Wann beginnt menschliches Leben?

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Harald Zagar

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07.07.2000
Wann beginnt das menschliche Leben?

Eine Einigung in ethisch-rechtlichen Fragen liegt in weiter Ferne. Nach Deutscher Gesetzgebung beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samen, und es besitzt Menschenwürde.In den Niederlanden bezieht sich die Menschenwürde auf den geborenen Menschen; in Kanada wird der Embryo 14 Tage nach der Empfängnis zum Menschen. In Norwegen, Frankreich, der Schweiz und Deutschland sind Erzeugungen von Embryos zur Forschung und das therapeutische Klonen verboten. Dänemark wiederum erlaubt therapeutisches Klonen, nicht aber die Forschung an Embryonen.

Den unterschiedlichen Auslegungen, was Leben, was Menschenwürde ist, stehen Heilungserwartungen entgegen.
Stammzellentherapie erscheint erfolgversprechend beispielsweise bei Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose. Auch die Millionen Paare, die ungewollt kinderlos sind, hoffen, durch die Gentherapie endlich Eltern zu werden.
Das immense breite Spektrum der neuen gentechnischen Möglichkeiten hat rund um den Globus zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Unter dem Titel „Möglichkeiten und Grenzen der Stammzellforschung“ wurde in diesem Jahr im hannoverschen Landtag ein Hearing als Plattform für die Diskussionen geboten.
Wie geht jeder einzelne von uns mit den Grundsatzfragen um? Forschung an Embryonen bedeutet deren Tod. Wie aber ist es mit der Verhütungsmethode Spirale oder anderen Mittel, die das Einnisten des befruchteten Eis in die Gebärmutter verhindert? Eine routinemäßige Tötung? Wie den in Deutschland erlaubten Schwangerschaftsabbruch bewerten? Dem Embryo wird etwa mit der neuronatalen Entwicklung ab der zwölften Woche eine Empfindungsfähigkeit zugeschrieben. Das sei ein Einschnitt, da könne man von Subjekt reden.
Was ist der Schöpferwille?

Die Ergebnisse aus Hannover könnten nur in einem Portal dargestellt werden, ( oder nur auszugsweise aus meinen Notizen) da sie einige Seiten füllen würden.
Ich denke aber, es sind auch in diesem kurzen Beitrag eine menge Fragen aufgeworfen worden, worüber es sich trefflich streiten, bzw. Diskutieren läst.

Ich wünsche allen Lesern ein gutes und gesegnetes neues Jahr 2002.
Harald.


:confused:
 
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johannes

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Hallo Harald,

auf Deine Frage gibt es eigentlich nur zwei Antworten.

1. Wer Gott als oberste Instanz in seinem Leben anerkennt und seine Ordnung ernst nimmt, kommt nicht umhin, auch seine Aussagen ernst zu nehmen. Eines bedingt das andere. Und Gott sagt uns schlicht und einfach, daß die Vereinigung von Mann und Frau (oder umgekehrt) neues Leben zur Folge hat. Dieses neue Leben ist aber nach der Aussage Gottes ein Mensch und nichts anderes. Gott gebietet, verantwortlich damit umzugehen. Dies beginnt bereits beim Umgang mit einem Mitmenschen (z.B. Partner).

Das betrifft sowohl den Umgang mit der Zeugung bei der Befriedigung eigener Begierden (Sexualität), als auch die Bewertung im Zusammenhang mit Wissenschaft und Forschung.

Es wird keine Aussage gemacht, ob dieses neue Leben eigenständig existieren kann oder auf Hilfe angewiesen ist. Es ist schlicht ein neuer Mensch. Von Anfang an.

2. Wer der Auffassung ist, daß Gott keine oder bestenfalls eine untergeordnete Rolle im Leben der Menschen spielt, wird in jedem Fall selbst entscheiden wollen, wann ein neuer Mensch beginnt und wie damit umgegangen werden kann oder soll. Und hier gibt es bekanntlich so viele Meinungen, wie es Menschen gibt.

Jeder wird für sich in Anspruch nehmen, die richtige Betrachtungsweise zu haben - sonst würde er ja keine andere haben als sein Nachbar. Es wird auch jeder für seine Betrachtungsweise die erforderlichen Argumente beibringen, damit wenigstens er selbst seine Betrachtungsweise glauben kann.

Aus diesen zwei Antworten werden sich wohl letzten Endes zwei Gruppen herauskristallisieren.

Die eine, die sich Gott verantwortlich weiß und von daher nichts unternehmen wird, um die Ordnung Gottes zu gefährden. Sie wird sicher warnend die Stimme erheben, daß die Folgen des Eingriffs in die göttliche Ordnung mehr Fluch als Segen bringt (siehe aus: Der Zauberlehrling <<Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los>>.) Aber es wird niemanden interessieren, der sich von seinen Aktivitäten irgendwelchen Profit verspricht. Es werden im Gegenteil die vielen scheinbaren Vorteile hervorgehoben. Ob in bezug auf die Befriedigung seiner Lüste (Sexualtrieb) oder in bezug auf Forschung und Wissenschaft. Der gottgläubige Mensch wird als antiquiert abgetan.

Die andere, die sich im Ruhm sonnt, die göttliche Ordnung auf den Kopf gestellt zu haben nach dem Motto des Pharao: "Wer ist der Gott, auf den ich hören sollte?" Ich bestimme und entscheide selbst, was Recht und Unrecht ist.

Sie wird in viele Lager gespalten sein, von denen jedes für sich behaupten wird, den besseren Weg gefunden zu haben. Sie werden sich gegenseitig bekriegen (Profit winkt). Sie werden gemeinsam die einfachen Menschen belügen mit der Lüge: "Unsere Forschung wird zum Segen der Menschheit werden!" wie sie es immer getan haben. Sie werden sich den Schein von Menschlichkeit geben (Wir machen das doch nur, um Heilmittel gegen so viele Krankheiten zu entwickeln)

Scheinbare Erfolge werden mit Sicherheit an die große Glocke gehängt. Mißerfolge werden totgeschwiegen, unterschlagen. Man will ja den zu erwartenden Profit nicht gefährden. So wurde es in der Vergangenheit in der Pharmaindustrie gemacht. Es deutet nichts darauf hin, daß ein Umdenken stattgefunden hätte.

