Versorgungsauftrag ?

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PA Marion

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31.10.2007
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Hallo, weiss jemand was es bedeutet, dass eine Klinik einen *Versorgungsauftrag* hat.

Diese Argumentation wird von unserer Teamleitung benutzt bei absoluter Überbelegung und Personalunterbesetzung.

Folgende Situationen sind zur Zeit immer wiederkehrend:


Wir sind eine allgemeinpädiatrische Kinderstation mit offiziellen 28 Betten. In Zeiten von RSV, RV und NV, sowie Grippe sind einzelne Zimmer isoliert.

Wir platzen derzeit immer wieder aus den Nähten, weil wir :
1. nicht genügend Stellplätze für Kinder und Begleitpersonen haben, Kinder werden wenn möglich sogar auf andere Stationen ausgelagert. ( als erstes die Ältesten und je nach Krankheitsbild)
2. wir nicht mal das passende Bett für das entsprechende Kind haben. D.h. uns fehlen Gitterbetten und Säuglingsbetten.

Dies führte bereits dazu, dass Kleinkinder und Säuglinge in ein Erwachsenenbett gelegt wurden, und die Mutter zB in das gleiche Bett dazu. !!!!
Ich adressierte diese Problematik der PDL und forderte einen Haftungsausschluss für die Pflege, sollte etwas passieren, denn statt die Klinik zu Zumelden, wurden weiter Patienten aufgenommen und in irgendwelche Betten in ein Untersuchungs-Raum gestellt, oder auf den Flur.
Daraufhin wurden einige Betten bestellt, das war im Frühjahr 2017. Bisher haben wir nicht ein einziges Bett erhalten. Das kann doch nicht 1 Jahr dauern ?????

Diese Situation war gerade eben wieder ganz aktuell und akut. Keine Betten für die Kinder, keine Zumeldung der Klinik wegen angeblichen Versorgungsauftrag.
Andere umliegende Kliniken melden sich zu, alles fährt zu uns oder wird geschickt.

Kann das sein, dass man sich mit, nebenbei erwähnten, Personalunterbesetzung auch noch mit solchen Problemen belasten muss, und eine Klinik bleibt stumpf offen?
Der dienstahebende OA wollte Klinik zumelden und hätte das gemacht, wollte as mit zuständiger PDL absprechen, nachts um 22 Uhr. eine Kollegin rief ( blöderweise nur) die Teamleitung an und die kam rein, und meinte man müsse nun ein Noro-zimmer nachts um 23 selbst putzen , um Platz zu schaffen, Eine Reinigung für Nachts gibt es nicht. Zumelden gehe nicht, auch wenn OA das sagt, aber PDL nie anrief.

Ich kann doch nachts nicht 1. Infektiöse Zimmer putzen, und 2. weiter Patienten aufnehmen, auch wenn keine altersgrechten Betten vorhanden sind.


kann mir jemand helfen. ( ich war zwar nicht Vorort und hätte auf jeden Fall eine PDL informier und keine TL)
wie verhält sich das rechtlich ?

LG
 
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Kinderkrankenschwester und Praxisanleiter
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allgemeine Pädiatrie
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EDV Beauftragte,
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lulli00

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Ich denke damit ist gemeint das Notfälle nicht abgewiesen werden dürfen.
Der Versorgungsauftrag sagt aus was Krankenhäuser gegenüber den Krankenkassen zu leisten haben.

Wenn KHs sich abmelden, dann bedeutet dies das sie keine Verlegungen etc aufnehmen. Die haben genauso die Pflicht Notfälle weiter zu behandeln und wenn sie sie nicht loswerden zu versorgen.

Sehr wohl dürfen aber Fälle abgewiesen werden die nicht dringend sind und vor allem können elektive Aufnahmen verschoben werden ;)
Auch können andere nicht aufschiebbare Patienten in andere Häuser verlegt werden.

Durchaus könnte man Betten frei machen. Bei Pat. die eben nicht so dringend da sind. So könnte man den Privatpatienten einfach aus seinem Zimmer schmeißen und gar nach Hause schicken etc.

AAAAber das kann sich kaum ein Haus leisten.

Haftungsausschluß wirst du niemals bekommen. egal wie oft und heilig dir die PDL das schriftlich gibt. Baust du Mist dann bist du dran. War die PDL/ GF in Kenntnis und haben die Situation Fahrlässig mit zu verantworten sind diese mit dran.
 
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lulli00

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17.02.2016
Wien
Kommt drauf an wo du lebst kann es unterschiedliche Gesetze geben

z.B. §28 abs 3. LKHG (Baden Württemberg)
"(3) Das Krankenhaus ist im Rahmen seiner Aufgabenstellung und Leistungsfähigkeit zur Aufnahme und Versorgung verpflichtet. Ist das Krankenhaus belegt, so hat es einen Patienten, dessen sofortige Aufnahme und Versorgung notwendig und durch ein anderes geeignetes Krankenhaus nicht gesichert ist, einstweilen aufzunehmen. Es sorgt nötigenfalls für eine Verlegung des Patienten."

