Wer verabreicht Chemo?

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S

Surrogat

Das würde ja heißen -überspitzt- "es ist halt so, weil es so ist.")
Richtig - es (Gabe von Blutprodukten u. Chemotherapeutika) ist nämlich gesetzlich so verankert bzw. durch bindende Dienstanweisungen sehr klar geregelt.
So du nicht mit diesen Beschränkungen leben möchtest empfehle ich ein Studium der Humanmedizin zu beginnen, das viele der hier im Board besprochenen Kompetenzprobleme bei erfolgreichem Abschluss löst :wink:

Gruss,

Surrogat
 
I

intensivotter

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17.09.2007
40589
Hallo!
Über gewisse Übernahme von sogen. ärztlichen Tätigkeiten kann man sicher diskutieren, aber alles was gesetzlich verankert ist wie die Gabe von EK`s und in diesem Fall das verabreichen von Chemos ist nicht deligierbar!:nono:
Solche Sachen sollten strikt pflegerisch ablehnt werden und zwar von allen!
Diese Ablehnung hat keine negativen Folgen für das Pflegepersonal.Da es ein sogenanntes Weigerungsrecht für Pflegende gibt!
In diesem Fall unbedingt Gebrauch machen!
 
Qualifikation
fachkrankenschwester
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intensivstation
L

lounge

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14.05.2005
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@ lounge

...ob du dann auch nen arzt findest, der sich am schlafittchen in den gerichtssall zerren läßt,falls es mal hart auf hart kommt und ihr mal was nicht wieder "hinbiegen" konntet?? frag ich mal ganz ketzerisch
Ähm... naja. Ja, schon. Also erfahrungsgemäß sitzen wir dann ja alle im selben Boot und dann müssen wir eh von allen Seiten aussagen und solche Situationen führen eigentlich immer nur dazu, dass wir uns erst recht zusammenraufen. Aber abgesehen davon wird weniger deshalb geklagt, weil eine Pflegekraft was angehängt hat, was ärztliche Tätigkeit gewesen wäre, sondern weil der Patient verstorben ist. Sowas sind dabei dann eher Kleinigkeiten, die vermutlich noch nicht mal ins Gewicht fallen. Ich glaube, da gehts manchmal auch nur um Geld und darum, seiner Wut (Stadium xy im Trauerprozess) gehörig Luft zu machen.
 
Qualifikation
Pflege, B.A.
Fachgebiet
Intensiv
L

lounge

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14.05.2005
02789
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Nun denn eine Meldung aus Österreich zu diesem Thema!

Bei uns ist es ganz klar und bedarf nicht einmal einer Diskussion, dass Chemos die Ärzte anhängen.
Dass es noch nicht einmal diskutiert wird, ist aber auch echt mau... Scheint ja eine noch sehr alterstümliche Trennung zwischen Medizin und Pflege zu sein.

Keinesfalls möchte ich die Verantwortung haben, wenn es tatsächlich zu einer Schädigung des Patienten kommt und ich angehängt habe.
Es ist auch ok, wenn sich Pflegekräfte im Einzelfall so entscheiden. Aber genau deshalb sind wir (=unsere Berufsgruppe "Pflege") leider auch oftmals nur das Anhängsel der Ärzte. Ich verstehe mich da doch etwas eigenständiger und nicht ohne Grund arbeiten wir bei uns auf einer Augenhöhe und beratschlagen uns auch mal gegenseitig. So, wie du das beschreibst, wäre die Autonomie für meine Begriffe zu einseitig.



(shit... shit... shit... mir wird immer klarer, was ich an diesem Laden habe...:blushing: krass.)
 
Qualifikation
Pflege, B.A.
Fachgebiet
Intensiv
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lounge

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14.05.2005
02789
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:grin:
....empfehle ich ein Studium der Humanmedizin zu beginnen, das viele der hier im Board besprochenen Kompetenzprobleme bei erfolgreichem Abschluss löst :wink:
Ich glaube nicht.

