Wer gipst in Eurer Ambulanz

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Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo KollegInnen!
Wie ist es bei Euch in der Ambulanz mit dem Thema Gipsen geregelt. Bei uns ist es so, daß das Pflegepersonal 90% aller Gipse durchführt. Der Arzt ordnet an, die Pflegekraft führt aus. Falls jemand vom Pflegedienst sehr viel Interesse an der Technik hat und Erfahrung in der Frakturbehandlung gesammelt hat, kommt es schon vor, daß diese Pflegekraft dem Arzt erzählt welcher Gips für welche Indikation genommen werden solle. Die meisten Ärzte sind dafür sehr dankbar, denn sie haben es nie richtig gelernt. Und eigentlich wollen sie auch lieber operieren und nicht gipsen.
Wie läuft es bei Euch ab. Würde mich sehr interessieren.

Gruß Axel :rolleyes:
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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boernie

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11.02.2003
Hallo!
Bei uns in der Ambulanz gipst NUR das Pflegepersonal....und das ist auch gut so-letztens wollte sich einmal ein Assistenzarzt beim Gipsen probieren (Unterschenkelgipsschiene)....du hast den Gips praktisch sofort wieder entsorgen können! Also, die Ärzte sind auch nicht scharf aufs Gipsen...sie wollen doch nur so schnell wie möglich ihren OP Katalog voll bekommen, um dann an der Facharztprüfung teilzunehmen! Gipsen ist für sie uninteressant! Als Gipsmaterial benutzen wir den Weißgips von BSN - für Kunstoffgipse haben wir den PRIMACAST von 3M, sowie den SCOTCHCAST von 3M (Für circuläre Verbände).
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
chir. Ambulanz/Notaufnahme
P

petermichl

@boernie @axel

;) Hallo - auch in unserer Ambulanz herrscht die gleiche Situtation. Zur Kernarbeitszeit sind arbeiten 2 "Gipser" im Gipszimmer, dass sind bei uns 2 OP-Gehilfen, welche sich schon jahrelang mit dem Thema Gipsverbandstechnik beschäftigen und ihre Arbeit absolut professionel "up-to-date" ausführen! Im Nachtdienst und am Wochenende sollten "einfache" Gipse, bei denen keine Repostionen durchgeführt werden, von den diensthabenden Turnusärzten erledigt werden. In der Praxis macht dann das natürlich oft die diensthabende Diplompflegekraft, weil den meisten Turnusärzten einfach das know-how und das Handling fehlt, vielfach ist leider auch einfach kein Interesse der Ärzteschaft an der Tätigkeit im Gipszimmer da. Oft kann dann die Pflege das "Gemurkse" der ärztlichen Youngsters nicht anschauen und legt selber Hand an, damit der Patient keinen Schaden erleidet... Die Kehrseite ist aber, daß zumindest in Österreich das Gipsen rein juristisch ärztliche Tätigkeit ist! Die Schaffung eines Berufsbildes "Gipsverbandstechniker" wird zwar schon länger diskutiert, konkretes ist aber noch nicht herausgekommen. Es wäre höchste Zeit!

Gruß petermichl

[ 12. Februar 2003 21:39: Beitrag editiert von petermichl ]
 
B

boernie

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11.02.2003
DIPLOMPFLEGEKRAFT hört sich gut an! Kannst du mir das Berufsbild genauer erläutern? In unserer Ambulanz existiert kein richtiger Gipspfleger, wir sind eine internistische Notaufnahme + chir Ambulanz. Es ist ein kleines Haus mit 250 Betten und wir leisten unseren Dienst mit 7,0 Planstellen. Dazu gehört auch Bereitschaftsdienst Nachts und an den Wochenenden. D.h. bei uns muss jeder die Gipstechniken beherrschen, na ja, mancher macht es einfach lieber und der andere eben nicht so gern!
 
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Ltd. Krankenpfleger
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chir. Ambulanz/Notaufnahme
Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo petermichel und boernie!
Bei uns ist es wie bei euch auch. Ich glaube aber nicht, daß wir das Berufsbild eines Gipspflegers brauchen. In den meisten Kliniken und Praxen wird nicht mehr so viel gegipst wie früher. Somit ist nicht genügend Arbeit für den spezialisierten Kollegen.
Viel eher brauchen wir das Berufsbild einer Notfall- / Ambulanzpflegekraft. Natürlich müsste in diese Ausbildung auch das Gipsen aufgenommen werden.
Wer bildet bei euch die pflegerischen Kollegen aus? Wer gibt bei Euch den Gipsstandard vor? Wer kontrolliert, ob ein Kollege die Technik auch wirklich beherrscht, die Ärzte können das ja meißt nicht?