Kommt dennoch ein größerer Schaden zustande, wird

1. versucht, diesen klein zu reden (zu bagatellisieren)
2. entsteht durch Todesfälle Aufregung in der Bevölkerung, wird so getan, als ob man die Forschungen und die daraus resultierende, gewinnbringende Vermarktung einstellt. In Wirklichkeit wird jedoch das Gleiche weiterbetrieben unter einem anderen Namen. Oder man sagt: "Wer etwas erreichen will, muß halt Opfer bringen."
3. die noch nicht in Gewinn umgesetzten Bestände, die zu Todesfällen geführt haben, werden in den Ländern abgesetzt, in denen die Menschen keinen Überblick über die Zusammenhänge haben, bis die Läger leer sind oder sich die Todesfälle so sehr häufen, daß die betroffenen Regierungen aktiv werden.
4. wenn irgendwelche Schäden auftreten, wird die Allgemeinheit zur Beseitigung dieser zur Kasse gebeten. Die Gewinne verbleiben bei den Unternehmen.

Das ist bewährte Tradition und es sind keine Anhaltspunkte erkennbar, davon abzuweichen.


Wann beginnt menschliches Leben?

Entweder man läßt Gott entscheiden, oder man entscheidet selbst. Das hängt halt von der Position jedes Einzelnen ab.

[ 31. Dezember 2001 18:49: Beitrag editiert von johannes ]
 
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Sabine Kuhn

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01.08.2000
Hallo Johannes,
Hallo Harald...nun bin ich einige Tage mit diesem Thema im Kopf herumgelaufen und möchte einen mir wichtigen Gedanken zufügen!

Wer äußert sich zu diesem Thema...wer bist Du der eine Antwort für sich sucht?

Natürlich ist dieses sehr entscheidend wenn ich Meinungen über dieses Thema mir ansehe...

Ich bin eine Frau und habe zwei Kinder...eine Fehlgeburt...einen Abbruch ...und Verhütet habe ich auch......darum bin ich keineswegs Gottlos!
Diese Entscheidungen gehören nach meiner Auffassung in die Entscheidungsmacht der Frauen, denn ein Kind das nicht gewollt ist macht mich traurig!

Weiterhin bin ich der Meinung das meine Tochter auch schon bevor Sie " vielleicht einen Mann "für Ihr Leben findet Sex haben sollte,ohne Angst Schwanger zu werden!

Wann beginnt das menschliche Leben?
Wenn Menschen sich dafür entscheiden es zu beschützen!
Und nocheinmal aus diesem Grund sehe ich nicht ein als Gottlos darzustehen...Gott...oder ich nenne es anders für mich...der Lebenslauf bin ich und in mir ist das göttliche was lebt.
Es gibt für mich nicht den Gott der Urteilt...den hat es lange gegeben!

Liebe grüße

Sabine
 
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johannes

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Hallo Sabine,

es ist von meiner Seite aus zunächst einmal festzuhalten, daß ich mich hüten werde, ein Urteil über Dich zu sprechen. Das steht mir in keiner Weise zu. Auch habe ich in meinen Ausführungen nicht gesagt, daß ein Mensch, der Entscheidungen bestimmter Art in die eigene Hand nimmt, gott - los sei.

Du schreibst: >Diese Entscheidungen gehören nach meiner Auffassung in die Entscheidungsmacht der Frauen,<

Deine Meinung ist zwar in unserer westlichen Welt sehr weit verbreitet. Die Frage ist nur, ob ein Mensch, der zwar in der Lage ist, Leben zu nehmen, auch in der Lage ist, Leben zu geben. Mir ist nicht ein Fall bekannt, wo das so wäre. Wenn aber kein Mensch Leben geben kann muß man sich doch die Frage stellen, ob er berechtigt ist, dieses zu nehmen.

Das Problem besteht nicht in der konkreten Handlung des Leben nehmens, sondern in seinem Motiv und seiner Berechtigung. Wenn wir genau hinter die Motive für Schwangerschaftsabbrüche schauen, sind die wenigsten aus dem Grund, daß die Schwangerschaft zu einer Gefährdung von Mutter und Kind führen. In den überwiegenden Fällen geht es wohl mehr um die Selbstverwirklichung der werdenden Mutter oder das, was sie darunter versteht.

In weit problematischeren Zeiten als heute wäre es werdenden Müttern im Traum nicht eingefallen, ein Kind abzutreiben. Wenn ich auf die göttliche Ordnung verwiesen habe, beziehe ich mich u. a. auf die Ausführungen von Paulus, der sagte, daß die Partner "verantwortlich miteinander umgehen sollen". Und zu dieser Verantwortung gehört auch die Überlegung vor einer Schwangerschaft, ob eine solche gewünscht ist oder nicht und die damit verbundene Vorsorge. Doch wie steht es mit der Bereitschaft, rechtzeitig Verantwortung zu übernehmen? Wird sie nicht all zu oft auf dem Altar der "Selbstverwirklichung" geopfert?

Die Entwicklung der ethischen Grenzen zeigt deutlich, daß immer mehr Hemmungen abgebaut werden.

Waren es im Mittelalter noch "Ketzer", "Hexen" und "der Kirche Ungehorsame", denen man glaubte das Leben nehmen zu dürfen (im christlichen Abendland), kamen im letzten Jahrhundert die ungewollten ungeborenen Kinder hinzu. In diesem Jahrhundert wurde erstmals die Schranke durchbrochen - in der Gesetzgebung - bei Menschen, die die aktive Sterbehilfe wünschten (Niederlande) und man macht sich bereits ernsthafte Gedanken darüber, auch jene zu beseitigen, die unerwünscht sind auch gegen ihren persönlichen Willen.

Wer die Entscheidung über Leben und Tod in die Hände von Menschen legt, hat die Konsequenzen in aller Regel nicht mehr in der Hand (siehe 3. Reich). Ohne daß es gewollt ist, verselbständigt sich die Entwicklung. Darum sei die Frage erlaubt, ob es wirklich eine Entscheidung der Frau sein kann, ob ein neuer Mensch getötet werden darf oder nicht.

Wenn Du schreibst: >denn ein Kind das nicht gewollt ist macht mich traurig!<

muß ich Dir voll zustimmen. Aber hat das nicht etwas mit der Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung zu tun, die ich weiter oben bereits ansprach? Verantwortung bereits an der Stelle, wo ein Töten nicht erforderlich wird? Gott wollte, daß wir uns untereinander lieben. Aber wo bleibt die Liebe zu dem Ungeborenen, wenn es getötet wird? Hat dieses kein Recht auf Liebe?

