Wenn ihr "Pflegenotstand" hört...

  • Ersteller Menschenkind
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Igel77

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23.12.2014
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Ich habe derzeit eine Petition am Laufen, die den Pfelgenotstand und die Ursachen bezogen auf mangelhafte Personalschlüssel anprangert, sowie die Pflegereform 2021 insbesondere (welche ebenfalls mit nicht ausreichenden Personalschlüsseln daherkommt).

Hier darf ich sie nicht posten, weil sie nicht über die Plattform des Bundestages gestartet wurde.
Auf Facebook habe ich diese in mehreren Pflegegruppen lanciert und bin eigentlich schwer entsetzt, wie wenig Feedback dabei rumkommt.

Ich meine, einfacher kann man gar nicht politisch aktiv werden. Einen besseren Grund für den Pflegenotstand fällt mir auch nicht ein. Finde ich sehr verwunderlich.
Das wundert mich ehrlich gesagt gar nicht.

Um es mal etwas überspitzt mit Wanderwitz zu sagen: Große Teile der Pflege sind für die Demokratie auf absehbare Zeit verloren.

Der Organisationsgrad der Pflegekräfte in Gewerkschaften (einem Baustein unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung) ist erschreckend niedrig. Die Kultur in vielen Einrichtungen wird von Angst, Druck und Stress geprägt, und spült solche Charaktere in Führungspositionen, die genau dies auszuüben erlernt haben. Ein gepredigtes und verinnerlichtes Rollenverständnis - das der demütig dienenden, widerspruchslos alle Härten akzeptierenden, mitfühlenden und vor allem nicht selbstständig denkenden und entscheidenden Pflegekraft - tut ihr übriges.

"Ich kann doch eh nix ändern ...die da oben machen, was sie wollen ... ich halte besser meinen Mund und schaue weg! Dann wird mir zumindest nichts schlimmes passieren!" und natürlich das gute alte chinesische Sprichwort: "Ein herausstehender Nagel muss hineingeschlagen werden!"

Einige dieser Pflegegruppen bei Facebook dienen nur der Generierung von Empörung und dem Frustabbau. Verändern will da niemand etwas. Haupsache man hat auf Spahn, Lauterbach, Wieler, Politiker und Wissenschaftler geschimpft. Bei einer Gruppe bin ich mir auch ziemlich sicher, dass sie ein Sprachrohr der AfD ist, und ganz sicherlich keine ehrlichen Motive hat. Kritische Kommentare werden sofort gelöscht und ggf. der User geblockt.
 
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Timo45-3

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03.01.2021
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  • Man muss bei den Überprüfungen durch den MDK leider mitmachen, und die sitzen am längeren Hebel.
  • Fehlende Kommunikation an die höhere Führungsebene stört diese der Erfahrung nach ... genau gar nicht. Man möchte gar kein Feedback von der Basis, jedenfalls kein negatives.
  • Qmer ignorieren kann funktionieren - oder einem als Arbeitsverweigerung ausgelegt werden.
  • Sinnlose Dokumentation unterlassen kann funktionieren, aber siehe Qmer. Zudem ist es auch immer gut, in der Hinterhand zu haben, dass man korrekt gehandelt hat - was nicht dokumentiert wurde, ist eben nicht geschehen.
  • Informationen aus dem Betrieb herausgeben ist ein Verstoß gegen das Geschäftsgeheimnis und ein Grund für eine sofortige Kündigung, eventuell auch eine Strafanzeige.
  • Social Media: Ja, dass passiert ... bei einigen habe ich jedoch den Verdacht, dass das braune Rattenfänger sind.
  • Zusammenschluss: Derzeit gibt es nur die Gewerkschaften und die Berufsverbände, wie "gut" die in der Breite aufgestellt sind, ist ja eines der Probleme. Zudem: Union Busting. Divide et impera.
Das ist alles an sich richtig. Im Großen und Ganzen ist es alles verboten.
Jedoch ist der Grundgedanke von zivilen Ungehorsam, dass man in der Masse, aus moralischen Gründen, Regeln bricht und durch die Masse unantastbar wird.
Nehmen wir mal an 50% der KH und Pflegeeinrichtungen würden nicht mehr bei der Überprüfung durch den MDk mitmachen.
Was sollen sie machen? Die Finanzierung für 50% der Pflegeheime einstellen? Ich denke nicht, dass das passieren würde.