Gruß

Axel :eek:
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
P

petermichl

@ boernie
Ad Berufsbild: Der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege ist der pflegerische Teil der gesundheitsfördernden, präventiven, diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten; er umfaßt die Pflege und Betreuung von Menschen aller Alterstufen bei körperlichen und psychischen Erkrankungen, die Pflege und Betreuung behinderter Menschen, Schwerkranker und Sterbender sowie die pflegerische Mitwirkung an der Rehabilitation, der primären Gesundheitsversorgung, der Förderung der Gesundheit und der Verhütung von Krankheiten im intra- und extramuralen Bereich; die angeführten Tätigkeiten beinhalten auch die Mitarbeit bei diagnostichen und therapeutischen Verrichtungen auf ärztliche Anordnung. (Auszug aus dem Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegegesetz)

@axel

Ich stimme mit Dir völlig überein, daß spezielle Ausbildungswege für Pflegende in Ambulanzen erforderlich sind. Bezüglich "Gipsen": alle wesentlichen Basics gehören auch in diese Ausbildung; um aber sämtliche Facetten der Gipsverbandstechnik zu beherrschen, bedarf es einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema und auch der ständigen Anwendung der Technik. In größeren Ambulanzen halte ich daher diesbezügliche Spezialisten für sinnvoll!

Gruß petermichl :smile:
 
Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo petermichel!
Du hast recht. In großen Kliniken in denen noch viel gegipst oder gecastet wird macht es Sinn Vollzeitkräfte mit einer besonders guten Ausbildung im Gipsraum zu haben. In solchen Gipsräumen werden dann auch Spezialitäten in der Gipstechnik durchgeführt die man in kleinen Häusern nie sieht. Wichtig, es darf dann aber nicht dazu führen, daß nur noch der Gipsmeister gipsen kann und die restlichen KollegInnen die sonst Dienst machen Angst bei der Durchführung haben weil sie es nicht können. Bei uns ist es so, daß wir 19 KollegInnen haben, die gipsen können müssen.
Natürlich gibt es KollegInnen die besser sind und dann zu Besonderheiten geholt werden, oder die Besonderheiten werden terminiert auf Tage oder Dienstzeiten, an denen diese KollegInnen Dienst haben.
Aber eigentlich ja paradox, wir planen diese Tätigkeiten und dürfen sie garnicht eigenverantwortlich durchführen. Der Arzt muß die Anordnung geben und den Gips abnehmen, obwohl er wie oben von boernie beschrieben keinen blassen Schimmer hat. Daran müssen wir arbeiten.
In den Niederlanden ist das anders. Dort gibt es Gipsmeister und nur die dürfen gipsen. Ein Arzt der kein Gipsmeister ist darf nicht gipsen. Er darf dem Gipsmeister nur sagen, welche Verletzung der Patient hat und der Gipsmeister muß den Patienten dann versorgen und natürlich auch die Verantwortung tragen.
Das wäre für uns in Deutschland auch sehr gut, nicht nur im Bereich Gipstechnik, auch in anderen Bereichen der Pflege z.B. der Wundbehandlung.

Gruß

Axel ;)
 
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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JoachimMichael

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20.05.2003
10553
Hallo Ihr

Endlich ein Forum auch für uns Ambulanzler ( bei uns sagt man allerdings "Rettungsstelle" ).
Seit wann können Ärzte gipsen ?? Und die wenigen die es können - na, von wem haben sie es wohl gelernt ?
Das heißt, bei uns gipst jede Pflegekraft und läßt sich die Stellung halten - und wir dokumentieren auch sehr genau wie der Stand vor / nach Anlage ist und wer was gemacht hat.Leidvolle Erfahrungen zeigen, dass Ärzte in der Regel ja nicht mal mit der Gipssäge umgehen können und auf den Sack bei Hautschäden bekommt immer die Pflege.
Die Standards geben wir vor - aber natürlich mit Schwierigkeiten.
Grüße Joachim
 
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Rettungsstelle ( Notfallaufnahme )
Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo JoachimMichael!
Also auch bei Euch funktioniert die Praxis anders als die Theorie es verlangt. Warum lassen wir uns eigentlich darauf ein? Vielleicht weil wir in diesen Tätigkeiten eine höherwertige Arbeit als Pflegende sehen? Sonst müssten wir doch die Entscheidungsträger und Verantwortungsträger mit ihrer Arbeit allein lassen. Dann würde zwar das System nicht mehr funktionieren, die Patienten schlechter versorgt und Pflegekräfte nicht mehr in der Ambulanz / Rettungsstelle arbeiten und die Versorgung von Patienten würde teurer werden. Oder man müsste uns für unsere Tätigkeit die Verantwortung übergeben und damit letztendlich die Tätigkeit aufwerten ( siehe OP- Intensivpflegekräfte ).

