Wenn ihr "Pflegenotstand" hört...

  • Ersteller Menschenkind
M

Menschenkind

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18.12.2012
Was fällt euch dazu ein?
Gibt es überhaupt einen Pflegenotstand?
Wenn "ja", was glaubt ihr, führt dazu?
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
C

Cutter

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16.11.2008
Hannover
1.) Es gibt genug Pflegefachkräfte in Deutschland. Die Ausbildungsklassen waren in den letzten Jahren voll und sind gnadenlos "durchgewunken" worden. Die PFKs arbeiten allerdings nur ein paar wenige Jahre und verschwinden dann aus dem Beruf. Sehr viele PFKs arbeiten längst in anderen Berufen, aber sie sind immer noch da.

2.) Kein einziger Auszubildende, aus unserer Einrichtung, hat in den letzten 5 Jahren, nach der Fachkraftprüfung einen Vertrag als PFK unterschrieben. Die ziehen alle weiter, Studium oder andere Einrichtungen. Die meisten sagen schon während der Ausbildung, das sie nicht in der Pflege bleiben werden und orientieren sich direkt nach der Prüfung weiter.

Der Grund (IMHO):
Viel zu wenig Pflegezeit.

Dank der Privatisierung der Pflege -> Personalschlüssel runter.
Unternehmen wollen/müssen Geld verdienen. Die Lohnkosten sind ein guter Ansatz um Geld zu sparen. Wenn wir jetzt mehr Geld bekommen sollten (neuerliche geplante Lohnsteigerung über tarifähnliche Löhne), werden wohl die Pflegezeiten (Personalschlüssel) nochmals gekürzt. Unterm Strich werden immer die Unternehmen das Geld verdienen, nicht die AN .....

Die sehr knappe Pflegezeit nenne ich als klaren Grund für die Unzufriedenheit bei den Pflegekräften.

Die Lösung (IMHO):
Politik muss den Personalschlüssel eklatant nach oben reißen.
... Die Pflegekräfte sollen wieder die Hand Sterbender halten dürfen und das nicht nur für 20sec ... Auch wenn es nicht abrechenbar ist ...
 
Qualifikation
Pflegehelferin
Fachgebiet
Hannover
M

Menschenkind

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Themenstarter/in
18.12.2012
Eine insgesamt sehr treffende Analyse, wobei nicht ich nicht in jedem Fall glaube, dass du ins Schwarze getroffen hast.

1.) Es gibt genug Pflegefachkräfte in Deutschland. Die Ausbildungsklassen waren in den letzten Jahren voll und sind gnadenlos "durchgewunken" worden. Die PFKs arbeiten allerdings nur ein paar wenige Jahre und verschwinden dann aus dem Beruf. Sehr viele PFKs arbeiten längst in anderen Berufen, aber sie sind immer noch da.
Argument 1 und 2 sind sehr nah miteinander verbunden. Entweder sucht man sich sein "Pflegebiotop" zum Beispiel in einer ambulanten WG, einer Tagespflege, etc. und hofft auf einen guten Anbieter...oder man wendet diesem tollen Beruf den Rücken.

2.) Kein einziger Auszubildende, aus unserer Einrichtung, hat in den letzten 5 Jahren, nach der Fachkraftprüfung einen Vertrag als PFK unterschrieben. Die ziehen alle weiter, Studium oder andere Einrichtungen. Die meisten sagen schon während der Ausbildung, das sie nicht in der Pflege bleiben werden und orientieren sich direkt nach der Prüfung weiter.

Der Grund (IMHO):
Viel zu wenig Pflegezeit.

Die sehr knappe Pflegezeit nenne ich als klaren Grund für die Unzufriedenheit bei den Pflegekräften.

Die Lösung (IMHO):
Politik muss den Personalschlüssel eklatant nach oben reißen.
... Die Pflegekräfte sollen wieder die Hand Sterbender halten dürfen und das nicht nur für 20sec ... Auch wenn es nicht abrechenbar ist ...
Die Lösung ist absolut korrekt! Und tatsächlich die einzige, die das gesamte Dilemma behebt! Ich kann nicht in einem Beruf arbeiten, in dem ich die gleiche unmenschliche Schlagzahl leisten muss, dafür aber mehr Geld bekomme...das ist wie dem Esel eine Mohrrübe vor die Nase binden, wenn er einen zu schweren Karren ziehen muss.

