Innere Medizin Wie bestimmt Pflegepersonal den Grad der Mobilität?

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Hartwig

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30.11.2005
75010
Moin, moin!

Mobilisation ist ein zentrales Thema in der Krankenpflege. Wie beurteilen wir aber den Grad der Mobilisation? Also, nach welchen Kriterien entscheiden wir, ob ein Patient nun an die Bettkannte "mobilisiert" wird oder in den Stuhl? Irgendwie greifen wir auf Erfahrungen zurück, oder das, was uns in der Übergabe berichtet wurde, aber wie greifbar und valide sind diese Erfahrungen? Sind sie reproduzierbar? Besteht nicht die Gefahr, dass Patienten unter - oder überfordert werden? Hat uns beispielsweise der Kollege in der Übergabe erzählt, dass er den Patienten in den Sessel gesetzt hat, wissen wir zumindest dass dies möglich ist. Im besten Fall wissen wir auch noch, ob der Patient in den Sessel "gehievt" wurde; oder ob ein Grad der Mitarbeit dabei war. Wir wissen aber nicht, ob hier schon die Grenze erreicht wurde, wir wissen auch nichts über die eigene Motivation des Patienten usw. Ist es möglich, Kriterien festzulegen nach denen Pflegekräfte unabhängig voneinander den gleichen Mobilisationsgrad für einen Patienten zu bestimmen? Welche Diagnoseinstrumente können wir einsetzen, um gleich schon bei der Ausnahme eines in der Mobilität eingeschränkten Patienten den Grad seiner Einschränkung, aber auch seine verbleibenden Möglichkeiten zuverlässig festzulegen?
Ich denke, das Problem ist nicht trivial, zu dem scheint es kaum Literatur dazu zu geben. Was sind eure Erfahrungen?

Gruss Hartwig
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
kleinergizmo

kleinergizmo

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15.05.2005
61267
Hallo Hartwig,

damit hast Du glaube ich ein wirklich gutes und interessantes Thema angeschnitten :eek:riginal:
Ich kenn leider auch keinerlei Einstufungsinstrumente.... Nur hierzu wollte ich was beitragen:

Hat uns beispielsweise der Kollege in der Übergabe erzählt, dass er den Patienten in den Sessel gesetzt hat, wissen wir zumindest dass dies möglich ist. Im besten Fall wissen wir auch noch, ob der Patient in den Sessel "gehievt" wurde; oder ob ein Grad der Mitarbeit dabei war. Wir wissen aber nicht, ob hier schon die Grenze erreicht wurde, wir wissen auch nichts über die eigene Motivation des Patienten usw.
Ich kann jetzt nur berichten, wie es bei uns so läuft... Ich bin derzeit in der Neurologie eingesetzt, hier sind eben diese Aspekte ja schon wichtig - gerade, was den Grad der Forderung betrifft.
Die Infoweitergabe (und auch die Erfassung, das Begreifen) läuft da schon wesentlich besser, als Du in Deinem Beispiel beschrieben hast. Da wird bei der Übergabe erzählt, aber auch (von den allermeisten Kollegen) sehr genau dokumentiert, wie mobilisiert wurde, wie lange, ob eben mitgeholfen wurde, wie der Patient zur Mobilisation stand, ob es Schwindel oder auffällige VZ gab...
Zumindest diese Kriterien werden da schon gut erfasst. Aber ich hab so meine Zweifel, dass sich so ein Assessmentinstrument entwickeln ließe... Wenn, bin ich aber gespannt. :eek:riginal:

(...und werde vielleicht in 6 Jahren den weiteren 47. Zettel pro Patient verfluchen, der einen von der Arbeit abhält... :innocent:)

LG,
Gizmo

edit: Ich hab ja auch immer ganz irrational Bedenken, dass man sich mit zu vielen Einschätzungsinstrumenten die Fachkräfte ersparen könnte... Aber leicht gesagt, wenn man die eigene Kompetenz kaum an messbaren Größen festmachen kann *grübel*
 
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romana

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21.02.2008
Ostrach
Ich denke, dass es nicht möglich ist, Parameter festzulegen, an denen man den Grad der Mobilisation festmachen kann. Außer den messbaren Indikatoren wie Vitalwerte, Hautfarbe gibt es eben auch individuell verschiedene Reaktionen auf die Mobilisation. Jeder hat ein anderes Schmerzempfinden, die einen sind mutiger und wollen unbedingt gleich raus, andere sind ängstlich. Es ist hier eben immer noch viel gute Krankenbeobachtung und Einfühlungsvermögen gefragt, weshalb auch eben ältere Kollegen durchaus erwünscht sind, die bringen davon viel mit.