Was anderes zum Schluß.
Welche Standards habt ihr in der Gipstechnik? Versorgt ihr Eure Patienten nach der FRC bzw. FCT Methode?

Gruß

Axel :confused:
 
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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JoachimMichael

Neues Mitglied
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20.05.2003
10553
Moin Axel
Wenn ich dir sag, nach welchen Vorgaben wir arbeiten müssen, lachst du dich weg.
Also - wir sagen zwar wie, aber was sagt der U-Chir Chef.
Der widerrum glaubt, er würde nach Böhler arbeiten. Wahrscheinlich gabs in seinem alten Krh.noch eines der Gipsraumfossile die mit Weißgips noch alles konnten. Davon hat er dann einen Teil behalten ( den unsinnigen )und glaubt jetzt das wäre DER Standard.
Ungepolstert / aufgebogene Gipsränder - kein rausgesägter Spalt, sondern Mitte einmal durch und dann mit viel Kraft - sieht so Scheiße aus / kein Steg am Daumen / Gipsschuh gespalten aus Weißgips / Desaultgips usw.
Dabei könnten wir, wenn man uns lassen würde.
FRC wär ja schön ( wobei ich persönlich Softcast präferieren würde ), aber das geht nur bei Privaten und HandChir.Patienten.
Ansonsten stimm ich dir zu : aufwertung ist angesagt.Meiner Meinung nach geht das nur mit einer eigenen Zusatzausbildung zu Ambulanzfachpflegekraft.Hat ja auch schon mal einen Versuch im DBfK gegeben, ist nur am Verbandsdesinteresse einer Umsetzung gescheitert.da gab es nämlich die AG E.R.N.A.( Erste Hilfe/Rettungsstelle/Notfallaufnahme/Ambulanz ).Ich glaube, die Zentrale AG existiert nicht mehr, es gab auch immer wenige die Lust auf MITarbeit hatten.
Es scheitert doch schon an einer einheitlichen Definition und Aufgabenbeschreibung. Zeig mir drei Kollegen aus Ambulanzen und alle werden etwas völlig unterschiedliches tun ( und glauben, dass nur ihre Auffassung richtig ist ).
Gruß

Joachim
 
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Rettungsstelle ( Notfallaufnahme )
Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo Joachim!
Um die Fachweiterbildung zu erreichen, müssen wir immer wieder Druck auf unsere Fachverbände machen. Die ZAG ERNA gibt es zwar noch aber nur noch mit eingeschränkter Arbeit. Schau doch mal www.dbfk.de.
Desweiteren ist dort die ZAG SL/WBL meines Erachtens sehr interessant.
Zur Gipstechnik.
Versuch doch deinen Chef von anderen Gipsarten zu überzeugen. Es hört sich ja so an als wenn ihr die Softcasttechnik schon anwendet, dann ist der Schritt doch garnicht so weit. Es ist aber leider so, wenn man Chefärzten oder Oberärzten eas nuees beibringen will, daß man mit ihnen wie mit Autisten sprechen muß, steter Tropfen höhlt den Stein. Und die Böhlertechnik ist halt aus dem letzten Jahrhundert, nicht schlecht mit den damaligen Verbandmitteln. Die Chirurgen nehmen ja bei jeder komplizierten offenen Unterschenkelfraktur das Bein auch nicht mehr ab, auch hier haben sie dazu gelernt. Das war aber auch leichter da war das Wort OP-Tisch im Satz, dieses Wort kennen sie.
So nun Schluß mit dem lästern. Wir im Pflegedienst sind auch nicht besser, Wat de Bur nicht kennt, dat fret er nicht. Sagen wir auf Platt.