Dank der Privatisierung der Pflege -> Personalschlüssel runter.
Unternehmen wollen/müssen Geld verdienen. Die Lohnkosten sind ein guter Ansatz um Geld zu sparen. Wenn wir jetzt mehr Geld bekommen sollten (neuerliche geplante Lohnsteigerung über tarifähnliche Löhne), werden wohl die Pflegezeiten (Personalschlüssel) nochmals gekürzt. Unterm Strich werden immer die Unternehmen das Geld verdienen, nicht die AN .....
Hier liegst du meiner Meinung nach etwas daneben. Zwar sind die Lohnkosten ein guter Ansatz Geld zu sparen, jedoch wird dies in der Regel dadurch erreicht, dass kein Betriebsrat vorhanden ist (Gewerkschaftsnähe) und nicht nach Tarifvertrag gezahlt wird. Die Personalzahlen werden nach den LQV (Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen) verhandelt und es droht ein Aufnahmestopp, wenn die Personalzahlen unterschritten sind und/oder es zu Qualitätsmängeln kommt.
Eher ist das Problem, dass die Kostenträger so wenig wie möglich zahlen möchten und die Politiker mit ihren Pflegestärkungsgesetzen nur einen wohlklingenden Namen für die gleichen oder schlechtere Personalschlüssel gefunden haben.
Automatisch zusammengeführt:



Eigentlich wollte ich eher "Schlagworte" suchen für eine Wordcloud...aber danke für die messerscharfe Analyse!

Also...gerne ein paar Schlagworte...
;)
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
I

Igel77

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23.12.2014
Oldenburg
Ich halte den Pflegenotstand für ein multifaktorielles Geschehen mit sich selbst verstärkenden Problemen, der Teil der allgemeinen Probleme "Fachkräftemangel", "Überalterung", "Sexismus", "Klientelpolitik" und "Postkolonialismus/Rassismus" ist.

Diese Faktoren würde ich in vier grobe Gebiete einteilen:

Arbeitsvertragliche Bedingungen: Das Vorhandensein eines Tarifvertrages, Gehalt, Urlaub, Schichtdienst, Geteilte Dienste, Freizeit, etc.
Arbeitsbedingungen: Anzahl Pflegender zu zu Pflegenden, Bauliche Bedingungen, bereitgestellte Hilfsmittel, pflegefremde Tätigkeiten, Einarbeitung
Kultur in der Pflege: Führungskultur, Mobbing, Bildungsfeindlichkeit, Gewalt gegen Pflegende und zu Pflegende, Umgang mit Erkrankung und Tod, Burnout, Coolout, Erlernte Hilflosigkeit, Scheuklappensyndrom, Rechts(un)sicherheit, Spaltung, Lästern, Einzelkämpfer, mangelnde Selbstpflege und persönliche Anteile, Fluktuation, "Pflege als Parallelgesellschaft", mangelnde berufliche Organisation, Verwässerung von Werten und Wissen
Pflege in unserer Kultur: Geschlechterrollen, Klassismus, Politische Vereinnahmung, "Wer soll das bezahlen", Mediale Darstellung, Aufstiegs - und Entwicklungschancen, Aldimentalität, Pflege als Anlageobjekt, Soziale Marktwirtschaft, Rolle der Kirchen, NS - Vergangenheit

Zu allem könnte ich einen Essay schreiben. Was aus der Liste interessiert Dich?

Ansonsten: Ich halte die Gesamtheit der Themen als "Grund", d.h. das Zusammenwirken verschiedener Kräfte verstärken die Problematik und führen zur Flucht aus dem Beruf - oder, dass sich junge Leute dafür entscheiden, lieber nach Berlin zu ziehen und irgendwas mit Medien zu machen.
 
Qualifikation
Gesundheits - und Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
M

Menschenkind

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
18.12.2012
Ich halte den Pflegenotstand für ein multifaktorielles Geschehen mit sich selbst verstärkenden Problemen, der Teil der allgemeinen Probleme "Fachkräftemangel", "Überalterung", "Sexismus", "Klientelpolitik" und "Postkolonialismus/Rassismus" ist.

