Umgang mit (ausländischen) männlichen Kollegen nach Vergewaltigung

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Yucatan

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Ich bin momentan völlig überfordert und habe Angst. Ich wurde 2011 vergewaltigt, von einem Syrer. 2012 habe ich mein Examen gemacht. Mitlerweile bin ich Praxisanleitung, Pain Nurse und Palliativ Care Kraft.
Im Wandel der Zeit hat es sich manifestiert, dass Männer unser Team bereichern. Jetzt gestaltet es sich zunehmend so, wie vermutlich überall, dass wir mehr und mehr ausländiche Mitarbeiter bekommen.
Ich war lange in Therapie, komme damit aber noch immer nicht klar und es belastet mich massiv im Alltag und mitlerweile auch auf der Arbeit.
Ich würde mich selber als recht professionell bezeichnen, was den Umgang auf der Arbeit mit Kollegen betrifft. Aber gegen Panik, Lähmung, Stressreaktionen bin ich zunehmend machtlos. Es betrifft nicht grundsätzlich alle Männer. Aber alle Syrer, Araber o. Ä. Darüber hinaus den ein oder anderen "deutschen".
Ich bin multikulturell aufgewachsen. Meine besten Freunde waren Tunesier, Albaner, Polen, Russen, Italiener....
Also, was ich sagen will ist, dass ich nicht rassistisch bin. Ganz im Gegenteil. In diesem, meinem Fall, ergab sich das jetzt leider so. Damit möchte ich niemanden angreifen oder es verallgemeinern etc.
Was mein eigentliches Problem ist... Unsere Auszubildenden. Zu normalen Mitarbeitern kann ich die Situationen unauffällig so gestalten, das ich damit zu 99 prozent umgehen kann.
Für nächstes jahr sind ingesamt plus minus 10 männliche auszubildende aus Syrien, Iran, afrika etc angemeldet. Das bedeutet das 5 davon direkt mich betreffen werden. Die Azubis sind immer in meinen Diensten eingeteilt und Anleitungssituationen verursachen ja eine ganz andere Notwendigkeit der "Nähe".
Ich weiß absolut nicht, was ich machen soll. Und wollte einfach mal fragen, ob jemand von euch selber oder mitbekommen.. Erfahrungen o. Ä. Gemacht hat. Eine Idee hat oder mir Tipps geben kann.
Von der ganzen Sache weiß niemand, außer meine PDL, die meine Verlobte ist. Daher konnte ich bis dato auch vermeiden, ausländische männliche MA einarbeiten "zu müssen". Bei den Auszubildenden gestaltet sich dies zwangsläufig anders.
Vielen Dank,
Grüße
 
Qualifikation
Altenpflegerin, praxisanleitung, pain nurse, palli
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Marika

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Liebe Yucatan,
Deinem Schreiben entnehme ich eine große Not. Die Erfahrung einer schweren Gewalttat gegen Deine sexuelle Selbstbestimmung und gegen Deine körperliche Unversehrtheit hat Dich meiner Wahrnehmung nach tief getroffen. Dies verstehe ich gut. Deinen datailierten Beschreibungen Deiner Reaktionen auf Männer, besonders wenn Sie in äußerlichen Merkmalen dem Täter ähnlich sind, entnehme ich, dass Du tief traumatisiert sein könntest.
Du fragst nach Tipps oder Ideen. Ich glaube es ist auf Dauer kaum möglich dem Auslöser für Deine "Panik, Lähmung, Stressreaktionen"und für Deine damit verbundene Machtlosigkeit aus dem Weg zu gehen. Dies ist zwar eine sehr verständnisvolle Vermeidungsstrategie, doch wie Du oben beschreibst, ist dieser Lösungsansatz immer nur Situativ kurzzeitig erfolgreich. Auf mittlere bis lange Sicht bietet Dir die Vermeidung keine guten Möglichkeiten. Eher vermute ich, sie hindert Dich daran Deiner Arbeit, die Du allem Anschein nach erfüllend findest, nachzugehen. Da Du hochqualifiziert bist, wäre es auch schade, Dich als Pflegekraft zu verlieren. Wenn also Flucht keine Möglichkeit für eine adäquate Stressbewältigung ist bleibt Angriff. Dies ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Den ersten Schritt nach vorne bist Du ja schon gegengen. Du hast hier von Deiner Not berichtet und um Tipps gebeten. Aber könntest Du Dir weitere "Angriffstrategien" vorstellen? Wer könnte Dich dabei Unterstützen und Begleiten? Im Team hast Du Deine direkte Vorgesetzte. Gibt es noch weitere Menschen oder Institutionen außerhalb der Arbeit die kleinschrittig, emphatisch und fachlichkundig Unterstützung bieten können? Dies soll nur ein kleiner Impuls sein. Ich denke an Dich, Dein Bericht wird mich sicherlich innerlich noch begleiten. Ich wünsche Dir klare Gedanken in tiefer liebevoller Verbundenheit mit Dir und Deinen Bedürfnissen, welche Dein Handeln in eine für Dich gute Richtung lenken.

