Altenpflege Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

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Mel H.

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Hallo an alle,
mich beschäftigt eine Frage sehr intensiv:
Im Unterricht haben wir eingetrichtert bekommen, nach Bobath zu arbeiten bei Patienten die einen Apoplex hatten und tlw. unter Hemiparese leiden. Außerdem immer Kinästhetik in der Versorgung der Bewohner walten zulassen. So wird unser kompletter Pflegeunterricht aufgebaut in rein pflegerischen Aspekten. Die Lehrer prüfen uns sehr oft praktisch in der Schule darin und das wird oft ein Desaster denn: Wir erlernen z.b. den Schinkengang, gehen kurz danach ins Praktikum und im ersten Unterricht in Pflege wollen die Lehrer dann, dass wie in Gruppen dazu eine benotete Vorführung ablegen.

Nun ja, NIEMAND kann es dann mehr. Warum? Weil in allen Heimen anders gearbeitet wird. Wir versuchen es in die Praxis umzusetzten, werden aber immer herbe "zurecht gestutzt". Es kommen Aussagen wie: "SO mache ich das nie, und ich arbeite seid 20 Jahren in der Pflege. SO dauert das zulange. SO kann das ja nix werden. SO ist es mir zu umständlich." Es gibt IMMER Gründe.
Leider sehen auch viele Pflegefachkräfte nicht, dass es auch für den Bewohner wesentlich angenehmer ist, so versorgt zu werden.
In meinem Heim "geht es noch", da gibt es Kollegen die danach arbeiten, andere widerrum es regelrecht "belächeln." Ich arbeite jedenfalls immer nach den beiden "Methoden" und es hat mir, so komishc es klingt, "Feinde" eingebracht. A la: "Guck mal, die Auszubildende, will uns was erzählen, dabei haben wir vielmehr Erfahrung und Wissen. Soll die erstmal 20 Jahre in der Pflege arbeiten."

Geht es anderen auch so?
 
Qualifikation
Azubi Altenpflege
Fachgebiet
Pflegestift/ schwerstbehinderten Station
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Manu5959

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AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

Hallo Mel H,

ja, es geht anderen auch so :)
Du hast doch sicher eine PA an deiner Seite, wie reagiert diese auf den Transfer Theorie- Praxis?
Manche Koll. erlernen Neues recht schwer bzw. nicht gerne und greifen deshalb gerne auf Altbekanntes zurück.
Selbst kinästhetisches Arbeiten, was nun wirklich eine Erleichterung für PK/ Bew. ist, wird zu wenig angewandt.

Wichtig und richtig ist, dass du dich und dein Handeln immer wieder selbst reflektierst, danach schaust, ob dein Handeln fachlich korrekt ist und Dir und deinem Bewohner gut tut.
Das theoretisch Erlernte in die Praxis umzusetzen, ohne zumindest die Hilfestellung und Unterstützung der PA zu haben, ist schwer, da du immer wieder anecken wirst.
Versuche doch , deiner PA/ WBL/ PDL dein Problem zu erläutern.

Grüßle Manu
 
Qualifikation
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Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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Schokokeks

AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

hallo mel h

es ergeht mir selten so, aber es kommt vor. schade, dass manche kein verständnis für unser neuwissen haben um das gefühl zu entwickeln, "wir gehören jetzt auch mit dazu". dabei finde ich das gerade aus psychologischer sicht sehr wichtig, schüler in ihren aussagen ernst zu nehmen, diese aussagen objektiv genug zu betrachten und ggf zu berichtigen, wenn man unsinn erzählt haben sollte. ich habe gegen kollegen etwas, die jede äußerung eines schülers automatisch als "besserwisserisch" betrachten oder sehr gutes theoretisches wissen so dargestellt wird, dass man dafür aber praktisch ungeeignet sein MUß, da es nicht sein darf, dass man theoretisch und auch praktisch sehr gut ist. vor solchen kollegen zieh dich besser zu deinem eigenen schutz zurück! solche manieren kommen eher weniger von fachkräften, sondern von langjährigen hilfspersonal, weil ja "so eine daher kommt", die ja nicht diese langjährige berufserfahrung HAT und eins auf "ganz schlau" tut.

vorsicht auch mit fachwörtern umsich zu schlagen, wenn personal anwesend ist, die das nicht sofort interpredieren können und sich automatisch dadurch untergraben fühlen! selbst wenn du auch weißt, was dies oder jenes bedeutet, es kommt idr nicht gut an.

meine pdl weiß mein wissen aber sehr zu schätzen und ich kann sagen, meine stationsleitung ist in dieser beziehung sehr kompetent.
 