Diese Faktoren würde ich in vier grobe Gebiete einteilen:

Arbeitsvertragliche Bedingungen: Das Vorhandensein eines Tarifvertrages, Gehalt, Urlaub, Schichtdienst, Geteilte Dienste, Freizeit, etc.
Arbeitsbedingungen: Anzahl Pflegender zu zu Pflegenden, Bauliche Bedingungen, bereitgestellte Hilfsmittel, pflegefremde Tätigkeiten, Einarbeitung
Kultur in der Pflege: Führungskultur, Mobbing, Bildungsfeindlichkeit, Gewalt gegen Pflegende und zu Pflegende, Umgang mit Erkrankung und Tod, Burnout, Coolout, Erlernte Hilflosigkeit, Scheuklappensyndrom, Rechts(un)sicherheit, Spaltung, Lästern, Einzelkämpfer, mangelnde Selbstpflege und persönliche Anteile, Fluktuation, "Pflege als Parallelgesellschaft", mangelnde berufliche Organisation, Verwässerung von Werten und Wissen
Pflege in unserer Kultur: Geschlechterrollen, Klassismus, Politische Vereinnahmung, "Wer soll das bezahlen", Mediale Darstellung, Aufstiegs - und Entwicklungschancen, Aldimentalität, Pflege als Anlageobjekt, Soziale Marktwirtschaft, Rolle der Kirchen, NS - Vergangenheit

Zu allem könnte ich einen Essay schreiben. Was aus der Liste interessiert Dich?

Ansonsten: Ich halte die Gesamtheit der Themen als "Grund", d.h. das Zusammenwirken verschiedener Kräfte verstärken die Problematik und führen zur Flucht aus dem Beruf - oder, dass sich junge Leute dafür entscheiden, lieber nach Berlin zu ziehen und irgendwas mit Medien zu machen.
Sehr interessante Aufstellung...auf die Essays komme ich gerne mal zurück :)
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
T

Timo45-3

Mitglied
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03.01.2021
Kiel
Ich glaube, dass ich noch das eine oder andere Schlagwort ergänzen kann, obwohl das alles ja zusammenhängt.
Schnelle Berufsunfähigkeit: Insbesondere bandscheiben- und Gelenkschäden. Auch hier häufig aufgrund von Zeitmangel aber auch wegen schlechten Hilfsmitteln wie Kaputten Betten, Fehlende Lifter etc.
Gute Weiterbildungsmöglichkeiten: Mal ein positiver Grund, denn in der Pflege hat man gegenüber dem handwerk sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten (z.B. PDL, erweiterndes Studium, Demenzberater etc.)
Gute Berufliche Möglichkeiten: Mit einer Pflegeausbildung kommt man auch relativ einfach in andere Berufe rein, z.B. Suchtberatung oder heilpädagogische Bereiche etc.
Zudem gibt es eine Vielzahl an pflegerischen Bereichen die zum Teil deutlich weniger belastend (Körperlich und/oder Psychisch) sind wie eine klassische Pflegeeinrichtung wie z.B. Tagespflege, ambulante Intensivpflege, Ambulante Pflege (teilweise!), Rehaeinrichtungen etc.


Aber warum kann sich kaum jemand vorstellen ein Leben lang in der Pflege zu arbeiten?
Klar, der Pflegeschlüssel. Doch es ist nicht nur das, glaube ich.
Während es in vielen Berufsgruppen im sozialen Bereich relativ verbreitet ist, dass Supervisionen stattfinden, Konfliktmanager eingeschaltet werden oder Teambuilding Maßnahmen veranstaltet werden, ist mir sowas in der Pflege noch nicht untergekommen. Kein Geld, keine Zeit, keine Lust und am ende (zwecks Teambuilding) über die Leute herziehen, die mit einem Burnout zuhause bleiben (Aber ich schweife ab)

 
Qualifikation
Examinierter Altenpfleger
Fachgebiet
Pflegeeinrichtung Stationär
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anjad88

