Was tun bei offensichtlich magersüchtiger Kollegin?

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S

STS

Mitglied
Basis-Konto
14.07.2006
46147
Hallo, ihr lieben Leute!

Ich versprach zwei meiner Kolleginnen, dieses Thema hier im Forum anzuschneiden. Die Überschrift verrrät schon, worum es geht:

Eine meiner Kolleginnen (Krankenhaus - Krankenschwester, Alter: Mitte 20) ist in den letzten sechs Monaten immer dünner geworden. Anfangs sprach sie noch offen über dieses Thema. Scheinbar war es ihr Freund, der einmal zu ihr sagte, sie könne doch mal ein paar Kilo abnehmen (man sollte hierbei erwähnen, dass sie keine sonderlich glückliche Beziehung führt; bspw. wurde ihr Hochzeitsantrag von ihm zurückgewiesen), was sie dann auch machte. Sie aß nur Quark und... naja, eigentlich sogar NUR Quark. Sie war zwar schon immer schlank, verlor aber trotzdessen ein paar Kilo.

Wir, ihre Kollegen von Station, sprachen ihr immer wieder gut zu. "Franziska* (*Name natürlich geändert), du bist doch ohnehin so schlank"; "Franziska, du willst doch nicht krank aussehen etc". Anfangs antwortete sie noch "Ja, ihr habt ja recht", irgendwann gingen ihr unsere Tipps scheinbar so auf den Zeiger, dass sie sagte: "Ich will gar nicht wieder zunehmen, ich bin glücklich so."

Nun ist die junge Dame aber wirklich mittlerweile so dermaßen dünn, dass auch Kollegen von anderen Stationen und Fachbereichen schon fragen, was denn mit ihr los sei. Keine weiblichen Formen mehr, die Arme sind nur noch "Ärmchen". Wir wissen nun nicht genau, was wir tun sollen, bzw. können. Das Problem ist einfach, dass wir diesem krankhaften Verhalten nicht einfach so beiwohnen wollen; wenn sie einmal im Dienst kollabiert oder Schlimmeres geschieht, würden wir uns a) Vorwürfe machen und b) würde unsere Chefin (Pflegedirektorin) uns sicher fragen, weswegen wir einfach so zugesehen hätten. Des Weiteren wollen wir die Kollegin einfach vor schlimmen Konsequenzen ihrer Magersucht verschonen (auch wenn dies nicht unbedingt in unserer Macht liegt). Wir sind ein sehr junges Team auf Station und haben auch privat viel Kontakt zueinander - nur so nebenbei.

Ich hatte auch schon die Idee, mich direkt an die Pflegedirektorin zu wenden, aber diese Art von "Petzen", auch wenn es nur zu ihrem Besten wäre, ist vielleicht keine so gute Idee. Denn dann wäre die PD gezwungen zu reagieren und es wäre klar, dass das Team, ihre Kollegen, ihre FREUNDE ihre privaten Probleme an eine Stelle getragen hätten, die sie selbst nicht kontaktiert hätte. (Wobei man natürlich sagen muss, dass nur die wenigesten Menschen mit Anorexia nervosa eigenständig Hilfe suchen.)

Um euren Fragen vorzugreifen:
1.) Ihr Freund sagte ihr nun auch schon mehrfach, dass sie wieder zunehmen muss.
2.) Franziska macht Dienste am Tag und in der Nacht; uns (dem Team) erscheint sie schon seit längerem nicht mehr so leistungsfähig wie früher.
3.) Franzsika zeigt absolut keine Einsicht. Sie findet sich so in Ordnung (was sie objektiv absolut nicht mehr ist), meint aber, sie könnte ja noch mehr abnehmen.

Kurz und knapp nun meine abschließende Frage: An wen können wir uns als Team wenden? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, unsere Kollegin vor sich selbst zu bewahren?

Danke für eure sicherlich hilfreichen Tipps!

Grüße und so,
SaveTheStyle
 
Qualifikation
Stationsleitung
Fachgebiet
Interdisziplinäre Wahlleistung
A

access

Mitglied
Basis-Konto
28.09.2007
41517
Hallo Savethestyle,

ich an eurer Stelle würde diese Mitarbeiterin direkt auf eure Befürchtungen und Ängste ansprechen und ihr die Möglichkeit geben sich evtl. dieser Problematik zu stellen. Dabei würde ich auch ihre von euch beobachtete
Lesitungsrückgang zur Sprache bringen.
Das mit dem "Petzen" sehe ich anders, ich empfinde das als kollegiale Pflicht, eine Kollegin die offensichtlich unter diesen Symptomatiken leidet, Möglichkeiten anzubieten, sich Hilfe zu holen und ihr eure Unterstützung, soweit wie möglich, anzubieten.
Sollte sie dies ablehnen, würde ich ihr meine weitere Vorgehensweise, Meldung an den Dienstvorgesetzten (Leitung, PDL) mitteilen mit Begründung. Es besteht auch seitens des AG eine Fürsorgepflicht den MA gegenüber, auch die MAV/Personalrat, sollte eingeschaltet werden, bei einem so sensibelen Thema. Es nützt keinem etwas, weder der Person, noch euren Pat./Bew. und den Kollegen, wenn das "Kind" in den Brunnen gefallen ist.
Nur "totschweigen" und "ignorieren" hilft keinem weiter.

