Atmung & Beatmung Verschiedene Drücke bzw. Einstellungen bei Beatmung

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Mela_1234

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Hallo,
nachdem ihr meine Frage zum Weaning so toll beantwortet habt, stell ich Euch gleich nochmal Fragen, die mir so auf Station noch nicht befriedigend beantwortet werden konnten.

Zum ASB (wir haben Evita 2 und 4): Der PEEP ist ein positiver Druck, der am Ende der Expiration in der Lunge aufrecht erhalten wird, sodass sie ein bisschen gebläht bleibt und nicht kollabiert - stimmt das so? Der ASB wird jetzt praktisch "auf den PEEP draufgesetzt". Wenn der Patient einen PEEP von 7 hat und einen ASB von 10 hat er ja im Endeffekt einen Druck von 17 oder? Aber zu welchem Zeitpunkt? In der Inspiration? Und der Pinsp. ist dann der Druck, mit dem Luft von der Beatmung in die Lunge "geblasen" wird? Was unterscheidet jetzt aber Pinsp und PEEP + ASB?
Und inwiefern bemerkt es der Patient, wenn der ASB fürs Weaning runtergedreht bzw. reduziert wird?

Irgendwie sind da noch jede Menge Fragezeichen vorhanden, die auch mit dem Lesen von Büchern nicht kleiner werden... Kann mir das bitte jemand ganz einfach erklären? Am Besten erst mal schülergerecht...

Ich bin jetzt fast am Ende der Einarbeitung und möchte nicht alleine einen beatmeten Patienten versorgen, wenn ich die Begriffe noch nicht richtig erklären und verstehen kann...

Ach ja, und der Trigger - der sagt doch, wieviel der Patient im Grunde selber atmen muss, um den Beatmungshub von der Maschine zu bekommen, oder? Was nutzt einem der Trigger dann aber in der BIPAP-Phase, in der der Patient noch keine Spontanatmung zeigt? Oder wird das nur relevant, wenn er selber das Atmen anfängt?

Oh man, mir raucht der Kopf... :whistling

Danke schon mal für alle kommenden Antworten, ich hoffe, die Fragen sind nicht zu blöd...
 
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Dirk Jahnke

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AW: Verschiedene Drücke bzw. Einstellungen bei Beatmung

Moin Mela_1234

Deine Fragen sind eher die Klassiker:grin:
-ASB ?

Kann es sein das ihr BIPAP/(SIMV)/ASB einsetzt. Wenn ja dann würde ich mich erst einmal mit BIPAP und CPAP/ASB als getrennte Beatmungsformen auseinander setzen.

http://www.atmungbeatmung.de/alle-artikel/beatmungsformen

-ASB Höhe

Die Bedeutung des z.B. 10ér ASB´s hängt vom Respirator ab. Bei einer Evita 2 stellst du den Brutto ASB ein. Also ASB auf 17 PEEP auf 7 - der Patient bekommt eine Druckunterstützung von netto 10 mbar. Wichtig: der ASB wird immer bis 17 mbar geliefert, auch wenn der PEEP sich verändert. Drehst du den PEEP also auf 5 bekommt der Patient Netto einen ASB von 12 mbar (ASB 17 - PEEP 5 ). Stellst du den ASB auf 10 bekommt der Patient nur 3mbar Unterstützung.

Bei einer Evita 4 ist es der Netto ASB der eingestellt wird. Der Spitzendruck ergibt sich also immer aus ASB + Peep. Veränderst du den PEEP bleibt der ASB stabil da Netto. Ein ASB von 10 ergibt 10 mbar Netto egal wo der PEEP steht.

-pinsp vs. ASB

ASB - assist des Patienten der Dauer und tiefe der Inspiration beeinflussen kann

pinsp - kann der Patient auslösen - dann eingestellte Dauer und auch ohne weitere Atembemühung des Patient ein Beatmungshub. pinsp steht eher für einen kontrollierten Beatmungshub und gibt meisten den Brutto Druck bei der Inspiration an.

- ASB - was merkt der Patient

Nimmst du einen Patienten die maschinelle Unterstützung muss er dies durch eigene Atemarbeit kompensieren. Er wird also besonders bei schwacher Atempumpe hochfrequenter atmen - mehr arbeiten.

-Trigger

Ein Trigger funktioniert nur bei Spontanatmung. CPAP/ASB funktioniert nur mit Trigger. BIPAP hat jeweils kurz vor der Inspiration/Exspiration ein kurzes Zeitfenster in der eine Atembemühung des Patienten zum z.B. vorziehen des Wechsels auf pinsp führt. Dies soll der Synchronisation von Respirator und Patient dienen.

