Warum merken Menschen denn oft nicht, wenn ihre Angehörigen, Freunde usw. sterben ?

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dieKathi

Mitglied
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19.01.2007
Bietigheim
Vielleicht off-topic, vielleicht aber auch nicht:

Wer von uns hat sich denn schon mit seinem eigenen Tod auseinander gesetzt? Hat vielleicht mit Angehörigen darüber gesprochen, wie er/sie sich das Sterben wünscht und wie die eigene Beerdigung z.B. aussehen soll? Wagen wir das? Uns auf diese Weise mit dem eigenen Tod zu beschäftigen? Oder geht es uns da ähnlich wie vielen anderen Menschen, die nicht durch ihren Beruf immer wieder mit dem Thema konfrontiert sind und dann erst vor den Fragen stehen, wenn sie durch den Tod eines nahen Angehörigen persönlich betroffen sind?


Ich denke nämlich auch, daß die Politik da wenig helfen kann, um das Sterben - den positiven, natürlichen Umgang mit dem Sterben - wieder ins Bewußtsein der Gesellschaft zu bringen. Die Gesellschaft sind wir. Dort wo wir etwas tun, und sei es noch so klein, ändert sich etwas. Nicht im Großen, aber im Kleinen - und viel Kleines wird vielleicht irgendwann auch zu einem Großen.

Ein kleiner Stein fällt ins Wasser - doch die Kreise ziehen weit über den See...


Viele Grüße,
dieKathi
 
Qualifikation
Wohnheimbetreuerin / Krankenschwester
Fachgebiet
Behindertenwohnheim
L

L. Li

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
28.02.2007
40227
@Kathi, durch die Krankheit meines Vaters und auch weil meine eltern über 60 waren und der beste freund meines vaters begleitet zuhause an magenkrebs starb haben wir zuhause wirklich VIEL übers sterben geredet. in dieser zeit haben wir kinder (meine schwester ist auch schwester ;-) )viel über unsere eltern gelernt.
wir wußten vorher genau WIE mein vater sterben wollte und WIE NICHT - und wir haben das durchgedrückt und ermöglicht und es war sehr gut, nicht nur für meinen vater sondern für uns alle.

auch die gespräche waren gut und hilfreich aber ich kenne auch das andere extrem.
meine schwiegers sind an die 80 und wir wissen nixnixnix - von sterben reden sie kein sterbenswörtchen.

kommt die sprache darauf blocken sie ab und wir können nur - mein mann ist der einzige sohn - zwischen den zeilen lesen.

tut mir leid, pflegende hin oder her, erfahrungen mit dem tod hin oder her aber ich KANN nicht verstehen wie sich 80 jährige so ganz und gar nicht mit dem eigenen tod, mit dem wie und was, ob pflegeheim oder nicht, ob patientenverfügung oder nicht auseinandersetzen.

da kommt gar nichts............wir leben ewig..........und wenn nicht, dann wachen wir eines tages eben morgens nicht mehr auf oder fallen einfach so aus vollster gesundheit tot um.......

L.Li
 
Qualifikation
Krankenschwester, PDL
Fachgebiet
ambulanter PD
L

Lisy

Hallo L.Li,
solche Schwiegereltern hatte ich auch, alls dann mein Schwiegervater starb, wurde schnell deutlich, sie hatten alles geregelt! Nur drüber gesprochen hat nie jemand. Dies lag bei meinen Schwiegereltern daran, das sie ihre Söhne schützen wollten, wie sie es halt schon immer getan haben. Es wurde bei meinen Schwiegereltern auch nie über Geld oder andere Sorgen vor den Kindern gesprochen und zum Streiten gingen die glaub in den Keller.
Das Problem das "meine" Familie hatte, war, das alles schöngeredet wurde, er wurde ohne mein Wissen zum sterben dann noch in eine Klinik eingewiesen.
Und alle (außer mir) waren froh, das er in der Klinik verstarb, die hatten einfach nur Panik.
Alls ich von seinem, für persönlich, einsamen Tod erfahren habe, heulte ich mich fast zu Tode, nicht weil er starb, sondern weil er so alleine starb.
Obwohl ich mit meinem Mann und meinen Kindern oft übers sterben sprech, konnte das keiner verstehen.
Tröstlich fand ich dann den Komentar meiner Schwiegermutter, mein Mann ist der Vater seiner Kinder, er wollt nie, das die ihn alls Krank und Alt wahrnehmen, er hat wohl immer gewollt, das keiner seiner Kinder ans Sterbebett kommen.
Gruß Lisy
 