Ich finde es aber genauso traurig wie ein ungewolltes Kind, daß große Teile unserer Gesellschaft ihre Partnerschaft auf die Sexualität reduzieren. Das entspricht nach meiner Auffassung auch nicht annähernd der Würde eines Menschen. Und wenn ich den Umfragen glauben schenken darf, äußern sich auch viele junge Menschen in der Weise, daß andere Werte ihnen wichtiger sind als Sex. Werden diese vielleicht einfach nur überhört, weil sie nicht in die Reklamezeit passen?

Ich denke mir, die Würde des Menschen kann und darf sich nicht in der Triebhaftigkeit erschöpfen. Die öffentliche Darstellung der Frau als Werbe-, Kult- und Sexobjekt ist für meine Begriffe entwürdigend. Für mich ist eine Frau eine Person und kein Objekt. Die sich häufenden Gewaltverbrechen an Frauen und Kindern sind m. E. nichts anderes als eine Form der Antwort auf die Darstellung der Frau in der Öffentlichkeit. Das ist beschämend, entwürdigend.

Du schreibst:>Wann beginnt das menschliche Leben?
Wenn Menschen sich dafür entscheiden es zu beschützen!<

Ich stimme Dir zu. Aber wo gibt es einen Anlass, menschliches Leben zu beschützen, wenn sich doch nur jeder selbst verwirklichen will? Den Starken braucht man nicht zu schützen, das macht der selber. Den Schwachen gilt es zu schützen - Kinder (auch ungeborene), Frauen, Arbeitnehmer, Behinderte, Kranke und Alte wie wir an den entsprechenden Gesetzen erkennen können.

In Deiner Aussage wird aber auch ungeschrieben von Verantwortungsbereitschaft und Fürsorge gesprochen.

Du schreibst:>Gott...oder ich nenne es anders für mich...der Lebenslauf bin ich und in mir ist das göttliche was lebt.<

Immer dann, wenn der Mensch sich selbst zur obersten Instanz gemacht hat, ist es schief gegangen. Ob Mitmenschen oder Tiere oder Pflanzen - sie hatten das Nachsehen. Das Problem liegt wohl darin, daß jeder von sich glaubt, den besseren Weg zu kennen. Das führt eben zu den Kriegen - zwischen den Geschlechtern, den Generationen, den Nachbarn, den Völkern.

Selbst wenn ich einige Auswirkungen der Selbstherrlichkeit der Menschen beschrieben habe, war es nur ein Anreißen des ganzen Problems.

Ein bischen weniger ICH und ein bischen mehr WIR könnte viele Probleme lösen. Doch wer will dabei mitmachen?
 
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Sabine Kuhn

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01.08.2000
Hallo Johannes,
Du hast mir zu viele Dinge angesprochen auf die ich nicht in der Lage bin gleichzeitig zu antworten! In vielen Punkten bin ich ganz anderer Meinung!

Die Frage wann beginnt menschliches Leben sollte wieder aufgegriffen werden!

Wir haben uns einwenig in einer Abbruchsdisskussion vertieft die zweifelsohne sehr interessant ist, aber seperat auch disskutiert werden sollte!

Wann beginnt menschliches Leben und ab wann müssen wir es schützen?
Für mich nicht ab der Vereinigung von Mann und Frau, aber schon bei der Extrauterinen Befruchtung ab der ersten Zellteilung!

Diese Befruchtung dürfte nur dafür genutzt werden um unfruchtbaren Paaren die Elterschaft zu ermöglichen!

Zur Forschungszwecken niemals, da der ForscherInn nicht das Leben schützt was vor ihm ist, sondern mit seiner Arbeit anderes Leben schützen will und dies darf nicht mit dem Tod von künstlich erschafften Leben geschehen!

Forschung an Emryonen die Abgestoßen werden durch eine Fehlbegurt oder einen Abbruch sollte wenn die Frau/ Eltern damit einverstanden sind zur Forschungsarbeiten genutzt werden...ich denke da auch an die Organspende die für mich ethisch gleiche Form hat!

Viele Grüße aus berlin

Sabine
 
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Elisabeth Dinse

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13.08.2000
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Hallo Sabine,
mit deinem Einwand habe ich Schwierigkeiten.
[QB]
Wann beginnt menschliches Leben und ab wann müssen wir es schützen?
Für mich nicht ab der Vereinigung von Mann und Frau, aber schon bei der Extrauterinen Befruchtung ab der ersten Zellteilung!
[/QB]
Was unterscheidet intrauterin gezeugtes Leben von extrauterin gezeugtem Leben? Aus meiner Sicht nichts. Leben bleibt Leben.
Für mich sind heutzutage viele Entscheidungen ob etwas machbar gemacht werden soll ethisch fragwürdig. Aber wie würde ich denken, wenn ich ein Betroffener wäre? Was wäre wenn ich oder eines meiner Kinder eine Krankheit hätte, die durch solche Forschungen der Heilung ein Stückchen näher kommen würde?
Denken wir an das Thema Organspende. Auch dort werden ähnliche Entscheidungen getroffen. Heutzutage fast etwas alltägliches. Ich denke es wird in einigen Jahren mit der Embryonalzellforschung bei eintretenden Erfolgen ebenfalls als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Ähnlich wie es bei der Organspende passiert ist.

Elisabeth
 
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Harald Zagar

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07.07.2000
Liebe Freunde/innen,
ich danke euch allen sehr,die sich bis jetzt zu diesem Thema geäußert haben.Es ist ein sehr problematisches Thema,darum hoffe ich gerade das sich zu diesem Bereich noch sehr viele M i t g l i e d e r äußern werden.Gerade solche Seiten Leben durch Meinung und nicht nur durch Konsum! Nach meinem Urlaub (nach dem 27.01.2002) werde ich eine gesamte Darstellung zu diesem Thema schreiben,mit der Überschrift " Überzählige Embryonen als Retter".Ich empfehle diese Seiten gleich auszudrucken, da es einige Seiten werden, und eigentlich in ein Portal gehören.Ich denke aber das dieses Thema von so großer wichtigkeit ist,dass man es nicht als Telegramm abhandeln sollte. Ich hoffe ihr seit damit einverstanden?
Und nun hoffe ich ebenfalls auf weitere Beiträge auch von weiteren Mitgliedern.
...und liebe Grüße Harald.

