Wie lange kann es dauern?

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Elli73

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27.03.2018
Thuringia, DE
Hallo Forum,

ich hoffe, ich bin hier in der richtigen Sparte. Seit einiger Zeit überlege ich meine Frage hier zu stellen - jetzt trau ich mich. Meine Mutter (82) lebt seit 2 Jahren aufgrund von Demenz im Heim. Seit November geht es ihr rapide schlechter. Ständige Krankenhausaufenthalte aufgrund von Exsikkose, Harnverhalt, Katheter - den sie regelmäßig gezogen hat, Blutdruckentgleisung über 300, Stürze, Essen und Trinkverweigerung, geistige Talfahrt.

Vor 3 Wochen rief mich ein Notarzt an und sagte, dass sie einen Zusammenbruch hätte, Blutdruck 70 - 20, und er möchte wissen, ob er sie noch mitnehmen soll oder im Heim belassen, mit der Konsequenz, dass sie dann versterben könnte. Ich bat darum sie in Frieden zu lassen. Er gab ihr eine Ringer Lösung, die ich bei meinem Eintreffen sofort ziehen ließ und ich legte alles fest, dass nur noch lindernde Maßnahmen getroffen werden und sonst nichts mehr.
Sie hat eine Herzschwäche, wurde vor einem Jahr mastektomiert - also hat Brustkrebs und ist nur noch Haut und Knochen. Sie hat aber wohl keine Schmerzen.

Seit dem liegt sie im Bett, hat die Augen geschlossen, spricht nur noch vereinzelt und mit großer Anstrengung. Lt. Pflegepersonal trinkt sie so um die 300ml täglich und isst manchmal ein bisschen Schokopudding.

Das geht nun über 3 Wochen so... und meine harte Frage ist nun - wie lange kann so ein Zustand anhalten, bevor man "gehen kann"? Mein Mann denkt, bei der Versorgungslage, dass sie doch noch etwas trinkt und manchmal isst, kann das noch viele Wochen so gehen... Ich bin psychisch am Ende und wünsche meiner Mama (und ja - auch mir) ein rasches Ende.

Was sind Eure vagen Einschätzungen?

Herzlichen Dank
Elli
 
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Sekretärin
Fachgebiet
Kanzlei
T

toptep

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24.07.2008
heidelberg
Hallo Elli,

es ist keine harte frage, sondern eine zutiefst menschliche.
du willst eine Zeitlinie wissen , du möchtest deiner Mutter weiteres Leiden ersparen und für dich endlich wieder wissen , wann das Leben normal weitergehen kann. Eine genaue Prognose, über das wie lange kann dir leider keiner geben----es kann noch einige Wochen gehen--es kann aber auch sehr schnell gehen.

Viel Kraft dir in dieser schweren Zeit

toptep
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
klinik
Weiterbildungen
Schmerzmanagement,palliaitive care--beide FB auch für die pädiatrie
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johannes2017

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Wir hatten eine Bewohnerin, die so ca. 3 Jahre lebte. Sie nahm immer mehr ab und war am Ende, als sie verstarb, fast mumifiziert. Aber: sie bekam noch viel mit. Hielt man ihre Hand, spürte man an ihrem Händedruck, dass sie zufrieden war und ihr Gesichtsausdruck sagte uns, dass sie nicht litt. Auch in dieser Phase gilt, würdevoll mit dem Menschen umgehen, auch was die Gespräche am und in der Nähe des Bettes betrifft!
 
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Altenpfleger
Fachgebiet
stationär
R

resigniert

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03.01.2013
Münster
@Elli73,
hast du deiner Mutter denn erlaubt gehen zu dürfen? Hast du ihr deutlich gesagt, was sie dir bedeutet, wofür du ihr besonders dankst und das sie gehen darf?
Egal ob sie dement ist, du weißt nur um ihre Reaktionen/Nichtreaktionen, du weißt nichts von dem, was sie erreicht.
Demente erfahren auch viele Informationen aus Emotionen und Körperberührungen.
Niemand kann dir sagen wie lange es noch dauert, es ist ein letzter Weg - lass ihr alle Zeit, die sie dafür benötigt. Aber sorge, wie bisher, auch dafür dass nicht übereifrige Pflege und Ärzte ihr zusätzliche Zeit aufbürden.
Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft
 
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GuK
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Intern
Karola Weissbrich

Karola Weissbrich

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19.07.2014
Münster
Hallo Elli,
ich weiß, dass das schwer ist und wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft.
Es heißt so schön "der Tod gehört zum Leben". Das ist jetzt die Art Deiner Mutter, zu gehen. Vielleicht braucht sie einfach noch Zeit, vielleicht - wie resigniert anmerkt - "fehlt" noch etwas / jemand.
So wie Du schreibst, wird sie gut versorgt und hat keine Schmerzen. Das ist schön.
Versuche, Deinen Blick auf die Situation zu überdenken. Es ist die letzte LEBENSphase Deiner Mutter, die sie so durchlebt, wie sie es braucht.
Bleibe im guten Kontakt mit dem Heim, damit die Wünsche Deiner Mutter berücksichtigt werden und Du weißt, wann sie Dich vielleicht braucht.
Bleibe aber auch in "gutem Kontakt" mit Dir selber und lebe Dein Leben so, wie Deine Mutter es Dir wünschen würde.
Liebe Grüße
Karola
 
Qualifikation
Verwaltung
J

johannes2017

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Liebe Elli,

oft weitet sich der Blick am Ende des Lebens. Jeder weiß, dass der Mensch nicht nur aus seinem Körper besteht, sondern auch aus seinen seelischen und geistigen Bereichen. Die funktionalen Bereiche treten in dieser Phase oft hinter die transzendenten Bereiche zurück. Während des Lebens verdrängte oder verschüttete Bereiche treten auf einmal in den Vordergrund. Kann es sein, dass Deine Mutter noch ungeklärte Fragen hat und auf etwas wartet? In den fünfzig Jahren im Dienst für Menschen (in der Seelsorge und der Pflege) habe ich viele Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet - auch deren Angehörige teilweise bis zum Grab.