Ich spreche von Sinnloser Dokumentation, wir haben zum Beispiel die Vorgabe nach jedem Duschen einen Bericht über das Hautbild des zu Pflegenden zu schreiben, was in aller Regel auf "Hautbild intakt" hinausläuft, ebenso sollen wir einmal die Woche etwas zu schmerzen schreiben. "Bew. hat keine Schmerzen" .
Sinnlos.

Derzeit sitzen Pflegekräfte an einem Sehr langen Hebel, wir haben nur Angst ihn zu ziehen, weil es ja Ärger geben könnte.

Schade aber wir haben ja das Recht zu demonstrieren und die Regierung hat das Recht uns zu ignorieren.

Ich sehe leider keine andere Möglichkeit irgendetwas anderes zu tun um EInfluss zu nehmen. Petitionen sind super aber davon habe ich in allen möglichen Bereichen dutzende Unterschrieben und war auf dutzenden Demonstrationen, interessiert halt nimanden der Entscheidungsgewalt hat.
 
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Care2000

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18.02.2014
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Die Dokumentation verursacht aber nicht der MDK sondern die rechtliche Situation in Deutschland. Daher kann man an dem Dokumentationsystem nicht mehr viel ändern. Es MÜSSEN neue Gesetze her. Es verändert sich nur etwas wenn die Karre vor die Wand fährt. Wenn wir es nicht hinbekommen - spätestens in 10Jahre wird das System selber einen eigenen Suizid provozieren. Tragen werden die Situation immer die Patienten und Angehörigen, die im Anschluss die Politik zwingen werden etwas zu verändern. Es geht nur über den Druck der Patienten und Angehörigen - leider wahr
 
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Igel77

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23.12.2014
Oldenburg
Die Dokumentation verursacht aber nicht der MDK sondern die rechtliche Situation in Deutschland. Daher kann man an dem Dokumentationsystem nicht mehr viel ändern. Es MÜSSEN neue Gesetze her. Es verändert sich nur etwas wenn die Karre vor die Wand fährt. Wenn wir es nicht hinbekommen - spätestens in 10Jahre wird das System selber einen eigenen Suizid provozieren. Tragen werden die Situation immer die Patienten und Angehörigen, die im Anschluss die Politik zwingen werden etwas zu verändern. Es geht nur über den Druck der Patienten und Angehörigen - leider wahr
Im September hat ja jeder von uns die Möglichkeit, sein entsprechendes Kreuz bei einer Partei zu machen, die die Gesetzeslage ändern möchte.
 
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15.09.2020
Viele der voran gegangenen Beiträge - enthalten schon gewisse Ansätze.

Nur würden diese mal wieder nur im Sande verlaufen. Gegenwärtig wird recht halbherzig mal die eine oder andere Nebelgranate durch die Politik gezündet, mehr aber auch nicht.Von der Politik besteht ja gar kein Interesse hier Grundlegen etwas zu ändern........denn dies würde bedeuten das die MACHT der Kostenträger ( Kranken - und Pflegekassen ) deren Lakaien ( MdK und JA auch die Dachorganisationen Betreiber etc. ) erheblich beschnitten werden müßten.
Drei mal könnt ihr raten was geschehen wird ......NIX
Zu verfestigt sind die alten Krusten der Interessen zwischen Staat und Kostenträgern.
Die Kostenträgen haben ja überhaupt kein Interesse daran.....mehr Pflegepersonal und bessere Pflege zu gewährleisten ! Ist und wäre nur eine unnötige Kostenstelle.Die einfach sich aus Sicht der Kostenträger in Luft auflösen soll .Frei nach der Devise : Ging ja bisher immer gut.

