Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

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22.10.2011
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Dass die Gesamtumstände der klinischen Pflege sichzunehmend verschlechtern und zuspitzen wird aus vielen Forenbeiträgen deutlich hörbar.
Auch meine Klinik bleibt davon nicht verschont
Ich arbeite auf einer Kinder und Jugendlichenpsychosomatik,mittlerweile seit bald 10 Jahren und gehe nach wie vor meistens gerne arbeiten.
Unser grösstes Problem ist nicht die Arbeitsüberlastung sondern die hohe Fluktuation und das ständige Kämpfen gegen das Vergessen von schon einmal Beschlossenem.
Ich fände es spannend wie es Kollegen aus ähnlichen Arbeitsfeldern miottlerweile erleben.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
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Psychosomatik
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Tilidin

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23.04.2011
24211
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Moin Moin
Ich komme ja auch aus der Psych. u. kenne den seelischen Druck u. die Angst, die man als Pflegekraft ertragen muß auf solch einer Station.
Aber:gerade auf der Psychosomatik sind nach Kostenzusage die Aufenthalte doch in der Regel etwas länger geplant.Natürlich brechen einige die Behandlung aus welchen Gründen auch immer ab.( Die ganz große Pat.- Fluktuation habe ich nicht)
Da alle Mitarbeiter an allen therapeutischen Maßnahmen teilnehmen, und im multiprofessionellen Team ein tägl. u. permanenter Austausch stattfinden sollte, dürfte es doch nicht diese großen Differenzen in einmal beschlossenen Maßnahmen geben.
Ich gehe auch davon aus, das die Mitarbeiter freiwillig u. mit einen hohen Interesse u. Wissen auf dieser Station arbeiten.
Fluktuation: ist dann vieleicht mit Flucht gleichzusetzen, die MA haben kein Ventil. Hier muß sicherlich ( vieleicht) die interne Mitarbeiterpflege reflektiert werden. ( viel Information, Vermittlung von Grundwissen, bis zur Superv.)
Das Vergessen von Maßnahmen u. Konzepten, würde ich als Anzeichen der inneren Kündigung bewerten, der einzelne ist nur noch mit einem halben Herz dabei.
Ich: würde eine interne Analyse fahren u. dann mit den Leitungskräften die Zukunft reflektieren.
So eine Station braucht Ruhe in der Mitarbeiterschaft, denn die ganzen therapeutischen Konzepte werden gestört.
Pat. haben schnell ein Gefühl für Störungen u. schon wird im Team gespalten, es gibt Probleme mit Nähe u. Dist. u.s.w.
Viel Glück, beim drehen des Schiffes in ein ruhiges Fahrwasser.
 
Qualifikation
Krankenpfleger,Fachpfleger Psych,PDL
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Weiterbildungen
Krankenpfleger
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große PDL- Ausbildung
Psychialist