Ist echt ein interessantes Thema und ich bin auch gespannt auf weitere Antworten.

LG
Romana
 
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Weiterbildungen
Bin Praxisanleiterin und MAV
Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
Allround

Allround

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27.01.2008
65779
Je nach Abteilung ist die Mobilisation der Patienten unterschiedlich reglementiert.

Manch einer kann etwas, aber darf es nicht. (Orthopädie, Chirurgie)

Manch einer darf und kann eigentlich alles, ist aber durch seine Schwäche und Kreislauflabilität jeden Tag unterschiedlich mobilisierbar. (Onkologie z.B.)

Manch einer könnte, will aber nicht. (Psychiatrie z.B.)

usw.

Also das mit dem Assesmentinstrument wird da schwierig.

Mobilisation sollte innerhalb der festgelegten Regeln in Rücksprache mit den Patienten stattfinden. Motivationsverhalten und Erfahrung in der Anwendung von Techniken sind nötig.

Die Pflegenden brauchen vor allem genügend Zeit für diese Arbeiten. :whistling

Sonst helfen alle Einschätzungsinstrumente gar nicht.

LG, Allround
 
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Stationsleitung Krankenschwester
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L

Lisy

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03.04.2008
SCHWÄBISCH GMÜND
Hallo Hartwig,
spannendes Thema, ich kenn auch keine befriedigende Literatur zum Thema. Die Mobilisation wird meist sehr "individuel" gehandhabt.
Vieleicht wäre das ein Thema für die Uni Osnabrück?
Experenstandard Mobilisation?
Lisy
 
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H

Hartwig

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30.11.2005
75010
. Die Mobilisation wird meist sehr "individuel" gehandhabt.


Lisy
Ich denke, da liegt das Problem. Ich errinnere mich an eine Situation, wir kommen in ein Zimmer und eine ältere bettlägrige Frau bittet uns, sie möchte sich so gerne mal bewegen. Die Kollegin sagte daraufhin: Nein, das geht nicht, dazu sind sie zu schwach! Ich hingegen fand, dass man zumindest versuchen könnte, ihr dabei zu helfen, sich an die Bettkante zu setzen.
Nach welchen Kriterien haben wir denn jetzt entschieden? Es ist sehr schwer, das greifbar zu machen, aber, wie ich denke, für die tägliche Praxis von grosser Bedeutung, denn sonst hängt es mehr oder weniger vom Zufall, oder von der Pflegekraft, die gerade Dienst hat ab, ob und in welchem Grad ein Patient mobilisiert wird. Im Zweifelsfall entscheidet dann der Faktor Zeit, was man tut, aber das ist ein ganz anderes Thema...:heul:

