowohl theoretisch wie auch praktisch da mehr in der Ausbildung geschehen müßte und alle Kollegen der Pflege (und Pflegende in spe) sich noch ein wenig mehr damit beschäftigen müßten (und da schließe ich mich ausdrücklich nicht aus).

Viel Spaß auf pharmakokinetischen (ich liebe dieses Wort) Pfaden wandelnd wünschend verbleibend,
Euer
Fragmentis

P.S.:
Kiki, Du gibst uns ein Beispiel dafür, wie wir alle handeln müßten in solchen Situationen und berichtest von einem ärztlichen Kollegen, der scheinbar Angst vor der wachsenden Kompetenz der Pflegenden hat. Und wieder zeigt sich, wie wichtig eine gute Doku ist... Weiter so...
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
Schreiberin

Schreiberin

Gesperrter Benutzeraccount
Was passiert, wenn uns pharmakologische Kenntnisse fehlen, habe ich gerade eindrücklich erlebt. Letzten Montag kam ich nach zwei Tagen frei in die Schicht und wusch eine Bewohnerin, die schon über Tage erbrochen hatte. Zum ersten Mal holte ich meinen Kollegen, als ich das neueste Erbrochene sah, es war sehr dunkel. Als ich beim Bauch anlangte, war der bretthart. Verdacht auf Ileus, schnell ins KH. Ursache: Imodium akut, von der Hausärztin als Dauermedikation angeordnet, von uns ohne Nachdenken über zwei Wochen! verabreicht.
Es ist auch dazu gekommen, weil bei uns die festen Medikamente aus Zeitgründen eine Woche im Voraus gesetzt werden, aber eben auch, weil der Kollege, der die Medikamente gesetzt hat, nicht gewusst hat, was er da verteilt.
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Pflegeheim
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

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