Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

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sommerwindblume

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hallo,

ich bin neu hier und hab ein ganz großes problem. Würd mich freuen, wenn ihr mir vielleicht ein paar ratschläge geben könntet.
nun zu meiner situation:
meine mutti (74) war jahrzehnte lang alkoholabhängig, d.h. sie brauchte es als schlafmittel.
in letzter zeit hat sie ihren tag-nachtrythmus so verlagert, dass sie morgens ihr schlafmittel nahm und natürlich stock betrunken war. auf grund dessen hab ich sie ins krankenhaus einweisen lassen, wo sie auch 4 wochen entgiftet wurde. sie hat auch eine alkohol-demenz, leberzirrose, varizen in der speiseröhre und wiegt nur noch 47 kg bei 155 cm körpergröße.
vor dem krankenhaus hat sie kaum noch gegessen, wenn dann nur brei und war ständig agressiv. jetzt ißt sie wieder alles und bekommt ein antidepressiva und andere medikamente. tagsüber ist sie die liebste in person. wenn es ans zu bett gehen geht, hat sie fast eine ganze woche nach ihrem schnaps verlangt, natürlich nichts bekommen. achso, zum schalfen hatte sie dipiperon, was wir ihr schon 16.00 uhr gabren (1 1/2 Tabl.). leider hat das med. nicht geholfen, sie hat bis 2.00-3.00 uhr nicht schlafen können, dadurch haben wir sie auch nie vor 11.30 uhr am nächsten tag aus dem bett bekommen. vor 2 tagen hat sie zum schlafen zolpidem ( 1 Tabl. 5 mg) bekommen. aber es hilft auch nicht. ab heute soll sie zusätzlich melperon-saft 10 ml nehmen. bin ja mal gespannt, ob das jetzt hilft. mein vati (er kümmert sich um sie) und ich wissen bald nicht mehr weiter. da sie kaum alleine laufen kann, schläft er auch nie vor ihr ein. wir nehmen an, da sie abends sehr nervös und aufgeputscht ist, da ihr jetzt der alkohol fehlt.

könnt ihr mir dies bezüglich ratschläge geben? komm mir schon langsam dumm vor, jeden tag beim arzt anzurufen, ob es nicht noch ein anderes medikament gibt. ins heim möchten wir sie noch nicht geben, da tagsüber bis auf die typischen demenz-aussetzer alles schick ist.

lieben dank
gruß sommerwindblume
 
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Alraune

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Hallo Sommerwindblume,
das liest sich ja alles sehr belastend, auch für euch Angehörige. Hinsichtlich der Medikation äußern sich vielleicht noch Kollegen, die da mehr Ahnung haben. Ich meine aber im Hinterkopf zu haben, dass bei Patienten mit einer Suchtproblematik beruhigende Medikamente auch mal nicht oder paradox wirken können. Wieso bekommt sie das Dipiperon so früh ?
Je nachdem wie bei euch die Möglichkeiten sind, wäre es auch ein Ansatz die Mutter am Tag stärker auszulasten, evntl auch mit niedrigschwelligen Angeboten, Demenzcafes oder ähnlichen Angeboten, dann könnt ihr auch mal Luft holen. Vielleicht kann man auch am Abend zumindest ab und zu jemanden finden der deine Mutter unterstützt., damit dein Vater auch zu seinem Schlaf kommt. Schwierige Situation. Alles Gute Astrid
 
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sommerwindblume

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

hallo astrid,

lieben dank für deine antwort.
ja, es ist schon ziemlich belastend, da auch meine mutti darunter leidet. es ist auch ziemlich hart für mich, zu sehen, wie sie abbaut. bin ständig nur am heulen, da ich ein sehr gutes verhältnis zu meinen eltern habe.
sie bekam das dipiperon so früh, damit es zum schlafen wirkt. aber wie gesagt, es hat erst ziemlich spät angeschlagen, also mitten in der nacht.
wir wohnen leider in einer kleinstadt, da gibt es keine demenzcafes oder ähnliches. wir haben auch noch das problem, das meine eltern im 1.og wohnen und mutti die treppen nicht mehr laufen kann.
zusätzlich zu ihrer pflegestufe 2 hat sie noch monatlichen zuschuss für demenzkranke. ich will mich mal nächste woche umhören, ob jemand nach hause kommt und sie ein wenig beschäftigt. sie ist auch sehr kontaktscheu.
das mit dem schlafen weiß ich auch noch nicht, wie wir das lösen. ich hoffe, dass nun die medikamente wirken, zumal sie ja auch nur ein so schmales persönchen ist.