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22.10.2011
85649
Ich glaube als Antwort muss ich ein bisschen was über meine Station erzählen.Es ist ja nicht so dass die ganzen Kollegen frustriert wegrennen.
Als erste Abteilung hat die Jugendlichenseite 1999 eröffnet,mit anfangs sehr vielfältigen Krankheitsbildern.Der Ansatz war der dass es zwar Psychosomatische Stationen für essgestörte Erwachsene gibt,aber wenn
dort eine Aufnahme erfolgt heben die Pat. ihre Störungen z.T schon jahrelang und sind dementsprechend chronifiziert,deshalb wollten wir sie in der Jugend,da wo die Störungen beginnen,abholen.
Anfangs war es ein grosses Durcheinander,auf etlichen Konzepttagen haben wir unser Richtlinien festgelegt und sind auch mit unseren Aufnahmekriterien immer enger geworden.Das Anfangsteam war ausgesprochen engagiert und willens dem Laden eine Form zu geben.Leider sind davon kaum noch welche da,Teil 1 des Problems.
2002 hat dann die Mutter-Kind Psychosomatik aufgemacht(Spezialität:Sondenentwöhnung)und 2006 die Tagklinik für Schulkinder,somit decken wir das ganze Altersspektrum und sind eine selbstständige Abteilung geworden.
Nun zu den Austritten.Im therapeutischen Bereich ist eine Stelle eine Weiterbildungsstelle,d.h.wenn die Leute ihre Zeit voll haben gehen sie und müssen dies auch .Manche hätten wir gerne behalten...
Die zweite Hälfte geht um sich niederzulassen.Inzwischen bekommen wir von einigen ehemaligen Kollegen Patienten überwiesen.
In der Pflege liegen die Austrittsgründe eher privat.Mein Klinikum liegt in München und München ist teuer und wenn die Beziehung crasht kann man sich München nicht mehr leisten.Oder man zieht seiner Beziehung hinterher oder kriegt ein Kind.
Die Einarbeitung der therapeutischen Kollegen ist nicht ausreichend,und ihr Interesse an unserem Alltag nicht immer ausgeprägt.
Sie haben an der Entstehung unserer Konzepte nicht mitgearbeitet und lassen sich ungern sagen was wie wo sinnvoll wäre.
Wir von der Pflege sind auf Kooperation und Austausch dringend angewiesen,da sich nur so unser Alltag managen lässt.
Und wenn wir einen Doc soweit haben dass die Zusammenarbeit gut klappt,geht er.
Es ist nicht unbedingt Vergessen,sondern eher dass man jedem Neuankömmling die 'Kulturgeschichte'unserer Station vermitteln muss,und das ist sehr mühsam.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychosomatik
Ulmerich

Ulmerich

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08.11.2010
65795
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Moin Moin!
Bitte entschuldigt die unbedarfte Frage! Ich frage Euch dies nun trotzdem. Was genau ist eine Station für Psychosomatik? Wie arbeitet man als Pflegekraft dort, bzw., was ist/sind dort die Haupttätigkeit/en. Was auf einer chirurgischen, internistischen, dermatologischen, urologischen oder geschlossenen Station passiert, ist mir klar. Seid Ihr dort hauptsächlich mit "therapeutisch-kommunikativen" Aufgaben betraut oder seid Ihr für die "Überwachung der medikamentösen Therapie" zuständig? Wie kann man sich Euren Arbeitsalltag vorstellen?
...achja, was Psychosomatik bedeutet, ist mir schon klar (denke ich zumindest) ;) In jedem Fall hört sich "Station für Psychosomatik" für mich
sehr spannend und interessant an. Bitte klärt mich auf.
Gruß Ulmerich
 
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Fachgebiet
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Tilidin

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23.04.2011
24211
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Hey Ulmerich
Ich versuche erstmal den Begriff nach meiner sicherlich schon etwas älteren Sichtweise darzustellen.

Psycho- Soma- Matit : die Begriffe kommen aus dem griechischen und bedeuten im deutschen

Seele Hauch Automatik

Körper Atem

Leib

Jetzt bitte alle Begrifflichkeiten mit Strichen verbinden: also Psycho- Seele, Körper- Leib, ober Körper-Hauch- Automatik
Die Seele ist krank u. haucht über den Körper den Notzustand
Die Krankheitsbilder sind vielschichtig, gehen von Essstörungen, über Herz- Kreislauf- Erkrankungen, Hauterkrankungen, in den Bereich der Suizidalität oder vielfältigen Angststörungen.
Die Aufgaben der Pflegekräfte: Das Spektrum geht von der Überwachung der Therapiemaßnamen, in den schon beschriebenen therapeutisch- kommunikativen Bereich.
Eine weitere Aufgabe ist der permanente Austausch im sogenannten multiprofessionellen T., denn es sind oftmals hochinteligente Menschen, die ihren scheinbar gesunden Zustand wunderbar präsentieren können.
Die Ursachen oder das Traumata, welches ja oft Jahrzehnte zurückliegt, aufzudecken ist eine große Aufgabe.
Aber auch im Bereich der Angststörungen, bedarf es einer langsamen aber zielorientierten Therapie u. Trainingsmaßnahmen( z. B.Platzangst)
Man es ist schwierig, hoffentlich bin ich ein wenig verständlich rübergekommen.
Gruß

Sorry: die obere Beschreibung wird nach dem speichern etwas zerrissen u. undeutlich, ich kann es nicht beeinflussen.
 