Schade, dass sich immernoch soviele davon abwenden, dieses weite Feld der Pflege aktiv mitzugestalten. Dazu gehören ja auch Änderungen von Gesetzen bzw. das Nutzen ihrer Lücken.

Gerade die Gabe von EKs passiert ja im Regelfall eher auf Intensivstationen und es ist nun mal ein Fakt, dass jahrelang dort arbeitendes Pfelgepersonal mehr Ahnung hat als jeder Mediziner, der gerade vom Studium kommt. Gerade deshalb ist es ja so, dass wir hin & wieder die Chemos verabreichen und Blutprodukte sowieso anhängen. Es gibt sage und schreibe EINE Pflegekraft, die das nicht macht und die geht bald in Rente. :grin:
 
Qualifikation
Pflege, B.A.
Fachgebiet
Intensiv
Borgi

Borgi

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15.09.2006
86647
:nono: EK´s im Regelfall auf ITS nöööö, kann ich absolut nicht bestätigen!Vielleicht meinst Du das aber weisst es nicht besser. Sicherlich gibts da mehr EK´s prozentual auf die Anzahl der Pat. berechnet. Auf der Inneren gibts auch viele evtl."noch-nicht" ITS-pflichtige Pat. und es wir dort versucht die ITS zu umgehen, weil man den Pat. helfen will! Und auch dort gibt es manchmal Unmengen von EK´s!

Und wenn das Personal mehr Ahnung hat...aber bezahlt wird für weniger Ahnung? Freut die AG....viel Personal mit viel Ahnung für wenig Geld. Leider haben sich die Hierarchiebedingungen in Deutschland seit anno dazumal nicht oder nur wenig verändert.

Viele würden für das Geld nicht mal Putzen gehen, da sind 10€ usus....

Ich bin auch für Veränderung, für Akademisierung der Pflege
für gesellschaftliche "Anhebung" des Berufsstandes
und dafür, dass Pflegenden mehr zugetraut wird!

Aber das Pferd kann nicht von hinten aufgezäumt werden. Die Rahmenbedingungen müssen(für alle Pflegenden!) geschaffen werden. Wir sind hier nicht in UK oder USA, sondern in D und deshalb lassen sich die Modelle nicht einfach so übertragen!

Es wird schon irgendwie so weiterlaufen....bla
Ich kenne gut Zeiten, in denen diese ärztlichen Tätigkeiten normal waren und wir auch aus organisatorischen und stellenplanbedingten Gründen froh waren, dass wir dies und jenes nicht mehr machen sollten....aber erst dann haben wir uns was dabei gedacht...komisch- oder?
Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
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15.09.2006
86647
:thumbsup2: Wer von Euch stammt denn noch aus dem Zeitalter der "Berner Box"?
Der Ära, in der Zytostatika noch vom PP zubereitet, vorbereitet und sogar angehängt wurden?

Erst fand ich es wichtig und spannend an der Berner Box stehen zu dürfen..wow...
dann nahm ich wahr, dass trotz der Ganzkörperverpackung irgenwas an mich rankam...
Einen Pat. fragte ich...kann es sein, dass sie einen fürchterlichen Metallgeschmack im Mund haben? Jaaa war die Antwort....weil den hatte ich auch!!
Zellgifte für das Leben des Pat. und Zellgifte bei mir für was? Gegen was?

Aerosole die manche Zytostatika auch nur bei einem Tr. der aus dem System läuft ausströmen sind hier absolut kein Thema, warum nicht?

