Unqualifiziertes Personal/Personalmangel in der Pflege/Allgemeine Situation in der Pflege.

Habt ihr auch Erfahrungen mit den im Beitrag genannten Problemen?

  • Ja!

    Stimmen: 10 76,9%
  • Nein!

    Stimmen: 1 7,7%
  • Anderes.

    Stimmen: 0 0,0%
  • Ich schreibe eine Antwort.

    Stimmen: 2 15,4%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    13
P

Pflegebot

Neues Mitglied
Basis-Konto
27.01.2022
Bayern
Hallo,

Ich arbeite seit 13 Jahren in der Stationären Altenpflege in Bayern.
Die (Personal)Lage war schon zu Zeiten der Ausbildung sehr knapp bemessen sowie angespannt und man hat schon damals oft am Limit gearbeitet und auch damals gab es schon einige Unqualifizierte Menschen in der Pflege...

Aber die letzen 5 Jahre hat sich das Problem so dermaßen zugespitzt ich bin inzwischen fast täglich nur noch am Kopfschütteln.
Alle paar Monate oder Wachen Zeitarbeiter von denen (unübertrieben) (geschätzt) 90% katastrophal sind weil Stammpersonal ständig Krank ist.
Zeitarbeiter die einfach nicht zum Dienst erscheinen oder Stunden später sind gang und gebe.
Hatte auch schon Zeitarbeiter die mitten im Dienst plötzlich weg waren und andere Dinge über die ich hier nicht schreiben möchte.
(Und ich habe wirklich schon VIELE gesehen, und JA es gibt auch richtig gute, die sind allerdings stark in der Minderheit)

Pflegekräfte die kaum Deutsch sprechen und auch kein Englisch werden alleine zu Dementen Bewohnern geschickt, verstehen einfachste Anweisungen nicht oder sagen sie haben es verstanden aber haben NICHTS verstanden.

Auch die fest angestellten Mitarbeiter werden immer unqualifizierter. Auch viele Fachkräfte (Ich würde unübertrieben 60-70% schätzen) mit denen ich bisher zusammengearbeite habe machen fast täglich irgendwelche Fehler z.B. informieren keine Ärzte, lassen Arbeit einfach liegen weil sie keine Lust haben weil "die andere Schicht macht das dann schon" usw. usw.

Wenn man die Menschen darauf ansprich reagieren viele gereizt oder werden wütend und meinen man übetreibt obwohl die Gesundheit der Bewohner immer im Mittelpunkt stehen müsste.

PflegeFACHhelfer sind auch immer rarer. Es werden fast nur noch "Ungelernte" eingestellt ohne jegliches Hintergrundwissen und viele lassen sich nichts erklären oder hören nicht zu wenn man ihnen etwas beibringen möchte, weigern sich etwas aufzuschreiben. (Und nein es sind nicht per se ALLE schlecht)

Auch wird immer mehr von Fachkräften an "Ungelernte" delegiert einfach weil kein anderer da ist um es zu machen. Einige können das delegierte dann natürlich aber haben überhaupt kein Hintergrundwissen warum und weshalb sie das machen und was sie sonst noch beachten müssen.

Gefährliche Pflege sieht man immer wieder, Empathie für Bewohner oft KEINE.
Symptome und Probleme von Bewohnern werden häufig einfach ignoriert.

Ganz viele haben eine Art "Scheiß egal" haltung, hauptsache Schnell irgendwie den Dienst rumbringen und dann weg. Es ist die tägliche Regel.
Ich muss das ganze quasi so hinnehmen und oft die Arbeit erledigen die andere hätten machen müssen oder Mist von anderen Mitarbeitern "ausbaden". Dem ganzen steht man Machtlos gegenüber denn wenn die geringqualifizierten weg währen, gäbe es halt keinen Ersatz mehr und man könnte gar nichts mehr versorgen.

