Umgang mit ESBL

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K

Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Bekommen demnächst Bewohner aus KH zurück der ESBL hat. Bevor ich mich als Hygienebeauftragte mit Gesundheitsamt und Fa. Ecolab in Verbindung setzt um Hygienemaßnahmen zu besprechen würde ich gerne mal Erfahrungswerte von anderen hören. Wer hat schon mal damit zu tun gehabt? Stimmt es, daß Vorgehen ähnlich wie bei MRSA ist? Nasen-Rachenraum soll nicht besiedelt sein. Mehr weiß ich im Augenblick noch nicht. Vielen Dank im Voraus


der Kaffetrinker
 
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T

Tinimaus

Hi
also wir isolieren sicher zu vorsichtig aber wir sind eine operative ITS und da sind unsere Docs sehr vorsichtig wegen Wunden usw
Wir isolieren folgendermassen: Handschuhe, Mundschutz, Haube, Schutzkittel wie im OP.
Schau mal unter www.medizin.uni-tuebingen.de/mikrobiologie/Hygieneplan

LG Tini
 
A

Ameise

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Hallo Tinimaus - der Link geht bei mir nicht auf.

Hallo Kaffetrinker,

der ESBL ist etwas anders gelagert als der MRSA. Beim ESBL kommt es immer darauf an wo er sich angesiedelt hat. Man kann ihn auch nicht durch Antibiotika oder Waschen des Patienten / Sanieren des Patienten / oder Bewohners wegbekommen. Meistens hilft nur Antibiotika absetzen und abwarten.
Als Standard gelten hier im Heim und auch zu Hause die Basishygienemaßnahmen. Also normale mitteleuropäische Toilettenhygiene, Händehygiene und alles was so an Vorsorgemaßnahmen greift. Achtung bei Versorgung der Wunden, der Drainagen und was sonst noch so am Bewohner zu finden ist. Etwas anderes ist es, wenn der ESBL im Tracheostoma zu finden ist, oder beim beatmeten Bewohner, oder im Nasen/Rachenraum. Das scheint aber nicht zu sein.
Wie alle anderen Keime auch (jedenfalls die meisten) kann dieser durch Kontakte weitergegen werden. Daraus folgt: Desinfektionsmittel helfen und Schutzhandschuhe schützen.

Ich hoffe ich konnte etwas helfen. Am besten Du erstellt gleich passend für das Thema ein Merkblatt für euer Heim (oder lässt es von der Hygienebeauftragten erstellen). Dann ist beim nächsten Fall alles etwas klarer.

Gruß Ameise

.... frisch erholt und braungebrannt aus dem Urlaub.
 
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K

Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Hallo Tinnimaus,
der im Link angegebene Hygieneplan war schon im Vorfeld meine einzige Informationsquelle. Hatte ihn schon vor einiger Zeit von meiner Heimleitung als allgemeine Info erhalten. Ob er auch in NRW gültig ist, läßt sich wohl nur durch eine Anfrage beim hiesigen Gesundheitsamt klären. Hygienemaßnahmen scheinen mir sehr denen bei MRSA zu ähneln. Vielen Dank für Deine Hilfe.
 
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Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Guten Morgen Ameise,
der Grund für meine Anfrage war, das ich die Hygienebeauftragte in unserem Hause bin und demzufolge genau das von Dir empfohlenen Arbeitspapier fürs Hygienehandbuch zu verfassen habe. Link ging bei mir ebenfalls nicht auf, hatte das Papier jedoch als bisher einzige Informationsquelle bereits vorliegen. Da die Basis für meine jetzige Tätigkeit aus nur 3 Tagen Fortbildung bestand, fallen mir solche Dinge mangels Grundkenntnissen immer noch sehr schwer. Dazu kommt, daß Auskünfte des Gesundheits- amtes nicht immer konform mit RKI sind.

Lb. Grüße
 
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T

Tinimaus

Hallo Kaffeetrinker,
habe noch einen Link gefunden... DGHM
Bei uns ist es auch sehr schwierig immer eine gültige Richtlinie zu finden ( ZB bei unserem creutzfeld jacob Patienten...)
Mir würde ansonsten nur noch einfallen eine grosse Klinik in deiner Nähe einfach mal anzuschreiben per mail und fragen ob die was haben... Oder das KH aus dem der Patient kommt...
Wünsche dir viel Glück!!!!:thumbsup2:
LG Tini
 
A

Ameise

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Guten Morgen Ameise,
der Grund für meine Anfrage war, das ich die Hygienebeauftragte in unserem Hause bin
Hopsa
habe ich doch übersehen - sorry.:rotwerd:

Mittlerweile müsste der Bewohner ja angekommen sein - wo sitzt denn nun der ESBL und welcher Keim ist es?
Ich schaue nochmals meine Unterlagen durch - ich bin mir sicher schon mal einen Hygienestandard zum ESBL geschrieben zu haben. Sobald ich den gefunden habe melde ich mich nochmal.

Gruß Ameise

.... wieder ganz fleißig im Blätterwald stapeln.
 