MdK , na wir wissen doch alle, dass diese am finanziellen Tropf der Kostenträger hängen und überhaupt nicht unabhängig agieren. mehr muß ja dazu kaum noch erörtert werden.

Betreiber / Verbände - im Grunde auch nur ein Rotes Tuch......ob nun Mitglieder des Paritätischen Wohlfahrtsverband oder private Aktiengesellschaften. Sie alle laben sich an den Dicken Fleischtöpfen. Interessenvertretung , na klar für Aktionäre und Vorstandsmitglieder.Hier herrscht das Diktat der absoluten Gewinnmaximierung. Die betreffenden Patienten / Bewohner und vor allem unsere Pflegekräfte - tauchen wenn überhaupt nur in der PR als " Alibi " auf.
Sind aber nach Lesart der Betreiber und Verbände auch wieder nur eine Kostenstelle an der als erstes immer gespart und gedreht wird.

Und ja !!!!!!

Derzeit sitzen Pflegekräfte an einem Sehr langen Hebel, wir haben nur Angst ihn zu ziehen, weil es ja Ärger geben könnte.
Genau hier ist der Hund begraben.
Noch ist der letzten Pflegekraft nicht so richtig bewußt, was diese für eine macht besitzt. Denn genau wegen dem " Hohen Lied " der Verantwortung und Hingabe, lachen sich die Kostenträger und Betreiber samt Politik ins Fäustchen. Die gehen weiter davon aus, dass die ollen doofen ( so meine persönliche Auffassung der Verantwortlichen - NICHT meine Bewertung unserer Pflegekräfte ) es sich NIE wagen würden.

Ärger für wen denn bitte ?
Versorgung im Notbetrieb - kann ja gewährleistet werden. Flächendeckend und dann aber bitte nicht nur für wenige Stunden. Sonder mit Ansage und knallharten Forderungen, ohne Gelabere ........kommt zu wenig dabei raus sollte weiter gemacht werden.
Hier muß man aber auch die Gewerkschaften leider mit in die Kritik nehmen, alles zu halbherzig und ohne richtiges Feuer für die Sache.

Zu Beginn wäre es schon ein Anfang dass alle sich einig sind - DIENST nach Vorschrift. Ohne Zugeständnisse .

Für einige mag dies sehr hart klingen und erscheinen, aber im Umkehrschluss was bekommen unsere Pflegekräfte denn ?
Misse Bezahlung, Katastrophale Arbeitszeiten und Bedingungen, enormen Arbeitsaufwand ( sage nur vollkommen überzogene unnütze Dokumentationen und und ) zu wenig Kollegen an ihrer Seite.

Jede aber auch jede Pflegekraft sollte raus aus dem grauen Alltagstrott und mit erhobenen Haupt auch mal NEIN sagen. Und das hat nichts damit zu tun, gegen die Patienten / Bewohner zu sein. Was uns dann gern die Betreiber oder andere suggerieren wollen.

OHNE uns läuft NIX........
 
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Care2000

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18.02.2014
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Leider sehe ich aktuell keinen wirklichen politischen Willen - sondern nur Täuschmanöver und Sand in die Augen streuen.
 
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Care2000

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18.02.2014
Berlin
Zumindest hat jetzt ein Gericht wieder eine längst überfällige politische Aufgabe übernommen. Mindestlohn in der 24h privaten häuslichen hauswirtschaftlichen Versorgung, hinter der sich fast immer Pflege versteckt - ENDLICH!!!!
 
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Cutter

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16.11.2008
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Die PFK sind ja noch da .... nur sitzen sie bei Rewe oder in der Buchhandlung an der Kasse, sind Reisebegleiter in Fernbussen oder sonst wo, nur nicht mehr in der Pflege. Sie haben aktuell überhaupt keinen Grund zurück ans Bett zu kommen. Einen wirklichen Mangel an Fachkräften haben wir in D nicht.... nur an "Aktiven".