Ärzte wissen schon, warum sie diese Aufgabe weiterdelegieren möchten... irgendwer muss es ja machen:angry:

Und ich will nicht? wissen inwiefern diese Gifte besonders vor so 20-15 Jahren und heute noch auf sich schnell teilende Zellen des PP Auswirkungen zeigen...
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
F

folken

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26.09.2007
44629
Ich möchte hier mal was sagen, es gibt Studien in denen nachgewieden wurde das durch die blosse Zubereitung von Zytostatikern bei den Verantwortlichen Zytostatiker z.B. im Urin nach gewiesen wurden und auch bei Mitarbeitern die das "nur" angehängt haben. Wie schon gesagt das sind Zellgifte und bei uns haben die nichts verloren. Es ist gesetztlich verankert das dies alles Aufgaben des Ärztlichen Personals sind, die werden dafür bezahlt. Arbeiten auf Augenhöhe ist ne feine Sache aber da darf es keine Verschiebung der Kompetenzen geben, bei einer solchen Arbeitsweise sollte jeder seinen Aufgabenbereich kennen. Sonst hätten wir alle Medizin studiert und würden als Pflegekräfte arbeiten. Es ist doch so ein Patient stirbt unter oder nach Chemogabe und glaub mir der Punkt wer das verabreicht hat kommt dann auf den Tisch, oh Die schwester war das, interessant. Dann wird Schwester xy ins Gericht zitiert und darf sich rechtfertigen warum sie das gemacht hat. Argumentier dann mal ich weiss es besser als die frischen Ärzte oder das ist bei uns aber so. Du wirs keine Chance haben im günstigsten Fall lacht man dich aus, aber das ist eher unwahrscheinlich. Mal abgesehn das ich das Argument "Das haben wir aber immer schon gemacht" hasse vor vielen Jahren haben wir auch noch geeist und gefönt und machen wir das noch? Das man sich im Team bei Streitfällen zusammenrauft ist klar aber wenn es um den eigenen Arsch geht funktioniert das nicht mehr. Ich arbeite nicht mehr in der Onkologie aber ich erzähle dir mal eine Geschichte von meiner jetzigen Abteilung Patient Colonperforation bei Prostata Ca. operiert anlage eines Hartmann 1, sprich Colostoma endständig. Sigma und Enddarm als Stumpf belassen. Anordnung Kysma rektal, wurde verabreicht, Patient führte massiv ab. In den folgenden Tagen Zustandsverschlechterung braunes nach Stuhl riechendes Sekret entleerte sich aus der Bauchnaht wir hatten den Verdacht das die Naht am Colon nicht dicht ist die Ärzte meinten das wir nicht paranoid seien sollten. Alles dokumentiert, Ärzte mehrfach darauf hingewiesen. Samstag Morgen AZ Verschlechterung, Sekret wie gehabt, Dyspnoe meine Annahme HB Abfall dadurch Dyspnoe. War richtig dafür brauchte ich kein BB, die Ärztin nahm es ab und bestätigte meinen Verdacht als ich das Ergebnis sah. Sono Abdomen Resultat Nahtinsuffiziens Not Op. Der Patient verstarb am gleichen Tag auf der Intensiv. Die Angehörigen wollten rechtliche Schritte einleiten (kann ich verstehen) Der Operateur meinte dann zu uns Pflegenden, wir seien Schuld weil wir keine abführenden Massnahmen gemacht hätten, hatten wir aber doch und es war alles dokumentiert. Es war nicht die Schuld der Pflegenden. Für mich ist seitdem noch mehr bewusst das ich bestimmt nichts mehr ohne schriftliche Anordnung mache. Ich lasse mir alles anordnen weil ich weiß wenn es hart auf hart kommt stärkt uns keiner den Rücken. Bitter, bitter.
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Pflege in der Onkologie
Fachgebiet
Unfall - Vizeralchirurgie
wernecla

wernecla

Mitglied
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26.03.2007
32427
Ich hatte mal einen Super GAU mit Amsakrine...
ich weiß heute nicht mehr ganz genau wie es passiert ist, aber trotz der Grifflöcher und Stulpen hab ich was abbekommen.
Das Zeug ist wirklich teuflisch.
Es ahtte aber den Vorteil, das der Respekt vor den Medikamenten lange aufrecht erhalten wurde.
 
Qualifikation
Diplom Pflegepädagoge
Fachgebiet
krankenpflegeschule
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05.07.2001
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