Ich frage mich wie es in anderen Bundesländern oder Einrichtungen so aussieht.
Ich habe über die Jahre auch viele Kontakte zu Kollegen aus z.B. der Krankenpflege und auch diese haben auch ähnliche und noch krassere Erfahrungen, einige überlegen wegen diesen und ähnlichen Gründen (abgesehen vom täglichen Arbeiten über dem Limit) diesen Beruf zu verlassen oder sind Körperlich (Psychisch oder Physisch) nur noch kaputt, was einfach nur traurig ist.


Ich würde mich freuen wenn ich ein paar Antworten bekäme ob das Problem nur Regional ist oder auch Bundesweit und wie ihr damit umgeht ständig mit gering oder gar nicht qualifiziertem Personal trotz Zeitmangel zur Kontrolle etc. zusammenarbeiten zu müssen.
 
Qualifikation
Altenpfleger/Praxisanleiter
Fachgebiet
Stationäre Altenpflege
B

Beteigeuze

Mitglied
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03.11.2020
Ich schreibe hier nur aus Sicht meines Ausbildungsstandes, sprich: So weit ich es beurteilen kann. Das erste Jahr neigt sich dem Ende.
Mir ist aufgefallen, und das recht früh, dass es einige nicht wirklich ernst mit den simpelsten Dingen nehmen. Z.B. Insulingabe. Der eine examinierte spritzt rasend schnell, setzt den pen sofort ab statt einen kleinen Moment zu warten. Der andere spritzt z.B. Mono Embolex ohne vorher die Haut zu desinfizieren. Als ich ihn drauf ansprach: "Das ist übertrieben, muss man nicht immer machen". Er ist recht frisch erst examiniert.
Oder dieses permenente dutzen von älteren Menschen. Und diese sind nicht dement, wo ein "Du" durchaus hilfreich sein kann. Nein, generell wird jeder gedutzt. Oder das Positionieren im Bett nach Lust und Laune. Einmal morgens nach der Körperpflege im Bett und dan noch abends .....
 
Qualifikation
Ausbildung
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I

Igel77

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23.12.2014
Oldenburg
Tja, Pflegebot. Du reißt da mehrere Punkte an, die viele von uns betreffen, die ich gesondert betrachten möchte.

Zur Zeitarbeit:
Ich vergleiche Betriebe, die Zeitarbeiter verwenden müssen, gerne mit ausgequetschten Zitronen: Wenn der Saft raus ist, bieten sie nur noch Nahrung für die Fruchtfliegen. Das sind dann die Zeitarbeiter und ihre Betriebe.
Zwar sind da die Niveaus unterschiedlich, aber die Betriebe müssen ja das doppelte bis dreifache an kaltem, harten Geld für diese Leute auf den Tisch legen, dass sie ansonsten für Stammpersonal an Lohn zahlen und erhalten dafür allein durch die Tatsache , das Mitarbeiter nicht eingearbeitet sind, weniger Leistung.
Zudem die Bindung & Kampfmoral natürlich niedriger sein kann ... und Stammpersonal im Dienstplan benachteiligt wird. Ein Teufelskreis, eine Todesspirale beginnt. Leute sind noch weniger motiviert, gehen noch mehr auf "Dienst nach Vorschrift", sind noch öfter und länger krank ...


Zum Ausbildungsgrad:
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil sie auf diese Weise billiger sind.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil sie gar nicht um ihre Rechte, Pflichten und Möglichkeiten wissen sollen.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil sich keiner die Mühe macht, sie im Alltag mit den entsprechenden pflegerischen Ressourcen auszustatten.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil Bildung verachtet wird. Zu theoretisch, heist es dann. Neid, Missgunst und Angst bei Kollegen und Leitungen hervorruft.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil der Zugang zu Aus-Fort- und Weiterbildung als feudales Belohnungsinstrument und nicht als Grundrecht verstanden wird. Gut ausgebildete Leute gefährden Hierarchien und autoritäre Führung.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil Schulabgänger mit besseren Abschlüssen diesen Beruf meiden oder ausgeredet bekommen.
Die Leute sind schlecht ausgebildet, weil in Bauten und Hochglanzauftritte im Netz, aber nicht in Menschen investiert wird.