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K

Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Hallo, Rixte
Danke für die Links.Waren sehr hilfreich. Lt. unserem hiesigem Gesundheitsamt soll ich Hygienestandard wie für MRSA schreiben. Mache ich am Wochenende. Bis dann mal
 
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K

Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Guten Morgen Ameise
Bewohner ist noch nicht da. Mit Entlassung ist jedoch täglich zu rechnen. Der Keim soll in der Blase sitzen. Genauere Bezeichnung wußte man nicht. Es sollen zwei Abstriche gemacht worden sein, die beide negativ gewesen wären. Selbst diese knappen Infos waren nur sehr umständlich zu bekommen. Kein Anwesender wußte so richtig Bescheid da Sr. in der Pause, in Urlaub, beschäftigt, neu ec und Arzt nicht zu sprechen war. Aber bin mit eurer Hilfe glaub ich ganz gut versorgt.
DANKE
 
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M

matras

Hallo,

ESBL bedeutet "extendet spektrum betalaktamse" bildender Keim, das heißt die Keime sind in der Lage ein bestimmte Enzym zu bilden das den Laktamasering der Antibiotika zu zerstören. Das bedeutet, dass Antibiotika die auf dieser Grundstruktur basieren, unwirksam gemacht werden. Das allein sagt überhaupt nichts über das Geschehen oder die Gefährlichkeit aus. Meist handelt es sich bei den ESBL-bildenenden Keimen um Escherichia coli oder um Klebsiellen. Aber auch damit ist nichts über notwendige Vorsichtsmaßnahmen abzuleiten, diese ergeben sich ausschliesslich durch die Lokalisation der Infektion/Kolonisation. Im beschriebene Fall (vermutlich HWI oder Besiedlung bei Kolonizahl unter 100000 KBE) ist wenn der Patientent kontinent oder ein suffizient dichtes Harnableitungssystem trägt, ist nichts zu befürchten. Außer den Standardhygienemaßnahmen ist nichts zu beachten. Leidet der Patient an einer Wundinfektion die nicht den Verband durchnässt oder gar Vakuumversiegelt ist, ist ebenfalls nicht zu befürchten, außer beim Verbandswechsel auf die üblichen Standardhygiene zu achten. Nur wenn durch die Art der Infektion/Kolonisation eine Verbreitung zu befürchten ist, müssen bestimmte abgestufte Vorsichtsmassregeln beachtet werden. Trägt der Patient beispielsweise den Keim im Nasen-Rachen-Raum und leidet an einer Erkältung, so sind infektiöse Aerosole zu befürchten. So kann ein solcher Patient nicht mit einem Mitpatienten mit offenen Wunden zusammen wohnen. Grundsatz ist: im Krankenhaus muss vorsichtiger verfahren werden als in Heimen. Das soll heissen, nicht immer muss im Heim isoliert werden. Es muss hier sehr sorgfälitg abgewogen werden inwieweit die Isolierung mehr schadet als nützt.

Also wenn noch Fragen bestehen, gerne gehen ich darau ein
Matthias
 
K

Kaffeetrinker

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01.07.2007
44532
Bewohner leider im Kh verstorben. Nichtsdestotrotz vielen Dank an alle Helfer.
Falls wir noch einmal so einen Bewohner mit der Erkrankung bekommen sollten, bin ich dank eurer Unterstützung zumindest schon mal im Vorfeld relativ gut informiert.Die Erklärung von Matras war für mich sehr gut verständlich, was ich von vielen Seiten in Fachjournalen, RKI ec. nicht behaupten kann. DANKE

Bis dann mal
 
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Altenheim
N

Neuro

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06.07.2007
4020
Hallo Kaffeetrinker!

Ich bin in unserer Klinik ebenfalls für die Hygiene zuständig und weiß all zu gut, dass diese Arbeit sehr mühsam ist und die Informationsgewinnung teilweise schwierig (oft ist ein und das selbe Thema so unterschiedlich aufbereitet).

Eine ev. noch hilfreiche Internetadresse wäre:
swiss-noso (SwissNOSO)

Falls der ESBL Keim im Harntraktbereich sitzt, dann würde ich als Hygienemaßnahme folgendes vorschlagen:
1.) Bei der Körperpflege ev. eine Einmalschürze zu tragen
2.) WC-Brille nach jedem WC-Gang mit einem Flächendesinfektionsmittel
mittels Wischdesinfektion zu desinfizieren (z.B.: Mikrozid AF liquid)
3.) Einmalhandschuhe des Pflegepersonals, wenn Bew. Hilfe bei WC-Gang
benötigt --> ist ja fast selbstverständlich
4.) Bew. zur Händehygiene anleiten


LG Neuro
 
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester
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Rehabilitation
M

Micheline

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01.08.2007
08132
...wir haben eine Bewohnerin, wo der Keim in der Trachea ist...muss man da noch was anderes beachten...und wie merkt man als Personal, ob eine Ansteckung erfolgt ist, nur durch einen Abstrich oder noch durch anderes??? michi
 
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Altenpflegerin
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Pflegeheim Jakobushaus Mülsen
A

Ameise

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wie merkt man als Personal, ob eine Ansteckung erfolgt ist, nur durch einen Abstrich oder noch durch anderes???
Hallo Micheline,

leider merkt man es gar nicht. Ansteckung ist wie bei den ganzen anderen Keimen auch, der eine braucht uns als Wirt, der andere muss in den Magen, der nächste macht Schnupfen usw.usf.
Lies nochmal was Matras geschrieben hat, das erklärt gut.