Offensichtlich legt aber doch jede Pflegekraft bestimmt Kriterien an, um zu entscheiden, wie ein Patient bewegt wird. Diese Prozess läuft womöglich zum grossen Tiel unbewusst ab, vor allem, wenn die Pflegekraft sehr erfahren ist, aber trotzdem fällt sie ja auf irgendeiner Basis eine Entscheidung. Was mich nun interessiert, kann man dies in irgendeiner Form greifbar machen, was gilt es zu berücksichtigen, um eine erfolgreiche Moblisation durchzuführen? Wie lässt sich dann der Verlauf der Moblilisation nachvollziebar dokumentieren - insbesondere bei Langzeitpatienten? Welcher diagnostische Prozess läuft da ab?
Also sicherlich spielt die körperliche Konstitution eine wichtige Rolle. Ich kann mir zu Beginn einen Eindruck verschaffen über die Stabilität des Kreislaufsystems. Wichtig ist sicherlich auch, sich einen überblick über die allgemeine Motorik zu verschaffen (vor allem im Rahmen des Assessement bei der Aufnahme) In welchem Grad sind die Gelenke beweglich? Welche Muskelkraft besitzt der Patient. Das sind Faktoren, die ich im Rahmen einer körperlichen Untersuchung feststellen kann und die sicherlich eine grosse Rolle spielen bei der Frage, wie kann ich diese Person moblilisieren.
Daneben gibt es andere Dimensionen: Die Biographie der Person - hat sich sich schon immer gerne bewegt, Sport getrieben, oder war sie eher bewegungsfaul. Wie motiviert ist die Person denn selber? Sieht sie eine Perspektive? Daneben ist nicht zu vergessen, dass Pflege ein Beziehungsprozess ist, das heisst bei der Mobilisation spielt auch die Frage eine Rolle, welche Beziehung hat die Person zur Pflegekraft? Hat sie - insbesondere, wenn sie ängstlich ist - Vertrauen in die Pflegekraft, hat sie Angst zu fallen?
Ich denke, dass sind zumindest einige Faktoren, die einem bewusst oder unbewusst in den Sinn kommen, bevor wir entschieden, was wir mit der Person tun. trotzdem halte ich es für sehr wichtig, diesen Entscheidungsprozess in eine gewisse - nachvollziehbare - Struktur zu bringen, sonst macht jeder sein eigenes Ding und der Patient bleibt im Zweifelsfall auf der Strecke.

Gruss Hartwig
 
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Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
Allround

Allround

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27.01.2008
65779
Ich denke, da liegt das Problem. Ich errinnere mich an eine Situation, wir kommen in ein Zimmer und eine ältere bettlägrige Frau bittet uns, sie möchte sich so gerne mal bewegen. Die Kollegin sagte daraufhin: Nein, das geht nicht, dazu sind sie zu schwach! Ich hingegen fand, dass man zumindest versuchen könnte, ihr dabei zu helfen, sich an die Bettkante zu setzen.
Nach welchen Kriterien haben wir denn jetzt entschieden?
Der Patient ist Klient, ist Kunde. Und in diesem Beispiel hat er einen Wunsch geäußert. Hier war nicht der Zufall im Spiel, wenn darauf nicht eingegangen wird, sondern eher Ignoranz. Und damit bleibt der Patient auf der Strecke!

Wo war da denn das Problem? Die Antwort der Kollegin war alles andere als patientenorientiert oder motivierend. Richtiger würde ich finden: Das kann ich gut verstehen, wenn man den ganzen Tag im Bett liegt. Wir versuchen mal, was wir gemeinsam schaffen können und probieren Sie erstmal an die Bettkante zu setzen. Ich glaube, das wird Ihnen gut tun.
Und zwar ist dann die Schwäche trotzdem da, aber da unterstützt man dann entsprechend und hält die Maßnahme vielleicht kurz mit dem Hinweis, dass man das im SD wiederholen könnte.

Wenn ich dein Posting lese, kommt mir die Ahnung, dass du das Rad ein bisschen neu erfindest. Nicht zuletzt gibt es ja auch die Physiotherapeuten, die bei mangehafter Mobilisation zugezogen werden.

Offensichtlich legt aber doch jede Pflegekraft bestimmt Kriterien an, um zu entscheiden, wie ein Patient bewegt wird. Diese Prozess läuft womöglich zum grossen Teil unbewusst ab, vor allem, wenn die Pflegekraft sehr erfahren ist, aber trotzdem fällt sie ja auf irgendeiner Basis eine Entscheidung.
Kommunikation mit dem Patienten ist gefordert, genauso wie mit den Kollegen!

Alles zu regeln bedeutet, dass u.U. nicht nur die Freiheit des Patientenwillens eingeschränkt wird, sondern auch die Kreativität der ganzheitlich und professionell Pflegenden.

Eine gute Übergabe und Dokumentation bleibt natürlich gefordert. Und da könnte man sicher ein Vokabular oder Textbausteine festlegen.

