Uniklinik: Pfleger leiden – Patienten auch? (Gießener Allgemeine)

R

resigniert

Aktives Mitglied
Basis-Konto
168
Münster
0
geile Antwort der Geschäftsführung :headwall: :zornig: :fremdschaem: :madig: :shit: :rage: :motz2:
 
Qualifikation
GuK
Fachgebiet
Intern
P

Putze

Mitglied
Basis-Konto
Es ist himmelschreiend,leider auch anderswo.Ich habe in einer Uniklinik 25 Jahre auf einer Intensivtherapiestation gearbeitet.Am Anfang gab es Überlastungsanzeigen ohne Ende,das Personal wurde von 5 Pflegekräften pro Schicht auf 7-8 aufgestockt.Mittlerweile liegen die Zahlen wieder bei der Besetzung,die es vor 30 Jahren gab,nur mit dem Unterschied,daß fast alle Patienten beatmet sind und auch ECMOs betrieben werden.Hygiene: Fehlanzeige,weil man die vorgeschriebene Einwirkzeit bei der Händedesinfektion nicht einhalten kann.Wie auch bei der simultanen Versorgung von 3 beatmeten Schwerstkranken.Irgendwann mußte ich mich in der Pflegedirektion verantworten für eine geschriebene Überlastungsanzeige,mit dem Tenor,wenn ich die Arbeit nicht mehr schaffen würde,sollte ich mir mal überlegen,ob ich dort noch richtig aufgehoben sei.Von einer langjährigen Fachkrankenschwester könne man erwarten,daß sie die Situation bewältigen könnte.Ich kam mir vor wie eine Angeklagte vor Gericht.Also keine Überlastungsanzeigen mehr.Dann kam CIRS neu und man reagierte auf Fehler- und Beinahefehlermeldung aufgrund Personalmangels mit vorübergehender Sperrung von Betten.Nach 3 Monaten wurden die Betten wieder belegt,der Personalschlüssel aber nicht angepasst.Aussage des Pflegedirektors:Wir brauchen keine gute Pflege,ausreichende Pflege sei ausreichend,alles andere nicht bezahlbar.Weil ich dies für mich nicht verantworten konnte,bin ich eher zum Dienst gekommen,keine Pause gemacht und später gegangen,weil ich kein schlechtes Gewissen den Patienten gegenüber haben wollte.Der Erfolg ist,daß ich nach 41 Jahren in der Pflege arbeitsunfähig kapitulieren musste und berentet werden mußte.Es ist ein Skandal,wie mit Pflegekräften umgegangen wird und einfach in der Öffentlichkeit Alles beschönigt wird.Es ist an der Zeit,daß Mindestzahlen für Pflegekräfte gesetzlich festgeschrieben werden und Zuwiderhandlung finanziell geahndet wird,sonst werden nicht nur Patienten gefährdet,sondern auch das Personal.Ein einziger Skandal!!
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege
Fachgebiet
Ambulante Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkrankenschwester für Anäshesie und Intensivpflege Praxisanleiterin Pflegeexpertin im Schmerzmanagement stellv.PDL
T

traveler

Aktives Mitglied
Basis-Konto
51
Kaufbeuren
0
Aussage des Pflegedirektors:Wir brauchen keine gute Pflege,ausreichende Pflege sei ausreichend,alles andere nicht bezahlbar.
Grundsätzlich ist das ja zunächst mal Richtig und nichts dagegen zu sagen.

Weil ich dies für mich nicht verantworten konnte,bin ich eher zum Dienst gekommen,keine Pause gemacht und später gegangen,weil ich kein schlechtes Gewissen den Patienten gegenüber haben wollte.
Ja - man muss sich ganz klar machen - und genau nur deshalb funktioniert das System!

Diese Anmerkung als Anstoß zum Überlegen nicht als Anklage gemeint, da ja viele so oder ähnlich Mitmachen:
und genau solche MA halten das System aufrecht und Stützen diese Politik, die du und Andere anprangert und als Skandal bezeichnet.

Der Erfolg ist,daß ich nach 41 Jahren in der Pflege arbeitsunfähig kapitulieren musste und berentet werden mußte.
Ich Frage mich immer wieder mein ganzes Berufsleben, wie ich den Anspruch haben kann jemand Anderen gut oder sehr gut Pflegen, wenn ich es schon bei mir selbst nicht schaffe???
Da fällt mir die Frage dazu ein - warum hast es DU soweit kommen lassen?

Warum machst du das so lange mit bis du berentet werden MUSST???
Stellvertretend für viele andere Kollegen, die auch den Umstieg, Absprung nicht schaffen und so lange jammern bis sie nicht mehr können, ohne was zu tun..

Es ist ein Skandal,wie mit Pflegekräften umgegangen wird und einfach in der Öffentlichkeit Alles beschönigt wird.
Es ist ein Skandal, dass dabei viel zu viel PFKs mitmachen.
Es ist ein Skandal, wie PFKs mit sich umgehen lassen - dass ist der größte Skandal.
Es ist ein Skandal, dass nicht wenige mit IHRER Gesundheit solange Raubbau betreiben, bis sie Berentet werden müssen oder im Burnout ausfallen und Anderen dafür die Schuld geben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade aus Richtung dieser Spezies, oft die gröbsten Vorwürfe kommen, wenn man nicht Einspringt oder nicht das Privatleben allem Beruflichen unterordnet.