ich find es nur traurig, dass sie sie uns so aus dem krankenhaus übergeben haben. dann hätte mutti lieber noch 2 wochen drin bleiben sollen, und richtig auf die medikamente eingestellt werden sollen. aber so ist es momentan auch blöd, unser hausarzt und wir probieren jetzt, was am besten zum schlafen wirkt. ich glaube nicht, dass im krankenhaus lange gefackelt wird, wenn sie nachts theater macht, zumal mir ihre ärztin auch gesagt hat, dass sie mit lorazepam durchgeschlafen hat. und wir haben jetzt das dilema.
danke nochmals für deinen beistand (musste natürlich gleich wieder heulen).
lg sommerwindblume
 
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Lisy

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Hallo sommerwindblume,
ich fürchte, ihr könnt an Medis ausprobieren, was ihr wollt. Es wird nicht wirklich wirken. Das Einzige was passiert: die Leber wird noch weiter geschädigt und zur Alkoholsucht kommt noch eine Medikamentenabhängigkeit.
Ich schliese mich Astrid an: Lastet sie am Tag richtig aus und riskiert ein paar schlaflose Nächte. Irgendwann wird sie müde.
Ich kann mir übrigens nur schwer vorstellen, das es keine Tagespflege für Senioren in eurer Ecke geben soll. Deine Idee mit der Einzelbetreuung zu Hause macht sicher Sinn. Aber auslasten könnt ihr sie nur durch Bewegung und viel frische Luft. Dein Vater hat auch nicht viel Erholung von einer Einzelbetreuung zu Hause, es sei denn er geht während dieser Zeit außer Haus.
Was die Treppen anbelangt, es gibt Treppenlifter, (die werden von der Pflegekasse gestellt) das bekannteste ist das scala mobil. Dieser Treppenlift muß auch nicht an der Wand befestigt werden, kann also auch im Mietshaus benützt werden.
Ich wünsche dir viel, sehr viel Kraft.
Grüßle Lisy
Ach übrigens, jeder gute Pflegedienst berät euch dies bezüglich.
 
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sommerwindblume

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

hallo lisy,

lieben dank für deine antwort.
ebend kam der anruf von meinem vati, dass sie heute schon im bett ist. ich hoffe, dass der melperon-saft dafür verantwortlich ist. jetzt müssen wir erstmal schauen, ob er auch die nacht anhält.
eine seniorentagespflege gibt es 20 km weiter. sie würde da auch abgeholt werden, aber wie gesagt, dass problem sind die treppen. und ich glaube ein lift funktioniert nicht, da es ein neubaublock ist, also sehr eng. das treppengeländer ist auch nicht durchgängig. wo sie ins krankenhaus mußte, konnten sie sie auch nicht mit der trage runterbringen, sondern in so einem sitztuch.
naja, vielleicht haben wir ja glück, und die medis helfen jetzt doch.

bis bald und danke für eure tröstenden worte. tut meiner im moment sehr angeknacksten seele richtig gut.
lg sommerwindblume
 
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traveler

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Hallo sonnenblume,

die massiven körperlichen Schädigungen deuten darauf hin, dass deine Mutter schon sehr, sehr lange dem Alkohol in beträchtlichem Maße zugesprochen hat. Der Alkohol hat über die vielen, vielen Jahre Schädigungen hervorgerufen, die auch nicht mehr reparabel sind.

Bei Medikamenten dieser Art braucht es oft schon mehrere Wochen, bis diese anschlagen und ein Wirkung erzielen.

Du solltest dir auch überlegen, ob deine Mutter aufgrund der langjährigen Vergiftung, jetzt am Ende ihres Weges angekommen ist?

Was dir noch bleibt ist eine Einweisung in eine gerontopsychiatrisches Fachkrankenhaus mit Suchtabteilung/Spezialisierung für Senioren.
Diese sind auf solche Krankheitsbilder spezialisiert.
Wenn ein Arzt überhaupt noch eine Verbesserung erzielen kann, dann ein Facharzt für Gerontopsychiatrie.

Womit wir bei nicht wenigen gerade Dementen gute Erfolge erzielen ist ein starker Kaffee vor dem Schlafen gehen.
Aber nicht gleich aufgeben, wenns am ersten Abend nicht sofort wirkt.
Ziehs mal ne Woche durch.

