Verhinderungspflege & Betreuungsgeld

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bedaro

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Hallo,

ich betreue immer mal wieder Kinder mit Behinderungen im Bekanntenkreis. In meiner Zeit als Zivildienstleistender habe ich das über eine anerkannte Organisation gemacht, jetzt rechnen die Familien und ich das oft direkt über die Kasse ab.

Jetzt meine Fragen:
Das Betreuungsgeld, das bisher bei 460 € lag, kann/konnte ja nur als "qualitätsgesicherte Betreuungsleistung", d.h. über eine anerkannte Organisation, abgerechnet werden. Zudem gibt es ja noch die 1470 € Verhinderungspflege, die auch bei Betreuung durch Bekannte abzurechnen war.
Bisher war es immer problematisch, dass die 1470 € rein für die "Bekanntenkreis"-Betreuung verwendet wurden, das Betreuungsgeld dann am Jahresende für Betreuung über eine Organisation.
Wenn jetzt auf die Betreuung durch eine anerkannte Organisation zurückgegriffen werden musste, bevor die 1470 € aufgebraucht waren, so zahlte die Kasse die Rechnung der Organisation jeweils von diesen 1470 €.
Das Problem besteht nun darin, dass die Privatbetreuung die Familien pro Stunde weniger kostet, als die Organisation abrechnet, den Familien also effektiv dadurch weniger von den 1470 € bleibt, das für Betreuungsstunden verwendet werden kann.
Ist es denn möglich, dass man der Kasse bzw. der Organisation "vorschreiben" kann, von welchen Geldern wer zu bezahlen ist, also dass z.B. die anerkannte Organisation ihr Geld aus dem Betreuungsgeldtopf erhält, das ja nicht privat abgerechnet werden kann, die Familien also auch nicht befürchten müssen, dass im Bedarfsfall ein Privatbetreuer aus eigener Tasche bezahlt werden muss, weil die 1470 € bereits durch anerkannte Organisationen abgerechnet wurden (z.B. bei Betreuung durch Zivildienstleistenden über eine anerkannte Organisation im kurzfristigen Krankheitsfall)?

Sorry, dass der Text so lang wurde, aber ich kann das gerade nur schwer in kürzere Worte fassen und es beschäftigt mich doch sehr...

Vielen Dank schon mal vorab für Hinweise.

Benjamin
 
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Lisy

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Hallo Benjamin,
ich glaube zwar zu wissen, was du meinst, bin mir aber nicht sicher. Deshalb geh ich deine Anfrage mit den richtigen Begriffen durch.
Wenn ich falsch denke, einfach nochmals posten.
Verhinderungspflege bekommt jeder Pflegebedürftige für 4 Wochen pro Jahr bis zu 1470 €, allerdings nicht für die Betreuung sondern für die Pflege.
Diese Verhinderungspflege kann jeder erbringen.
Die 460€ waren die niederschwellige Betreuung nach § 45, auch die durfte jeder erbringen, war rein zur Betreuung.
Jetzt kann man das nicht mehr privat jemanden machen lassen, dafür gibt aber auch mehr Geld, bis zu 200€ im Monat.
Die Kassen entscheiden nicht aus welchem Topf sie was bezahlen.
Das entscheidet der Rechnungssteller.
Wird die Rechnung auf Verhinderungspflege ausgestellt, dann zahlen die Kassen auch die Verhinderungspflege.
Ist die Rechnung über Betreuung ausgestellt, dann wird über die Betreuung abgerechnet.
Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt.
Gruß Lisy
 
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bedaro

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Hallo Lisy,

danke für die schnelle Antwort.

Konkret ist das so: Ich betreue in den angesprochenen Zeiten z.B. einen Jungen mit Down-Syndrom. Pflegerisch hat er keinen Bedarf, ist da sehr selbständig. Seit Jahren kann er (bzw. die Familie) mit der Kasse 1432,-€ im Jahr für Betreuungsleistungen abrechnen (zur Entlastung der Eltern) unter dem Titel der "Verhinderungspflege" - ich betreue auch andere Kinder/Jugendliche ohne pflegerischen Bedarf und es wird "Verhinderungspflege" gezahlt...

