Arbeitsrecht Wie kurz darf eine Schicht sein?

Melos

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Guten Morgen

Wie kurz darf bei einem Beschäftigungsgrad von 100% in einem Pflegeheim eine Schicht sein?

Normalerweise ist eine Schicht 6-7h lang.
Wenn z.B. Personalmangel ist oder der Arbeitgeber Geld sparen will, gibt es auch diese kurzen Dienste von 2-3h.
Dann werden morgens einige Bewohner gewaschen und das war es dann.
So kommt der AN jedoch nicht auf seine Wochenstunden (oder ist 7 Tage die Woche da und es reicht dann immernoch nicht).

Leider spuckt google da nichts aus.

Danke euch
 
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PflegerPhil

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Hallo Melos,
Mit dem Dienstvertrag hat der Arbeitgeber das Recht Arbeitszeit anzuordnen. In dem Vertrag sollte jedoch auch ein Stundenkontingent stehen, welches zu verlangen ist. Dann kommt es darauf an, ob ein Tarifvertrag Anwendung findet und wie der Ausgleichszeitraum definiert ist. Grundsätzlich darst du nicht kopflos ins Minus geplant werden.
Wenn du beispielsweise eine 38,5-Stundenwoche bzw. 167-Stunden-Monat im Vertrag definiert hast, hast du das recht auf 7,7 Stunden Arbeit pro Arbeitstag (5-Tagewoche) bzw. 6,41 Stunden (Wenn eine 6-Tage-Woche vereinbart ist). Der Sonntag ist laut Gesetz arbeitsfrei. Wenn du an einem Sonntag arbeiten musst, musst du innerhalb eines Ausgleichszeitraumes einen Tag Ausgleichsfrei bekommen.
Übrigens "Minusstunden" kennt das Gesetz gar nicht. Wenn du dich über deine Rechte was den Dienstplan angeht noch näher belesen willst empfehle ich dir die Schichtplanfibel. Da findest du auch Infos zu Thematik Minusstunden etc: Minusstunden gegen Ende - Schichtplan-Fibel für Betroffene
 
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Nehmen wir mal an, es gibt eine Regelarbeitszeit und der AN hat Überstunden.
Kann der AG sagen, dass der AN immer für 2h am Tag kommt, bis die Überstunden weg sind?
Es muss ja auch noch auf den Fahrtweg geachtet werden, falls dieser recht lang ist.
 
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marinadiezweite

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Bei einem sogenannten kurzen Dienst geht es meist gar nicht ums Geld sparen. Sondern um die optimale Einsetzung der vorhandenen Pflegekräfte. Jedenfalls ist es bei uns so. Es macht ja keinen Sinn, wenn der Pflegeschlüssel für einen Wohnbereich eine bestimmte Stundenzahl hergibt. Und diese Stunden zu Zeiten abgeleistet werden, in denen keine zweite oder dritte Kraft benötigt wird. Bei uns sind daher auch ganz kurze Schichten, allerdings nicht eine von zwei Stunden sondern ca 3, 3 Stunden. Diese sind sinnvoll morgens zur Zeiten der Grundpflege und nachmittags zum Abend hin. Das kann der Arbeitgeber mal machen, wenn nicht ausreichend Pflegekräfte da sind. Dann muss er aber auch zusehen, dass er die einspringenden im angemessenen Umfang beschäftigt, so dass du problemlos auf deine Vollzeitstelle kommst.
Heißt vor allem, täglich 2 Stunden geht gar nicht. Sondern es muss von vornherein mehr Tagesarbeitszeit eingeplant werden. Denn die jenigen, für die du einspringst, arbeiten ja sicher auch nicht täglich nur 2 Stunden.