LG, Allround
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
L

Lisy

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03.04.2008
SCHWÄBISCH GMÜND
Hallo Allround,
deine Antwort stimmt sicher für den Klinikbereich. Bei uns in der ambulanten Pflege gilt sie nicht unbedingt. Da ist das Kriterium nicht ob jemand mobilisiert wird sondern wie. Bleibt der Kunde heute im Bett oder nicht, ist da oft die Frage. Und das hängt ganz oft vom Mut der Pflegefachkraft, ihrer Erfahrung und ihrer Zusatzqualifikation ab.
Fast hätte ich die angehörigen vergessen, die haben ja auch noch eine Meinung zum Thema.
Gruß Lisy
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
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S

sandie

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08.07.2008
27580
In der ambulanten Pflege stellt sich zusätzlich noch die Frage,wann und wie kommt der Pat. zurück ins Bett und kann man ihn überhaupt alleine im Stuhl,in der Wohnung lassen und sind Angehörige vor Ort...
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
PDL/amb.Pflege
Allround

Allround

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27.01.2008
65779
:icon_wave ,
ja da habt ihr wirklich im amb. eine andere Problemstellung, da ja nicht ständig jemand mit der Klingel aus dem Nachbarzimmer gerufen werden kann.

Aber mir war wichtig zu sagen, dass es nicht sein kann, dass wir entscheiden, was wir mit dem Patienten tun, sondern dass wir mit dem Patienten entscheiden, was wir mit ihm tun.

Und das im Klinik- und amb. Bereich. Lisy, du sagst doch:

Bleibt der Kunde heute im Bett oder nicht, ist da oft die Frage.
Wenn das die Frage ist, dann heißt das, es ist kein Muss, dann kann der Patient auch mitentscheiden.

Man könnte natürlich hinter einer Nummerierung hinterlegen, welche einzelnen möglichen Probleme/durchzuführende Maßnahmen die Patienten haben/brauchen könnten. Und dann dokumentiert man nur noch hinter "tgl in den Sessel setzen" die passenden Nummern. Aber wenn das so genau sein soll, wie im Eingangsposting gefordert, dann kommt da eine ganz schöne Latte zusammen, z.B.:

1-braucht Motivation
2-braucht Anleitung
3-braucht Beaufsichtigung/Begleitung
4-hat Gleichgewichtsstörungen
5-kann nur gehalten kurz stehen
6-kann nur kurz frei stehen
7-kann problemlos stehen
8-bekommt schnell Luftnot
9-hebt keine Füße und schafft keine Drehung
10-lässt sich beim Setzen fallen
11-darf beim Gehen trotz Gehhilfen nicht losgelassen werden
12-braucht Fußschemel
13-braucht Kissen in den Rücken

usw...

dann steht da also:

Patient tgl in den Sessel setzen; 1,4,5,8,9,10,11,12,13

Steigt ihr dann besser durch?

Ich meine, eine gute Krankenbeobachtung und ein kl. Gedächtnis incl. Pflegebericht und Übergabe sind eigentlich ausreichend.
Bin ja kein dressierter Affe.....:laughing:

LG, Allround
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
H

Hartwig

Mitglied
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Themenstarter/in
30.11.2005
75010
:icon_wave ,
Man könnte natürlich hinter einer Nummerierung hinterlegen, welche einzelnen möglichen Probleme/durchzuführende Maßnahmen die Patienten haben/brauchen könnten. Und dann dokumentiert man nur noch hinter "tgl in den Sessel setzen" die passenden Nummern. Aber wenn das so genau sein soll, wie im Eingangsposting gefordert, dann kommt da eine ganz schöne Latte zusammen, z.B.:

LG, Allround

Also,mir ging es in erster Linie um die Frage, wie läuft eigentlich der Entscheidungsprozess ab? Wenn man ein und denselben Patienten zehn verschiedenen Pflegekräften vorstellt, wie viele verschieden Ideen zur Mobilisierung erhält man dann, wie sehr variiert dabei die Spanne der Mobilisierungsgrade? Auf welcher Grunden entschieden denn diese zehn verschieden Pflegekräfte? Lassen sich da gewisse Strukturen finden?
Die Idee ist, solche Strukturen zu finden und sie innerhalb des Teams zu besprechen, mit dem Ziel, zu vermeiden, dass Schwester x Patient z als Moblilisierung in den Sessel setzt, während Schwester y mit dem gleichen Patienten über den Flur läuft, obwohl sich am Zustand des Patienten nichts geändert hat - ich habe solche Beispiele haufenweise in der Praxis gesehen...:mad_2: Eine gute Übergabe ist nur bedingt eine Lösung, denn woher weiss ich denn, dass der/die Kollege/-in vor mir die Situation richtig eingeschätzt hat?

