Unüberlegte strenge Medigabe nach Arztanordnung oder verweigern???

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Vitaminsaft ACE-Hemmer

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18.08.2006
46048
Huhu Leutz Dementer Bew. ruft ständig Hilfe. Obwohl Pflegepersonal auf ihre Wünsche eingegangen wird, ruft er wenige Minuten später erneut Hilfe. Ist halt ein neurologisches Prob und er bekommt deshalb Sedativa. In der Nacht zuvor, war es so schlimm, dass er Diazepam i.m. vom Bereitschaftsarzt erhalten hat. So...tagsüber war er so schwach und schläfrig im Bett, dass er nicht in der Lage wäre aufzustehen geschweige denn zulaufen. In der Abendmedikation hätte er Ciazyl, Melperon und noch eine Schlaftabl. bekommen müssen. Abends war er weiterhin so schläfrig, dass ich ihm lediglich die Ciatyl gegeben hab. Sicherheitshalber habe ich diesen geschilderten Fall einem (nicht für ihm zuständige) Hausärztin gefragt, ob es ok ist, dass ich ihm Melperon und Schlaftab. NICHT gebe. Ich hatte Bedenken für die Medgabe, denn Ich persönlich hätte es nicht mehr gegeben und die Hausärztin stimmte mir zu. Da Gefahr laufen könnte, dass er dann somnolent werden könnte. Ich habs dann dokumentiert, dass ich sie NICHT gegeben habe, weil er sehr schläfrig ist. ...ich hatte es der examinieren Nachtwache weitergegeben. Melperon und Schlaftab. standen auf dem Tisch im Dienstzimmer. Am nächsten Tag habe ich von dem Stationspfleger Ärger bekommen, dass ich sie NICHT gegeben habe. Denn der Bew. war in der Nacht die ganze Zeit unruhig und hat geschrieben. Ich hätte die restlichen Medi's geben müssen, da es Arztanordnung ist. Ich habe mein Verhalten begründet und auch gesagt, dass ich eine Ärztin gefragt habe. Ich habe den Stationspfleger dann auch gefragt, warum die (examinierte!!) Nachtwache dann die restliche Medikation nicht ihm gegeben hat, wenn er die Nacht doch sehr unruhig war. Schließlich standen die auf dem Tisch. Ich würd mich für eure Meinung dazu freuen. Und wie hättet ihr euch in dieser Situation verhalten?? Strenge Medigabe oder doch verweigert??
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger/Praxisanleiter
Fachgebiet
Altenheim
S

Susen

Hallo Vitaminsaft,
solche Situationen kenne ich auch aus meinem Alltag (allerdings im stationären Bereich). Ich finde Deine Entscheidung absolut okay, und die Begündung hast Du doch selbst geliefert. Für die Gabe in Deinem Dienst bist Du verantwortlich und mußt Dich an dem Eindruck orientieren, den Du in Deinem Dienst von dem Bewohner hast. Siehst Du, daß der Bewohner ein anderes Bild zeigt, als bei Anordnung der Medikation bestand, mußt Du mit der behandelnden Ärztin klären, ob die Anordnung geändert wird. Und selbst wenn nicht: Du hast die Durchführungsverantwortung und bist aufgrund Deiner Ausbildung in der Lage einzuschätzen, ob die Med. vertretbar ist. Schließlich beabsichtigt die Med. nicht die Ruhigstellung bis zu Beatmungspflicht. Und Diazepam hat bekanntlich eine lange Halbwertzeit, so daß nachfolgende Med. darauf abgestimmt sein müssen. Die Nachtschwester ihrerseits muß in ihrem Verantwortungsbereich diese Entscheidungen, die Du getroffen hast, anhand der sich ergebenden aktuellen Sit. dann wieder neu treffen.
Die Betreuung solcher Bewohner ist ganz besonders anstrengend und wenn die Kollegin nachts damit allein ist, könnte ich mir vorstellen, daß sie am Ende der Nacht ziemlich erledigt war. Vielleicht war ihre Beschwerde eher der Versuch, sich durch Schuldzuweisung zu entlasten? Klärt das doch mal auf, denn wenn da in Eurem Team über diese Selbstverständlichkeiten Unsicherheiten entstehen, ist das im Ergebnis ein Risiko für die Bewohner.
Gruß
Susen
 