access
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Management
L

Lisy

Hallo Savethestyle,
(meine Güte, was für ein komplizierter nick)
kennst du die Koalkohliker? Ihr macht das gleiche! Sich Gedanken machen, aber nichts tun. Sie muß unter Druck kommen, damit sich was ändert.
Allso Meldung und den Druck stark erhöhen. Selbst wenn das nichts nützt, habt ihr zumindest profesionell gehandelt und richtig gehandelt.
Gruß Lisy
 
Z

zenit

Neues Mitglied
Basis-Konto
27.11.2007
21039
Hallo Savethestyle,
(meine Güte, was für ein komplizierter nick)
kennst du die Koalkohliker? Ihr macht das gleiche! Sich Gedanken machen, aber nichts tun. Sie muß unter Druck kommen, damit sich was ändert.
Allso Meldung und den Druck stark erhöhen. Selbst wenn das nichts nützt, habt ihr zumindest profesionell gehandelt und richtig gehandelt.
Gruß Lisy

Hallo und guten Abend,
ich kann Lisy nur zustimmen, was die Koalkoholiker betrifft, aber nicht die Bemerkung mit dem "Druck".
Eure Kollegin steckt in ihrer eigenen Welt, die ihr sicher nicht ergründen könnt. Deshalb nützt auch kein Druck ausüben in dem Falle.
Das sie nicht mehr leistungsfähig ist ist klar und das wird auch noch schlimmer werden. Ob das nur mit dem Freund zusammen hängt wage ich zu bezweifeln.
Magersüchtige finden sich häßlich, egal wie dünn sie sind. Sie hungern sich zu Tode und sehen das nicht (siehe jüngste Berichte von Nadja Ab del Faragh).
Ihr könnt nur eins tun, aufpassen, dass sie nicht zusammen bricht, kein Druck, das wirkt nicht, macht sie nur noch bockiger, aber eins ist wichtig: Informiert Eure Vorgesetzte, PDL,Betriebsrat und vor allem Betriebsarzt, ganz wichtig!

Würd mich freuen mal wieder etwas zu hören von Euch
Zenit
 
Qualifikation
KS/PDL
Fachgebiet
Hamburg
K

Ken

und vor allem Betriebsarzt, ganz wichtig!
Das war mein erster Gedanke beim Lesen.
Es handelt sich um eine Krankheit, und die gehört in ärztliche Behandlung.

Kollegialität darf man nicht falsch verstehen.
Die Fürsorgepflicht hat auch nichts mit mütterlicher Fürsorge zu tun, sondern sollte professionell gehandhabt werden.

Zudem habt Ihr auch Verantwortung Euerem Betrieb und Patienten gegenüber.
(Betrieb+Patienten = die, die Euch bezahlen).

So, wie ich das verstanden habe, seid Ihr dieser Kollegin nicht vorgesetzt. Gibt es keine "nähere" Leitung als die Pflegedirektorin, die die nötigen "Schritte" einleitet, bzw. überhaupt das Problem erkannt hat?

LG
der Ken
 
L

Lisy

Hallo Ken, Hallo Zenit,
allso doch Druck, denn was anderes sind eure Vorschläge nicht.
Wir sind uns darüber einig, das das Krankeitsbild gemeldet werden muß und das die betroffene PK irgendwie dazu gebracht werden muß, sich in Behandlung zu begeben.
Dies ist analog wie beim Alkoholiker schwierig, aber machbar.
Eigenartig ist, das eine Magersüchtige ihren eigenen als zu dick empfindet, aber die Figur von anderen Magersüchtigen schrecklich findet.
Es ist wie so oft, den richtigen Weg zu finden ist schwer, aber lieber einen falschen Weg einschlagen als gar keinen.
Und von liebevoll an die Hand nehmen halt ich gar nichts. Wer dem anderen nicht sagt, was er denkt, fühlt, kann nicht erwarten das er ernst genommen wird.
Gruß Lisy
 
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo,
habe einen Link einer Stationsleitung zum Thema "Sucht/Co-Alkoholiker" gefunden, der m.E. gut (oder zumindest teilweise) zum Thema passt, weil er den Umgang mit betroffenen Kollegen und Hilfs- und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt:
http://waschulewski.de/Homepage/Ulrike/3%20Leistungsnachweis.pdf
Gute Nacht
Valentina
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
H

Honigbonbon

Mitglied
Basis-Konto
19.07.2007
30625
Also, ich schreibe mal von der anderen Seite aus...
Ich bin selber auch anorektisch... Ihr solltet die "Therapie" unbedingt Leuten überlassen, die sich damit auskennen! Man kann wirklich sehr viel kaputt machen, gerade mit Druck, oder wenn ihr etwas "hinter ihrem Rücken" macht!! Anorexie bedeutet meist weit mehr oder etwas anderes als "dünn sein wollen"!
Wie wäre es, wenn ihr eure Kollegin mal fragt, wie ihr darauf reagieren sollt, dass ihr das nicht einfach mit ansehen wollt...
Macht euch aber nicht von ihr abhängig! Es ist ihr Leben und ihre Verantwortung, es sei denn die gefährdet Patienten dadurch.
Lasst ihr aber auch ein wenig Zeit, Druck bewirkt oft das Gegenteil!

Lg
 
Qualifikation
GuK
Fachgebiet
Innere Med. Aufnahmestation
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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