Gruss Hartwig
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
Allround

Allround

Aktives Mitglied
Basis-Konto
27.01.2008
65779
Der Grad der Mobilität bestimmt sich dann, wenn ich den Patienten bei der tgl Arbeit kennenlerne. Wenn ich ihn z.B. waschen möchte und ihn dann z.B. zum WB transferieren möchte, in seinem Einverständnis. Durch das Gespräch ergibt sich u.U. auch sein Potential an Mitarbeit.
Und dann: Es machen, genau beobachten, ev Hilfsmittel hinzuziehen, ausprobieren.

Und wenn ich jemanden in den Sessel setze, dann sehe ich auch, wie er steht, wie er läuft, oder? Und dann kann ich auch mal u.U. zur Nasszelle mit ihm laufen.

Warum sollen es eigentlich alle gleich machen?
Die Gesunden bewegen sich alle immer gleich? Ich glaube nicht. Wir haben auch zu unterschiedlichen Dingen Lust.

Deshalb ist die, ich wiederhole, ich weiß, Kommunikation mit dem Patienten soo wichtig!

Du hast Angst, die Patienten würden unterfordert. Warum?
Hast du kein Vertrauen in die aktivierende Pflege des Personals?

Irgendwie habe ich wohl nicht genug Negativbeispiele. Bei jedem nötigem Bedürfnis wird doch schon, wenn es geht, zur Toilette gelaufen.

Ich finde die Patienten in meinem Bereich nicht unterfordert.

Vielleicht auf der Inneren, wenn man aus Bequemlichkeit pampert, oder sonstwo.

Ich bin nicht die Diskussionspartnerin, die du suchst, deshalb :icon_wave tschüüß!

Allround
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
T

tatdom

Mitglied
Basis-Konto
29.10.2006
63069
Ich finde das Thema ebenfalls sehr spannend und kenne evtl. einen möglichen Lösungsweg..

Es gibt eine Bewegungsanalyse nach Beckmann. Diese führt man bei einem Patienten durch um seine Bewegungseinschränkungen, aber auch Ressourcen festzustellen. Nach dem man jedes Gelenk/Bewegung untersucht hat, erfolgt eine Interpretation der Ergebnisse. Daraus kann man prima ableiten was für Transfers/Mobilisation möglich sind. Und für jeden nachvollziehbar!
Das wäre ein mögliches Assessmentinstrument.
Hilfreich sind ebenfalls die Pflegediagnosen mit der Gradeinteilung.

LG
 
Qualifikation
Pflegestudentin
Fachgebiet
Fachhochschule
A

Andy25

Mitglied
Basis-Konto
21.01.2006
73467
Bei uns liegen schwerstpflegebedürftige, unter anderem nach Schädel Hirn Trauma.
Der Arzt trifft die Entscheidung; das der Patient von z.b Beatmungsparametern und Vitalwerten so stabil ist das er mobilisiert werden soll. Er ordnet an was man mit dem Pat. alles machen darf, Pilot, Bettkante oder Rollstuhl.

Dadurch das alle schwerstpflegebedürftig sind kommt von Pat. Seite meist nichts. Sprich Kommunikation ist nicht oder nur eingeschränkt möglich, stehen oder sonst irgend etwas zu helfen beim Transfer ebenfalls nicht möglich.
Keine vorhandene Rumpfstabilität.

Unsere Aufgabe ist es dann durch entsprechende Unterstützung (Bauchbinde, Kinnästhetik) es zu ermöglichen.

Die Dauer der Mobilisation richtet sich dann nach den Vitalwerten beim ersten mal und dann nach Erfahrung.
Ein Pat. der 2 Stunden gut im Rollstuhl gesessen ist kann es beim nächsten mal auch wieder.
Wobei der Rollstuhl alleine nicht ausreichend ist meiner Meinung. Was bringt es wenn man im Rollstuhl sitzt und das selbe sieht wie im Bett???
Da sollte man Anreize geben, aus dem Fenster schauen, Fernsehen oder in den Garten fahren.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Intensivstation
M

milan

Neues Mitglied
Basis-Konto
05.09.2008
32423
Hallo Hartwig,

wenn ich Dich richtig verstehe, suchst Du etwas, mit dem die Bewegungsmöglichkeit/Mobilisationsgrad eines Patienten eingeschätzt werden kann. Und das soll dann die Grundlage für die Versorgung sein, damit endlich mal in Punkto Mobilisation alle gleich am Patienten arbeiten?