Den Meisten, in meinem Bekanntenkreis, geht es primär nicht ums Geld. Eher um die Arbeitsbedingungen/Rahmenbedingungen. Das macht extrem unzufrieden und wird nicht durch ein paar Euro mehr wett gemacht. Hier liegt, in meinen Augen, die Stellschraube und da greift die Petition von Menschenkind schon recht genau richtig hin.
 
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Care2000

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18.02.2014
Berlin
Die PFK sind ja noch da .... nur sitzen sie bei Rewe oder in der Buchhandlung an der Kasse, sind Reisebegleiter in Fernbussen oder sonst wo, nur nicht mehr in der Pflege. Sie haben aktuell überhaupt keinen Grund zurück ans Bett zu kommen. Einen wirklichen Mangel an Fachkräften haben wir in D nicht.... nur an "Aktiven".
Sehe ich nicht so. Die noch da sind kommen nicht zurück und viele Pflegekräfte stehen vor dem Ruhestand im Kontex der wachsenden Zahl der Pflegebedürftigen. Weiterer Aspekt: Bei vielen steht PFK nur dem Papier - aber Basics sitzen nicht!!!! Ich bin schon sehr vielen Spezialisten begegnet - leider auch in der Heimbeatmung: "Cuffdruck - kenne ich nicht! Wiso mehrmals den Cuff nachmessen? alles schon gehört

Die Polizei, die Bundeswehr, das Handwerk und und und suchen ALLE händeringend nach Arbeistkräften. Im Vergelcih ist die Pflege nicht besonders atraktiv.
 
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Cutter

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16.11.2008
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Ja, ok Beatmung ist ja auch schon sagen wir mal: gehobene Pflege.
Das PFK nur auf dem Papier steht und kaum Fachwissen dahinter, kann ich sehr gut bestätigen. Besonders in den letzten Jahren hat die Qualität sehr nachgelassen. Junge Examiniert, nach der Prüfung auf dem Hoch ihres Wissen, suche ich seit langem Vergebens. Das Hoch ist eher Mittelmaß. Dabei mache ich den jungen Leuten keinen Vorwurf. Eher die Politik sollte die Ansprüche wieder hochfahren anstatt gnadenlos, irgendwie Fachkräfte zu generieren, komme was da wolle.
 
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Timo45-3

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03.01.2021
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Versorgung im Notbetrieb - kann ja gewährleistet werden. Flächendeckend und dann aber bitte nicht nur für wenige Stunden. Sonder mit Ansage und knallharten Forderungen, ohne Gelabere ........kommt zu wenig dabei raus sollte weiter gemacht werden.
Im UKSH wollten die Pflegekräfte vor kurzem streiken, wofür die Notbesetzung eingesetzt werden sollte. Dummerweise war der Personalschlüssel für die Notbesetzung höher als der im Normalbetrieb. Weil der in den letzten zwanzig Jahren nicht runter korrigiert wurde.
Also haben sie in ihrer Freizeit gestreikt, was die Krankenhausleitung so überhaupt nicht interessiert hat.
Und selbst wenn ein Notbetrieb läuft. Das Interessiert doch ebenso niemanden. Die leidenden sind die Patienten und die Kollegen die dann für drei arbeiten müssen. Ich weiß nicht wie effektiv das ist... Wenn trotzdem die Einnahmen zählen. Man muss schon an die Wurzel allen übels, auch, wenn das ärger geben könnte.

Im September hat ja jeder von uns die Möglichkeit, sein entsprechendes Kreuz bei einer Partei zu machen, die die Gesetzeslage ändern möchte.
Also derzeit ist die CDU wieder bei ca. 30% in den Sonntagsumfragen. Sieht aus als würden wir die Wahl wieder verlieren... Wie es zu meinen Lebzeiten immer war. Wenn die CDU nicht plötzlich ein soziales gewissen entwickelt (woran ich zweifel) sind wir am A*****.