[ 07. Januar 2002 15:18: Beitrag editiert von Harald Zagar ]
 
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Schöhler

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04.02.2001
Ludwigshafen
Hallo allerseits,

nachdem es jetzt doch schon halb zwölf am Abend ist, will ich mich kurz fassen, und mich irgendwann tagsüber nochmal zu diesem ungeheuer wichtigen Thema äussern;
ein Gedanke jedoch geht mir nicht aus dem Kopf...mehr als einmal wurde in der Diskussion der Wille Gottes oder eines Schöpfers (wie auch immer der für dein einzelnen aussieht) erwähnt.
Sicher hat jeder von uns Probleme damit, die "quasi-tötung" eines Embryonen als Gottes Wille zu sehen, oder auch nur die Akzeptanz dieser Tat durch den/einen Gott in Erwägung zu ziehen.....
ABER: Habt Ihr schon mal drüber nachgedacht, was Gott zu den unzähligen "Wundertaten" moderner Medizin denken würde? Jedem von uns wurde sein Leben mit einem Grund gegeben, WENN man schon Gott in diese Betrachtung einbezieht- aber DANN hat Gott sicher auch einen Grund, es zu nehmen, oder?
Und wir pfuschen ihm da ständig durch Dialyse, Bypassoperationen und so weiter ins Handwerk. Könnte man so nicht auch sagen "wenn schon Pfusch, dann richtig?"...
Ich weiss, es ist etwas hart Gott in diesem Masse zu personifizieren, aber ich denke, wenn er schon in der Diskussion auftaucht, dann Nägel mit Köpfen..wenns den Lebensanfang mit Grund gibt, dann auch das Ende..und Pfusch ist Pfusch, egal wo..

Weiterhin: Ich möchte betonen das ich mich bewusst provokant ausdrücke, um in die Diskussion einzusteigen; ich achte, so denke ich, jegliches Leben, sonst könnte ich meinen Beruf sicher nicht ausfüllen...TROTZDEM:
Ich vermag mit Sicherheit NICHT zu sagen, WANN genau ein Mensch ein Mensch ist oder wird, aber bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Ein Zellhaufen mit2, 4, 8, 16 oder ach ein paar dutzend Zellen ist doch kein MENSCH? NUR weil eine Samen- und eine Eizelle verschmelzen, ist das entstandene doch noch weit von einem Menschsein entfernt, oder? Sicher ist das Thema mit Gefühlen behaftet, schließlich ist es ein Teil von einem selbst, der da mitspielt; aber Zelle bleibt eben doch Zelle, DNA hin oder her - bei dem Gedanken, eine Amöbe mit dem Mikrotom zu zerlegen, käme doch auch keiner auf den Gedanken, eine ethische Diskussion anzuzetteln, oder?
Ich möchte hier nochmal betonen, das ich nicht für die "Benutzung"(??) von Embryonen zu Forschungszwecken bin, und auch Abtreibung sollte, wenn überhaupt, wohlüberlegt und begründet, keinesfalls aber zu einfach sein....aber ein paar Zellen?

Vielleicht doch etwas spät um das alles aufzuschreiben...
 
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Herzchirurgie
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Kristin Peter

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Hallo

Es geht hier um viele Themen und es wird mir nicht gelingen alle anzusprechen.
Ich beginne mal mit dem letzten Beitrag von Christian. Wie alle Diskutierenden zu recht bemerkten kommt es auf die Betrachtungsweise an. Ich gehe davon aus das Du die "Zellklumpen" aus dem Unterricht kennst (Gyn) und sie Dir so vor Augen führts, richtig, wo ist da der Mensch?- Biologisch gesehen einpaar Zellen, welches Problem gibt es daran etwas rumzuforschen? Wenns doch der Wohle der kranken Bevölkerung dient?
Ich habe zwei Fehlgeburten hinter mir, die eine war in der 6. Schwangerschaftswoche. Im Grunde ein Zellklumpen, der aufgehört hat zu leben. Ich habe unendlich getrauert und wenn ich heute meine beiden Kinder sehe, denke ich noch oft, was wäre dieser "Mensch" für ein Individuum geworden?
Ich glaube auch daran, das jeder Mensch Gottgewollt ist und jede befruchtet Eizelle ein Mensch ist und begründen kann ich es nur durch meinen Glauben und meine Gefühle zu kleinen Zellklumpen.
Zu den anderen Themen morgen mehr.
 
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Krankenschwester,Dipl. Pflegewirtin (FH)
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ambulant, Fortbildung
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Sabine Kuhn

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01.08.2000
Hallo Kirstin
schön gesagt!

Sabine
 
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chirurgische ITS
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johannes

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Hallo liebe Gesprächsteilnehmer,

es läßt sich wohl nicht vermeiden, daß bei diesem Thema verschiedene Bereiche gleichzeitig angesprochen werden. Vielleicht liegt es daran, daß das eine mit dem anderen so eng verknüpft ist, daß eine Trennung zu gravierenden Fehleinschätzungen führen muß.

zunächst zu Deinen Ausführungen, Sabine:

Wenn Du sagst, daß zu viele Themen angesprochen wurden, bin ich der Meinung, daß nicht alle in diesem Tread beantwortet werden müssen. Es können ja neue Themen aufgemacht werden.

Um auf den Gedanken zurückzukommen:"Wann beginnt menschliches Leben" habe ich m. E. in meiner ersten Stellungnahme darauf hingewiesen, daß hier eigentlich nur zwei Antworten möglich sind. Die eine, die die absolute Kompetenz bei Gott sieht. Die andere, die u.U. Gott mitspielen läßt - aber nicht muß -, und im übrigen diese Entscheidung in die Kompetenz des Menschen stellt.

Bei der ersten Antwort ist es eindeutig: "Adam schlief mit Eva ... und nannte seinen Sohn Kain" usw. Immer wird der Beginn eines neuen Menschen mit der Zeugung identifiziert.

Bei der zweiten Antwort kann es nicht eindeutig sein, da die Antworten der Willkür des Menschen unterliegen. So viele Menschen es gibt, so viele Antworten wird es geben. Es gibt eben keine für alle gültige übergeordnete Antwort. Hier liegt auch die Ursache für viele Auseinandersetzungen, weil jeder der Auffassung ist, mit seiner Meinung richtig zu liegen.