Ich habe im Aufbaukurs und Peer-Tutorkurs für Kinästhetics Analysebögen für die einzelnen Kinästhetics-Konzepte kennengelernt. Mit diesen Bögen kann man die Fähigkeiten von Patienten einschätzen (aus kinästhetischer Sicht) und dann auch den Weg der Bewegung/Unterstützung beschreiben.

Seit diesem Kurs habe ich einige Male mit unserem Kinästheticstrainer gearbeitet und festgestellt, dass wir hier eine Sprache sprechen, die es mir leichter macht, Kriterien der Bewegungskompetenz eines anderen Menschen zu "versprachlichen" und auch im nächsten Schritt den Unterstützungsbedarf auf den Punkt zu bringen, damit morgen Kollege x nicht erst wieder neu überlegen muss oder mal was ganz neues anbietet. Der Patient kennt irgendwann 10 verschiedene Wege, aber welcher ist der geeignete? Welcher Weg fördert, welcher Weg holt am meisten aus dem Patienten, bei welchem Weg ist die Anstrengung am geringsten (sowohl für mich als auch für den Patienten)?

Ich finde schon, dass dies eine geeignete Strukturhilfe bei Entscheidungen hinsichtlich der Bewegungskompetenz eines anderen ist (allerdings bin ich sowieso ein Riesen-Fan von dem Thema Kinästhetics) und sehe hier auch gute Möglichkeiten der Dokumentationshilfe. Schwierigkeiten sehe ich nur, wenn nicht alle aus dem Team im Thema Kinästhetics geschult sind, also nicht mal einen Grundkurs haben.

Ist ja schon eine Weile her, dass Du das Thema angesprochen hast. Ist es überhaupt noch interessant für Dich? Habt ihr im Team oder hast Du schon Lösungen gefunden? Würd mich interessieren, falls...

Liebe Grüße

milan
 
Qualifikation
Krankenschwester, freigestellte PA
Fachgebiet
Innere, Neurologie
R

Rixte

Hallo,

Ein wirklich interessantes Thema.:applaus:

Wie schon beschrieben, ist aber in der Hinsicht jeder Pat, ob ansprechbar oder nicht, so individuell, dass es schwer werden dürfte auch hier passende Kriterien zu ermitteln, die auf ein Standard hinauslaufen.

Da nicht nur Belastbarkeit durch die Erkrankung, sondern auch noch die Vigilanz- und Tageszeitschwankungen eines jeden Einzelnen dazu kommen.

Daraus ergibt sich dann auch die Unterschiedliche Behandlung durch die einzelnen PP.
Außerdem machen wir uns nichts vor, manchmal liegt es nicht an den Pat sondern an die Einstellung und eventl Motivation der PP, bzw. Zeit die zur Verfügung steht, um zu mobilisieren.
Bei uns hat sich die Mobilisationsbereitschaft von Seiten der Pflege deutl. gebessert, besonders im Bereich der schwierigen Pat. seitdem es Bezugspflege gibt. Und damit verbunden die Verantwortlichkeit für den jeweiligen Pat.

Mobilisiert werden kann und muss nach meiner Meinung jeder Pat. der aus Medizinischer Sicht bewegt werden darf.

Es fördert nicht nur den Kreislauf und die Belastbarkeit, sondern auch noch die Wahrnehmung, sowie die Beweglichkeit der Gelenke. Hilft der Psyche etc.


Wir handhaben es so, das in der Pflegeplanung genau beschrieben steht, wie lange ein Pat. mobilisiert werden kann, und wie er transferiert wird.
und trotzdem muss jeder Mitarbeiter immer wieder neu entscheiden, ob auf Grund der Situation es möglich ist.

