Intensiv Umgang mit Sterbenden - Praxis

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N

NeuroNurse

Mitglied
Basis-Konto
11.02.2005
49090
Hallo!
Ich habe diesen Beitrag bewusst NICHT unter das Thema Palliativ - / Hospizpflege gestellt.
Ich würde gerne wissen, wie ihr in der Praxis mit Patienten, die versterben, umgeht.
Ich beziehe damit nicht auf Patienten, die über kurz oder lang an bereits diagnostizierten Erkrankungen mit infauster Prognose versterben werden, z.B. CA - Patienten und somit "Zielgruppe" der Palliativpflege sind.
In meinem Bereich (Stroke Unit) kommt es immer wieder vor,das zuvor selbständige,"gesunde" Patienten schwer erkrankt sind (z.B. Massenblutungen oderTerritorialinfarkte).
Bis zur Sicherung der Diagnose mittels MRT oder CT - Kontrolle wird der Patient häufig zunächstmal,z T. schon mit Schnappatmung auf der Station eintreffend, an den Monitor angeschlossen ( - für mich schon fragwürdig).
Wenn dann feststeht,das der Patient das akute Ereignis wohl nicht überleben wird, wird der Patient - wenn möglich (!) - in ein angemessenes Zimmer ohne Monitor verlegt und hier beginnt mein eigentliches Problem....
Der Patient wird Sterben - der Sterbeprozeß hat quasi eingesetzt.Wie wird er jetzt gepflegt?
Gibt es irgendwo Leitlinien bzgl. bedarforientierter Pflege?
Wie steht es mit Infusionen? Hatte kürzlich den Fall, das unsere Ärzte meinten, sie könnten die Patientin nicht verdursten lassen und Infusionen angeordnet haben, mit dem Ergebnis, das die Patientin überwässerte und ausgeschwemmt wurde, danach wieder Infusionen, wieder Lasix.....
Gibt es etwas Schriftliches zu diesem Thema?Auch über so etwas wie Durstgefühl eines Sterbenden?
Wie schaut es mit Absaugen aus, Erleichterung oder ein letztes Quälen?
Hilft es uns, die rasselnde Atmung besser zu ertragen - oder hilft es dem Patienten...
Wie wird dieses Thema bei euch gehandhabt???
Gruss NeuroNurse
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Stroke Unit
G

Glücksstern

Hallo NeuroNurse!
UE Sterben

Hier findest Du vielleicht das was Du suchst.
Gruß Glücksstern
 
M

Manu5959

Aktives Mitglied
Basis-Konto
19.10.2005
Rosenheim
Hallo,

@ Glücksstern: Danke für den Link:grin:

@ Neuronurse: Der Link von Glücksstern ist sehr aufschlussreich, erspart viel Geschreibsle:eek:riginal: ! Ich finde es super, das du dir über dieses Thema so intensive Gedanken machst!:thumbs:

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
HL2917

HL2917

Mitglied
Basis-Konto
19.09.2005
Hallo,

es sollten sicherlich verschiedene Dinge getan werden, damit der Patient nicht leiden muss. Also die notwendige Flüssgkeitszufuhr ausrechnen sollte nicht zu schwer sein (hautfalten, Schleimhäute beobachten etc), und etwas Flüssigkeit tut auch einem Sterbenden gut. Flüssigkeiten ableiten wenn davon auszugehen ist, dass die Blase etc. voll ist. Schmerzmittel wenn davon auszugehen ist, dass er Schmerzen hat, absaugen wenn es so klingt als wüde er leiden - erstmal oberflächlich.
Angenehme Atmosphäre schaffen mit Licht, Geräuschen, angenehme Lagerung........
Tut was ihr meint was Euch in der Situation gut täte.
Fachlinks habe ich gerade keine.......