Ein Trigger / Schalter wird durch Spontanatmung ausgelöst.

http://www.atmungbeatmung.de/invasiv/66-trigger-einmaleins
 
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Internistische Intensivpflege
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mary_jane

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AW: Verschiedene Drücke bzw. Einstellungen bei Beatmung

Hallo Mela_1234,

schau mal hier: Evita 4 Trainer
Hier kannst du etwas üben und genau sehen was sich verändert, wenn du an den Werten schraubst.

Gruß Mary
 
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pericardinchen

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AW: Verschiedene Drücke bzw. Einstellungen bei Beatmung

ASB von 7 ist ungefähr das Niedrigste was durchaus Sinn macht. Elektronische Extubation bei der Evita 4 in jedem Falle messbar über den p.01.
Dies ist allerdings nur in flacher Lagerung adäquat messbar und nicht wie viele denken im Pilotsitz.
BIPAP/ASB ist auch gut zum Weaning. Dafür wurde diese Beatmungsform erfunden .Über das BIPAP /ASB konnte ich schon viele Patienten erfolgreich weanen. Vorallem Patienten die adipös sind. Aber auch junge Patienten.
Dabei reduziert man grundsätzlich die AF, das pinsp und das ASB. Denn nur dann ist ein atmen auf dem CPAP - Niveau möglich. Manchen ergeht es dann doch besser mit dem umstellen in den Modus CPAP/ASB (vorallem simple Nachbeatmungen). Beim Benett gibt des noch das PAV und das ist nochmal eine tolle Atemtrainingsherausforderung für den Patienten. Das PAV orientiert sich komplett nach dem Patienten. Das ist ja heutzutage das Ziel. SIMV ist total out genauso wie IPPV mit Autoflow (was ich eigendlich enorm schade finde, denn gerade eine druckregulierte volumenkontrollierte Beatmungsform sehe ich beim kardiochirurgischen Patienten absolut für sinnvoll aufgrund der Gefahr des "tamponadenähnlichen Effektes", was durch eine druckkontrollierte Beatmungsform erzeugt wird, da der Freiheitsgrad immer das Volumen ist.) Nun ja das mal aus meinem Erfahrungsschatz geplaudert. Ich war bald ein Jahrzehnt vorwiegend in der kardiochirurgischen Intensivpflege in zwei verschiedenen Kliniken tätig und durch meine wissenschaftliche Arbeit über kardiochirurgische Pat. bin ich darauf gestossen. Der " tamponadenähnliche Effekt" bedeutet soviel wie durch das nicht regulierbare Volumen bei der Beatmung durch eine druckkontrollierte Beatmung kann man dann nicht wirklich mehr beurteilen, ob es sich wirklich um eine "Herzbeuteltamponade" handelt oder ganz einfach dies eine Fehldiagnose darstellt. Da stellte sich mir häufig die Frage, wieso in der einen Klinik eine druckregulierte volumenkontrollierte Beatmungsform und in der anderen Klinik eine druckkontrollierte Beatmungsform gewählt wurde. Leider stellte ich dann fest, dass in der Klinik der druckkontrollierten Beatmungsformen häufiger eine Tamponade diagnostiziert wurde und letztendlich dann doch nicht war. Das bestätigte mich in meinen Recherchen.
 
Qualifikation
FKS Anästhesie - und Intensivpflege
Fachgebiet
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Dirk Jahnke

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AW: Verschiedene Drücke bzw. Einstellungen bei Beatmung

Moin pericardinchen

dass in der Klinik der druckkontrollierten Beatmungsformen häufiger eine Tamponade diagnostiziert wurde und letztendlich dann doch nicht war. Das bestätigte mich in meinen Recherchen.
Wobei das ja ganz deutlich ein Anwender Problem ist. Kenne die Situation auch noch aus den 90érn. Unter BIPAP Tidalvolumen bei 10 ml/kg oder mehr. Auf direkte Nachfrage wäre so nie CPPV eingestellt worden. Heute sollte sich der Anwender auch unter BIPAP bei kontrollierter Beatmung an 6-8 ml /kg Tidalvolumen orientieren können :rolleyes:
Stellt man vernünftig ein sieht man nicht mehr oder weniger undulierende Druckkurven. Eine Evita4 hat dafür ja auch Alarmgrenzen (Tidalvolumen hoch). Gerade mit Autoflow ist der Druck ja identisch zu BIAP mit selben Tidalvolumen.

P.S. deine "out" Beatmungsformen werden auf deutschen Intensivstationen übrigens noch kräftig eingesetzt :innocent:
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A/I
Fachgebiet
Internistische Intensivpflege
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