Eher die Politik sollte die Ansprüche wieder hochfahren anstatt gnadenlos, irgendwie Fachkräfte zu generieren, komme was da wolle.
Werden sie nicht, hat der DAX auch nicht viel von, wenn sie das tun würden.

Auch den Rückhalt in der Bevölkerung, den wir derzeit haben kann ich nicht ernst nehmen. Wir sind nur ein oder Zwei Horrormeldungen in der Welt oder im Spiegel davon entfernt, dass wieder alle Pflegekräfte angeblich Bewohner misshandeln, Todesengel sind oder Coronaleugnen oder weiß der Geier was...

Frustrierend.
 
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Igel77

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23.12.2014
Oldenburg
Im UKSH wollten die Pflegekräfte vor kurzem streiken, wofür die Notbesetzung eingesetzt werden sollte. Dummerweise war der Personalschlüssel für die Notbesetzung höher als der im Normalbetrieb. Weil der in den letzten zwanzig Jahren nicht runter korrigiert wurde.
Also haben sie in ihrer Freizeit gestreikt, was die Krankenhausleitung so überhaupt nicht interessiert hat.
Und selbst wenn ein Notbetrieb läuft. Das Interessiert doch ebenso niemanden. Die leidenden sind die Patienten und die Kollegen die dann für drei arbeiten müssen. Ich weiß nicht wie effektiv das ist... Wenn trotzdem die Einnahmen zählen. Man muss schon an die Wurzel allen übels, auch, wenn das ärger geben könnte.
Das mit der Notbesetzung, ja ... kenne ich auch aus anderen Situationen. De facto gibt es für uns das gleiche Streikrecht wie für Beamte.

Vielleicht ist auch die Streikstrategie falsch... vielleicht muss man die Demonstrationszüge nicht für die Hauptstraßen anmelden, sondern mit Tröten und Trommeln in die Wohnviertel der Entscheidungsträger (gerne auch Samstagsmorgens) oder vor die Schulen ihrer Kinder ...

Also derzeit ist die CDU wieder bei ca. 30% in den Sonntagsumfragen. Sieht aus als würden wir die Wahl wieder verlieren... Wie es zu meinen Lebzeiten immer war. Wenn die CDU nicht plötzlich ein soziales gewissen entwickelt (woran ich zweifel) sind wir am A*****.
Ich schrieb ja schon weiter oben, dass ich einen nicht geringen Teil der Pflegenden im konservativen Lager verorte. Zumal die FDP auch ganz gut zugelegt hat, die ist in Teilen noch schlimmer. Ich bin mir aber auch bei den Grünen nicht sicher, dass sich da wirklich etwas ändern würde, dazu sind sie in den vergangenen Jahren zusehr gedriftet und sind eher bei Umweltthemen, als bei sozialen.

Werden sie nicht, hat der DAX auch nicht viel von, wenn sie das tun würden.
Ich frage mich schon seit längerem, ob man die Aktiengesellschaften unter den Pflegeanbietern nicht dadurch unter Druck setzen kann, in dem man sie im großen Stil shortet, d.h. auf den Kursverfall der Firma wettet. Wenn man Glück hat, macht man sogar noch etwas Gewinn. Die Gamestop-Affaire hat gezeigt, dass selbst große institutionelle Anleger Schwierigkeiten bekommen, wenn sich plötzlich auf den Internet - Handelsplattformen Tausende Kleinanleger zusammentun, um auf ein bestimmtes Ergebnis zu spekulieren. Ganz ungünstig ist der Moment für so etwas ja nicht - ab nächstes Jahr müssen ja Tariflöhne gezahlt werden, was die Gewinnerwartung etwas drücken dürfte. Wenn man es dann noch mit einer Unterschriftenkampagne zur Enteignung dieser Konzerne kombiniert, wie es in Berlin mit den großen Wohnungsgesellschaften geschehen ist, dann ist da vielleicht noch mehr drin.