Zur Motivation:
Viele Faktoren haben einen Einfluss auf die Motivation von Mitarbeitern und Teams. Dazu zählen:
- Häufig wiederkehrende, repetetive vs. abwechslungsreiche Tätigkeiten;
- Aussicht auf Fehlschlag und Erfolg
- Wertschätzung und das Setzen von Grenzen
- Gemeischaftsgefühl und Individualismus
- Hohes, angemessenes und zu niedriges Arbeitstempo
- Zu hohes, angemessenes und zu niedriges Auftauchen von Auseinandersetzungen
- Führungsstil und individuelle Merkmale
- Selbstwirksamkeitserwartung
- Fluktuation
- Dienstplanverlässlichkeit
- Zu hohe, angemessene und zu niedrige Anforderungen an die Qualität der Versorgung
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit
- Entlohnung
- Urlaub und freie Tage
- Allgemeine Stimmung im Team
- Sprachliche Barrieren
- Pausenregelung
- Sich entwickelnde Depressionen, Burn-Outs, Sucht- und andere seelische Erkrankungen
- Fort - und Weiterbildung


Gefährliche Pflege sieht man immer wieder, Empathie für Bewohner oft KEINE.
Wie sieht es mit Deiner Empathie für Deine KOLLEGEN aus?
Wie sieht es mit der Empathie für DICH SELBST aus?
Wie sieht es mit der "Pflege" (dh Ausbildung, Interaktion, Anleitung und Führung) Deiner Kollegen und Deines sozialen Umfeldes Arbeitsplatz aus?
Wie sieht es mit der Pflege Deiner Selbst aus?
Was hast Du, was brauchst Du, wo willst Du hin, was kannst Du tun?
Warum hast Du den Job einmal ergriffen?
Warum machst Du den Job noch?
Warum machst Du den Job noch, dort wo Du bist?
 
Qualifikation
Gesundheits - und Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
A

AlterPflegehase

Neues Mitglied
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19.01.2022
Heidelberg
Hallo,

Ich arbeite seit 13 Jahren in der Stationären Altenpflege in Bayern.
Die (Personal)Lage war schon zu Zeiten der Ausbildung sehr knapp bemessen sowie angespannt und man hat schon damals oft am Limit gearbeitet und auch damals gab es schon einige Unqualifizierte Menschen in der Pflege...

Aber die letzen 5 Jahre hat sich das Problem so dermaßen zugespitzt ich bin inzwischen fast täglich nur noch am Kopfschütteln.
Alle paar Monate oder Wachen Zeitarbeiter von denen (unübertrieben) (geschätzt) 90% katastrophal sind weil Stammpersonal ständig Krank ist.
Zeitarbeiter die einfach nicht zum Dienst erscheinen oder Stunden später sind gang und gebe.
Hatte auch schon Zeitarbeiter die mitten im Dienst plötzlich weg waren und andere Dinge über die ich hier nicht schreiben möchte.
(Und ich habe wirklich schon VIELE gesehen, und JA es gibt auch richtig gute, die sind allerdings stark in der Minderheit)

Pflegekräfte die kaum Deutsch sprechen und auch kein Englisch werden alleine zu Dementen Bewohnern geschickt, verstehen einfachste Anweisungen nicht oder sagen sie haben es verstanden aber haben NICHTS verstanden.

Auch die fest angestellten Mitarbeiter werden immer unqualifizierter. Auch viele Fachkräfte (Ich würde unübertrieben 60-70% schätzen) mit denen ich bisher zusammengearbeite habe machen fast täglich irgendwelche Fehler z.B. informieren keine Ärzte, lassen Arbeit einfach liegen weil sie keine Lust haben weil "die andere Schicht macht das dann schon" usw. usw.

Wenn man die Menschen darauf ansprich reagieren viele gereizt oder werden wütend und meinen man übetreibt obwohl die Gesundheit der Bewohner immer im Mittelpunkt stehen müsste.