Die 460 € wurde die ganze Zeit als zusätzliches "Betreuungsgeld" deklariert und konnte nur für die Betreuung über anerkannte Organisationen (z.B. Lebenshilfe) abgerechnet werden, z.B. familienentlastender Dienst (FED).

Laut der ortsansässigen Lebenshilfevereinigung gab es eine Erhöhung dieses Geldes, ohne dass Zahlen genannt wurden (ich habe gelesen, dass hier jetzt 100-200 € im Monat angerechnet werden können).

Die Rechnungen laufen sowohl privat als auch über z.B. die Lebenshilfe unter "Betreuung" und werden seit jeher von der Kasse anstandlos ausbezahlt. Ich hatte jetzt auch gar keine Gedanken, dass das irgendwie in Frage stehen könnte.

Mir ging es jetzt vor allem darum, ob ich - wie Du es schon beschrieben hattest - auf der Rechnung quasi "klarstellen" kann, dass das Geld über den Titel "Betreuungsgeld" oder "Verhinderungspflege" abgerechnet werden soll.

Denn wenn z.B. die Lebenshilfe eine Betreuungsstunde in Rechnung stellt, so verlangt sie 16 €/Stunde, bezahlt dann dem Betreuer 8 € aus. Wenn ich das privat mache, so bekomme ich 12 €/Stunde, das heißtz ich erhalte 4 € mehr, die Familie bezahlt 4 € weniger und hat somit mehr Geld (Stunden) zur Verfügung.

Wenn die Kasse nun der Lebenshilfe das Geld aus dem Titel "Verhinderungspflege" auszahlt, der im Gegensatz zum "Betreuungsgeld" auch privat abgerechnet werden kann, so sinkt die Möglichkeit der Privatbetreuung, da eben mehr Geld pro Stunde "weggeht".

Wenn das, wie Du schreibst, auf der Rechung angegeben sein kann, ob es sich um den Bereich "Pflege" oder "Betreuung" handelt, dann wäre das ja beantwortet, jedoch bleibt der Haken, dass es sich in keinem Fall um "Pflege" handelt, jedoch dennoch "Verhinderungspflege" gezahlt wird.
 
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Hallo Benjamin,
je nach Kasse ist es egal wieviel die Lebenshilfe als Stundensatz in der Verhinderungspflege nimmt.
Nach 4 Wochen ist Schluß, dann wird kein Geld mehr fliesen.
Es seih denn, die Lebenshilfe geht "geschickt" vor.
Aber wie auch immer, wenn die Rechnung auf Verhinderungspflege läuft, dann wird sie auch über Verhinderungspflege bezahlt, egal was du konkret machst.
Die Zauberformel heißt: stundenweise Pflege.
Aber bitte nicht mehr als 6 Stunden abrechnen, sonst wird das Pflegegeld gekürzt.
Bei der niederschwelligen Betreuung kann man bis zu 2400 € im Jahr abrechnen, einfach mal einen Antrag stellen und schauen was die Kasse dazu meint.
Ansonsten sprech dich gut mit der Lebenshilfe ab, meiner Erfahrung nach sind die sehr kooperativ.
Gruß Lisy
 
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Nachtrag
Achtung, deine Rechnung könnte eine "Milchmädchenrechnung" sein. Die Behörden könnten auf die Idee kommen (was mir nicht abwegig erscheint) und dir Schwarzarbeit vorwerfen. Die Lebenshilfe zahlt mit Sicherheit Sozialabgaben, dewegen sind die auch so teuer. Zahlst du Sozialabgaben?
Wenn nicht ist es Schwarzarbeit.
Gruß Lisy
(ist nicht böse gemeint, nur ne vorsichtige Warnung)
 
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bedaro

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Ja, ich zahle meine Sozialabgaben. Und zwar alle.
 
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