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Achtung, Polemik:

"Leute, ihr wolltet das doch so. Der Markt regelt alles. Die Leute fliehen zu Hunderten jeden Tag aus dem Job, und gehen in Berufe, in denen sie etwas besseres als den Tod finden. Also, stellt Euch nicht so an, jammert, stöhnt, röchelt und sterbt leise, und dankt der 'Unsichtbaren Hand', den Bertelsmännern und den Neoliberalen, das sie Euch Eure Wünsche erfüllt haben."

Vielleicht muss man einfach nur noch etwas abwarten. Es wurde für das Ende der Coronakrise eine große Flucht aus dem Beruf prognostiziert, und die Daten der Bevölkerungsentwicklung sind ja eindeutig, Boomerberentung und so. In fünf bis zehn Jahren sind wir im Kollaps des Systems, dann lässt sich das vielleicht nicht mehr beschönigen und aufhalten.
 
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Igel77

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23.12.2014
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Ja, ok Beatmung ist ja auch schon sagen wir mal: gehobene Pflege.
Das PFK nur auf dem Papier steht und kaum Fachwissen dahinter, kann ich sehr gut bestätigen. Besonders in den letzten Jahren hat die Qualität sehr nachgelassen. Junge Examiniert, nach der Prüfung auf dem Hoch ihres Wissen, suche ich seit langem Vergebens. Das Hoch ist eher Mittelmaß. Dabei mache ich den jungen Leuten keinen Vorwurf. Eher die Politik sollte die Ansprüche wieder hochfahren anstatt gnadenlos, irgendwie Fachkräfte zu generieren, komme was da wolle.
Das sehe ich etwas anders und weniger kritisch in Richtung der jungen Examinierten. Sie haben durch das Examen (bestenfalls) ein generalisiertes Basiswissen erworben, auf dem man durch ansteigende Berufserfahrung, gezielte Fort-und Weiterbildung und auch Anleitungen durch erfahrene Kollegen aufbauen kann. Das die letzten beiden Punkte von AG und den Kollegen eher als Hindernis angesehen werden, ist das eigentliche Problem.
 
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Timo45-3

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03.01.2021
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Also Igel77,
deine beschriebenen Ideen sind sehr gut. Wenn man daraus nun ein festes Konzept macht, vielleicht noch ein oder zwei Ideen dazu nimmt, diese propagiert und durchzieht, wenn man genügend Stimmen gewonnen hat, könnte man zumindest Druck aufbauen. (Welch seltsamer Satz)
Bekanntlich ist jedoch die Idee immer schnell da, nur die Umsetzung ist Arbeit und somit schwer. Falls du wirklich was starten willst, bin ich auf jedenfall dabei. =)

P.S. Die unsichtbare Hand ist eine Tolle Idee.... für das 18 Jahrhundert, bevor das Solidarsystem und Sozialversicherungen entwickelt wurden oder es global agierende Großkonzerne oder die Charter der Menschenrechte gab.
Grade heutzutage sind die Wege der unsichtbaren Hand unergründlich... in der Regel ist sie jedoch damit beschäftigt Reiche noch reicher zu machen.
 
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Care2000

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18.02.2014
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Das sehe ich etwas anders und weniger kritisch in Richtung der jungen Examinierten. Sie haben durch das Examen (bestenfalls) ein generalisiertes Basiswissen erworben, auf dem man durch ansteigende Berufserfahrung, gezielte Fort-und Weiterbildung und auch Anleitungen durch erfahrene Kollegen aufbauen kann. Das die letzten beiden Punkte von AG und den Kollegen eher als Hindernis angesehen werden, ist das eigentliche Problem.
Dann befrage mal die AG zu den neuen Examinerten! Die Generalistik macht es nicht besser. Und ja - bei einer PFK sollten die Basic sitzen - wir reden nicht über Spezailisierung
 
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Dann befrage mal die AG zu den neuen Examinerten! Die Generalistik macht es nicht besser. Und ja - bei einer PFK sollten die Basic sitzen - wir reden nicht über Spezailisierung
Ich bin da bei Dir. Aber frei nach Adenauer müssen wir an der Basis die Menschen nehmen, die wir haben, andere gibt es nicht. Da hilft nur, das beste draus zu machen und sie so gut wie möglich an ihr Feld heranzuführen. Passt mir auch nicht, aber ... im Alltag nützt lamentieren wenig.