PflegeFACHhelfer sind auch immer rarer. Es werden fast nur noch "Ungelernte" eingestellt ohne jegliches Hintergrundwissen und viele lassen sich nichts erklären oder hören nicht zu wenn man ihnen etwas beibringen möchte, weigern sich etwas aufzuschreiben. (Und nein es sind nicht per se ALLE schlecht)

Auch wird immer mehr von Fachkräften an "Ungelernte" delegiert einfach weil kein anderer da ist um es zu machen. Einige können das delegierte dann natürlich aber haben überhaupt kein Hintergrundwissen warum und weshalb sie das machen und was sie sonst noch beachten müssen.

Gefährliche Pflege sieht man immer wieder, Empathie für Bewohner oft KEINE.
Symptome und Probleme von Bewohnern werden häufig einfach ignoriert.

Ganz viele haben eine Art "Scheiß egal" haltung, hauptsache Schnell irgendwie den Dienst rumbringen und dann weg. Es ist die tägliche Regel.
Ich muss das ganze quasi so hinnehmen und oft die Arbeit erledigen die andere hätten machen müssen oder Mist von anderen Mitarbeitern "ausbaden". Dem ganzen steht man Machtlos gegenüber denn wenn die geringqualifizierten weg währen, gäbe es halt keinen Ersatz mehr und man könnte gar nichts mehr versorgen.

Ich frage mich wie es in anderen Bundesländern oder Einrichtungen so aussieht.
Ich habe über die Jahre auch viele Kontakte zu Kollegen aus z.B. der Krankenpflege und auch diese haben auch ähnliche und noch krassere Erfahrungen, einige überlegen wegen diesen und ähnlichen Gründen (abgesehen vom täglichen Arbeiten über dem Limit) diesen Beruf zu verlassen oder sind Körperlich (Psychisch oder Physisch) nur noch kaputt, was einfach nur traurig ist.


Ich würde mich freuen wenn ich ein paar Antworten bekäme ob das Problem nur Regional ist oder auch Bundesweit und wie ihr damit umgeht ständig mit gering oder gar nicht qualifiziertem Personal trotz Zeitmangel zur Kontrolle etc. zusammenarbeiten zu müssen.
Hallo, ich kann deine Aussage nur bestätigen und es macht wirklich Angst wenn man dann noch von Schülern hört, dass sie im Krankenhaus Aufgaben übernehmen, die sie weder theoretisch noch praktisch erklärt bekommen haben.
Wenn Schüler mir erzählen, dass sie im Krankenhaus Infusionen anhängen und bei mir nicht mal wissen wie man eine Insulininjektion durchgeführt, geschweige denn wissen, wie man es überhaupt machen soll, dann bekomme ich große Angst selbst als Patient im Krankenhaus zu landen. Keine Einführung und kein Wissen, aber Aufgaben übernehmen, die im Zweifel lebensbedrohliche Auswirkungen haben können.
Ich selbst prüfe meine externen Schüler erst auf die bevorstehende Aufgabe bevor ich sie es selbst durchführen lasse. Es ist erschreckend wie häufig die Schüler Aufgaben übernehmen würden die sie nicht umsetzen können, zumindest in keinster Weise korrekt.
 
Qualifikation
Altenpflegerin QMB PDL Praxisanleitung
Bob Brewer

Bob Brewer

Mitglied
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01.12.2000
44287
Tja, Pflegebot. Du reißt da mehrere Punkte an, die viele von uns betreffen, die ich gesondert betrachten möchte.

Zur Zeitarbeit ...
Zum Ausbildungsgrad ...
Zur Motivation ...
Zu Empathie ...
Hallo Igel77,

Ich sehe, dass Sie sich viele Gedanken gemacht haben, und ich würde Ihnen für Ihre Ausführungen eine Eins geben. Ich möchte jedoch noch ein paar Dinge hinzufügen.

Die Zeitarbeit ist zu einem Problem geworden, weil sie im Grunde genommen marktbeherrschend geworden ist. Die Arbeitnehmer können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen, haben bessere Bedingungen und weniger Verantwortung. Meine Erfahrungen sind gemischt, so dass ich unter ihnen sehr gute und auch sehr schlechte Mitarbeiter gefunden habe. Das Personal, das dort eingestellt wird, fehlt im regulären Betrieb, was zu einer allgemeinen Verschlechterung der Gesamtsituation beiträgt. Derjenige, der hier Pflegedienstleiter ist, verbringt, wie Sie auch festgestellt haben, viel Zeit mit der Rekrutierung von Personal, weil es abwesend ist.