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Alraune

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AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

Hallo Mel,
also die Diskrepanz zwischen Schule und den Erwartungen am Einsatzplatz gab es glaube ich immer schon. Ich habe 1986 Examen gemacht und auch da saß man als Schüler oft zwischen allen Stühlen.
Es gab sowohl Mitarbeiter auf den Stationen die grundsätzlich alles was von der Schule kam mit größtem Misstrauen beäugten aber auch völlig unrealistische Erwartungen der Schule das dort gelernte eins zu eins im Einsatz umzusetzen. Allerdings wunder ich mich , dass Bobath als neu betrachtet wird. Das Konzept hatte ich schon in meiner Ausbildung und stand dann mit meinem Enthusiasmus dem Problem im Dreibettzimmer mit eingeschobenem 4. Bett wo ohnehin schon kein Durchkommen war, den Nachttisch auf die andere Seite platzieren zu wollen, turnte mit der vollen Waschschüssel herum, stand dann zwar auf der richtigen Seite, hatte aber keinen Platz zum Arbeiten und war ohnehin schon immer im zeitlichen Verzug.



Solche Situationen sind dann glaube ich auch der Punkt, wo es spätestens hakt. Als Schüler fällt es zunächst schwer zu unterscheiden, wo Neuerungen sinnvoll umgesetzt werden können und wo situationsbedingt auch Abstriche gemacht werden können /müssen. Außerdem bist du dort zur Ausbildung und nicht zum reformieren. Den Gedanken Neuerungen über die Schüler einzuführen, finde ich nur begrenzt aussichtsreich und sehr konfliktbehaftet.

Zum einen haben langjährig Pflegende schon vieles kommen und gehen sehen. Manches was zu meiner Schülerzeit gelehrt wurde , gilt jetzt als falsch.
Zum anderen hast du als Schülerin eine Methode in der Regel zwar im Unterricht behandelt und vielleicht auch deinen voll beweglichen Mitschülern geübt, bist aber selber Anfänger und kannst das für und wider noch gar nicht einschätzen geschweige denn Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich sollst du im Einsatz lernen und nicht lehren. Wer will sich schon von einer Anfängerin seine Arbeit erklären lassen.


Für Neuerungen und Verbesserungen gibt es Fortbildungen und Weiterbildungen. Wenn diese am Einsatzort einen gewissen Stellenwert haben, wirst du auch auf Kollegen treffen, die sich für deine Vorschläge interessieren oder sie zum Anlass nehmen , die bisherigen Abläufe zu reflektieren.




Für die Bewohner ist es auch so eine Sache, wenn Schüler ihre Methoden ausprobieren wollen, denn für manch einen mag die Berechenbarkeit und Kontinuität der Pflegeabläufe wichtiger sein als von der Schülerin so und vom Stammpersonal anders mobilisiert zu werden
.
Da bräuchte es eine bessere Kommunikation zwischen Schule und Einsatzort . Wenn eine Einrichtung mit Schülern arbeitet sollte den Verantwortlichen auch klar sein, dass sie einen Ausbildungsauftrag hat , (und nicht nur Arbeitskräfte)und dem aktuellen Pflegewissen gegenüber aufgeschlossen sein. Auch die Schule kann nicht Theorien vermitteln und dann den Schülern aufbürden dafür erst am Einsatzort aus dem Schülerstatus heraus Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.


Gruß
Astrid
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Wohnheim Eingliederungshilfe
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Mel H.

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AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

Ja, es ist sehr schwierig den Spagat zwischen Theorie und Praxis zu finden.
Ich habe es mir von anfang an "verboten", mit Fachausdrücken um mich zu schlagen, wobei ich aber schon nen Kragen kriege wenn eine ex. Krankenschwester nicht einmal das Wort PEG erklären kann und sich aber für DIE Fachkraft überhaupt hält. Ich habe während meines Dienstes in der 1jährigen Ausbildung Abends beim verteilen der Nachtmahlzeit zweimal Bewohner angetroffen, die offensichtlich Wasser in den Beinen hatten, eine hatte Soor. Die Kollegen die vorher drinne waren war "dies nicht aufgefallen." Da frage ich mich...:angry: Ich gehe auch nie los und sage, ICH habe es aber so gelernt, was dann rauskommt kann ich mir ausmalen. Aber ich finde Fachkräfte sollten Professionell sein und den aktuellen Wissenstand eines Schülers anerkennen. Oder natürlich auf Fehler hinweisen. In meiner Einrichtung fehlt da leider der Bezug Schüler/PA. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Fachkräften, die dies tun, ich will hier nicht alle über einen Kamm scheren, das wäre unfair und nicht richtig.

Ich finde es nur für mich persönlich sehr frustierend, denn ich erlerne den Beruf nach den heutigen Stand der Pflegewissenschaften und will dementsprechend bestmöglich pflegen. Auch ich habe vor Beginn der Ausbildungen bereits 6 Jahre als ungelernte Kraft in der Pflege gearbeitet und habe viel gesehen, aber manchmal wird das "aberkannt", leider geht es vielen Klassenkameraden so. :ermm:

Bei mir ist leider das Problem, dass ich nicht wirklich eine PA habe. Keiner fühlte sich zuständig, ich habe mich in der 1jährigen Ausbildung "durchgefragt" bei Kollegen wenn ich was nicht wusste.

Jemand schrieb hier, dass oft ungelernte Hilfskräfte Schüler belächeln ect., das habe ich auch erlebt, das stimmt.
 