Was die Generalistik bewirkt oder nicht ... vermag ich jetzt noch nicht zu sagen. Ich nehme an, das werden wir erst ab 22 genau sehen, und dann wird oft von den Verantwortlichen zu hören sein, das ist alles neu, das muss sich alles einpendeln. Und ich vermute stark, dass es qualitativ sehr starke Unterschiede zwischen den Schulen gibt.

Off Topic: Mein Ansatz wäre gewesen:

1) Ein Jahr Ausbildung zum Pflegehelfer (verpflichtend für alle, ungeachtet des weiteren Werdegangs)
2) Bei Bestehen: Drei Jahre Ausbildung zur examinierten Pflegekraft, allerdings mit deutlich mehr theoretischem Fokus und Bachelor-Rang
3) Bei Bestehen: Zwei Jahre Fachweiterbildung (inkl. Anleiterschein) und/oder Leitungsausbildung, jedoch mindestens 2 Jahre Berufserfahrung im Feld nötig, überwiegend theoretischer Fokus und Master-Rang. Für mindestens eine Form der Weiterbildung sollte ein Rechtsanspruch und Förderung durch die Arbeitgeber und Kassen bestehen.

Mit Bestandsschutz und angepassten Überleitungs- /Höherqualifikationsmöglichkeiten für solche, die nach älteren Systemen ausgebildet wurden.

Ansonsten, noch etwas Polemik:

"Examen 2030! Jetzt noch schneller! Garantiertes Bestehen! Kein Schulabschluss erforderlich! Vorstrafen sind kein Problem!"
 
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18.02.2014
Berlin
Nun ja- ich jammere nicht, ich stelle fest... Dir schwebt eine bessere Qualifizierung vor und spricht von der Basis die wir nehmen müssen. Im gleichen Atemzug sinkt aber die Zugangsvorrausetzung. Die Schere kann mir keiner erklären...

Jedoch stehe ich auch zu deinem Ansatz. Wir werden in der Pflege wie in anderen Ländern auch eine stärkere Herachie herausbilden müssen. Von Hilfskräften und "echten" Fachkräften (die vielleicht sogar mit einer gewissen Verordnungskompetzenz ausgestattet sind).
 
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23.12.2014
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Nun ja- ich jammere nicht, ich stelle fest... Dir schwebt eine bessere Qualifizierung vor und spricht von der Basis die wir nehmen müssen. Im gleichen Atemzug sinkt aber die Zugangsvorrausetzung. Die Schere kann mir keiner erklären...

Jedoch stehe ich auch zu deinem Ansatz. Wir werden in der Pflege wie in anderen Ländern auch eine stärkere Herachie herausbilden müssen. Von Hilfskräften und "echten" Fachkräften (die vielleicht sogar mit einer gewissen Verordnungskompetzenz ausgestattet sind).
Das eine ist, wie ich es mir idealerweise vorstelle. Das andere ist die Realität, an die ich mich irgendwie anzupassen habe. Manche AG sehen in Auszubildenen erstmal billige Arbeitskräfte, die man auf Teufel komm raus durchs Examen schleusen muss. Auf den Schulen dürfte teilweise ein ähnlicher Druck lasten.
 
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Joe Blessing

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11.05.2020
Wenn ich Pflegenotstand höre.....dann schaue ich auf den Kalender, der mir sagt, daß ich in 6 Jahren in Rente gehe!