double19

double19

Aktives Mitglied
Basis-Konto
18.10.2006
56335
Habe gerade den ganzen Tread gelesen und habe auch etwas feuchte Augen. Ich weiß, dass ich mit dem Tod keine Übung habe ich bin unsicher. Kondulieren fällt mir z.B. schwer.
Eltern und Schwiegereltern alle Mitte 70. Meine Eltern haben Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten, haben sich im Altenheim (3-Gliederig) angemeldet und sind Mitglied im Hospizverein geworden. Meine Schwiegereltern werden wohl ewig leben, denn sie blenden das Thema voll aus. Auf diese Zukunft der Eltern kann ich mich (49 J.) einladen. Obwohl ich mich vor dem Thema Sterben nicht sträube, bin ich unsicher, ob ich es den Eltern "Recht mache". Darauf soll es doch ankommen. Weniger um das, was mich selbst betrifft. Ich hoffe, dass ich das meistern werde mit meiner Frau zusammen.
Schlimm finde ich, wenn Eltern sich nichts mehr gönnen, um nur jeden Cent den Kindern zu vermachen; und die Kinder dies auch mehr oder weniger offen einfordern. Da krieg ich echt Wut.

Schreibt weiter in dem Tread in der Hoffnung, dass es vkiele lesen und gute danach handeln können.
Eine Patientenverfügung habe ich mir schon gemacht. Und meine Eltern haben mich dazu "verdonnert", notfalls mit allen Rrechtsmitteln ghegen Ärzte anzugehen, die nur das Leben mit Maschinen o.ä. verlängern wollen undc die Patientenverfügung außer Acht lassen.

Markus
 
Qualifikation
selbstständig; Heimberater
Fachgebiet
Rheinland-Pfalz
B

biene1962

Habe nun alle Beiträge durchgelesen und erinnere mich an meine eigene Situation vor 18 Jahren als mein Sohn mit 9 Monaten starb. Menschen um mich herum mieden mich, wussten nicht wie sie mit mir umgehen sollten, was sie sagen sollten, eine Bekannte wechselte selbst die Straßenseite...es tat weh !
Heute weiß ich, dass diese Menschen ein richtiges Problem mit dem Thema Tod haben...überhaupt wenn ein Kind stirbt, ich bin ihnen heute nicht böse, da ich weiß das es Unsicherheit ist.
Ich persönlich habe wahnsinnig viel durch den schmerzhaften Tod meines Sohnes gelernt, er hat mir viel mit auf dem Weg gegeben.

Gruß
biene
 
D

dr.poops

Re: Warum merken Menschen denn oft nicht, wenn ihre Angehörigen, Freunde usw. sterben

Es war eine ziemliche Arbeit, aus meinen Eltern herauszubekommen, wie und ob sie sich eigentlich mit dem Sterben auseinandergesetzt haben. Das sind zwei immer noch sehr aktive Menschen, die alle Nase lang in der Gegend herumdüsen, zu Ausstellungen gehen, schwimmen, darüber freue ich mich immer wieder wahnsinnig. Irgendwann ist ein enger Freund meines Vaters gestorben. Da hat er angefangen, sich mit Patientenverfügungen auseinanderzusetzen. Haben wir auch alles miteinander beredet, Papierkram etc. fertig - trotzdem ist das ein mieses Gefühl. Wenn du deinen Papa seine Badehose aufhängen siehst, kannst du dir niemals vorstellen, vor seinem Sarg zu stehen! Da bin ich genauso blockiert wie alle anderen.
Den Ruf nach der Politik finde ich schwierig - ich sag´s mal brutal: wenn der gesunde Menschenverstand aufhört, dann müssen Papi Staat, Papi Bulle und Papi Jurisprudenz ran. Finde ich persönlich eher abschreckend (besonders, wenn man sich an P. Mißfelder:kotz: erinnert, diesen CDU-youngster, der findet, ab einem bestimmten Alter sollten Menschen keine Hüft-TEP mehr erhalten - wenn Sozialdarwinismus dazukommt, muss ich brechen...). Es ist z.B. wichtig, daß im Medizinstudium auch Palliativmedizin mit hinzukommt. Immer ist alles auf einen kurativen Verlauf eingestellt. Das ist natürlich Käse. Wir müssen die PatientInnen anhören, was sie sich in ihrer letzten Lebensphase wünschen und es ihnen erleichtern dürfen - dieses zaghafte Gezicke bei der Opiatdosierung finde ich allmählich lächerlich. Ebenso dieses entsetzte Getue, wenn es um Cannabis geht, "iieh, Drogen". Dabei hat der Chef auch jeden Abend ne Pulle Rotwein auf...
Naja, und wenn man sich anguckt, wie sie alle jung sein wollen, "Anti-aging-cremes", der dumme Sport-Strunz mit seinem "foreve young"-Gejaller, blondierte Endsiebzigerinnen - man darf nicht sterben. Man darf noch nicht mal alt werden. Da lobe ich mir diese Dreier-Combo, "The Zimmers", die von The Who "My Generation" singen und zum krönenden Abschluss ihre Instrumente zerdeppern:pfeif:.
dr.poops
 