Der ESBL ist da, kann Entzündungen machen, muss aber nicht. Er reagiert auf Antibiotika, indem er diese spaltet, sich das Enzym raussucht um damit sich und andere Keime zu manipulieren (hört sich etwas nach Utopie an - aber so ähnlich läuft das). Er kann verschwinden, wenn man ihm die Nahrung wegnimmt - das Antibiotika.

So nun noch zum
wir haben eine Bewohnerin, wo der Keim in der Trachea ist
Da müssen die Mitbewohner und das Personal vor dem Trachealsekret dieser Bewohnerin geschützt werden. Schutzmaßnahmen sind Mund/Nasenschutz für das Personal wenn mit dem Verspritzen von Flüssigkeiten zu rechnen ist, Bew. Taschentücher nutzen (diese nur einmalig nutzen), Hand vor den Mund Halten beim Husten und Nießen (besser Taschentuch), danach Händehygiene, Möglichst nicht diese Bewohnerin mit jemanden zusammen im Zimmer wohnen lassen, wenn der andere PEG; offene Hautsstelllen, Wunden, Drainagen, Katheter oder ähnliches hat.

Gruß Ameise

.. wieder aufgetaucht
 
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Neuro

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06.07.2007
4020
Hallo Kollegen!

Ich arbeite in einem Reha-Zentrum für Neuro/Ortho. Es gibt verschiedene Therapieformen bei uns - unter anderem Kochgruppe.
Meine Frage:
Pat. ist ESBL Keim pos. bzw. MRSA pos. welche Lokalisation gilt als Kontraindikation.
Bei ESBL bzw. MRSA im Harn würde ich mir nichts denken, weil sowie so Händehygiene erforderlich ist.

Bzw. gibt es andere Therapieformen, z.B.: Wassertherapie, wo diese Diagnose kontraindiziert ist.

Danke für eure mithilfe im vorhinein
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester
Fachgebiet
Rehabilitation
M

matras

Hallo,

es ist grundsätzlich mit ESBL-Keimen (im wesentlichen Escherichia coli und Klebsiella spp.) kaum anders als mit MRSA. Der zündende Unterschied ist jedoch, daß der ESBL nicht so einfach die Haut besiedelt, sondern insbesondere sein "natürliches" Habitat - den Darm. Von dort aus ist er in der Lage verschiedene (endogene) Infektionen (Harnwegsinfekte, Bronchitits, Tracheitis, Pneumonien) zu verursachen. Für die Prävention ist diese Wissen notwendig, da sich daraus die Massnahmen ableiten, die ein Weiterverbreiten verhindern. Im Regelfall reicht die hygienischen Händedesinfektion, nur wenn durch Husten, Schnupfen oder Absaugen bei entsprechender Besiedlung/Infektion das Entstehen von infektiösen Aerosolen zu befürchten ist, müssen dagegengerichtete Massnahmen ergriffen werden: chirugischer Mundschutz, Schutzbrille oder geschlossenen Absaugsysteme sollten dann zum Eigenschutz eingesetzt werden.

Sonst, wie gesagt genügt Kontaminationsschutz und hygienische Händedesinfektion.

OK- bei Unklarheiten einfach nachfragen. Matras
 
Medea59

Medea59

Neues Mitglied
Basis-Konto
23.09.2008
44359
AW: Re: Umgang mit ESBL

Ich arbeiten im ambulanten 24/h Intensivpflegebereich bei einem tracheotomierten Pat. in seiner Wohnung. Er lebt mit seiner Familie zusammen. Nun wurde nach einem Trachealabstrich E. coli festgestellt. Offenbar handelt es sich um einen ESBL Keim, denn der HNO Arzt sprach kryptisch :)-)) von einem besonderen schlimmen Keim... und leitete eine Antibiose ein, da auch Infektionszeichen vorhanden sind. Wie verhalten wir uns hier direkt beim Pat. vor Ort?

Sind die Maßnahmen gravierend anders als im stationären Bereich?

Lieben Gruß und Danke für Antworten
 
Qualifikation
Altenpflegerin /Pflegeexpertin f. außerklinische Beatmung
Fachgebiet
ambulante Intensiv und Beatmungspflege
Weiterbildungen
Basiscurriculum Palliative Care / Hospiz z.Heiligen Franziskus Recklinghausen
Fachweiterbildung Pflegeexpertin f. außerklinische Beatmung Bawig Essen.
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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