Qualifikation
Azubi Altenpflege
Fachgebiet
Pflegestift/ schwerstbehinderten Station
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Mel H.

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AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

ich habe gegen kollegen etwas, die jede äußerung eines schülers automatisch als "besserwisserisch" betrachten oder sehr gutes theoretisches wissen so dargestellt wird, dass man dafür aber praktisch ungeeignet sein MUß, da es nicht sein darf, dass man theoretisch und auch praktisch sehr gut ist. vor solchen kollegen zieh dich besser zu deinem eigenen schutz zurück!
Da stimme ich dir vollends zu, das passiert leider oft - solche Meinungen sind (warum?) weit verbreitet.
 
Qualifikation
Azubi Altenpflege
Fachgebiet
Pflegestift/ schwerstbehinderten Station
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Rixte

AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

Solche Situationen sind dann glaube ich auch der Punkt, wo es spätestens hakt. Als Schüler fällt es zunächst schwer zu unterscheiden, wo Neuerungen sinnvoll umgesetzt werden können und wo situationsbedingt auch Abstriche gemacht werden können /müssen. Außerdem bist du dort zur Ausbildung und nicht zum reformieren. Den Gedanken Neuerungen über die Schüler einzuführen, finde ich nur begrenzt aussichtsreich und sehr konfliktbehaftet…………

……………..Schließlich sollst du im Einsatz lernen und nicht lehren. Wer will sich schon von einer Anfängerin seine Arbeit erklären lassen.

Astrid
Ich zum Beispiel.:eek:riginal:

Ich finde es sehr interessant mit Auszubildende zu arbeiten. Neues zu erfahren und meine Erfahrung weiter zu geben.

Nächstes Jahr habe ich 40 Jahre hinter mir und bin immer gut damit gefahren. So bleibe ich auf den neusten Stand. Nicht alles was neu ist, ist schlecht, genauso wie umgekehrt. In den 40 Jahren war vieles verpönt und dann wieder ganz aktuell.

Ich muss nicht immer alles gut finden, aber es gibt Diskussionsgrundlage.
Ich bin auf Grund meiner Erfahrung in der Lage, kurz zu erklären warum dieses oder jenes nicht auf dieser Station umzusetzen ist.
Genauso kann ich erklären, warum wir es so machen, wie wir es machen.

Das Theorie und Praxis häufig auseinander driftet ist allen bekannt, auch den meisten Auszubildenden.

Seid doch froh, wenn motivierte junge Menschen zur Arbeit kommen und das Erlernte umsetzen wollen. Dafür ist die Ausbildung da. Wo sollen sie denn sonst Erfahrung sammeln, wenn nicht im praktischen Einsatz?

:ironie:Aber Auszubildende sind doch Lückenfüller des Dienstplanes und haben zu funktionieren und um Gotteswillen bloß nicht den Pflegealltag stören. Ältere könnten zum Denken angeregt werden. Und müssten hinterfragen, was sie eigentlich da machen.

Was sollen denn die Auszubildenden lernen von Mitarbeitern, die nur den Spruch bringen, dass machen wir schon seit 20 Jahren so ????

Was speziell Bobath betrifft.
Ich habe damit meine Bandscheibenvorfälle in den Griff bekommen, durch konsequentes Arbeiten danach.(arbeite mit Schwerstpflegefälle)

Am Anfang ist jeder langsam, es muss zu viel über die einzelnen Griffe nachgedacht werden, aber mit der Zeit ist jeder fast genauso schnell, wie die anderen, mit dem Vorteil, dass der Pat meistens nach der guten Lagerung viel länger ruhiger ist und besser liegt.

Es ist Übrigends ein Konzept und verändert sich, so dass das Erlernte von vor ein paar Jahren heute schon überholt ein kann.

:thumbs:An alle Auszubildenden, nehmt mit aus der Praxis, was ihr gebrauchen könnt. Haltete auch mal den Mund, wenn solche Sprüche kommen. Leider seid ihr abhängig durch Zeugnisse,
Aber wenn das Examen in der Tasche ist, verhaltet euch anders den Auszubildenden gegenüber. Nur so kann etwas geändert werden. AMEN Grins

Rixte
 
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Rixte

AW: Umsetzung von Bobath und Kinästhetik

Da bräuchte es eine bessere Kommunikation zwischen Schule und Einsatzort . Wenn eine Einrichtung mit Schülern arbeitet sollte den Verantwortlichen auch klar sein, dass sie einen Ausbildungsauftrag hat , (und nicht nur Arbeitskräfte)und dem aktuellen Pflegewissen gegenüber aufgeschlossen sein. Auch die Schule kann nicht Theorien vermitteln und dann den Schülern aufbürden dafür erst am Einsatzort aus dem Schülerstatus heraus Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.
Gruß
Astrid
Dem kann ich nur beipflichten- :super:
Astrid, das darüber Geschriebene war nicht auf dich gemünzt. Du scheinst dich damit auseinander zu setzen.
LG
Rixte
 
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