Ira

Ira

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"Du hast die Durchführungsverantwortung und bist aufgrund Deiner Ausbildung in der Lage einzuschätzen, ob die Med. vertretbar ist. "

Genau so ist es und nicht anders, da gibt es gar nichts zu diskutieren. Bleib dabei und lass dich nicht verunsichern. Es ist glaube ich noch keiner daran gestorben, dass er eine solche Pille nicht bekommen hat. Das Gegenteil war aber schon öfters der Fall.
 
Qualifikation
Gesundheits- und Fachkrankenschwester, PDL, QM, Geschäftsführerin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
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Vitaminsaft ACE-Hemmer

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18.08.2006
46048
Bleib dabei und lass dich nicht verunsichern. Es ist glaube ich noch keiner daran gestorben, dass er eine solche Pille nicht bekommen hat. Das Gegenteil war aber schon öfters der Fall.
Was könnte denn so alles passieren, wenn ich die Medi's DOCH gegeben hätte?? Die Hausärztin hat gesagt, er könnte somnolent werden...ok. Was hätte noch passieren können?
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger/Praxisanleiter
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Altenheim
Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
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Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
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Leiterin Fachseminar für Altenpflege
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Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Auch ich schließe mich meinen "Vorrednern" an, und wenn der bewoner nachts unruhig war, dann hätte die Nachtschwester überlegen müssen ob sies verantworten kann dem Bewohner einen Teil seinder beruhigungsmedikamente zu geben.

Die Pflegekraft ist verpflichtet ihrer Ausbildung entsprechend zu hanbdeln, und wenn sie erkennt das die Sedativa zu hoch dosiert sind, dann muß sie diese Reduzieren. Ist ja nicht sinn der Sache das ein Bewohner in irgend einer Form medikamentös fixiert zu werden / ins Koma versetzt wird :devil:

Der anordnende Arzt kann die Wirkung der Medikamente nicht nicht nachvollziehen, da er ja nicht da ist, somit muß er sich auf die Kompetenz des behandelnden Pflegepersonals verlassen können.
Blinde Arzthörigkeit kann da übelst ungesund sein :innocent:
 
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Fachpfleger für Intensiv Medizin
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C

cora2

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13.07.2006
26380
Hallo Vitaminsaft ACE Hemmer,
Du hast vollommen richtig gehandelt, die Durchführungsverantwortung liegt einzig und alleine bei Dir.
Ferner hast Du Dich ja sogar noch zusätzlich abgesichert und einen Arzt hinzu
gezogen.
Bei uns wird grundsätzlich alles hinterfragt was ein Arzt verordnet. Ich arbeite in einer Fachpflegeeinrichtung für Demenz und dort MEINTEN einige Ärzte auch Probleme lassen sich nur Medikamentös lösen. Dagegen verwehren wir uns ganz massiv. Mittlerweile werden Medikamente mit UNS abgesprochen.
Lasse Dich nicht verunsichern und überprüfe grundsätzlich ALLES.
Herzliche Grüße
Cora2
 
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Altenpflegerin/PDL
Fachgebiet
Stat.Pflege/ Demenz
Fragmentis

Fragmentis

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[FONT=Arial, sans-serif]Hallo Vitaminsaft,[/FONT]
[FONT=Arial, sans-serif]Deine Frage, was Melperon und der Rest so bewirkt bzw was hätte passieren können...
ALLE ANGABEN NATÜLICH OHNE GEWÄHR !!!
[/FONT]