Ich habe 1984 meine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht, später "aufgestockt" in die Krankenpflege, Weiterbildungen, Fortbildungen, PDL usw. Aktuell habe ich vor ein paar Monaten die Palliative Care Fachausbildung abgeschlossen und warte gerade darauf, daß ein Kursplatz als Praxisanleiter frei wird.

Warum das alles?
Weils Spaß macht, weil mir der Beruf seit 37 Jahren Spaß macht und ich mich nie auf irgendwelchen Lorbeeren ausgeruht habe.

Leider stelle ich in den letzten Jahren eine zunehmende Qualitätsabnahme neuer Examinierter fest - was da frisch aus der Ausbildung kommt, wäre damals gnadenlos durchgefallen.
Selbst KollegInnen, die schon 4 Jahre examiniert sind, weisen eklatante Mängel auf.
Was mir besonders auffällt: Da gibt es im Stationsalltag plötzlich ein fachliches Problem, KollegIn xy weiß nicht weiter und was passiert?
Nichts!

Da wird die offene Fragestellung einfach hingenommen a'la "weiß ich nicht", statt mal ins Internet zu schauen (Pschyrembel lasse ich aussen vor, den hatten viele noch nicht mal in der Hand).
Die letzte Schülerin, die ich begleitet habe, war total baff, was ich sie alles so gefragt hatte und bestätigte mir, ich wäre der erste gewesen, der sie fachlich mal fordert.

Respekt/Wertschätzung?
Gibt es in unserem Beruf von aussen nicht, jedenfalls ist sie mir noch nicht begegnet.
"Ach, sowas könnte ich ja nicht..." ist keine Wertschätzung für mich. Irgendwann habe ich festgestellt, daß die meiste Wertschätzung von den Patienten/Bewohnern selbst kommt und die ist mir sehr viel wert.
Zum Glück habe ich jetzt einen AG, der das Wort "Wertschätzung" auch lebt; das letzte Mal hatte ich dies in der Form 30 Jahre zuvor erlebt.

Streiken?
Ja, gerne, immer! Macht bloß keiner mit.
Also streike ich im kleinen, das wirkt mindestens genauso gut:
- Arbeit nach Plan
- kein einspringen (seit einem Burnout mit Therapie kann ich auch "Nein" sagen)
- Telefonanrufe konsequent blockieren
- keine Arbeiten, die ausserhalb meiner Stellenbeschreibung laufen

Funktioniert ganz gut. Manche AGs waren etwas abgenervt darüber, aber da müssen sie durch!
Grundsätzlich habe ich es in der Vergangenheit immer so gehalten:
- guter AG, bleibe ich dabei
- schlechter, unkooperativer AG - bin ich direkt wieder weg
Allerdings hilft mir dabei mein Werdegang und mein erworbenes Fachwissen. Da wird der Hebel immer länger :)

Auszeiten
Ich habe schon früh im Job Auszeiten genommen, meist im Zusammenhang mit einem AG-Wechsel. Das ging von 3-4 Wochen bis zu 6 Monaten, also selbstgestaltete Sabbaticals.
Diese Auszeiten haben mir immer sehr gut getan, weil ich in dieser Zeit gar nichts mit Pflege am Hut hatte und mich mit völlig anderen Dingen beschäftigt habe.

Übrigens:
Ich habe in all den Jahren viele AG-Wechsel gehabt, diese waren aber immer begründet auf meiner eigenen Neugier. Sobald sich ein neues, interessantes Betätigungsgfeld eröffnete, habe ich zugeschlagen.
Geht natürlich nur, wenn man völlig flexibel ist.

Wie gehts weiter?
Mal schauen. Ich mache meine Arbeit so, daß ich mich damit wohlfühle und versuche:
- die letzten Jahre gut rum zu bringen
- Schülern möglichst viel Input mitzugeben
- Pflegehelfer dazu zu bringen, endlich das Examen zu machen (so einige habe ich schon auf dem Konto :) )

So, und jetzt weiter in meinem Kurzurlaub....
 
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