Intensiv Umgang mit Explantation, eigene Gefuehle dabei

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S

sandra174

Neues Mitglied
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10.10.2007
93053
Hallo Zusammen,

nachdem ich noch keinen Beitrag zu diesem Thema gefunden habe wuerde ich gerne wissen wie eure Erfahrungen dabei sind.
Ich habe vor ein paar Tagen einen 17jaehrigen nach Verkehrsunfall betreut, der im Laufe meiner Dienste fuer Hirntod erklaert wurde. Daraufhin habe ich Ihn bzw. seine Organe "weiterbetreut" bis ich Ihn in den OP bringen "durfte".
Gerade der letzte Teil ist mir dabei sehr schwer gefallen, wahrscheinlich auch weil er einfach noch so jung war.
Wie geht Ihr damit um? Was habt Ihr fuer Erfahrungen gesammelt?

Lg Sandra
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Intensivstation
UniVR

UniVR

Mitglied
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22.01.2007
39010
Hallo Sandra.
Ich kann mir vorstellen, das diese Situation schwer auszuhalten ist fuer dich.
Ich betreue regelmaessig Patienten in der Explantationsphase und auf dem Weg dorthin, und ich habe mir angewoehnt, sie nicht anders als alle anderen Patienten auf meiner Station zu sehen. Der Umgang mit den Angehoerigen ist schwer, aber er gehoert zu unserer Arbeit, wie der Tod zum Leben dazugehoert. Und genau das ist meine Maxime in diesem Moment.
Das alles hilft dir vielleicht nicht, aber so geht es mir bei der Pflege von Organspendern.
Gruesse aus den Bergen
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger fuer Intensivpflege und Anaesthesie
Fachgebiet
Universitätsdozent für Krankenpflege
M

matras

Hallo Sandra, aber auch alle anderen die das Thema betrifft!

Finde ich sehr gut, dass diese Problematik endlich angesprochen wird. Auch ich war jahrelang davon betroffen (20 Jahre OP-Dienst), teils junge teils ältere Patienten "auszuschlachten". Besonders wenn man eine ganze Nacht damit zugebracht, hat verwertbare Organe zu "gewinnen" und mit der Müdigkeit zusammen in Depression zu verfallen, konnte der Situation nichts - aber auch gar nichts Gutes abgewonnen werden! Es ist nicht eigentlich unser Ziel unsere Mit-Menschen, auch wenn sie prognostisch infaust sind und "angeblich" nichts mehr mitbekommen, von Leben in den Tod zu helfen....

- Aber, wo Schatten da auch Licht - der Tod gehört zum Leben. Er ist unvermeidlich und begleitet uns vom ersten Atemzug. Der ultimative Abschied.... ist es da nicht tröstlich, wenn ein Teil von mir (meinem Freund, Freundin, Angehörigen etc.) in einem anderen Menschen "weiterlebt" und dessen Leben angenehmer "lebenswerter" oder einfach "möglich" macht? Sicher kann das nicht den Schmerz nehmen, den man erleidet, wenn man einen lieben Mitmenschen verliert. - Aber vielleicht doch ein wenig lindern, wenn man "erkennt", dass der Tod nicht ganz so "sinnlos" war?

Sind vielleich ein paar zu viele " - aber mir haben solche Gedanken geholfen. Als ich zum ersten mal in einer solchen Situation war, gabs noch keine Internetforen um sich auszutauschen. Die Kollegen konnten sich nicht immer auf die Gefühle derer einstellen, die ein solche Situation erlebt haben. - und überhaupt, Gefühle hat man (Mann nicht) aber sprechen, nein darüber sprechen, das geht nicht.....

Tauscht Euch aus, wenn Euch was berührt, kränkt, irritiert oder sonstwie beschäftigt. Nur durch den Austausch und die Erfahrung anderer, können solche belastenden Ereignisse aufgearbeitet werden! Allein, dass wir merken nicht allein zu sein, dass noch andere da sind die so ähnlich fühlen oder leiden wir wir hilft schon ein wenig!

