Und nun?

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neununddreißig

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Hallo,
ich bin neu hier und schreibe direkt das Problem rein, da es sehr an mir knabbert!

Ich betreue z.Zt. eine alte Dame, über 90, durch einen Schlaganfall so gut wie blind! Lebt in ihrer Wohnung, ist geistig "relativ" fit, benötigt einen Rollator. Verlässt die Wohung alleine gar nicht. Sie duscht sich morgens gegen halb 7 alleine. Ich sollte bisher um 8h früh da sein, um ihr beim Frühstück bereiten zu helfen, Waschmaschine anzustellen oder eben die Küche aufzuräumen etc. pp. Abends bin ich um 18h bei ihr um ihr das Abendessen zu bereiten, den Tee, das Kirschkernkissen und die Wärmeflaschen für das Bett fertig zu machen. Und ich leiste ihr daneben auch Gesellschaft. Räume dann die Küche auf und so und gehe nach etwas über 1 Std. wieder. Und das immer - jeden Tag - bis ihr Sohn zurück kommt!

Problem ist: die 1. Woche lief es gut, dann wurde es immer schlimmer! Es vergeht nicht ein Tag, an dem sie nicht meckert! Mal sei ich zu früh da, mal zu spät, dann nicht lang genug, dann dies und dann das! Letzten Sonntag bin ich um viertel vor sechs am Abend da gewesen und sie war total aufgebracht! Schimpfte herum und ging mich an, ich hätte sie 10 Std. alleine da sitzen lassen und sie hätte Hunger - etc. Ich ließ sie erstmal toben und fragte dann vorsichtig nach, was genau jetzt das Problem sei, ich würde nicht ganz verstehen, worum es ihr geht. Ende vom Lied war, sie mochte das Mittagessen auf Rädern nicht und hatte wohl Hunger gelitten - statt sich ein Brot zu machen, wie sie es Nachmittags auch macht!

Gut - ich habe dann versucht, in Ruhe mit ihr zu reden und - keine Chance! Dann wurde ich etwas energischer und wies sie in ihre Schranken! Machte meine Arbeit i.d. Küche und ging danach wieder zu ihr und sprach in Ruhe mit ihr! Danach war es soweit okay! Am nächsten tag war wieder etwas nicht i.O. und ich bekam einen Abriss. Den Tag später lag sie bereits im Bett und hatte sich selber Brot gemacht etc. Gestern auch und heute war sie im WZ im Sessel.

Ich erfuhr dann - nachdem ich wieder angemault wurde, weil ich die Waschmaschine angemacht hatte ohne es ihr zu sagen - daß sie ja eigentlich nicht mit mir warm wird und es nicht wil, daß ich weiterkomme. Es täte ihr schon leid, aber es geht nicht! Da war ich platt!
Ich kenne sie schon Jahre aus Erzählungen, sie ist die Oma meines Schwagers! Sie sagte mir also, sie würde sich vorkommen wie eine Schlampe, ich wäre immer so penibel (ich mache tägl. die Arbeitsflächen sauber i.d. Küche und spüle ihr Geschirr)... naja, und wenn ich Schmutzwäsche sehe, dann stecke ich sie in die Maschine, sammel alles soweit und amche die 1x pro Woche an!)... Letztendlich ist es egal was ich tu, es ist ales falsch!

Meinem Schwager gegenüber erzählt sie das Gegenteil - sie würde prima klarkommen mit mir!
Mir erzählt sie seitfast 4 Wochen fast tägl. abwechselnd, daß sie entweder sterben will oder ins Heim gehen möchte! Mit dem Heim hat sie schon ein paar mal von sich aus bekräftigt! Bei meinem Schwager erzählt sie das Gegenteil!

Sie unterstellt mir neuerdings auch Sachen, die ich nicht gemacht habe!

Naja - heute bat sie mcih dann zu gehen nachdem sie mir mitteilte, daß sie nicht klar kommt mit mir!

Ich rief meinen Schwager an und erzählte dies! Er und ich sind nun völlig ratlos! Sie hat den 4. Essen - auf Rädern - Dienst und meckert. Sie hatte die ambul. Pflege und war nicht zufrieden! Nun bin ich da und sie meckert!
Die Eltern meines Schwagers sind z.Zt. nicht greifbar und haben eh alles in die Hände ihres Sohnes und ihrer Tochter gelegt! Somit sind sie quasi raus!