Wir arbeiten alle nach Bobath, bzw. kinästetisch.:thumbsup2:

Da liegt eventl. auch das Problem. Wenn alle nach dem gleichen Prinzip arbeiten, ist das Verständnis für schriftl. verfasste Mitteilungen gleich.
Jeder bei uns weiß . was es heißt : VK(Vollkompensatorisch), Tief, zu zweit, über rechts.

Bei uns werden so gut wie alle Pat mindestens 1x am Tag mobilisiert. Egal, ob komatös oder nicht.
Der Arzt gibt den Pat zur Mobi frei, und dann fängt es mit Bettkante und Vitalzeichenkontrolle an.

Bin echt gespannt auf die Berichte die noch Kommen.

LG Rixte

Ach übrigens, warum müssen alle gleich am Pat arbeiten? Der Pat lernt durch unterschiedliche Handlings einiges, und es kann den Pat deutlich weiterbringen.
Wenn alle das Gleiche machen, bleibt er auf einen Stand.
Bewegung und Verbände sind halt sehr unterschiedliche Sachen
 
H

Hartwig

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
30.11.2005
75010
Moin,moin!

Also die Frage zu diesem Thema enstand damals im Rahmen eines kleinen Forschungsprojekts, dass an der Krankenpflegeschule durchgeführt wurde. Das überraschene Ergebnis war, dass offenbar keine Kriterien zu bestimmen sind - oder, um es zu präzisieren, die von uns vorgegebenen Kriterien entsprachen wohl nicht den in der Praxis verwendeten.

Primär geht es darum, festzustellen, wie der Prozess des Diagnostizierens abläuft. Nehmen wir das Beispiel eine 80 jâhrigen, bettlägerigen Patienten. Der Patient wird frisch eingeliefert, Pflegekraft x übernimmt den Patienten, es gibt ausser der medizinischen Diagnose keine Informationen über den Herrn. Wie geht die Pflegekraft vor, um bei dem Patienten möglichst exakt einzuschätzen, inwieweit dieser zu diesem Zeitpunkt mobilisiert werden kann?

Zunächst spielt da sicher die Erfahrung eine Rolle. Woran lässt sich das aber festmachen, welche Punkte geht die Pflegekraft - womöglich - unbewusst durch, um zu entscheiden, dass der Patient an die Bettkante gesetzt werden kann oder vielleicht doch in den Sesssel?

Als zweiter Faktor liesse sich "Versuch und Irrtum" nennen. Man fängt auf einen Level an, von dem anzunehmen ist, dass der Patient dies gut toleriert und geht dann weiter. Der Nachteil: Dies ist sehr zeitraubend.

Nehmen wir an, drei Pflegekräfte begutachten unabhängig voneinander den Patienten. Ist davon auszugehen, dass sich alle für ein vergleichbaren Mobilisierungsgrad entscheiden? Wenn ja, muss es ja dafûr irgendeine Grundlage geben. Falls nein, welche Konsequenzen hat dies für den Patienten? Im schlimmsten Fall - auch in der Praxis beobachtet - entscheidet sich eine Pflegekraft dafür überhaupt nicht zu mobiliseren, während die andere den Patienten hoffnungslos überfordert.

Das Ziel wäre es, einen Leifaden für die Anamnese zu entwickeln, anhand dessen es besser gelingt, die Ressourcen des Patienten exakt einzuschätzen. Die Basis wäre hier einen einschätzende medizinische Untersuchung durch das Pflegepersonal in Hinblick auf die funktionellen Möglichkeiten: Wie ist die Muskelkraft? Grad des Beweglichkeit in den Gelenken? Kontraktionen? usw. Dies ist natürlich nur eine Basis. Darüberhinaus spielt beispielsweise Motivation und Vertrauen eine Rolle. Kann die Biografie einen Hinweis geben? Angenommen, wir erfahren im Pflegegespräch, dass der Patienten früher ein begeisterter Sportler war, können wir diese Information nutzen, um den Patienten zu motivieren?

Natürlich entscheidet immer der Einzelfall, grundsätzlich ist es aber bedeutsam zu fragen, ob solche Dinge miteinander korreliert sind, da es z.B. um den Nutzen und Sinn der biografischen Pflege geht, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Grundsâztlich spannend an der Frage finde ich aber, dass ein alltâgliches Pflegethema, bei genaueren Hinsehen voller Fragen steckt...

Gruss Hartwig
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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