Mitfühlende Grüße Matras
 
S

sandra174

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
10.10.2007
93053
Hallo Ihr 2,
vielen Dank fuer eure lieben Anworten, ich bin froh dass es nicht nur mir allein so geht. Mit ein paar Tagen abstand dazwischen habe ich das alles auch schon besser verarbeitet. Das war nun mal eine Situation vor der ich immer etwas Angst hatte, und auf einmal steckte ich mittendrin, und wie Matras schon gesagt hat, im Nachtdienst geht einem das nochmal viel naeher durch den ganzen Schlafmangel.
Ich wuensche Euch eine schoene Woche,

Gruesse Sandra
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Intensivstation
XEQTR

XEQTR

Neues Mitglied
Basis-Konto
15.11.2007
47906
Hallo Sandra :)
Ich denke nicht, dass es ein bestimmtes "Schema" gibt, dass man sich aneigenen kann, um mit diesen Situationen umzugehen. Vielmehr denke ich, dass eine gewisse Emotionalität durchaus angemessen ist. Einer meiner ersten Patienten, die ich auf der neurochir. Intensivstation organprotektiv betreut habe, war ebenfalls ein 17-jähriger Junge mit SHT schwerster Ausprägung bei Z.n. Verkehrsunfall. Auch für mich war es im ersten Moment schwierig, mit dieser Situation umzugehen und ich habe mich mit erfahrenen Kollegen darüber ausgetauscht. Als dann nach ein paar Wochen ein Brief von der DSO über die Verwendung der entnommenen Organe kam, fühlte ich mich schon etwas besser. Es machte die geleistete Arbeit im Nachhinein sinnvoll :) Letztendlich denke ich, dass es bei unserer Arbeit wichtig ist, dass man sich immer eine gedankliche "Waagschale" vor Augen führt...auf der einen Seite die positiven, auf der anderen die negativen Momente in unserem Beruf. So bleibe ich im "Gleichgewicht" :)

Ich wünsche dir weiterhin eine schöne Zeit :)

Liebe Grüße vom Niederrhein

Der Chris
 
Qualifikation
staatl. exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
Dialyse
D

dr.poops

Wir haben vor kurzem eine Frau betreut, die an den Folgen eines massiven Hirnödems verstarb - im Vorfeld stimmten die Angehörigen einer Organentnahme zu. Es war ein ganz merkwürdiges Gefühl, eine im Grunde Tote zu pflegen. Ich fand es ganz dann ganz erleichternd, als der Kollege, der diese Frau betreut hat, meinte, das sei ihm alles unheimlich und es ginge ihm an die Nieren. Erleichternd deshalb, weil auch auf unserer Station die Männer oftmals "ganz cool" sind und lieber nicht darüber sprechen, wie es ihnen in einer solchen Pflegesituation geht. Das war in dieser Situation anders und wir haben die Betreuung gut aufgeteilt, damit sich nicht immer dieselben KollegInnen mit diesen Gefühlen herumquälen müssen.

 
barnsi69

barnsi69

Mitglied
Basis-Konto
21.09.2007
90471
hi leute!

hatte diese situation bisher erst ein mal, als ich als Schüler auf Intensiv war.
Habe dort einen hirntoten noch 3 oder 4 Tage lang gepflegt. Aüßerlich unterschied er sich eigentlich nicht von jedem anderen beatmeten Patienten aber etwas seltsam war das trotzdem. Als dann aber die Explantation stattfand und wir einige Tage später auch eine Mitteilung über den Verlauf der Transplantierten Organe bekamen, in der auch stand wie die Organe funktionieren, welche Diagnose die Menschen hatten, welche die Organe erhalten haben und wie lange sie schon darauf gewartet haben, war das ein sehr gutes Gefühl dabei mitgeholfen zu haben.

Hab mir dannach jedenfalls nen Organspendeausweis geholt und würde das auch jedem anderen ans Herz legen.

Viele Grüße
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Internistische Intensivstation
Pflegeboard.de

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05.07.2001
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