Ich halte es auch für unmöglich, zu einem Einvernehmen zu gelangen, solange der Mensch das Maß aller Dinge ist. Immer wird es überlegene und unterlegene geben. Gewinner und Verlierer. Was der Eine noch als tolerabel betrachtet, wird für den anderen inakzeptabel sein.

Ein Wort zu Deinen Ausführungen, Christian:

Du schreibst: >Sicher hat jeder von uns Probleme damit, die "quasi-tötung" eines Embryonen als Gottes Wille zu sehen, oder auch nur die Akzeptanz dieser Tat durch den/einen Gott in Erwägung zu ziehen...<

Jeder Mensch - auch derjenige, der Gott ablehnt - verbindet unter der Voraussetzung, daß es einen Gott gibt, mit diesem, daß er für das Gute schlechthin steht. Das wird deutlich an Äußerungen wie: "Wenn es einen gerechten Gott gäbe, würde er dies und jenes nicht zulassen." Genau so verbindet man mit Gott das Prinzip des Lebens.

Hingegen wird nicht nur von den Christen, sondern auch und vor allem von vielen Atheisten das Prinzip des Bösen, der Zerstörung, des Todes mit einem Teufel in Verbindung gebracht. Unsere Literatur ist voll davon, ebenso unsere gesamte Medienwelt. Wir mögen einen personifizierten Teufel ablehnen, aber sein Prinzip akzeptieren wir. Auch unser Vokabular ist voll mit solchen Bezügen.

Es gibt Menschen, die selbst die Zerstörung des Wassers, der Luft, der Erde und der belebten Natur insgesamt als Unrecht, als teuflisch betrachten - und die sind häufig noch nicht einmal Christen. Kann es sein, daß dies nicht alles nur Hirngespinste sind, sondern traurige Realität? Eine Realität, die wir deshalb von uns schieben, weil sie uns Angst macht?

Du schreibst: >ABER: Habt Ihr schon mal drüber nachgedacht, was Gott zu den unzähligen "Wundertaten" moderner Medizin denken würde? Jedem von uns wurde sein Leben mit einem Grund gegeben, WENN man schon Gott in diese Betrachtung einbezieht- aber DANN hat Gott sicher auch einen Grund, es zu nehmen, oder?
Und wir pfuschen ihm da ständig durch Dialyse, Bypassoperationen und so weiter ins Handwerk. Könnte man so nicht auch sagen "wenn schon Pfusch, dann richtig?"...<

In wie weit ist uns denn bewußt, daß bei der Schöpfung des Menschen nicht an Verfall (Alterung und Tod) und Krankheit oder Gebrechlichkeit gedacht war, sondern an ein glückliches, erfülltes Leben? Sind wir bereit zu akzeptieren, daß wir von der eigentlichen Zweckbestimmung, "glücklich zu sein", durch unsere eigene Entscheidung fortgekommen sind? Wir laborieren doch letzlich an nichts anderem als an den Auswirkungen UNSERER Entscheidung.

Egal, wohin wir schauen, sehen wir das Bemühen um Vollkommenheit, Unvergänglichkeit, Sicherheit, Unversehrtheit.

Wir schreien auf, wenn Kinder geschändet werden oder durch Unfälle zu Tode kommen. Warum? Schreien wir deswegen bei einem Embryo nicht auf, weil er noch unseren Blicken entzogen ist? Weil er noch nicht das äußere Aussehen eines Menschen aufweist? Ist es nicht so, daß mit der Befruchtung einer menschlichen Eizelle niemals ein Affe oder ein anderes Tier entsteht, sondern immer ein Mensch?

Ob dies im Mutterleib oder (widernatürlich) im Reagenzglas geschieht, bleibt es immer ein Mensch. Das Streben - oder sollte man vielleicht besser sagen: die Sehnsucht - des Menschen war immer der vollkommene Mensch. Liegt das vielleicht daran, daß der Mensch noch immer ein Ahnen hat von vergangener Vollkommenheit?

Ob durch Schönheitchirurgie die "perfekte Frau" geschaffen werden soll, oder durch Genmanipulation der perfekte Mensch, macht doch kaum einen Unterschied. Beides hat den gemeinsamen Nenner des Strebens nach Vollkommenheit. Auch mit den pränatalen Untersuchungen wird doch immer mehr darauf abgestellt, evtl. gravierende Unvollkommenheiten des neuen Menschen frühzeitig zu erkennen, um ... - ja warum denn eigentlich? Mißgebildete Kinder sollen frühzeitig abgetrieben werden können, um ihnen oder den Eltern "dieses Schicksal" unvollkommen (nach unserer Auffassung) zu sein zu ersparen. Mit Geisteskrankheiten das Gleiche.

Ich kenne keine Mutter, die ein für den "normalen" Menschen "unnormales" eigenes Kind nicht liebt. (Obwohl es diese Mütter durchaus auch geben kann) Ist es nicht gerade diese Liebe, die eine Mutter vom ersten Augenblick des Wissens um den werdenden Menschen in ihrem Körper beherrscht? Und ist es nicht diese Liebe, die den neuen Menschen zu einem lebenswerten Mitglied der menschlichen Familie macht? Ist es nicht normal, daß eine Mutter vom ersten Augenblick des Wissens um das neue Leben in ihrem Körper dieses zu beschützen sucht?

Wenn wir Menschen nun unsere Fähigkeiten einsetzen, um menschliches Leben gesünder, glücklicher zu gestalten, ist das meines Erachtens sehr wohl im Sinne Gottes. Wenn dies aber auf Kosten eines anderen Menschen geht, sieht es wohl anders aus.

Das wie Du es nennst "ins Handwerk pfuschen" hat vielleicht seine Ursache darin, daß wir die selbstverursachte Vergänglichkeit nicht akzeptieren wollen und deswegen so weit als möglich hinausschieben wollen. Es ist interessant zu beobachten, wie auf der einen Seite alles unternommen wird, den Tod hinauszuschieben, auf der anderen Seite aber viele gezeugte Kinder der eigenen Souveränität geopfert werden (mein Bauch gehört mir).

Ich denke, solange wir der Auffassung sind, wir sind das Maß aller Dinge, wird dieser Widerspruch nicht aufgelöst werden können. Darum werden weiterhin Kinder abgetrieben, Embryonen zu Forschungszwecken gebraucht und auf der anderen Seite Millionen und Milliarden aufgewendet, um den Tod zu besiegen.