[FONT=Arial, sans-serif]Melperon ist ein sog. niederpotentes Neuroleptikum (also mit schwacher antipsychotischer Wirkung, dabei jedoch stark sedierend und schlafanstoßend). Es wird aufgrund seiner Wirkung gegen psychische Unruhe gern bei geriatrischen Pat. und Oligophrenen benutzt. Die Nebenwirkungen sind für diese Gruppe größtenteils typisch, nämlich: Tremor, Steifigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Bewegungsdrang, [/FONT][FONT=Arial, sans-serif]Extrapyramidale Begleitsymptome (EPS)[/FONT][FONT=Arial, sans-serif], wobei bei niederpotenten Mitteln eher vegetative Nebenwirkungen zu erwarten sind und - wie bei allen möglichen Neuroleptika - eben auch...[/FONT][FONT=Arial, sans-serif]
[/FONT]
[FONT=Arial, sans-serif] CAVE: [/FONT]
[FONT=Arial, sans-serif]malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber über 40°C, was als intensivpflichtiger lebensbedrohlicher Zustand gilt !!! Ist aber selten und wird deshalb auch nicht oft schnell genug erkannt !!![/FONT]
[FONT=Arial, sans-serif]
Ciatyl Z
(also Zuclopenthixol bzw. Ciatyl = Clopenthixol) ist ein
[/FONT][FONT=Arial, sans-serif]mittelpotentes Neuroleptikum (also mittelgradig antipsychotisch und ganz gut psychomotorisch dämpfend, und dabei ausgesprochen sedierend). Es wird besonders bei Unruhe- und Verwirrtheitszuständen bei seniler Demenz, aber auch bei akuter und chronischer Schizophrenie, Manie und Erregungszuständen bei erethischem Schwachsinn gegeben. Ciatyl gibt es glaube ich auch als Depot und als Accuphase. Letzteres wird zwar für die akute Phase genutzt, wirkt jedoch erst nach 12 Stunden, nützt also akut erstmal nicht sofort was ![/FONT]

Bei einer "relativen Überdosierung" von Diazepam kommt es zu...
Sedierung und Konzentrationsminderung, Schwindel und Ataxie (Die eigentliche Gefahr bei Dementen, die sediert auf Tour gehen, ist ja dann die Sturzgefahr !), Artikulationsstörungen, Gedächtnisstörungen und es kann - natürlich bekanntermassen - zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Bei "massenhaftem Gebrauch" kann es irgendwann auch mal zur Atemdepression kommen.

Ich kenne aber Abhängige, die teilweise 10-20 Tabletten (nach eigenen und auch wahrscheinlichen Angaben) am Tag zu sich genommen haben. Wohlgemerkt 10mg-Tabletten...und dann noch Alkohol brauchten, um den Entzug aushalten zu können, weil sie kein Geld mehr für Heroin hatten. Was im Altenheim wahrscheinlich ausgeschlossen sein dürfte.
:happy:

Wichtig vielleicht für Dich noch
: Diazepam kann auch eine "Paradoxe Wirkung" haben. Statt zu Ruhe und Entspannung führt es dann zu Erregung und Unruhe...eben auch nachts...

[FONT=Arial, sans-serif]Klar hast Du die Durchführungsverantwortung...und ich finde es gut, wenn jemand aufmerksam und verantwortungsbewußt seine Schicht führt. Kenne jedoch die Vorgehensweisen in Altenheimen nicht und die Frage bleibt jedoch, ob der Patient die Meds nicht doch gebraucht hätte, weil er dran gewöhnt ist, eben weil Melperon ja doch sehr gebräuchlich scheint auch länger in der Anwendung...auch, wenn Neuroleptika nicht abhängig machen, so kann ich mir gut vorstellen, daß so ein älterer Mensch sich schon daran gewöhnen kann...
das wirst Du besser BEantworten können...und mußt Deine Vorgehensweise damit auch VERantworten...was Du ja auch vorbildlich tust, wie Monika58 schon sagte...
[/FONT]

Ich hoffe Dir hiermit ein wenig geholfen zu haben und vielleicht einigen Interessierten noch ein paar Infos zur "spannenden Welt der Psychopharmaka" gegeben zu haben...