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Guten Morgen, ich arbeite seit 20 Jahren beim gleichen Arbeitgeber.Warum? Weil ich Wertschätzung erfahre, Fort und Weiterbildung en absolviere, beim DBfK bin, weil wir in unserem Team duale Führung leben, weil wir Supervision, Teamfortbildungen, eine offene Fehlerkultur und konstruktives Feedback haben. Ich beschäftige mich mit den verschiedenen Generationen. Die jungen Kollegen, also zwischen 18 bis 25 Jahren, wollen verlässliche Dienstplanung. Montags Yoga, Mittwochs Spinning, Freitags Töpferkurs....und natürlich ein Sabattical....all das muß ein Arbeitgeber heute berücksichtigen. Wichtig ist für mich auch die Bildung einer Pflegekammer. Wir müssen weg vom Heil und Hilfsberuf. Meine Schüler nennen zuwenig Zeit für die Patienten zuerst, dann zu oft einspringen oder kurzfristige Dienstplanänderung, und keine wertschätzende Leitung wenn ich die nach der Zufriedenheit im Beruf frage....es gibt viel zu tun
 
Qualifikation
krankenschwester
Fachgebiet
zim klinikumstuttgart
Saxon

Saxon

Mitglied
Basis-Konto
15.09.2020
Der " Notstand - an Pflegekräften " ist leider Hausgemacht.
Der Staat hat sich Stück für Stück aus der eigentlichen Verantwortung geschlichen.
Es wurde viel zu viel Macht den Kostenträgern und Kassen überlassen ( diese sind aber im Grunde ja NUR Verwalter und nicht Herrscher ).eine Reihe an gesetzlichen Grundlagen wurden über die Köpfe ( die es betrifft ) hinweg beschlossen.Mit dem Segen der vermeintlichen Interessenvertreter.
Der Politik ging es NIE um die - die das alles am laufen halten.
Weder mit der " Pflegereform " noch dem Krankenhausfinazierungsgesetz und anderen Maßnahmen. Ziel der Politik war und ist es - immer mehr sich aus der Verantwortung und vor allem der Finanzierung des Gesundheitswesen zu verabschieden. Ist ja auch in anderen Bereiche so.
Ernsthafte Bemühungen das Gesundheitswesen / Pflege etc. zu stärken Fehlanzeige im Gegenteil.
Die viel zu vielen Kostenträger haben mittlerweile so viel MACHT ( die ihnen im Grunde gar nicht zusteht ) und wir kennen alle zu genüge die Auswüchse !
Beispiel : Eine ärztliche Verordnung oder RP Hilfsmittel und und werden im Verwaltungsakt durch MA ( ohne med.-Studium ) mal einfach abgelehnt, gekürzt. Hallo ! Eine Verordnung durch einen Mediziner - wird zum Spielball und der Gnade von Verwaltungsangestellten abhängig ....auf Kosten der betroffenen Patienten und allen an der Pflege / Betreuung beteiligten.
Danke liebe Politiker ........seit Jahrzehnten vernachlässigen diese das gesamte Gesundheitswesen und treten mit Füssen, die Patienten, Mediziner und Pflegekräfte.

Die Mängel und Probleme sind ja schon permanent bekannt.......außer lauwarme Reden , halbherzige Pseudo Aktionen , klatschen ist nichts zu erwarten.

Wie ja auch bei der Pandemie unschwer zu erkennen war. Volksvertreter machen persönlichen Reibach mit Masken etc. und die Pflegekräfte, Patienten und Angehörigen wissen nicht wo ihnen der Kopf steht.

Die Kostenträger / Krankenkassen geben ja nun auch nichts mehr von Ihrer Macht wieder ab. Genauso verhält es sich mit den Trägern und Betreiber on Kliniken oder Heimen.Alles nur noch der Gewinnoptimierung unterworfen.
Die Pflegekräfte stellen hier nur einen Kostenfaktor dar - wo als erstes gespart wird. Das nenne ich aus persönlicher Ansicht und Meinung , unverantwortlich.

Ja es gibt VEREINZELT auch Betreiber und Träger die ENDLICH den Schuss gehört haben !
Zaghafte Bemühungen endlich in Personal zu investieren - wir werden sehen wie lange.