Eigentlich denke ich, sie vereinsamt dort total, lebt nur noch in Erinnerungen, denkt ab und zu an den Enkel und seine Frau (meine Schwester) und das bald kommende Baby - aber ihr Hauptgedanke ist, daß sie sterben will!

Ich bin schon sooo lange in der Pflege, aber hier komm ich nicht weiter!

Ich habe gesagt, daß ich jetzt mal sehe wie sie die nächsten Tagen so ist! Ich nehme mir eigentlich nichts so zu Herzen, aber ihr Widerwille mir gegenüber ist entäuschend und verletzend, aber sie empfindet es so und ich will ihr nicht zu nahe treten und sie zwingen, mit mir klar zu kommen! Das tut niemanden gut - ... Und nun? Was können wir machen?!
Mein Schwager sagte, dann eben wieder einen Pflegedienst! Und dann?
Mittlerweile wäre ich fast für ein Heim! Weil sie dann auch mal Kontakte haben könnte wenn sie es wollte! Und sie hätte den rundum Service, den sie gerne hätte, den wir ihr nicht bieten können. Ich habe auch 2 kleine Kinder.

Helft mir mal bitte!!!!

LG neunundreißig
 
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Manu123

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Hallo neunundreißig,
du schreibst sehr wenig über die Medikamente, die die alte Dame bekommt. Und wie es mit der ärztlichen Versorgung ist. Könnte es sein, das sie mit ihrer Krankheit nicht klar kommt und vielleicht in eine Depression rutscht oder vielleicht schon mitten drin ist. Dann kann ihr nur ein Arzt helfen.
Ist nur so ein Gedanke der mir beim Lesen in den Kopf schoss keine Diagnose aber eine Überlegung wert.
Viele Grüße
Manu123
 
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Jungsmama4

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Hallo neunundreißig,

ich denke sie kommt damit nicht klar, das sie nun auf andere Menschen angewiesen ist. Ist ja auch nicht so einfach, wenn man ein Leben lang selbständig alles gemacht hat und nun kann man die "einfachsten" Sachen nicht mehr.

Da sie an allem "meckert" glaube ich nicht, dass es etwas mit dir persönlich zu tun hat. Sie kommt einfach mit der Situation nicht klar und würde am liebsten alles selber machen und keine Hilfe in Anspruch nehmen - vielleicht kann oder will sie nicht einsehen, das es ohne leider nicht mehr geht.

Du schreibst sie ist geistig fit und spricht selbst davon in ein Heim gehen zu wollen. Dann setzt euch doch alle mal mit ihr an einen Tisch und redet daüber. Vielleicht hat sie ja schon an ein bestimmtes Heim gedacht?

Ich würde das Gespräch suchen, mit ihr und dem Schwager und auch klar machen, das es so nicht weitergehen kann. Erkläre auch wie du dich dabei fühlst, wie verletzend die Situation für dich ist.

Was mir noch dazu einfällt - hast du schon mal deine Kinder mit zu ihr genommen? Wenn sie sich auf das Baby in der Verwandschaft freut, mag sie bestimmt Kinder. Dann könnte sie doch mit deinen Kids sprechen und du räumst solange die Küche auf. Dann wäre vielleicht ihre Aufmerksamkeit nicht so sehr darauf gerichtet was du machst. - Nur so eine Idee...
 
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stern3007

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Bei Schlaganfallpatienten erfolgt oft eine Persönlichkeitsveränderung, die die von dir genannten Probleme herbeiführen können. Wenn sie wirklich ins Heim will, sollte man ihr das auch ermöglichen. Ihr Verhalten hat sicher nichts konkret mit dir zu tun. Sie drückt damit die Unzufriedenheit über ihren Zustand aus. Manche Menschen tun dies halt in der Weise, dass sie andere verletzen. In der ambulanten Pflege hat man auch immer wieder mit solchen Kandidaten zu tun. Es gibt viele Ansätze, die ggf. eine Lösung herbeiführen könnten. Kann man hier aber schlecht beurteilen, da man dazu den patienten persönlich kennen müßte. Bei Leuten die sich noch rudimentär selbst versorgen können, also Butterbrot schmieren wenn sie Hunger haben, würde ich evtl. auch mal den Einsatz abbrechen, wenn es zu heftig wird. Bei manchen hilft die Erkenntnis, dass man die Hand, die einen versorgt, nicht wegstoßen sollte. Du sagst sie ist geistig relativ fit. Könnten nicht doch dementielle Veränderungen mitspielen? Wäre z.B. die Erklärung warum sie eher Kohldampf schiebt, anstatt sich ein Brot zu machen, wenn ihr das Essen nicht schmeckt. Zum Essen auf Rädern: Also ganz ehrlich, ich kenne keinen Essensdienst, wo das Essen wirklich schmeckt. Ich kann die Patienten schon verstehen, wenn ihnen das nicht gefällt. Gibt es keine Alternative? Bei mir hier im Stadtviertel existiert z.B. ein Metzger, der auch Seniorenessen anbietet und es den Leuten liefert. Einziges Manko: Sa. und So. gibts keine Lieferung und auch keine TK Kost, da immer frisch gekocht wird. Aber da kann man ja auch improvisieren. Auf jeden Fall schmeckt das Essen viel besser, als der übliche Essen auf Rädern Frass.
 