Die Altenpflege hat den Nachteil, dass die Ansprüche im Laufe der Jahre gestiegen sind, die Personalausstattung aber gleichgeblieben ist. Im Grunde kann man Altenpflege nur "ambulant" betreiben, wie in Niedersachsen, denn dort sind die einzelnen Bereiche, Wohnen und Essen, Pflege und Betreuung getrennt und werden einzeln abgerechnet. So steht mehr Personal zur Verfügung, die Wohnungen sind besser, und die räumliche Vielfalt bei den Angeboten gibt dem Ganzen eine besondere Note. Allerdings muss man sagen, dass dies aus der Not heraus geboren wurde, da Niedersachsen eine sehr geringe Personalausstattung für reguläre Altenheime hatten, was unmenschlich ist, aber dieses Modell ermöglichte. In NRW wurde mir gesagt, dass die Behörden ein solches Modell ablehnen würden, weil es nur eine "Geldmacherei" sei.

Die "generalistische Pflegeausbildung" ist aus meiner Sicht keine "zeitgemäße" Pflegeausbildung, indem sie die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenführt, sondern sie verwässert die Spezialisierung, ohne sicherzustellen, dass eine spätere Spezialisierung möglich ist. Die Altenpflege ist aus meiner Sicht der große Verlierer, weil die spezielle Pflege bei einer Vielzahl von gerontologischen Persönlichkeitsveränderungen den Beruf ausgemacht hat, und eine Begleitung von Patienten/Bewohnern bis zum Lebensende beinhaltet. Die neue Ausbildung würde nur Sinn ergeben, wenn die Heime an Kliniken angegliedert sind, wo die personelle Absicherung aus einem großen Pool von Mitarbeitern gewährleistet ist. Dort würde der Wechsel zwischen den Bereichen in der Ausbildung mehr Sinn ergeben.

Außerdem siehe mein Beitrag Die Pflege als Teamsportart - Pflegeboard.de

Ein freundlicher Gruß
 
Qualifikation
Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
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Weiterbildungen
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Huhn

Huhn

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04.09.2018
Warum sollten gebildete Menschen mit guten beruflichen Chancen in die Pflege gehen ? Es gibt dafür kein pro Argument. Du kannst fachlich noch so viel drauf haben. Wichtig ist dass du die Leute sauber und satt hältst. Will keiner hören, ist aber so. Und wenn du nicht mit denen arbeiten möchtest, die unqualifiziert sind, gut. Dann gründe ein Altenheim, stelle ausschließlich Fachpfleger ein, und schau wie weit du kommst.

So Leute die neunmalklug was ins internet rotzen, weil sie meinen sie wüssten was Bildung ist, nerven! Die Lebensrealität in Deutschland ist nun mal wie sie ist. Verändert sich vielleicht mal irgendwann, vielleicht auch nicht. Ich denke mir bei solchen Posts immer: "Hoffentlich wird Morgen jeder in eurem heim kündigen der keine qualifizierte Ausbildung hat". Dann schau, wie weit du kommst.

Und wenn dir jemand nicht zuhören und nicht lernen will, dann liegt es vielleicht an dir. Ich zB habe in meinem Heim ein APH Jahr gemacht, dann aber PfK abgelehnt, obwohl ich viel Motivation und Lust hatte. Und zwar wegen der vermeintlichen Fachkräfte, die selbst keine Lust hatten sich mit den Helfern qualifiziert zu unterhalten. Ich habe dafür aber auch Verständnis, weils im Arbeitsalltag einfach kaum zu machen ist. In wenigen Heimen lernt man wirklich was. Man arbeitet praktisch drei Jahre als Helfer weiter. Wenn man was lernt, dann in Schule.