In der Politik gibt es einfach KEINE Ernsthaften Interessenvertreter für die Pflege - die Lobbyisten von Pharma - Klinik - Heimbetreibern und Kostenträgern ist zu mächtig, gegenwärtig.
Solange diese Schräglage besteht wird einfach weiter gewurschtel.
Geht schon irgendwie schief...... ggf. klatscht man wieder im Bundestag. Und die Aktionäre 8 egal aus welchen Bereich ) kommen vor lachen nicht in den Schlaf.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie u. Intensivmedizin
Fachgebiet
Palliativ care
Weiterbildungen
PDL, Heimleiter, Dozent
Studium
Uni Leipzig
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Care2000

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18.02.2014
Berlin
Neben all den berechtigten Thesen: WIR sind das Problem. Ganz einfach - weil WIR halten das kranke System am laufen... Nur wenn das System nicht mehr rund läuft wird sich etwas ändern MÜSSEN.
 
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TQM Auditor, Gutachter, Wundspezialist, DCM, exam Krpfl. etc.
Fachgebiet
QM
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resigniert

Aktives Mitglied
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03.01.2013
Münster
Außerdem verweeigern WIR eine funktionierende Lobbyarbeit FÜR uns. WIR verweigern die Kammerbildung
 
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GuK
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Intern
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Igel77

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23.12.2014
Oldenburg
Außerdem verweeigern WIR eine funktionierende Lobbyarbeit FÜR uns. WIR verweigern die Kammerbildung
Wer ist "WIR"?

Ich persönlich gehe davon aus, dass es innerhalb der Pflege eine sehr hohe Heterogenität gibt, mit unterschiedlichen Identitäten und Haltungen. Das ist zum Teil unterschiedlichen Betätigungsfeldern geschuldet, aber auch dem Bildungsstand. Die Kammern wurden von einem sehr kleinen Teil Pflegender in Angriff genommen, und scheiterten, weil die Mehrheit der Pflegenden nicht Teil ihrer sozialen Blase war, massiver Gegenpropaganda ausgesetzt gewesen ist und etliche strategische und taktische Fehler gemacht hat. Schließlich sind viele Pflegende nicht an einer Beteiligung am Diskurs interessiert, wie er für andere Gruppen in diesem Lande üblich ist, was meines Erachtens mit politischer Bildung oder Einstellung, Angst und mangelnder Übung zusammenhängt.

Doch ich greife vor.

Eine Kategorisierung, die man vornehmen kann, ist die nach persönlicher Einstellung zum Job: Ist es Berufung (ja, die gibt es immer noch), Arbeit, Anstellung, wissenschaftliche Profession, Broterwerb, Kompensation für ein psychisches Defizit, eine Chance auf Immigration etc.?
EIne weitere Schublade: Schulabschluss und Ausbildungsgrad.
Ein dritter Betrachtungswinkel: Die Funktion, in der man als Pflegekraft arbeitet - ist man tatsächlich noch "am Bett", hat man eine leitende Position, eine Stabsstelle, eine Spezialistenstelle oder ist gar nicht mehr in einer Einrichtung der direkten Versorgung (wie dem MDK, dem DBfK etc.)
Und schließlich: Die sonstigen politischen Präferenzen. Wer die Zu- und Missstände in der Pflege klaglos erträgt, verschleiert, schönredet, verantwortet und willentlich in vollem Bewusstsein verursacht, wird sein Kreuz mutmaßlich woanders oder vielleicht auch gar nicht machen, als jemand, der dies nicht hinnimmt.
(Wahrscheinlich gibt es noch weitere Faktoren.)

Malte man eine Landkarte aus dieser Palette, könnte man, so glaube ich, sehr schnell feststellen, warum die Pflegekammern scheitern mussten. Ich könnte mir vorstellen, dass am einen Ende eine Schnittmenge an gut ausgebildeten, politisch progressiven, gut vernetzten, besser bezahlten und höherpositionierten Pflegenden die Kammer befürwortet hat, während auf der anderen Seite ein massiver Block an eher schlecht ausgebildeten, politisch konservativen, isolierten, ausgebeuteten und "einfachen" Pflegenden gegen das Vorhaben war oder dahingehend mobilisiert wurde.
 
Qualifikation
Gesundheits - und Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie

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