Gruß

Axel :smile:
 
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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JoachimMichael

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20.05.2003
10553
Hallo Axel
hört sich gut an : -überzeugen-. Natürlich haben wir etliche male versucht mit den " verantwortungsträgern " zu reden. Das sieht dann so aus : Vertreter kommt - termin zur Demonstration wird abgesprochen - Vorführung mit einem hervoragenden Gipser findet statt, kein Arzt hat Zeit - Also neuer termin nur für Ärzte - findet statt und weil OA dabei auch viele Assistenten - große Diskussion, alle finden es interessant, OA will mehr wissen - Vertreter kommt mit Regionalleiter - geheimes Treffen im Arztzimmer -
Anschließend zufriedene gesichter ( was da wohl passiert sein mag ) - bei der nächsten passenden Indikation will Pflege FRC/Softcast/Combicast anlegen - erstaunte Frage : was soll das denn, das haben wir ja noch nie gemacht.
Und spätestens an dem Punkt vergessen die Kollegen ganz schnell wieder was sie da mal gesehen haben. Die Assistenten können nicht mitreden - also ordnen sie lieber das bekannte an und da sie alle Angst vorm Chef /OÄ haben, treffen sie lieber keine eigenen Entscheidungen.
Bei diesen Vorgängen frage ich mich immer wie es in der Medizin überhaupt vorangehen konnte.
Aber wahrscheinlich müssen wir warten bis die AO in der Schweiz beschließt, dass sich die Sonne nicht um Drittellochwinkelplatten dreht. Kann man DIE kaufen???
Aber aufgeben kommt nicht in die Tüte.
Watt mutt, datt mutt.

Morgentliche Grüße
Joachim :rolleyes:
 
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Rettungsstelle ( Notfallaufnahme )
Bethke Axel

Bethke Axel

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Themenstarter/in
27.02.2002
24118
Hallo Joachim!
Ich glaube du kommst aus einer Universitätsklinik. Jedenfalls hört sich deine Beschreibung nach den " Göttern in Weiß " von UNI´s an.
Ich habe das Glück als ich damals gewechselt habe, bin ich aus einer UNI gekommen und hatte vom Gipsen richtig viel Ahnung. Somit hatte ich es bestimmt einfacher meine Entscheidungsträger zu überzeugen.
Aber die Einstellung " Aufgeben kommt nicht in die Tüte ", finde ich sehr vorzüglich.

Vielleicht hast du ja auch mal Lust dir interessante Sachen, Probleme, nette ERfahrungen etc. von der Seele zu schreiben, dann nutz doch das Forum. Nur wenn viele mitmachen können viele Erfahrungen sammeln und auch was dazu lernen.

Gruß

Axel

Vielleicht hören wir wieder voneinander!?!
 
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Ltd. Krankenpfleger
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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JoachimMichael

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20.05.2003
10553
Hallo Axel

Seit ich dieses Forum entdeckt habe, bin ich jeden Tag drin und mir macht das Lesen der unetrschiedlichen Themenbereiche enorm viel Spass.
Ich glaube, dass wir noch gar nicht gemerkt haben, welche Kraft und macht in uns als berufsgruppe steckt.

Zu deiner anderen Annahme : fast daneben - es ist noch viel schlimmer, in bin in einer BG Klinik.
Aber demnächst wieder in einer Uniklinik - da plappert man die Themen wenigsten nicht einfach nach sondern setzt die Standards.
Und trifft Berufsgruppenvertreter die auch mal zugeben können, dass sie nicht alles wissen/können. das ich das mal über eine uniklinik sagen würde, hätt ich auch nicht gedacht.
Wie haltet ihr es eigentlich ansonsten mit der Übernahme Ärztlicher Tätigkeiten ? Lust oder Frust ?