Übrigens ist es auch so dass ich selbst auch keine Lust hätte mit Personal zu arbeiten dass unmotiviert ist und dem alles scheiss egal ist. Es ist nicht so als würde ich alles in deinem Post falsch sehen. Nur, muss man sich eben vor einer PfK Ausbildung überlegen worauf man sich einlässt, und was für Publikum man nun um sich hat um mit ihnen zu arbeiten.

Stelle jetzt mal ne These auf. Fachkräfte haben einen scheiss job. Einen absoluten Mist job. Helfer hingegen haben ( Motivation vorausgesetzt) einen Klasse job.

Und ja Zeitarbeit nervt, aber das Spiel kann man immer durchspielen. Ruft die Zeitarbeit eben nicht an, und macht eure Leute in einer 6 Tage Woche alleine. Dann ist das qualifizierte Personal unter sich...
 
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PFleger
Bob Brewer

Bob Brewer

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01.12.2000
44287
Warum sollten gebildete Menschen mit guten beruflichen Chancen in die Pflege gehen ?
Sie scheinen enttäuscht und verletzt zu sein und fragen sich, warum Sie weiterhin Ihre Lebensenergie für andere einsetzen sollten. Ich verstehe Ihre Enttäuschung, denn ich habe das Gleiche durchgemacht, sogar in höheren Positionen, und ich konnte nur wenig dazu beitragen, die Situation zu ändern. Es ist in der Tat so, dass die Pflege, in der Zuverlässigkeit und Mitgefühl wichtige Eigenschaften sind, zu einem Beruf wie jeder andere gemacht wurde und die Behörden dabei die Komplexität der Aufgabe sowie die Belastung für Körper und Geist übersehen (oder ignorieren). Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es um die Pflege von Menschen mit degenerativen Krankheiten geht.

Viele junge Menschen steigen in diesen Beruf ein und stellen fest, dass das bisschen Geld, das sie als Fachkraft mehr verdienen, nicht Motivation genug ist, um den Stress der Aufgabe auf sich zu nehmen. Die Anforderungen des Berufs werden in meinen Augen akademisch bewertet, auch wenn die große Mehrheit der Berufstätigen keine Akademiker sind. Das Problem ist nicht, kranke Menschen satt und sauber zu halten, das ist im Grunde das Einfachste, sondern das Problem ist, sie angemessen zu pflegen. Mit angemessener Pflege meine ich: ganzheitliche Pflege und die Berücksichtigung all ihrer Bedürfnisse - das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Das ist nicht nur Handarbeit, sondern auch Beziehungsarbeit, und dafür braucht man Zeit und Fingerspitzengefühl.

Wenn man diese Aufgabe erfüllen will, muss man akzeptieren, dass man keine optimale Pflege in diesem Sinne leisten kann, weil die Bedingungen nicht optimal sind. Ein Optimum ist auch kein Maßstab, sondern ein Ziel, das man anstrebt. Um dieses Ziel einigermaßen zu erreichen, ist eine stimmige Teamarbeit und eine Aufgabenteilung erforderlich, die die besondere Rolle der examinierten Kollegen respektiert. Pflegehilfskräfte müssen sich an den Fachkräften orientieren, und die Fachkräfte sollten diese Arbeit schätzen, ohne die sie ihre Arbeit nicht machen können.

Es gibt viele Menschen in der Pflege, die ausgebrannt sind. Oft ist es nicht nur die Arbeit, sondern die Tatsache, dass sie mehrfachen Belastungen ausgesetzt sind, die ihnen das Leben schwer machen. Ich habe viele Mitarbeiterinnen gekannt, die in ihrem Leben so viel zu tragen haben (oder hatten), dass sie keine Energie mehr für den Job hatten. Wenn man eine solche Lebenssituation lange genug trägt, dann stumpft man ab und verteilt die Kraft, die man noch hat, auf die Aufgaben.