Gruss Pflegeexpertise
 
Qualifikation
Pflegende, Gesundheitswissenschaftlerin
Fachgebiet
Rehabilitation, Psychiatrie
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo Neuronurse,

ich sehe das auch so wie Pflegeexpertise. Wenn der Prozess des Sterbens eingesetzt hat, weiß man aber noch lange nicht wie lange es dauert. Ich habe oft erlebt, dass man dachte "das geht maximal noch 1 Tag" und dann hat es aber 3 Wochen gedauert. Ich finde ein sterbender Mensch sollte so lange wie ein Mensch behandelt werden, bis er verstorben ist. Ein Mensch hat Durst auch wenn die Körperfunktionen zentralisiert sind und man kann mit Einfuhr und Ausfuhrkontrollle die Flüssigkeitszufuhr abschätzen.
Allgemein wurden mit zehn Studien in der Palliativmedizin mit insgesamt 12438 Patienten folgende quälende Symptome nach ihrer Häufigkeit geordnet.
- Schmerzen
- Mundtrockenheit
- Anorexie
- Schwäche
- Obstipation
- Atemnot
- Übelkeit
- Schlaflosigkeit
- Schwitzen
- Schluckbeschwerden
- Harnretention, Dysurie, Pollakisurie
- Agitiertheit, Verwirrtheit, Krämpfe, Schwindel, Tremor
- Erbrechen
- Juckreiz, allergische Reaktionen
- Dyspepsie
- Diarrhö
Nur eine wirksame und konsequente Behandlung quälender Symptome ist die wesentlichste Vorraussetzung, dass der Patient sein Sterben annehmen kann. Durch Gespräche weden die Patienten psychisch entlastet und allein die Angst auszusprechen reduziert die Angst in einer Situation unaussprechlicher Not.
Ich hatt einen Patientenden den ich regelmäßig abgesaugt habe(Lungenfibrose im Endstadium). In der Nacht hat er 2 stündlich geklingelt. Er hatte trotz dass ich sehr behutsam vorging LA benutzt habe usw. furchtbare Schmerzen beim Absaugen. Ich habe ihn gefragt ob die Häufigkeit wirklich notwendig sei, weil die Trachea schon ganz wund sei? Er sagte mir " Ich halte es so lange aus wie es geht, weil die Schmerzen beim Absaugen so stark sind, aber wenn ich an einem gewissen Punkt angekommen bin habe ich das Gefühl mir drückt jemand den Kopf unter Wasser und das ist viel schlimmer als die Schmerzen." Dieses Bild ist mir immer in Erinnerung geblieben.
Gruß Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
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26.09.2005
Bonn
" Ich halte es so lange aus wie es geht, weil die Schmerzen beim Absaugen so stark sind, aber wenn ich an einem gewissen Punkt angekommen bin habe ich das Gefühl mir drückt jemand den Kopf unter Wasser und das ist viel schlimmer als die Schmerzen." Dieses Bild ist mir immer in Erinnerung geblieben.
Gruß Sabine
Wohl dem, dessen Patient so genaue Auskunft geben kann; daran kann man sich orientieren.

Häufiger ist wohl die Situation, dass man den "mutmaßlichen Willen" abschäzten muss .... und DAS ist, was Probleme bereitet.

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
RECHT HAST DU !!!!!
aber vielleicht kann die Aussage eines Patienten, der über eine solche Situation Auskunft geben konnte, bei einer Abwägung um die Lebensqualität hilfreich sein, wenn man die Situation eines Patienten einschätzen muss der das nicht mehr kann.
Für mich war das in soweit hilfreich, dass ich in meiner Abschätzung immer die Möglichkeit in Betracht gezogen habe, dass das Absaugen vielleicht nicht nur Quälerei sondern vielleicht auch Erleichterung bedeuten kann.
Gruß Sabine
 
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Berufliche Schule
Weiterbildungen
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Sahawe

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Aktives Mitglied
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Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
G

Glücksstern

Hallo Sabine!
Sehr interessante Seite :thumbsup:
Liebe Grüße Glücksstern
 
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Danke Glücksstern,
Gehört zwar nicht zum Thema und bin erst kürzlich für meine Abschweifungen gerügt worden, aber hast du beim 2. Link mal auf die Rubrik Fachberufe geklickt. Finde ich auch ganz interessant.
Liebe Grüße Sabine
 
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05.07.2001
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