Mit kollegialen Kämpfergrüssen

Joachim
 
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Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
24118
Hallo Joachim!
Übernahme ärztliche Tätigkeiten sind auch bei uns ein Problem.
Vor Jahren sind von allen Berufsgruppen immer mehr Tätigkeiten auf die Pflege abgeladen worden. Gegen die Ärzte die ja auch 24 h im Dienst sind, konnten wir uns am besten wehren, nicht umsonst wird bei Arbeitsverdichtung immer wieder von Übernahme ärzlicher Tätigkeiten gesprochen. Das wir aber auch z.B. Physiotherapeutische Tätigkeiten im Spätdienst und am Wochenende machen, Verwaltungsaufgaben einen immer höheren Arbeitsanfall ausmachen, wir hauswirtschaftlich tätig sind, wir in die Technik und Medizintechnik eingespannt werden, davon wird nur selten gesprochen. Dies macht meiner Ansicht einen sehr viel höheren Arbeitsanfall als die ärztlichen Tätigkeiten aus.
Nichts desto trotz werden wir mit dieser Thematik unter der neuen Ressourcenaufteilung in Zukunft anders umgehen müssen. Sprich unter DRG - Bedingungen werden alle Berufsgruppen lernen müssen, daß wir nur Miteinander überleben können. Der Arzt muß wenn er Zeit hat arztfremde Tätigkeiten ausführen, wir werden pflegefremde Tätigkeiten übernehmen müssen. Die Physiotherapie wird einen Schichtdienst und Wochenenddienste einrichten müssen. Wir werden auf den Stationen wieder Kräfte arbeiten lassen, die hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Das bedeutet aber, wir werden das Krankenhaus umorganisieren müssen. Ein langer Weg, aber welche Klinik den nicht in kurzer Zeit schafft die wird ihn nicht zu Ende gehen können.
Auch Universitätskliniken werden an diesem Weg nicht vorbei gehen können, auch wenn viele Uni´s sich das jetzt noch nicht vorstellen können.
Ich finde das ziemlich spannend. Zur Zeit bin ich gerade in einer AG tätig die sich mit der Einrichtung einer Aufnahmestation beschäftigt. Hier wird es ganz stark deutlich wie wenig kooperativ die einzelnen Berufsgruppen miteinander arbeiten und wie engstirnig und berufsgruppenbezogen sie denken. Ich habe das Glück, daß wir in der Ambulanz schon immer sehr stark verzahnt und miteinander gearbeitet haben. Somit muß ich mich von dem gedanklichen Korset nicht erst befreien.
Somit zu deiner Frage "Lust oder Frust". Wir werden an einer starken Verzahnung nicht vorbei kommen. Man muß nur immer wieder hinterfragen ob es Berufsgruppen gibt, die Arbeit nur deligieren und somit einen Planstellenabbau in der eigenen Berufsgruppe gerechtfertigen. Ich kann damit gut leben, wenn wir ärztliche Tätigkeiten übernehmen und der ärztliche Dienst Personalabbau erleidet. Was natürlich genauso auf den Pflegedienst zutrifft. Wir werden also belegen müssen, was wir tun und dafür Personal erhalten, alle Berufsgruppen.
Dies wird uns noch sehr stark beschäftigen werden.

Gruß

Axel
 
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Ltd. Krankenpfleger
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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JoachimMichael

Neues Mitglied
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20.05.2003
10553
Moin Axel,

du hast natürlich recht, dass die Übernahme Pflegefremder Tätigkeiten gerade aus Verwaltung, Technik und was sonst noch so anfällt mittlerweile ein geradezu unerträgliches Ausmaß angenommen hat.
Ich glaube aber auch, dass wir neben der zusätzlichen Belastung auch einen benefit ziehen, nämlich Wissen. Und WISSEN ist auch immer noch Macht.
Wir haben uns viel zu lange Tätigkeiten aus unserem berufsbild schneiden lassen und haben uns zu lange aufdrücken lassen, was anderen so einfiel. Ich finde wir sollten jetzt fordern. Ich habe nichts gegen die Übernahme Ärztlicher Tätigkeiten, ich meine nur es sollte unsere Entscheidung sein, welche wir annehmen. ich kann mir durchaus vorstellen, die juristische Aussage : es gibt keinen Arztfreien Raum in Frage zu stellen. Das Monopol auf Diagnostik und Therapie der Ärzte im Deutschen Gesundheitswesen ist nicht Gottgegeben.Ich habe noch nie verstanden, wieso man Arzt sein muss um einen Röntgenschein auszufüllen oder eine Blutgruppenanforderung wegzuschicken.
Auch MedizinController müssen nicht zwingend Arzt sein genauso wie Bettenbelegung auch durch Pflege gesteuert werden könnte ( oder auch OP/Endoskopie Planung ).Aber wenn Übernahme, dann auch mit allen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten.
Ich glaube wunderbarerweise immer noch, dass ein Therapeutisches Team möglich und sinnvoll ist.