Wenn Du schließlich von "ein paar Zellhaufen" sprichst, so sei die Frage erlaubt, ob wir wirklich dem Leben gerecht werden, wenn alles in eine mathematische Gleichung gebracht wird. Denn rein wissenschaftlich dürfte es den denkenden Menschen überhaupt nicht geben. Da gäbe es andere Lebensformen, die weit widerstandsfähiger wären als der Mensch.

Ich denke mir, der Mensch wird erst wirklich zu einem Menschen, weil er in der Lage ist, so unwissenschaftliche Dinge zu tun wie lieben, Mitleid haben, Vertrauen schenken, Barmherzigkeit üben und noch viel mehr.
 
Qualifikation
Altenpfleger
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Schöhler

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04.02.2001
Ludwigshafen
Hallo allerseits,

gefühlvoll ausgedrückt; so würde es jedem gehen der daran beteiligt ist, ich denke mal, wenn auch vielleicht in schwächerem Umfang, dem Mann: Aber das ist eben die gefühlsbetonte Seite des ganzen....
Rein objektiv ist da eben kein Unterschied, oder?
Natürlich vermag niemand das zu trennen, aber das sag ich ja auch nicht........

Christian
 
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Kristin Peter

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Lieber Johannes,
ich erwähne besser ersteinmal, das ich doch so meine Probleme mit Deinen Beiträgen habe (was Dich nicht stören sollte, ist ja mein problem ;) Aber wie Du auch siehst denke ich darüber nach. In Deinem ersten Beitrag stimme ich Dir in vielen Punkten zu, auch für mich ist die Würde des menschlichen Lebens unantastbar und es beginnt nicht erst wenn ein Mensch geboren ist. Dennoch entwickeln sich Gesellschaften und die Medizin und es muss über viele Dinge nachgedacht werden. Du stellst Dogmen auf und hinterlässt damit Leser(zumindestens mich), die sich fragen wo ist da der Blick auf den Menschen, auf seine Einzigartigkeit und Individualität? Zu jedem Gebot Gottes gibt es in dieser komplexen Welt ein Beispiel, welches das Gebot absurdum führt, obwohl die Gebote im grossen und ganzen natürlich richtig sind. Aber es gibt Menschen mit vielen Situationen, die es nicht möglich machen Kinder zu bekommen und ein Kind eine unmenschlichere Situation bedeuten würde (Schwangerschaftsabbruch). Du sagst zwar Du urteilst nicht über Menschen, stellst aber Dogmen auf - passt das?
Richtig ist durchaus das die Wissenschaft zu keinem Zeitpunkt geforscht hat und ethische Grenzen eingehalten hat und da stimme ich Dir zu - es darf ein forschen an menschlichen Embryonen geben, es wird sicher kein Halt gemacht und dann sind Versuche an geborenen Kindern usw. die nächsten Schritte. Leider stand Deutschland lange Zeit zimlich einsam mit dieser Meinung (Bioethikkonventionen), nun sind auch wir durch eine Hintertür diesen (meiner meinung nach) gefährlichen Weg mitgegangen.
Allerdings muss ich Dir in einem wichtigen Punkt völlig widersprechen, auch wenn er nichts mit dem Anfang von Leben, sondern mit dem Umgang von Leben zu tun hat - die Sexualität und Dein Bezug zu Gewalttaten an Kindern und Frauen. Diese Gewalttaten beziehst Du auf eine "lockere" Sexualität und dem Medienbild von Frauen. Nein wirklich nicht! Diese Taten stehen eher im Zusammenhang mit einer gehemmt Sexualität. Also mit einer zumeist mit einer erziehung in der nicht über sexualität als eine wichtige und schöne Sache im leben geredet wird, sondern entweder unterdrückt oder verteufelt wird. Viele Menschen versäumen es ihren Kindern eine freie und vor allem selbstbestimmte Sexualität zu vermitteln, daraus resultieren eine Reihe von problemen im Erwachsenenalter.
An dem Medienbild von frauen hätt ich auch was zu mäkeln, aber das ist ein anderer Punkt und hat nichts mit sexuellen Gewalttaten zu tun.
Soweit ersteinmal.
 
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Bob Brewer

Bob Brewer

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Hallo alle!
Wenn wir diskutieren über ethische Fragen, wie wir schon früher festgestellt haben - sagt Ethik aus, wo wir herkommen und welches Weltbild wir haben. Natürlich sehen wir unser Weltbild als maßgebend an, und neigen dazu, es absolut zu setzen. Nur, ob es einen absoluten Maßstab gibt, ist eine Frage, die immer wieder aufkommt.
Johannes argumentiert von seine Position als Christ aus – und ich teile weitgehend seine Aussagen – nur ich weiß auch, dass das Leben sich nicht allein von der moralische Schule der Dogmatik aus leben lässt, sondern, dass wir von Zeit zu Zeit gezwungen werden, entgegen unsere Überzeugungen zu handeln. Ich möchte antworten auf zweifache Weise:

1. Eine normale warmherzige Frau wird sich die Entscheidung, abzutreiben oder nicht, nicht leicht machen. Wer bin ich, um über die Entscheidung zu urteilen? Wer unschuldig ist, der werfe den ersten Stein. Ich weiß zwar, dass meine Frau, die dreimal ein Fehlgeburt hatte und schließlich entschied, keine Kinder mehr zu bekommen, etwas empfindlich ist in diese Frage. Doch, ist sie Maßstab alle Dinge?
Kann man in diese Fragen überhaupt kritisieren oder drohen (mit Hölle oder Verlorensein), oder ist es vielmehr vonnöten den Nächsten zu lieben und gerade die Liebe zum Maßstab alle Dinge zu machen? Und ist es die Drohung und mein Gehorsam, oder ist es die Gnade, die Vergebung dafür bewirkt, dass ich nicht perfekt bin?

2. Wenn ein Wissenschaftler davon überzeugt ist, die Welt mit seine Forschung beglücken zu müssen, und bereit ist, jegliche Opfer in kauf zu nehmen, dann ist es wirklich eine Frage, ob er weiß, wo die Grenzen sind. Wer die Grenzen nicht kennt, wird auch nicht für die Menschheit arbeiten, sondern für seine Karriere.
Wenn ein Wissenschaftler von der Not angetrieben wird, die er sieht, und ansetzt eine Grenze zu überschreiten, um diese Not zu lindern, so muss er sich fragen, ob die Not, die er lindert, nicht von der Not die er verursacht, überschattet wird. Es ist immer eine Frage des Ziels.