Meine Aussage zur Zeitarbeit bezog sich auf die Tatsache, dass viele Fachkräfte durch die Zeitarbeit zwar die Bezahlung, aber nicht die volle Aufgabe haben. Dann ist es klar, wohin ich gehe, wenn ich keinen Wert auf Kontinuität lege und bestimmen will, wo ich arbeite. Das ist demotivierend für die Fachkräfte in den Einrichtungen, und am Ende kann es passieren, dass man nur noch Fachkräfte von Zeitarbeitsfirmen bekommt. Dann kann eine Einrichtung aber schnell schließen, weil sie den Anforderungen nicht mehr gerecht wird.

Letztendlich ist es wahr, dass man einen undankbaren Job macht, und viele Angehörigen respektieren es nicht, sondern sehen nur auf das Geld, das sie bezahlen, und sie hören auf Kritiker im Netz oder der Medien, die sagen, dass sie mehr erwarten können. Wenn man dabei bleibt, muss man viel investieren, und das Team so hinbekommen, dass sie gut zusammenarbeiten.
 
Qualifikation
Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
WBL, PDL, TQM-QMB, HL
I

Igel77

Mitglied
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23.12.2014
Oldenburg
So Leute die neunmalklug was ins internet rotzen, weil sie meinen sie wüssten was Bildung ist, nerven! Die Lebensrealität in Deutschland ist nun mal wie sie ist. Verändert sich vielleicht mal irgendwann, vielleicht auch nicht. Ich denke mir bei solchen Posts immer: "Hoffentlich wird Morgen jeder in eurem heim kündigen der keine qualifizierte Ausbildung hat". Dann schau, wie weit du kommst.
Ein Begriff: Negative Selektion.
Je mehr gute Leute gehen, desto mehr schlechte bleiben. Dann gehen irgendwann die weniger Guten, weil sie keinen Bock mehr auf den Scheiß haben, und das System wird noch schlechter.

Überall in Deutschland passiert das, jeden Tag. Immer mehr.

Mangelnde Fachkenntnisse führen irgendwann zu gefährlicher Pflege. Je niedriger die Qualifikation insgesamt, desto mehr gefährliche Pflege. Überall wird da inzwischen weggeguckt.

Mangelnde Integrität führt irgendwann zu Kriminalität. Je niedriger die Integrität insgesamt, umso mehr Straftaten. Wird schon einen Grund haben, warum manche Firmen nicht mal mehr ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen.

Mangelnde Kollegialität führt zu toxischem Arbeitsklima. Je niedriger die Kollegialität, um so vergifteter wird das Arbeitsklima. Viele Einrichtung sind trotz herzi-herzi-Bildern toxische Jauchegruben.

Man bekommt eine Spirale nach unten.

Was MICH nicht nur nervt, sondern ANKOTZT: Helfer mit Halb- oder Nichtwissen, die dieses wie eine Monstranz vor sich hertragen, gefährliche Pflege betreiben, in den Einrichtungen kriminell sind, und das Leben aller anderen zur Hölle machen.

Diese "Helfer" können gerne alle gehen.
 
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Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Prinzipiell kann ich leider alles hier gelesene unterschreiben.
Über die Gründe für die Pflegesituation braucht man sich wirklich nicht mehr auslassen, das haben wir alle in den letzten Jahren mehr als zur genüge.
Solange es der Gesellschaft völlig schnuppe ist, wie ihre medizinische und pflegerische Versorgung im Krankheitsfall ausschaut, solange Krankheit nen Milliarden Geschäft ist, und solange die Politik scheinbar mit der Reduktion von Pflegepersonal die Umsetzung der Bertelsmann Studie beschleunigen möchte, so lange wird sich nichts zum besseren verändern, ganz im gegenteil.

Welche Möglichkeiten gibt es also ?
Als Junger Mensch kann man sich überlegen ob man es sinnig findet sich für Applaus Physisch und Psychisch an den rand des Ruins zu schuften.
Sinnig, wenn man meint das man keinen Bock auf eigenes leben hat, und für wenig Geld neben dem Vollzeit Job noch in der üppigen Freihzeit nen Nebenjob sucht, um über die Runden zu kommen.
Probleme mit dem Freundeskreis werden sich auf Grund von Dauererschöpfung mit der zeit von allein relativieren.
Und soziale Interaktionen außerhalb des Arbeitsumfeldes werden sich eben aufgrund der Erschöpfung und des mangelnden Geldes auch sehr schnell reduzieren. Hat den Vorteil das man mehr Lebenszeit in die Gewinnmaximierung seines Arbeitgebers investieren kann, vielleicht bekommt man ja sogar mal wieder Applaus dafür ;-)

Die älteren von uns die sich keinen neuen Job suchen wollen oder können haben natürlich auch mehrere Möglichkeiten, dazu zähle ich mich selbst auch, also welche Überlegungen habe ich mir vor allem in den letzten beiden Jahren gemacht ?