Tschüß

Joachim
:cool:
 
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Abteilungsleitung
Fachgebiet
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S

Samoel1984

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27.08.2004
Hallo Leute...
Ich bin ja bekanntlich nez hier und dies istmein erster Beitrag. Also bei uns ist es auch so, dass der Arzt anordnet und die Pflegekraft gipst dann entsprechend der Anordnung. Ich finde das auch besser, denn die meisten Ärzte, wissen nicht, wie sie einen Gips anzulegen haben und was bringt es, wenn die Patienten mit Hautabschürfungen und dekubiti am nächsten Tag wieder in der Ambulanz stehen....Dann ist es mir doch lieber, wenn das die Pflegekräfte machen, die mehr Einfühlungsvermögen haben.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Unfallchirurgie
Bethke Axel

Bethke Axel

Mitglied
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Themenstarter/in
27.02.2002
24118
Hallo Samoel!
Ich gebe dir Recht, aus Sicht des Patienten! Aber aus Sicht des Berufsbildes Krankenpflege ist dieser Weg nicht der beste. Der Arzt hat die Durchführungsverantwortung, hat aber von der Durchführung häufig keine Ahnung. Uns wird die Aufgabe deligiert, wie auch Blutentnahme, Verbandwechsel oder andere Tätigkeiten. Jetzt haben wir mehrere Probleme:
1. Wenn wir die Delegation annehmen, müssen wir vor anderen Berufsgruppen darlegen das wir die Zeiten zur Durchführung benötigen. Da wir für die Durchführung ja keine Verantwortung übernehmen wird die Anmahnung von Zeitressourcen häufig damit abgetan, das wir das schon irgendwie schaffen.
2. Wenn wir mit der Art der Ausführung nicht einverstanden sind, weil sich z.B. die Möglichkeiten oder Techniken geändert haben, dürfen wir doch wie schon vor hundert Jahren Gipsen, oder müssen für die doch meist uninteressierten Ärzte sehr starke Aufklärungsarbeit leisten. Häufig wird sie damit abgetan: Das war schon immer so. Das es Zeitsparenden alternativen gibt ist egal es kostet ja nicht ärztliche Zeit.
3. Rechtfertigung vor der eigenen Berufsgruppe. Die PDL möchte Personal aus den Ambulanzen abziehen, wir argumentieren mit dem hohem Arbeitsaufkommen und die PDL sagt: Das sind ärztliche Tätigkeiten, die müssen sie nicht übernehmen. Das spart Pflegekraft.

Überleg mal wie du dazu stehst, bei immer knapper werdenden Ressourcen.

Gruß

Axel
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
F

Foxman

Mitglied
Basis-Konto
13.09.2004
Ja hallo Kollegen,
bei uns im Krankenhaus am Rande der Stadt gipst das Pflegepersonal, bzw. die Arzthelferinnen der Chirurgischen Praxis (angegliedert). Die Ärzte halte ich weitestgehend da raus. Letztens musste ich mal einen Oberschenkelgips bei einem Kind mit einer Tibiaschaftfraktur machen und da hat der Assi doch versucht, mir dermassen ins Handwerk zu pfuschen......macht keine Laune. Aber dafür sind die Docs eigentlich auch nicht da.
Allerdings halte ich eine sorgfältige Auseinandersetzung mit der Technik für unverzichtbar, alleine schon um den Patienten weiteres Leid zu ersparen. Ich hab da schon Gipse aus dem Verkehr gezogen, da wurde einem schlecht!

Wir gipsen in der Regel mit Cellona, bei Kindern mit Cellacast. Aus Kostengründen kann ich derzeit auch nur selten bei Erwachsenen was leichteres anlegen....sehr schade, dabei säge ich für mein Leben gern.....:D
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Interdisziplinäre Notfallambulanz
medwurst

medwurst

Mitglied
Basis-Konto
21.01.2005
55
Hallo liebe Kollgen, rechlich trägt der Arzt die verantwortung. Und kann wie bei sovielen Sachen die tätigkeiten deligieren z.b. iv zugänge legen. Deshalb habe ich mich mit unseren Ärzten auf folgendes Prozedere verständigt. Jeder Fixationsverband Verband wird von eine Arzt angesehen und bei größeren Gipsen z.b. Oberschenkelgips hilft er mit. Ich kann euch zu diesem Thema das eigentliche Standartbuch ans Herz legen, Checkliste Gipstechnik, Fixationsverbände aus dem Thieme Verlag(ISBN 3-13-698203-7)
Im großen und ganzen klappt es nun. Im übringen welcher Arzt hat in seinen Studium einen Schein für's Gipsen machen können.
Es gibt auch noch den DVG , Deutscher Verband der med. Gipspfleger und -schwestern e.V. ;) die einen Beraten und Vorbildungen durchführen.

Hals und Beinbruch
Guido
 
Qualifikation
Krankenpfleger für Notfallpflege & Rettsan
Fachgebiet
Rettungsdienst & amb. Pflege
Weiterbildungen
staatlich anerkannter Praxisanleiter / Train The Trainer IHK
Status
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