Die Christen deuten der biblischen Tradition zum Teil anders als die Juden, von der sie ihre Tradition überhaupt haben. Und es kommt darauf an, welches Ziel wir anerkennen für unsere jeweiligen Tradition. Ich lese in die Bibel, dass neben dem Bündnis mit dem göttlichen Lebensspender, die Solidarität mit allem Leben die wichtigste Gebote sind. So gesehen, muss ich mich entscheiden, wo ich stehen möchte: Mitten im Leben, oder über dem Leben? Bin ich verletzliche Mensch, oder unbeirrbare Übermensch? Habe ich die Fähigkeit mitzufühlen, oder handle ich kaltherzig wie eine Maschine?
Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, kann ich frei entscheiden. Ich kenne die Konsequenzen.

Gruß
Bob :smile:

[ 30. Januar 2002 15:41: Beitrag editiert von Bob Brewer ]
 
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Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
WBL, PDL, TQM-QMB, HL
H

Harald Zagar

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Themenstarter/in
07.07.2000
Hallo an alle,
die so schöne und gute Beiträge geschrieben haben.Ich bin wieder da uns werde meinen Beitrag (Wie versprochen) bald nachreichen.Ich bitte noch um etwas Geduld.Ich denke, dann wird die Diskussion auch noch in eine andere Richtung gehen.Wie immer... Harald.
:confused:
 
J

johannes

Mitglied
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Liebe Kristin,

Du schreibst:

>Dennoch entwickeln sich Gesellschaften und die Medizin und es muss über viele Dinge nachgedacht werden.<

Ich dachte eigentlich, zwei sehr unterschiedliche Positionen recht eindeutig dargestellt zu haben. In der ersten, die Gott als die oberste Instanz zur Grundlage unseres Handelns macht, bestimmt Gott die Spielregeln - als Souverän.

In der zweiten, in der, wenn überhaupt ein Gott zugelassen wird, bestimmt der Mensch teilweise oder ganz die Spielregeln. Hier tritt der Mensch als Souverän auf. Und hier habe ich ausführlich dargelegt, daß es keine Einigkeit geben kann, weil alle Menschen verschieden sind und jeder von sich glaubt, die richtige Meinung zu haben oder die richtige Entscheidung zu treffen. Hier stellt sich im Nachhinein erst heraus, was besser war (nicht unbedingt richtig), doch ist es dann in aller Regel zu spät, den erkannten Fehler wieder gut zu machen.

Diese beiden Positionen beeinflussen die Entwicklung von Gesellschaft und Medizin ganz erheblich.

Du schreibst:
>Du stellst Dogmen auf und hinterlässt damit Leser(zumindestens mich), die sich fragen wo ist da der Blick auf den Menschen, auf seine Einzigartigkeit und Individualität? Zu jedem Gebot Gottes gibt es in dieser komplexen Welt ein Beispiel, welches das Gebot absurdum führt, obwohl die Gebote im grossen und ganzen natürlich richtig sind.<

Ich kann nicht sehen, wo ich denn ein Dogma aufgestellt hätte. Könntest Du mir freundlicherweise ein Beispiel geben, welche Aussage Du als solches Dogma betrachtest? Dann hätte ich die Möglichkeit, meine Aussagen zu hinterfragen.

Um aber auf Deine Aussage soweit einzugehen, wie es mir hier möglich ist:

Keines der Gebote Gottes kann meiner Meinung nach ad absurdum geführt werden, da es kein angemessenes Gegenargument gibt. Um ein einziges Beispiel herauszugreifen aus den alten Geboten:

"Wenn Du liebst, wirst Du nicht töten." Es gibt für mich nach diesem Gebot keine Rechtfertigung für die willkürliche Beendigung von Leben. Wenn wir das Prinzip Liebe, also die Hinwendung zum Nächsten, in unserem Leben anwenden würden, gäbe es m. E. kein Leid auf dieser Welt. Ich denke, daß es unsere Unfähigkeit, das Prinzip Liebe zu leben - beim einen mehr, beim anderen weniger - ist, die das unsägliche Leid über die Menschen bringt.

Wenn im Neuen Testament Paulus die Partner auffordert, in Liebe miteinander umzugehen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, geht es ihm um die Verwirklichung dessen, was Gott ursprünglich für den Menschen vorgesehen hat. Er macht allerdings deutlich, daß der Mensch aus sich heraus immer wieder versagt und deshalb Hilfe von außen braucht. Gott und auch den Mitmenschen. Dieser Weg bleibt aber dem verschlossen, der Gott aus seinem Leben ausklammert. Und die Auswirkungen sind ja nicht zu übersehen.

Du schreibst:
>Aber es gibt Menschen mit vielen Situationen, die es nicht möglich machen Kinder zu bekommen und ein Kind eine unmenschlichere Situation bedeuten würde (Schwangerschaftsabbruch).<

Ich kann hier nur auf obige Aussagen des Paulus verweisen. Auch wenn es heute nicht mehr modern ist, mit Gott zu rechnen, bleibt doch die Frage, ob es nicht doch Sinn machen würde, mit ihm zu rechnen. Mit der Einstellung: Ich tue, was mir gefällt, haben wir immerhin die gegenwärtige Lebenssituation geschaffen. Mir reicht es eben nicht, nur über die gegenwärtigen Zustände zu jammern, ich bin der Ansicht, man sollte nach Auswegen aus dem Dilemma suchen.

Du schreibst:
>Diese Taten stehen eher im Zusammenhang mit einer gehemmt Sexualität.<

Dies ist sicher ein ernst zu nehmender Zusammenhang. Ich glaube aber, daß die einseitige Überbetonung der Sexualität in unserer Gesellschaft ebenso einen sehr umfassenden Einfluß auf die heutige Problematik hat. M. E. befinden wir uns derzeit im anderen Extrem zur Vergangenheit, in der die Sexualität als etwas Böses und Schlechtes, über das man nicht spricht, behandelt wurde. Wenn Du hier den Kirchen die Verantwortung zuschreibst, muß ich Dir voll zustimmen. Ich bin aber der Auffassung, daß der Wechsel von einem Extrem in das Andere nur noch mehr Probleme schafft.