Grüßend und auf seine Nachtmedikation in Form eines Gute-Nacht-Kusses wartend,
Fragmentis

[FONT=Arial, sans-serif]
[/FONT]
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
Doreen1996

Doreen1996

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03.06.2006
21077
Hallo Vitaminsaft,

ich hätte genauso gehandelt, wie Du. Ich arbeite in einem APH und einige Bewohner bekommen auch Melperon. Wenn die Bewohner aber schon vor dem Abendbrot in ihrem Sessel schlafen, gebe ich keine Medikamente bzw. Melperon. Meine Kollegen wissen das und sind mit meiner Vorgehensweise einverstanden. Für alle Fälle lasse ich das Melperon für die nachfolgende Schicht stehen, was diese aber in den meisten Fällen nicht braucht.
Ich finde dein Verhalten sehr gut :thumbsup: und wünsche Dir weiterhin viel Kraft für deinen Beruf.
Gruß Doreen
 
Qualifikation
Krankenschwester/PA
Fachgebiet
APH
Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Vitaminsaft,

ist bei Dir noch was nachgekommen bezüglich Deines Vorgehens ?
Konntest Du was mit der Medi-Info anfangen ?

Interessiert und grüßend,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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Vitaminsaft ACE-Hemmer

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18.08.2006
46048
Hallo Vitaminsaft,

ist bei Dir noch was nachgekommen bezüglich Deines Vorgehens ?
Konntest Du was mit der Medi-Info anfangen ?

Interessiert und grüßend,
Fragmentis
Danke für deine Nachfrage :eek:riginal:

Nunja...ich hab die Nachwache zur Rede gestellt und gefragt, warum er sie ihm nicht gegeben hat. Die Nachtwache sagte, dass der Bew. erst ab 4.00 unruhig wurde und deshalb die Medi's nicht gegeben hat.
Der Stationspfleger hat es mir also ganz anders wiedergegeben.
Ich hab natürlich auch ihn darauf angesprochen.
Er hat dann nur mit dem Hand weggefädelt und gesagt, dass es eh "Schnee von gestern".
tztz

Ich konnte auf jeden Fall was mit der Medi-Info anfangen...danke nochmal an alle, die hier geantwortet habe.
Es hat mir Mut gemacht bei begründbaren Dingen "Nein" sagen zukönnen :thumbsup:
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger/Praxisanleiter
Fachgebiet
Altenheim
Spawn

Spawn

Mitglied
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05.01.2002
30000
Hi,

haben auch nur mit Demenz/Alzheimer Patienten zu tun und wenn ich Nachtwache habe, stehe ich sehr oft vor dem gleichen Problem:

- Pat. ist laut/schreit/tobt. Erhält, wenn er sich verbal nicht beruhigen lässt, zusätzlich zu seiner Nachtarznei was aus der Bedarfsmedikation.
- Ist ein Pat. auch tagsüber von den Medikamenten so abgeschossen, so können wir nach eigenen Ermessen bestimmte Medikamente weglassen. Also wenn jemande meinetwegen über den Tag verteilt 3mg Tavor, 160mg Dipiperon, Seroquel usw hat und sowieso fast nicht mehr wachzukriegen ist.
- Wie schon gesagt wurde: man muss die Pat. nicht bis zur Bewusstlosigkeit mit Medikamenten zudröhnen, da sind sie mir desorientiert/schimpfend/tobend dann doch lieber ;).

Ich würde auch sagen, dass du korrekt gehandelt hast. Sicher liegt die Durchführungsverantwortung bei dir. Durchführungsverantwortung bedeutet allerdings auch, dass du zum Wohl des Pat. handelst. In dem Fall hätte es dem Pat. ja geschadet und du hast dich korrekt bei einem Arzt erkundigt und der hat dir ja auch recht gegeben. Wenn der Stationspfleger also desweiten keinen ruhigen Nachmittag gehabt hat, ist das ja nicht dein Problem, Hauptsache der Pat. ist in Ordnung.