Sicher, viele Menschen können heute mit den transzendenten Bereichen des Lebens nicht mehr viel anfangen. Aus meiner seelsorgerlichen Tätigkeit weiß ich jedoch, dass gerade beim Abschiednehmen diese Bereiche für den Sterbenden in den Vordergrund treten. Darum wage ich es, Dir ein paar tröstliche Worte zu vermitteln, die gerade jetzt an Ostern von herausragender Bedeutung sind - auch für Deine Mutter werden können:

"Und nun, liebe Brüder und Schwestern, möchten wir euch nicht im Unklaren darüber lassen, was mit den Christen ist, die schon gestorben sind.

Ihr sollt nicht trauern wie die Menschen, denen die Hoffnung auf das ewige Leben fehlt. Wir glauben doch, dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Darum vertrauen wir auch darauf, dass Gott alle, die im Glauben an Jesus Christus gestorben sind, auferwecken wird. Wenn er kommt, werden sie dabei sein.

Denn das hat uns der Herr ganz gewiss zugesagt: Wir, die beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, werden gegenüber den Toten nichts voraushaben. Auf den Befehl Gottes werden die Stimme des höchsten Engels und der Schall der Posaune ertönen, und Christus, der Herr, wird vom Himmel herabkommen.

Als Erste werden die auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind. Dann werden wir, die wir zu diesem Zeitpunkt noch leben, mit ihnen zusammen unserem Herrn auf Wolken entgegen geführt, um ihm zu begegnen. So werden wir für immer bei ihm sein. Tröstet euch also gegenseitig mit dieser Hoffnung." (1. Thess. 4,13-18)

Wie der Apostel den Gläubigen mitteilte - niemand von jenen, die im Glauben an Jesus Christus gestorben sind, wird zurück bleiben. Er wird sie bei seinem Kommen rufen und sie werden aus den Gräbern hervor kommen.

Auch wenn Menschen lehren, dass eine imaginäre Seele irgendwo hin wandert, um zu leiden, oder durchs Nirvana irrt, oder dass mit dem Tode alles zu Ende ist – Gott spricht eine andere Sprache. Gott spricht von Hoffnung, die nicht zuschanden werden lässt. Ich mache alles neu! Ist sein Versprechen.

Ausnahmslos alle, die ihm vertrauen, werden aus den Gräbern hervor kommen, wenn er erscheinen wird. Sie werden mit all jenen gemeinsam verwandelt werden in die Unsterblichkeit und diese Erde verlassen, um auf alle Zeit bei ihm zu sein. Bei dem, der sich nicht zu schade war, als ihr Schöpfer wie sie zu werden, Leid, Entbehrung, Verfolgung, Hass und schließlich den Tod zu erleiden. Er, dessen Liebe sie zu seinen Geschwistern gemacht hat.

Versprach er nicht, dass er uns voraus geht, um uns die Wohnungen zu bereiten und dass er wiederkommen wird um uns zu sich zu holen? So wie er bisher sein Wort gehalten hat, wird er es auch jetzt halten.

Darum sagt der Apostel:

„Tröstet euch also gegenseitig mit dieser Hoffnung!“

Auch wenn der Mensch wieder zu Staub zerfällt - der große Schöpfer, der uns einmal ins Leben rief wird auch ein zweites Mal rufen:

„Kommt wieder, Menschenkinder!“ (Ps. 90,3)

Diese Zeit des Abschiednehmens hilft dem Sterbenden und den Zurückbleibenden, Klarheit ins Leben zu bringen. Es ist geschenkte Zeit. Dir und Deinen Lieben wünsche ich viel Kraft in dieser Zeit.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
stationär
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Elli73

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Themenstarter/in
27.03.2018
Thuringia, DE
Danke Euch allen! Meine Mutter hatte es letzte Woche dann nach fast 8 Wochen Bettlägerigkeit geschafft. Sie ist um 3 Uhr morgens nach einigen Atemaussetzern friedlich eingeschlafen. Leider ohne mich, da ich erst um 6 Uhr vom Heim über ihren Tod verständigt wurde. Aber - das hat sie sich bestimmt so ausgesucht, da ich beinahe jeden Tag bei ihr war. Trotzdem geht es mir nahe, nicht da gewesen zu sein. Ich war dann von 8 Uhr bis zu ihrer Abholung um 16 Uhr noch bei ihr und habe geweint, mit ihr gesprochen und Abschied genommen. Es hat mir gut getan, das alles noch zu erleben. Auch als sie umgebettet wurde und der Sarg hinaus geschoben wurde. Emotional war das alles für mich in Ordnung.
 
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Sekretärin
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Kanzlei
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lulli00

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17.02.2016
Wien
Mein Beileid.
 
Qualifikation
Pflege
alteeule

alteeule

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liebe elli
auch mein herzliches beileid - du wirst diesen moment immer wieder erleben... und auch dass ist wie du schreibst gut so
meine mutter wollte nach langem krankenhausaufenthalt damals nur noch zurück in "ihr heim" und es ist sehr schnell gegangen (1woche)
ich habe zur zeit eine patientin im altenheim, die "geht" mittlerweile seit mitte januar ....
dabei werde ich immer wieder ganz demütig, weil es von den beteiligten nur akzeptiert werden kann

alles liebe
elke
 
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heilpraktiker
Fachgebiet
selbstständig
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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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