Aber auch bei diesen Gedankengängen wird doch die Grundproblematik berührt, die ich eingangs beschrieben habe. Solange der Mensch sich zur obersten Instanz aufschwingt, wird die Achtung des Anderen Schaden nehmen. Erst, wenn der Mensch wieder eine Instanz zuläßt, die über ihm steht, der sich jeder verantwortlich weiß, wird das Wort von Paulus für alle sichtbare Wirklichkeit:

"Reizt euch gegenseitig zur Liebe und übertrefft einander in diesem Bemühen." Dann werden wir Menschen wieder das sein, wozu wir bestimmt waren: Geschöpfe nach dem Bilde Gottes. Ich für mein Teil trete jeden Tag neu an, dieses Ziel zu erreichen. So führe ich mein Haus. Ich bemühe mich, positive Zeichen zu setzen.

Es grüßt

[ 31. Januar 2002 23:31: Beitrag editiert von johannes ]
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Leitung
S

Sabine Kuhn

Mitglied
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01.08.2000
Hallo Harald
da bin ich sehr gespannt!

Liebe Grüße aus Berlin

Sabine kuhn :rolleyes:
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
chirurgische ITS
Bob Brewer

Bob Brewer

Mitglied
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01.12.2000
44287
Hallo Harald!

Leider hatte es Johannes wieder mal geschafft, dass ich eher auf seine Aussage geantwortet habe, als auf Deine Frage."Eine Einigung in ethisch-rechtlichen Fragen liegt in weiter Ferne. Nach Deutscher Gesetzgebung beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samen, und es besitzt Menschenwürde.In den Niederlanden bezieht sich die Menschenwürde auf den geborenen Menschen; in Kanada wird der Embryo 14 Tage nach der Empfängnis zum Menschen. In Norwegen, Frankreich, der Schweiz und Deutschland sind Erzeugungen von Embryos zur Forschung und das therapeutische Klonen verboten. Dänemark wiederum erlaubt therapeutisches Klonen, nicht aber die Forschung an Embryonen."

Diese Unterschiede zeigen mir vor allem, wie der Gesetzgeber in den Länder um ihre Positionen ringen. Die polarisierte Situation, wie Johannes es dargestellt hat, gibt es im Leben nicht. Viel weniger für ein Gesetzgeber in eine pluralistische Gesellschaft.

Es hat so viel gegeben, wozu man gesagt hat, es sei gegen der "Schöpferwille" und verteufelt wurde. Hinterher waren solche Dinge zum Alltagserscheinungen geworden. Mit jeden (Fort)Schritt wird aber mancherlei zertrampelt. Der fromme Wunsch, die Dinge einfach und übersichtlich zu haben, geht nicht in Erfüllung - ich zweifel daran, ob es jemals erfüllt wurde. :(

Wenn wir aber an die "Stammzellen" gehen, so merken wir, dass die Fundamente des Lebens berührt werden. Anscheinend ist der nächte Schritt entscheidend in die Frage, ob das Leben neu definiert werden muß oder nicht. Die christliche oder biblische Position ist eine Entscheidung für das Leben. Dass es uns Christen aber nicht verhindert hatte, Andersgläubigen niederzumetzeln ist ausreichend bekannt.

Was ich damit sagen will ist, dass ich mich nach wie vor für das Leben entscheiden möchte, nur ich weiß, dass wenn manche das Leid bereits geborene Menschen sehen und handeln wollen, es zu Lasten der Embryonen geht. Und wenn andere das Töten von Embryonen als Mord bezeichnen, geht es zu Lasten solche Menschen, die hätten geholfen werden können. Somit sehe ich das Leben auf zweifache Weise und kann mich nicht entscheiden, welches vorgezogen werden sollte. :confused:

Wir reden manchmal davon, dass der Mensch Leib (soma), Seele (psyche) und Geist ist, wobei der Geist anscheinend als Bewußtsein definiert wird. Demzufolge wäre der Mensch ohne Bewußtsein (sprich Embryonen), weniger Mensch - was mache ich aber mit Apalliker?

Ich bin auch gespannt, ob diese Diskussion auf den Weg geholfen werden kann durch Deinen nächsten Beitrag - ich werde es auf jeden Fall aufmerksam folgen.

Gruß

Bob

[ 01. Februar 2002 15:41: Beitrag editiert von Bob Brewer ]
 
Qualifikation
Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
WBL, PDL, TQM-QMB, HL
S

Sabine Hornung

Neues Mitglied
Basis-Konto
29.08.2000
Ich weiß, Ethik ist ein ernstes Thema, aber etwas Auflockerung kann vielleicht trotzdem nicht schaden:
Ein Christ, ein Jude und ein Atheist unterhalten sich darüber, wann Leben beginnt.
Der Christ:
Wenn die Samenzelle die Eizelle befruchtet.
Der Jude:
Wenn die befruchtete Eizelle sich eingenistet hat.
Der Atheist:
Wenn der Hund tot und die Kinder aus dem Haus sind ;)
Gruß...Sabine
 
H

Harald Zagar

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
07.07.2000
Hallo liebe Freunde,
der Beitrag ist fertig, und Jörg hat es freundlicherweise übernommen, evtl. einen Link auf eine andere Seite zu setzen,damit man es gleich herunterladen kann. Der Beitrag ist ca. 4 Seiten lang, und stellt die Problematik aus der Sicht verschiedener "Fachkompetenter" Personen da.Es ist sehr wichtig dazu meinen Beitrag "Ethik" aus dem Pflegenet.com nachzulesen, oder auszudrucken. Denn nur so kommt man möglicherweise zu einem eigenen vorläufigen Ergebnis.Wenn etwas vorliegt hat man einen Standpunkt von dem aus das Betrachten der anderen Meinungen neutraler wird. Ich kann es nur empfehlen. Vorläufig deshalb, weil die Forschung und damit verbundenen Diskusionen weitergehen werden. Sicher wird mein Beitrag nicht alle Fragen beantworten, das soll und kann er auch nicht leisten, sondern nur Perspektiven erweitern. Zum letzen Beitrag von Sabine muße ich doch lachen.Ich denke das sollte an dieser Stelle auch ruhig einmal erlaubt sein.

Wie immer Harald. ;)
 
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