Unabhängig davon kann dir niemand Minusstunden anlasten. Wenn das aus irgendwelchen Gründen so geplant ist, muss der Arbeitgeber das im nächsten Monat ausgleichen. Kann er das nicht, falls man in der Tat stets nur für 2 Stunden eingesetzt wird, bleibt es sein Problem.
Die Frage, ob es lohnt und fahrtkostenmässig dann extra vergütet wird, ist sicher klar mit nein zu beantworten. Es er gibt sich sicher eine Planung, die etwas verändert werden kann, also mindestens jeweils 3 oder 4 Stunden. Da solltest du mal mit der PDL besprechen, dass du das so haben möchtest. Ich denke mal, dass du auch bei Fahrtkostenvergütung sicher nicht immer nur für 2 Stunden kommen möchtest. Überstunden falls vorhanden, können ebenso nicht einfach mit zwei Stunden täglich abgebummelt werden. Da würde ich die Machbarkeit ansprechen, da man in der Tat sonst wochenlang unnötig fährt bei 2-Stunden-Arbeit. Das kann man auch ohne rechtlichen Hintergrund verlangen.
 
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@marinadiezweite Das sehe ich auch so.
Ich selber habe das Problem nicht, sondern frage für jemand anders.
Unsere WBL/PDL/Heimleitung wollen so elegant Überstunden abbauen.
 
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Igel77

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@marinadiezweite Das sehe ich auch so.
Ich selber habe das Problem nicht, sondern frage für jemand anders.
Unsere WBL/PDL/Heimleitung wollen so elegant Überstunden abbauen.
Muhaha. Als hätte ich mir das gedacht.

Wodurch kommen in der Pflege Überstunden zusammen?
Durch Einspringen.

Bekommt man diesen freien Tag wieder?
Nein, siehe Verkürzung Arbeitszeit. (Ich gehe mal davon aus, dass das zu leistende Arbeitspensum NICHT an die Arbeitszeit angepasst wird.)

Muss man in der Zukunft weniger einspringen?
Nein, denn durch die mangelnde Erholungszeit verschleißt man eben auch schneller.

Gibt es einen Betriebsrat?
Wenn ja, hat der der AZ - Verkürzung zugestimmt?
 
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marinadiezweite

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Na ja, Überstunden, Minusstunden. Es hängt davon ab, ob jemand Überstunden hat. Wenn ja, dann ist auch logo, dass er diese nicht so schnell mithilfe von kurzen Diensten von je nur 2 Stunden abbauen kann. Aber davon unabhängig gibt mancher Wohnbereich einfach diese kurzen Dienste her. Geld sparen tut damit niemand. Es ist oft eine Art Frage des Systems. Es sind bestimmte STunden vorgesehen. Und auch wenn jemand Überstunden abbauen soll, werden nicht einfach dafür 7 Stunden pro Tag genommen. Sondern es wird einfach das System weitergeführt, dass man rechnerisch mit dem Personal den Wohnbereich abdeckt. Ob da über Mittag vielleicht nicht ausreichend Personal da ist, ist dabei manchmal auch nicht relevant.
In größeren Pflegeheimen wird sogar manchmal Personal von anderen Wohnbereichen abgezogen für eine Stunde, damit die trotz kurzer Dienste alles fertig wird.
Aber ich würde diese Gedanken nicht vermischen. Denn du hast ja sicherlich auch mal volle Stundenzahl.
Ja, es scheint dann doch sinnvoll zu sein, weniger einzuspringen. Oder nochmal das Thema anzusprechen, dass man keine kurzen Dienste von unter drei Stunden machen will, kann. Jedenfalls nicht für eine ganze Woche. Dabei ist es völlig egal, was sich ein Arbeitgeber dabei gedacht hat. Ob er sparen will oder Überstunden abbauen. IN Minusstunden kann man aber nicht kommen, solange man Überstunden abbaut. Das kann nur bei jemandem sein, der eh schon nur normal arbeitet und dann täglich kurze Dienste hat. Bei uns bekommen nur die Mitarbeiter mit einer geringen Stundenanzahl diese kurzen Dienste, man käme dann aber, wenn man wirklich täglich nur zwei Stunden arbeiten würde, wohl nicht auf die Wochen- und Monatsarbeitsstunden. Das kann sich kein Arbeitgeber erlauben, da man dann ja wirklich im Minus wäre, trotzdem aber viele Arbeitstage hätte und entsprechend viel frei kriegen müsste. Klingt nach schlechter Planung.
 
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