Möchte ich mich weiterhin über die Situation aufregen und unglaublich viel Energie damit verbraten ?
Für wen ?
Für Patienten denen es in der regel schei.... egal ist ob ich Schmerzmittel einwerfen muß damit ich sie aus dem Bett wuchten kann ?
Für Patienten, denen ich und meine Gesundheit gelinde gesagt am ar.... vorbei gehen ?
Für eine Gesellschaft der Ihre Medizinische Versorgung selbst schei... egal ist, und wenn sie dann doch mal trifft rummotzt wie nen Rohrspatz, weil sie mal 20 min auf ihre Pille warten müssen ?
In einem land in dem das Wort soziale Verantwortung nur Bedeutung bekommt, wenn man es aus rein Egoistischen Gründen nutzen kann, um rein egoistisch für sich selbst was ein zu fordern, das man aber selbst nicht bereit ist zu liefern ?

Never, die zeiten sind vorbei.

Warum mache ich den Job noch ?
Na, irgendwo mit muß ich ja mein Geld verdienen, ich mache aber einen JOB, ich bin nit Mutter Theresa, ich biete eine Dienstleistung an, und für die erwarte ich Monetären Ausgleich, kein Aplaus, kein Schulterklopfen wie bewundernswert es doch ist den Job zu machen..... ich erwarte schnöde Kohle. ich verkaufe mein Wissen, meine Kompetenz und meine Arbeitskraft, selbiges ist in einem moetären gegenwert zu bemessen.
Ich bin verantwortlich für mich und meine Arbeit, ich habe in meiner Schicht, und nur dort, die Verantwortung für meine Patienten, dieser habe ich best möglich gerecht zu werden.
Wenn ich das nicht mehr verantworten kann zeige ich es meinem Arbeitgeber an und damit bin ich zumindest teilweise Juristisch aus der Nummer raus.
Seit dem ich mit dieser Einstellung arbeite, habe ich die mir gesetzlich zustehenden Ruhezeiten, bin Körperlich wieder belastbarer und verbringe meine Freihzeit nicht mehr im Erschöpfungskoma.
Und den misst den inkompetentes oder unfähiges Pflegepersonal verzapft .... deren Verantwortung und die Verantwortung von dem Menschen der meint sie auf die Menschheit los lassen zu können.
Wozu gibts pflegeberichte ?
1. ich dokumentiere alles was für den Patienten wichtig ist, mein Nachfolger ist verpflichtet sich anhand dieser zu informieren, wenn er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, ist es nicht mein Problem.
2. im extremfall dokumentiere ich auch das ich es dem Kollegen verbal übergeben habe.

Wenn mein Arbeitgeber der Meinung ist, dass die Patienten von nicht deutschsprachigem personal adäquat versorgt werden können, dann ist es seine organisatorische Verantwortung, ich werde dafür mit Sicherheit nicht in den bau wandern.
 
Qualifikation
Fachpfleger für Intensiv Medizin
Fachgebiet
IMC
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Wiesmann

Wiesmann

Neues Mitglied
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hat hier jemand schon Erfahrungen mit Pflegefachkräften aus Drittstaaten?
Pfleger*innen aus der Ukraine benötigen 8-12 Monate Integration und die mangelnden Sprachkenntnisse sind offenbar das größte Problem.

LG
Stefan Wiesmann
 
Qualifikation
Gesundheitsökonom und Lehrer für Gesundheitsberufe
Fachgebiet
Pflegemanagement und Pflegeausbildung

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