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Psychialist

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22.10.2011
85649
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Im Jugendlichenbereich ist es ein bisschen anders,da spielt die Familienarbeit eine grosse Rolle,ebenso die Pädagogik.
Wir betrachten nicht die Jugendlichen als krank sondern als Symptomträger in ihrem Familiensystem.Wir haben Familiengespräche um die Zusammenhänge zu beleuchten und Elterngruppen.
Es ist zum Beispiel gerne so dass es ein Paarproblem gibt und der/die Jugendliche muss krank bleiben um eine Eskalation der Eltern zu verhindern.Die Sorge ums Kind schweisst zusammen.
Oder bei Anorexie:es gibt natürlich die Körperschemastörung,den Bewegungsdrang,das Kalorienzählen...aber es gibt auch oft innerfamiliär Kommunikationsschwierigkeiten,und die einzige Möglichkeit sich auszudrücken ist hungern.Wenn diese Kranken lernen sich selbst wahrzunehmen und für ihre Bedürfnisse einzustehen haben sie gute Chancen.
Insgesamt kann man sagen,dass die Heilungschancen deutlich besser sind wenn es gelingt die Familie mitzunehmen.
Wir haben auch viel Pädagogik und Alltagsgestaltung,manche kennen es überhaupt nicht dass ihr handeln Folgen hat.Bei uns schon,dementsprechen wird viel diskutiert,in Frage gestellt und geschimpft.
Rest ist wie oben,Einzelstunden Cotherapeutische Teilnahme an Gruppen,Austausch im multiprofessionellen Team,Bezugsarbeit an den einzelnen Problemen.
Die Hilfestellung von ausserhalb ist auch ein grosses Thema,Jugendamt,Familienhilfe hinzuziehen,oder evtl.Weiterbetreung in einer therapeutischen Wohngemeinschaft
 
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Psychosomatik
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Tilidin

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23.04.2011
24211
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Hey Psychialist
Deine Eingangsaussage " Jugendliche" hat mich ein wenig in die Irre geführt, weil ich vorangig die Gruppe 16-20 vor Augen hatte.
Die von Dir gut beschriebenen Familiären u. Sozialpädagogischen Probleme u. Lösungsstrategien gehören eigentllich auch in meine Erklärung.
In diesem kurzen Dialog, sieht man mal wieder, wie wichtig es ist zu reden/schreiben um den anderen gut zu verstehen.
allseits noch einen schönen Sonntag
 
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22.10.2011
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AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Mal wieder ein gutes Beispiel dafür dass Dinge die für einen selbst vollkommen selbstverständlich sind es für den anderen noch lange nicht sein müssen.
Die unseren sind 12-18
 
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Fachgebiet
Psychosomatik
Ulmerich

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08.11.2010
65795
AW: Wie arbeitet es sich heutzutage in der Psychosomatik?

Hallo Tilidin, hallo Psychialist!
Was Ihr schreibt hört sich für mich sehr spannend an, is´ aber eine komplett andere Baustelle als alles , was ich bisher je gemacht habe :)
Ich müsste unendlich viele neue Sachen lernen, ...Dinge , die nie ein Thema in meinem Berufsalltag waren. ...Habe gerade im Bereich Palliativ- & Hospizpflege angefangen. Wer weiß, wenn ich in ein paar Jahren dazu keine Kraft/Lust mehr habe, könnte ich mir diesen Bereich ganz gut vorstellen.
Danke für Eure Infos
Gruß Ulmerich
 
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Palliativ- und Hospizpflege
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05.07.2001
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