Umgekehrt weckst du ja auch keinen Pat. für seine Schlafpillen auf, sondern lässt sie weg.

gruss, spawn
 
Qualifikation
Kpf. stellv. STL / PA
Fachgebiet
Innere Medizin / Unfallchirurgie
B

Bini

Mitglied
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19.05.2006
1020
Hat man sich denn schon gefragt warum der Bewohner um Hilfe ruft ? Hat man noch nie darüber nachgedacht das er vielleicht Schmerzen haben könnte?
Wie kann denn ein dementer Mensch seine Schmerzen kundtun? Er wird meistens rufen oder klopfen etc. Selten wird er zum Beispiel sagen: "mein rechtes Knie und meine linke Hüfte schmerzen".
Ich möchte mal nicht so vollgepumpt werden mit Psychopharmaca!!!!
Liebe Grüße Bini
 
Qualifikation
Dipl.Gesundheits und Krankenschwester
Fachgebiet
xxx
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WBL06

WBL06

Mitglied
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23.01.2007
04229
Fakt ist das eine ärztliche AO für die Medikamente bestande die nicht durch eine neuere AO ausser Kraft gesetzt wurde.Somit hast Du gegen eine ärztl.AO verstossen.

mit kollegialen Grüßen
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
WBL
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
Basis-Konto
26.09.2005
Bonn
Fakt ist das eine ärztliche AO für die Medikamente bestande die nicht durch eine neuere AO ausser Kraft gesetzt wurde.Somit hast Du gegen eine ärztl.AO verstossen.
Warum ist eigentlich Arzneimittellehre Bestandteil einer hoch qualifizierten Ausbildung, wenn meine Beobachtungen und Wertungen über Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten untergehen in "das hat der Arzt so verordnet"?
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
D

Dettini

Hallo zusammen,
sehe gerade diesen Thread und habe alle Beiträge gelesen. Zuerst war ich versucht, den Befürwortern der Vorgehensweise Recht zu geben, weil es ja eigentlich unsinnig ist, bei den geschilderten Zustand des Bewohners weiter zu sedieren.

Aber es ist zumindest in den Altenheimen so, ob wir es toll finden oder nicht, dass wir nicht gegen ärztliche Anordnung handeln dürfen. OK, er hat ja in diesem Falle durch die Befragung der Hausärztin (wenn er denn dokumentiert hat) zwar keine neuerliche Anordnung bekommen, kann sich aber rechtlich jederzeit darauf berufen. Nur streng genommen hat er eine ärztliche Anordnung nicht befolgt und deshalb ist die Aussage von WBL06 völlig ok.

Übrigens Fragmentis, ich habe mir Deinen Beitrag ausgedruckt, er ist sehr hilfreich für mich, Dankeschön.

Und ganz nebenbei gefällt mir der Beitrag von Bini besonders gut, weil er auf eine Problematik eingeht, die wir alle oft zu schnell vergessen. Ich möchte auch nicht so vollgepumpt werden, weiß Gott nicht!

Schöne Grüße
Detlef
 
R

Rixte

HAllo
Fakt ist das eine ärztliche AO für die Medikamente bestande die nicht durch eine neuere AO ausser Kraft gesetzt wurde.Somit hast Du gegen eine ärztl.AO verstossen.

mit kollegialen Grüßen
Fakt ist Bew. bot ein anderes Bild, als beim Schreiben der Verordnung(Krankenbeobachtung)

Wir haben die Durchführungsverantwortung, und sollten auf Grund unserer Ausbildung genau abwägen können.

Ich finde, es wurde sich äußerst korrekt verhalten, umso mehr, als das auch noch ein Arzt befragt wurde, der die gegebene Anordnung durch das Ok aufgehoben hat..
Blindes Vertrauen kann zu großen Komplikationen führen.
Wir sind denkende Menschen, und sollten auch unser Gehirn benutzen.

Ich hatte z.B.einmal eine Anordnung Neurocil I.V. zu Spritzen. Darf nur tief gluteal gespritz werden. Was wäre, wenn ich das ohne zu denken gemacht hätte?????? :sick:
Wäge ab trotz Anordnung, und gebe eventl.keine Blutdrucksenkende Mittel, wenn Hypoton. Diese Reihe lässt sich noch lange Fortsetzen.

Auch Ärzte sind Menschen und können Fehler machen. Und der Patient kann in einem ganz anderen Zustand sein, als er bei der Verordnung gewesen ist.

Deswegen weiterso, hinterfragt und kein blindes Vertrauen der vorliegenden Anordnungen.