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neununddreißig

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Hallo zurück!

Vielen Dank für eure Antworten!
Also - ich bin ja KS - zur Zeit daheim!

Ja, die Kleine habe ich jeden Morgen dabei. Die Große kommtab und zu am Abend mit, wenn niemand die Kinder übernehmen kann! Das ist nicht so oft der Fall aber so 1x pro Woche! Sie hat 2 Ur - Enkle, die sich aber auch nur selten sehen lassen weil sie mit dem Auto kommen müssten und sie sind noch klein ;-)

Die alte Dame hat nur als Medis ASS, dann ihre Wassertabletten und das war es!

Ich sehe es auch so, daß sie eben viel zu viel Zeit hat sich über alles Gedanken zu machen! Sie lebt nur noch für das Sterben wollen, ist voller Wut ihrem Sohn und der ST gegenüber und alles! Sie weiß, daß wir alle unser Bestes geben und sie betüddeln wo es nur geht! Aber es reicht ihr nicht - nicht, weil sie ösarti ist - sondern weil sie einfach sehr sehr einsam ist! Aber andererseits lehnt sie auch alles ab!

Ich fände das Heim als bessere Alternative wegen der Rund - um - die Uhr - Betreuung ... auch wenn es ja nicht immer alles so toll ist! Aber hier ist ein Heim im Ort, das hat echt einen guten Ruf! Und sie sagte mir immer, sie will ins Heim, redet dann aber bei anderen dagegen!

Nun gut - zusammen gesessen hat man oft genug! Aber niemals kommt was rum! Schlimm! Sie ist total alleine, isoliert bis auf unsere Besuche!
Natürlich ist sie entäuscht und depressiv weil sie auf Hilfe angewiesen ist!
Und seölbstverständlich lasse ich eigentlich alles an mir abprallen - nur, daß mir geradeaus sagte, daß sie mit mir nicht warm wird - unjd mich es auch wirklich so spüren lässt in ihrer Art und Weise - das verletzt mich!
Ich habe lange überlegt und heute für mich den Entschluss festgemacht nachdem sie heute früh wieder echt grantig war, daß ab Montag Schluss ist! Mein Schwager kann das voll verstehen! Er sagte auch, er wird sich am Montag an einen Pflegedienst wenden. Entweder klappt es dann damit - was ich auf Dauer nicht glaube - aber ein Versuch ist es in jedem Fall wert, oder sie wird dann eben in ein Heim gehen müssen! Denn so geht es in keinem Fall weiter!

Es tut mir entsetzlich leid! Aber mein Schwager ist selber sehr krank, geht viel arbeiten, bekommt nun ein Baby mit meiner Schwester - und auf ihn lastet echt alles! Ich wollte ihn so lange unterstützen bis seine Eltern kommen und dann alles "regeln" - ich habe das Gefühl, versagt zu haben!

Danke!

LG neununddreißig!
 
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neununddreißig

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@ stern!

Ja, auch ich kann das mit dem Essen verstehen!

Aber sie hatte als 1. Essen auf Rädern! Fand sie grausam! Dann einen anderen Dienst - das selbe! Dann von einer Metzgerei das Mittagessen - ich fand es super, sie nicht! Jetzt sind wir wieder bei einem EARädern ... und dabei bleibt es nun auch erstmal! Für sie mitkochen ... ja, eigentlich eine gute Idee - aber niemand kann Mittags hin zu ihr, und mit der Mikrowelle kommt sie nicht klar! Der Herd ist "tot", sonst fackelt sie alles ab durch das "BLINDSEIN".