Escaflown

Escaflown

Mitglied
Basis-Konto
06.11.2006
32609
Re: Warum merken Menschen denn oft nicht, wenn ihre Angehörigen, Freunde usw. sterben

Hallo Ihr....

ich arbeite seit über 13 Jahren in der ambulanten Pflege, habe viele Sterbende und deren Angehörigen in der Zeit begleitet und auch in meiner Familie Sterbefälle gehabt....
Während meiner Arbeit habe ich unterschiedliche Erfahrungen machen können: zum einen die schon Beschriebenen, wie z.B. das nicht Wahr haben wollen,Angst, Hilflosigkeit,nicht los lassen können , Überforderung.....
Aber es gab auch : Zulassen, liebevolle Begleitung, Einsicht in die Überforderung - Hospitzplatz wurde zur Entlastung, oder es wurden die Sterbenden vom KH nach Hause geholt.....

Sterben muß jeder, das ist allen klar - aber leider ist es, da muß ich meinen Vorschreibern recht geben, bei den meisten ein Tabu -Thema ! Wer schaut schon gerne ( erst recht wenn er Jung und Gesund ist ) in sein Innerstes und setzt sich mit dem Thema Krankheit oder Tod auseinander ? Das betrifft mich noch nicht ! Das hat Zeit ! Das ist mir zu unangenehm, das macht mir Angst !

Als meine Mutter vor 6 1/2 aufgrund eines Apoplex ins KH kam, ahnte von uns niemand, das sie unheibar an Krebs erkrankt war...Mein Vater hat es bis zu letzt nicht wahr haben wollen, das sie sterbend war...ich dagegen wußte, was kommen würde...ich hab versucht, mit ihm darüber zu sprechen - er wollte es nicht hören....
Nach dem Tod meiner Mutter hat er sich dann hin gesetzt und mir erklärt, wo ich was finden würde und wie er seine Beisetzung gern hätte - wenn es bei ihm soweit wäre....
Er lebt und es geht ihm gut - ich wüßte zur Zeit nicht, was ich machen würde, wenn es anders wäre...

Mein Mann starb erst vor kurzem... - plötzlich,unerwartet...obwohl wir über den Tod an sich gesprochen haben, war nichts besprochen....
Unseren Freundeskreis hat der Tod meines Mannes sehr zum Nachdenken angeregt....der eigene Tod stand mit mal im Mittelpunkt und war sehr greifbar....kein Mensch, der sein Leben gelebt hat,keine vorangegangene Krankheit war dabei - nein, der Freund der gestorben ist, war wie sie : Jung und anscheinend Gesund, stand Mitten im Leben...

Abschied nehmen fällt den meisten Menschen sehr schwer...es entsteht bei den zurück gelassenen ein Vakuum, eine Leere - die sich erst langsam wieder füllen muß....auch das sollten wir nicht vergessen !

Es grüßt euch
Escaflown !!!
 
Qualifikation
exam. Krankenschwester,PA,PDL
Fachgebiet
Seniorenheim
S

stupanka

Aktives Mitglied
Basis-Konto
29.11.2006
52070
Re: Warum merken Menschen denn oft nicht, wenn ihre Angehörigen, Freunde usw. sterben

Hallo,tja,wenn das Wörtchen wenn nicht wär.....hätte mein Mann ein Rad im A.. wär er ne schöne Schubkarre....:rotwerd:

Ich denke es bewegt sich einiges,Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Es bedarf vieler Gespräche um das Thema bewußt zu machen und die Angst zu nehmen.
Wir müssen einfach selber damit anfangen,wir können niemanden dazu zwingen sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.
Die Entscheidung ob er es tut oder nicht, liegt bei jedem selber.

Lieber Gruss

stupanka
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Stationär Altenheim
Pflegeboard.de

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05.07.2001
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