Viel Erfolg und Kraft
 
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sommerwindblume

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

hallo renje,

danke für deine ratschläge.
Ja, das mit dem starken Kaffee hab ich schon gehört. Werden das auch nochmal probieren.
Also, der Melperon-Saft hat gestern nach 1 Stunde volle Wirkung gezeigt, sie ist gleich eingeschlafen. Hat aber leider nur 2 Stunden angehalten, da war sie wieder wach bis 2.00 Uhr. Das war auch früher immer ihre Einschlafzeit. Heute kriegt sie erst den Saft kurz vorm Zubett gehen. Aber kann sie dann vorher (ca. 2 Stunden) den Kaffee trinken? Hab nämlich im Beipackzettel von Melperon gelesen, dass er nicht mit Kaffee eingenommen werden darf, da die Wirkung dann herabgesetzt wird.

LG sommerwindblume
 
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bowielein

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Entweder ........ oder ...........!
Gerade wenn viele organische Schädigungen vorhanden sind, würde ich nicht mit zuvielen Experimenten gleichzeitig anfangen.
 
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nofretete

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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Ja die Ratschläge hier haben alle was für sich I ch glaube aber das ihre Mutter, wie schon erwähnt ein ca. 6-wöchiger Aufenthalt in einen gerontopsychatrischen KH guttun würde. Und ob dann eine Pflege zu Hause weiter möglich ist, sollte dann entschieden werden, denn glaubt mir es wird nicht einfacher, auch wenn sie mal durchschlafen sollte.

Wir haben auf unserer Geronto- Station viele Bewohner, die dem Alkohol anheim gefallen sind. Also davon ist jeder anders mit den Medikamenten eingestellt. E§s gibt Bewohner, die nur zum Schlafen was brauchen, bis hin zum ein mal monatlich Haldol Depot. Wir haben sogar einen, bei dem garnichts angeschlagen hat, und der kommt ohne Medikamente gut zurecht, nur mal als Bedarf Melperon.
 
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AW: Was tun bei ehemaliger Alkoholabhängigkeit und Schlafstörungen

Hallo sommerwindblume, hallo Kollegas!

Schwierige Situation und für Angehörige allemal sehr belastend. Vor allem, wenn man von der Klinik nicht wirklich viel hilfreiches an die Hand bekommt.

Ich schließe mich meinen Kollegen an, die vorschlagen, die Mutter tagsüber zu beschäftigen. Tagesstruktur (zurück) zu gewinnen ist bei Abhängigkeitserkrankungen das A und O, und bei Demenzkranken hilft es meines Wissens auch einen geregelten Tag zu gestalten. Hier sollte auf jeden Fall Hilfe dazugeholt werden: Tagespflege, Pflegedienst, Nachbarschaftshilfe. Solche Unterstützung entlastet auch die Angehörigen ungemein.

Durch solche Aktivitäten lässt sich oft ein verbesserter Schlaf erzielen. Dabei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass ältere Menschen tendenziell weniger Schlaf brauchen, als jüngere.

Dipiperon ist so eine Sache. Kann bei Abhängigen während der Entgiftung gut helfen bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Kann aber auch, wie schon angesprochen, paradox wirken, sprich: die Leute werden erst recht unruhig, getrieben, bewegungsaktiv. Es ist halt kein Schlafmittel im eigentlichen Sinn, sondern ein Neuroleptikum, dass gerade bei Alkoholintoxikation eigentlich nicht gegeben werden soll.

Gleiches gilt im Wesentlichen für Melperon. Doxepin wäre der Vollständigkeit halber noch zu nennen; ist eigentlich ein Antidepressivum, wird aber in der Entgiftung auch bei Schlafstörungen eingesetzt. Aber auch hier ist eine mögliche paradoxe Wirkung bekannt.

Man muss tatsächlich ein bißchen herumprobieren, was die Verträglichkeit angeht, allerdings auch nicht jeden Tag ein anderes Präparat ausprobieren.
Gerade bei Demenzkranken ist zu beachten, dass einerseits der Wirkungseintritt verzögert kommt, es andererseits aber auch leicht zu einem Überhang kommt. Wenn nicht mehr so viele Synapsen im Hirn vorhanden sind, kann das Medikament auch nicht vollständig andocken. Es bleibt somit länger im Blutkreislauf.
Daher sollte man bei Dementen auch eher niedrigere Dosierungen fahren und nicht die für "normale Erwachsene".
 
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Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie
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Niederschwelliger Drogenentzug
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