PFKs werden gesucht wie Gold. Keinem kann was passieren. Eine PFK wird nicht nicht arbeitslos. Stellen wie Sand am Meer. Ist die eine weg, sind die nächsten 10Stellen da.
Wenn wir jetzt nicht den A. in der Hose haben und aufstehen, uns nicht mehr ALLES gefallen lassen, ja wann denn dann?
Nicht mehr einfach mal so einspringen, nur noch gezielt und wenn ich will
Ziele setzen - wie oft springe ich ein im Monat, im Quartal, im halben Jahr, wie viel Mehrarbeitstunden schiebe ich vor mir her
und
wo und wann ist für mich damit Schluss und mach ich das auch rechtzeitig deutlich?
 
Qualifikation
GuK, Lehrer, Sozialbetriebswirt FH
Fachgebiet
Angestellt
P

Putze

Mitglied
Basis-Konto
Ich habe der Klinik den Rücken gekehrt,weil ich das nicht mehr mitmachen wollte.Aber wenn man älter ist und aus gesundheitlichen Gründen keine Nachtdienste mehr machen kann,bekommt man keine Stellen mehr nachgeworfen.Im Klinikbereich gab es keine Chance mehr für mich.Ich wurde nicht einmal mehr zum Vorstellungsgespräch eingeladen.Da nützten mir auch 3 Weiterbildungen nichts.Also blieb nur noch die außerklinische Intenvivpflege.Da war das Desaster genauso,daß permanente Krankenstände aufgefangen werden mußten durch Einspringen im geplanten Frei.Neinsagen wurde nicht akzeptiert,Überstunden verlangt ohne Rücksicht auf Verluste.Man wurde förmlich erpresst.Für die Geschäftsführung galt nur Gewinnoptimierung,und dies habe ich an mehreren Stellen erlebt.Es wird Zeit,daß auch Stellen für Ältere über 50 geschaffen werden,die Einschränkungen haben.Aber Ältere über 50 möchte keiner haben.Nur wer jung und gesund ist,hat die freie Auswahl.
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege
Fachgebiet
Ambulante Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkrankenschwester für Anäshesie und Intensivpflege Praxisanleiterin Pflegeexpertin im Schmerzmanagement stellv.PDL
benny34

benny34

Mitglied
Basis-Konto
102
Wiesbaden
0
Ich habe mir auch immer den Hintern aufgerissen, um meine Kollegen nicht hängen zu lassen und um den Patienten eine qualitativ hochwertige Pflege zu bieten.
Geendet hat das Ganze dann 2014 in einem fetten BurnOut mit komplettem physischen und psychischem Absturz. Bis zu jenem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, daß mir mal sowas passieren würde.
Daran schlossen sich dann 8 Monate mit diversen Therapien und Rehamassnahmen an. Dafür bin ich heute noch dankbar!
Warum?

Weil diese "Auszeit" mit professioneller Unterstützung dafür gesorgt hat, daß ich:
- mich selbst endlich als älterwerdende Pflegekraft wahrnehme (Bj. 1962)
- lernen konnte, mich richtig zu reflektieren, um Überlastungen frühzeitig zu erkennen
- gelernt habe, mein momentanes Empfinden auch meinen Kollegen und Patienten mizuteilen, insbesondere, wenn ich merke, daß ich überlaste

Ein gesunder Blick auf seine eigenen Befindlichkeiten muss da sein, sonst können wir unseren Job nicht mehr machen. Dies müssen aber auch unsere Patienten und Angehörigen mitbekommen. Ich kann nicht zu ihnen sagen "Alles Gut", wenn gerade die Hütte brennt!

Bei uns über 50/55 jährigen beginnt langsam die kritische Phase, wo man schnell in Krankheitszustände rutscht, die dann in Frühberentung führen können. Deshalb sollte man da vorsorgen und mit sich selbst besser umgehen.
 
Qualifikation
Altenpfleger;Fachkrankenpflege Neurologie/Geriatrie
Fachgebiet
Früh-Reha (B,C)
Joan Doe

Joan Doe

Unterstützer/in
Basis-Konto
8
Wolfsburg
0
Bei uns über 50/55 jährigen beginnt langsam die kritische Phase, wo man schnell in Krankheitszustände rutscht, die dann in Frühberentung führen können.
Und das ist das Problem: Die Rente - noch nicht mal eine Teilrente wird einem durch die Rentenversicherung heutzutage nicht mehr nach geworfen wie es noch früher der Fall war.

Heute stehen die auf dem Standpunkt: wenn man noch irgendeine Arbeit tun kann - egal was und wo - dann kriegst du keine ... und finde diese Arbeit erst mal.
Und so lang sitzt du im Alg II (oder bist vom Partner abhängig) - ohne Rente und ohne die Arbeit, die du ja nicht mehr wegen deiner Krankheiten, die du dir dadurch zugezogen hast, durchführen kannst.

Zu krank zum arbeiten, aber zu gesund für die Rente ... :zornig:
 
Qualifikation
Altenpflegerin/Sozial- und Pflegeberater in der Altenhilfe
Fachgebiet
Arbeitsuchend
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.