Daraus ergibt sich eine VERSORGUNGSPFLICHT/ AUFNAHMEPFLICHT

Der Versorgungsauftrag ist nur ein Vertrag zwischen Krankenkasse und Krankenhaus.

Ich könnte mir denken das wenn es wirklich mal den Fall gibt das ALLE Krankenhäuser der Gegend voll sind und absolut nichts mehr zu machen ist, einer Großschadenslage entsprechen könnte und man demnach Hilfsorganisationen zur Hilfe ziehen könnte. Damit kenn ich mich allerdings nicht aus.
 
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Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
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25.06.2000
Was die Haftung angeht hilft euch nur, dass jede/r Kolleg/in regelmäßig - also bei jedem Auftreten der Gefährdungs-/Überlastungssituation - eine Überlastungs-/Gefährdungsanzeige fertigt und der PDL sowie dem Betriebsrat bestenfalls per Fax zustellt. Mit dem Betriebsrat solltet ihr ohnehin einen Beratungstermin machen, damit dieser die Arbeitssituationen prüft und dann ggf. bei der Kliniksleitung entsprechend Abhilfe einfordert. Das ist eine der Aufgaben eines Betriebsrates.


Einen Versorgungsauftrag hat grundsätzlich jedes Krankenhaus und auch jede Person in Garantenstellung. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich ein Krankenhaus oder eine Abteilung nicht "Zu" melden darf, wenn es keine Versorgungskapazitäten mehr hat. Ein Krankenhaus wäre dann selbstverständlich auch weiterhin verpflichtet, alle eintreffenden Patienten zu sichten und eine Erstversorgung durchzuführen um entweder a) eine bestehende Lebensgefahr abzuwenden und/oder b) eine Transportfähigkeit in eine andere Klinik mit Versorgungskapazität herzustellen. Mitnichten müssen also transportfähige und stabile Patienten aufgenommen werden, wenn keine Kapazitäten vorhanden sind.

Was man dabei im Hinterkopf haben muss: es gibt leider einige Krankenhäuser, die wie eures verfahren. Das hat seine Ursachen i.d.R. in den Fallzahlen. In Deutschland gibt es seit Jahren die Entwicklung, die Anzahl der Krankenhäuser zu verkleinern und sog. "unwirtschaftliche" Häuser zu Gunsten von Kliniken mit höheren Fallzahlen in den Vertragsverhandlungen mit den Ländern und Kommunen nicht mehr zu berücksichtigen. Je mehr Fallzahlen also ein Haus aufweisen kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass es "überlebt" und andere Krankenhäuser geschlossen werden. Und natürlich geht es mit jedem aufgenommenen Patienten auch um bares Geld.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
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benny34

benny34

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24.10.2010
Wiesbaden
Einfach mal den MDK informieren und vielleicht noch die lokale Presse - das wirkt Wunder!

Bei uns ist man mittlerweile soweit, daß Stationen kurzfristig Aufnahmestops haben. Als Reha sind wir aber auch in keinem "Versorgungszwang".
Aber auch im Akuthaus: Was nicht geht, geht eben nicht.
Solange es aber die Allgemeinheit nicht mitbekommt, passiert auch nix!
 
Qualifikation
Altenpfleger;Fachkrankenpflege Neurologie/Geriatrie
Fachgebiet
Früh-Reha (B,C)
F

Fripi

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02.08.2005
Wie schon geschrieben, Gefährdungsanzeigen sind super. Da kann man mit BR/PR auch gemeinsam um Antworten auf Fragen die darin aufgeworfen werden bitten und die regelrecht einfordern. Formulierung: Da die Probleme häufig auftreten erwarte ich eine schnellstmögliche Antwort, spätestens bis in zwei Wochen zumm XX ansonsten ist es notwendig die Aufsichtsbehörden einzuschalten"

Angst um seinen Job muss man ja nun wirklich nicht mehr haben ;)

Übrigens kann man auch Verlegungen einfordern. Wer von mir nachts verlangt ein Zimmer nach einem Standard zu putzen den ich nicht kenne darf mir das a)schriftlich anordnen und b) sagen welche Patienten ich in dem Fall nicht betreuen soll, auch schriftlich, klar. Wenn das nciht passiert putze ich nicht, wenn B) nicht passiert lasse ich mir unterschreiben das ich sofort darauf hingewiesen habe das dies die Patientenversorgung gefährdet. Habe ich ein paar mal gemacht, ich habe noch nie eine Unterschrift bekommen :D
 
Qualifikation
GUKP
Fachgebiet
Humanitäre Hilfe
Weiterbildungen
Algesiologische Fachassistenz
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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05.07.2001
www.pflegeboard.de
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