LG Rixte:eek:riginal:
 
R

Rixte

DAnke Fragmenti,
[FONT=Arial, sans-serif][/FONT][FONT=Arial, sans-serif]
[/FONT][FONT=Arial, sans-serif]CAVE: [/FONT]
[FONT=Arial, sans-serif]malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber über 40°C, was als intensivpflichtiger lebensbedrohlicher Zustand gilt !!! Ist aber selten und wird deshalb auch nicht oft schnell genug erkannt !!![/FONT][FONT=Arial, sans-serif]
[/FONT]
Jetzt weiß ich endlich, warum der Patient 40°C gehabt haben könnte.

Wurde sonst nichts gefunden. Und für Zentral war es zu untypisch.
Werde es auf Station ansprechen.

LG Rixte
 
D

dieKathi

Mitglied
Basis-Konto
19.01.2007
Bietigheim
Hallo,
ich denke auch, daß korrekt gehandelt wurde. Die Ärzte haben gerade in Wohnheimen (ob Altenpflege- oder Behindertenwohnheim) nur einen Momentaneindruck der Bewohner und sind von daher im Besonderen auf die Beobachtungen des Pflegepersonals angewiesen.

Ändert sich das Verhalten oder der Zustand eines Bewohners, kann man das doch als verantwortungsbewußter Mensch nicht einfach ignorieren, nach dem Motto: Egal, ein Arzt hat es angeordnet. Wozu lernen wir denn sonst Beobachtung und auch die Wirkungsweise vieler Medikamente?
Auch kurzfristige Veränderungen müssen berücksichtigt werden. Und hier wurde sich ja auch bei einem Arzt rückversichert.

Ich habe in einem (Lehr)Krankenhaus, in dem ich früher gearbeite habe, des öfteren erlebt, daß "frische" Assistenzärzte weniger über die Medikamente Bescheid wußten als wir "altgedientes" Pflegepersonal. Nicht nur einmal kam es vor, daß Patienten ein Herzmedikament angeordnet wurde, weil der Arzt übersehen hatte, daß er schon ein gleichwirkendes Medi anderen Namens hatte. Und es hatte nicht zusätzlich sein sollen!
Hätten wir uns da einfach auf die Arztanordnung zurückgezogen und die Medikamente doppelt verabreicht, es hätte teilweise böse ausgehen können.

Grüße,
dieKathi
 
Qualifikation
Wohnheimbetreuerin / Krankenschwester
Fachgebiet
Behindertenwohnheim
WBL06

WBL06

Mitglied
Basis-Konto
23.01.2007
04229
HAllo


Fakt ist Bew. bot ein anderes Bild, als beim Schreiben der Verordnung(Krankenbeobachtung)
Wir haben die Durchführungsverantwortung, und sollten auf Grund unserer Ausbildung genau abwägen können.


LG Rixte:eek:riginal:
Fakt bleibt weiterhin das eine ärztl.AO bestande und ohne eine weitere ärztl.AO die die andere ausser Kraft setzt durchgeführt hätte werden müssen.So ist nun mal das rechtliche.Es gibt doch einen Hausbesuchsdienst oder ähnliches welcher hätte eine AO treffen können.Dafür sind die da.Praktisch hätte ein Telefonat gereicht.
Spielen wir doch mal gedanklich durch was hätte wäre wenn.Angenommen Bew.X fällt nach diesem geschilderten Fall(siehe oben) durch starke Unruhe aus dem Bett und stößt sich am Kopf(Platzwunde).Dokumentiert wurde das die zu verabreichenten Medikamente nicht verabreicht wurden aus dem und dem Grund.Irgendwann taucht die Frage nach der ärztl.AO auf.Wenn diese dann nicht vorhanden ist kommt ein schlauer Staatsanwalt und knallt dir solche schönen Begriffe wie gefährliche Pflege und Körperverletzung an den Kopf.Das ist nun mal so in Deutschland.
Es soll hier auch kein falsches Bild entstehen,ich mag mitdenkente Mitarbeiter die auch was auf dem Kasten haben,aber nicht um jeden Preis.

mit kollegialen Grüßen
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
WBL
Status
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