Seltsamerweise kann sie sich immer das Brot selber machen am Nachmittag - es ging nur an dem Tag angeblich nicht! Die ganze Woche über hat sie sich nun aber abends das Brot selber gemacht - ehe ich kam! Da bekommt man das Gefühl, sie macht es "mit Absicht" - wobei ich ich scheue, es so zu sagen! Ich denke eher, eine leichte Demenz ist schon da, aber sie hat eine super Fassade! Und dahinter zu sehen ist schwer!

LG
 
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stern3007

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Das mit Absicht machen ist immer so eine Sache. Natürlich will sie manipulieren, ihren Willen durchsetzen. Ihr Sinn für die Realität ist aber mit Sicherheit verändert, sodaß uns ihre Manipulationsversuche doch sehr befremdlich erscheinen. Auch nach Schlaganfällen gibt es häufig Persönlichkeitsveränderungen. Ehemals friedliche Patienten können teilweise ganz schön aggressiv werden. In meiner 10 jährigen Tätigkeit in der ambulanten Pflege habe ich nur 1 Patientin, bei der ich wirklich sage, dass sie der Teufel in Person ist und das Pflegepersonal bewußt quälen will. Hier weiß ich aber auch, dass sie schon als junge Frau immer ihre Mitmenschen manipulieren wollte und sie grundsätzlich kein Wesen ist, mit dem andere viel zu tun haben wollen. Sie schreckte auch nie davor zurück handgreiflich zu werden. Was sie auch bei meinen Kolleginnen schon gemacht hat. Bei mir traut sie sich das nicht. Ich weiß nicht warum. Allerdings gehe ich auch anders mit ihr um als meine Kollegen. Ich lasse mich nicht von ihr herumkommandieren und verbitte mir ihre Beschimpfungen. Sie reagiert bei mir da sehr positiv darauf. Wenn ich mehrere Tage hintereinander komme, dann weiß sie am 2. Tag, dass sie bei mir mit ihrem Verhalten nicht landen kann und reißt sich zusammen. Ich habe bei ihr auch schon Einsätze abgebrochen. Das brachte immer den besten Effekt. Danach war sie tagelang friedlich. Einsätze abbrechen kann man natürlich nur, wenn sie die Aktivitäten auch selbst durchführen kann. Ich würde niemals einen Einsatz abbrechen, wenn Pat. dann hungern müßte. Es gibt für solche Kandidaten kein Patentrezept. Meist kommt man am besten klar, wenn man die Ohren auf Durchzug stellt. Sollte dich das ganze zu sehr belasten, dann beende den Einsatz dort. Wenn sie wirklich freiwillig ins Heim will, dann sollte man ihr das nicht verwehren. evtl. macht sie deshalb auch das ganze Theater, weil sie sich erhofft, dadurch schneller ins Heim zu kommen.
 
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Krankenschwester
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neununddreißig

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Hallo!

Vielen herzlichen Dank!

ich bin ja auch Krankenschwester und habe u.a. auch fast 10 Jahre in der Altenpflege und in der Geriatrie gearbeitet - von daher sind die "Gepflogenheiten" der älteren Menschen mir nicht fremd ;-)

Nur, weil ich dies jetzt quasi aus Freudlichkeit und um meinen Schwager zu entlasten gemacht habe, wusste ich absolut nicht mehr weiter!

Sie ist prinzipiell eine liebe Frau gewesen - aber sie verändert sich ja schon sehr! Leider negativ! Seit 15 Jahren kümmern sich mein Schwager und meine Schwester um sie! Nun geht es nicht mehr!

Heute früh war sie im Bett und hat geschlafen.
Ich habe dann heute Vormittag erfahren, daß heute um 12h (also jetzt) mein Schwager zusammen mit seiner Schwester dort sind und eine Schwester von einem Pflegedienst. Ab Montag wird also ein 2. Versuch mit einem PD starten! Geht es gut - ist es super - wenn auch das nicht greift, wird sie ins Heim müssen! Das wird ihr heute auch ganz klar so gesagt!

Ich bin froh darum - denn so hat man alles ausprobiert und getan und gemacht und kann nun aber nach insgesamt 15 Jahren sagen: es geht nicht mehr anders, so ist es nun für alle das Beste! Und vor allem mein Schwager kann durchatmen!!!! Und sich endlich auf sein 1. Baby freuen!!!!

Vielen herzlichen Dank!

GlG von 39
 
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