Mit herzlichen Grüßen
 
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ICH konnte nur durch eine Psychotherapie "geheilt" werden.
Natürlich bin ich eine andere Person, mit anderen persönlichen Merkmalen und einer etwas anderen Verletzung (aber auch schweres sex. Trauma) - aber alleine konnte ich absolut keinen Ausgang/Ausweg finden
 
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Igel77

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Hallo Yucatan,
erstmal - ich finde es gut, dass Du die Stärke gefunden hast, das Problem überhaupt anzusprechen.
Marika hat es schon angesprochen; eine Triggervermeidung wird auf Dauer nur schwer möglich sein. Zudem zeigt die Erfahrung, dass ein beständiges Vermeiden des Traumas die Ängste nur verschlimmern wird; die Angstattacken werden dann auch im öffentlichen Raum oder in anderen Situationen schlimmer.

Viele Menschen profitieren von den in einer Traumatherapie vermittelten Werkzeugen. Hast Du schon eine gemacht? Ich würde Dir ansonsten empfehlen, Dich an Deine Krankenkasse oder an Organisationen wie den Weißen Ring zu wenden, um dort Addressen von ausgebildeten Traumatherapeuten - nicht reinen Psychotherapeuten oder Psychiatern (!) - zu erhalten.
 
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dawala

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Hallo,

ich bin auf andere Weise über Jahre hinweg traumatisiert worden. Manche Auswirkungen habe ich relativ schnell überwinden können. In dem einen und dem anderen Lebensbereich aber erlebe ich immer noch schwere PTBS-Behinderungen. Therapeutische Ansätze sind mir verschiedene bekannt. Sie haben bis zu den beiden jetzt noch anstehenden Lebensthemen gut geholfen.
Nun hörte ich folgende Sichtweise:

Das Opfer macht sich selbst unterbewusst für die Tat verantwortlich. Dann triggert das Auftauchen einer ähnlichen Situation. Es empfiehlt sich also, die Verantwortung für die Straftat einer anderen Person bei der anderen Person zu lassen. Diese eigene Fehleinschätzung bereit sein wahrzunehmen, ins Bewusstsein kommen zu lassen und sie, wie einen Gegenstand, bewusst dem Eigentümer zurück zu geben. Was natürlich als psychische Arbeit verstanden werden will.
Auch bei allen anderen Überwindungen bin ich in kleinen Schritten durch auftauchende und lebensbehindernde Angstzustände gegangen. Da konnte ich es in kleinen Schritten dosieren. Die zwei noch vorhandenen Lebensthemen fordern mich nun heraus konfrontal durch die Angst zu gehen und dann auf der anderen, der freien Seite keine Sekunde der Rückschau zuzulassen.

Im Dienst ist das sicherlich eine - zumindest für mich - unvorstellbare zusätzliche Arbeit. Dafür kostet sie zu viel Kraft. Wenn aber dieser Therapieansatz als möglich und vorstellbar angenommen werden kann ist vorstellbar, dass an einem Freitag vor einem freien Wochenende entsprechend geplant wird, um sich spätestens am Sonntag noch ausreichend erholen zu können. Eine übliche therapeutische Sitzung wird dann auf jeden Fall zwecklos sein. Denn ein Therapeut wird ja kaum solche "Gruppentherapie" auf die Beine stellen können.

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Ich habe auch Therapie vergeblich versucht. Vergeblich, weil nun mal meine Triggerauslöser in direktem Zusammenhang mit Lebensthemen stehen.
Ich habe mir die nach der Übergabe der Verantwortung entstehende Wut nicht verboten bisher sondern dafür energiefressende Tätigkeiten geplant. Mir hilft ordentliches Workout dann bis ich vor Erschöpfung ins Bett falle. Viele verschiedene Videos zum letztgenannten Bereich finden sich auf youtube.

Ich finde es gut, dass das Schweigen der Opfer immer mehr zurück geht. Ich bestätige mich immer und immer wieder darin, dass sich Täter zu schämen haben und nicht Opfer.

Bitte wende Dich an Bundesweites Hilfetelefon - bff Frauen gegen Gewalt e.V.

Ich wünsche Dir gute Freunde, welche Dich auf dem Weg mutig begleiten. Freunde, die bereit sind zwischen Dir und den Triggeraktionen unterscheiden zu können.

dawala
 
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Krankenschwester, Industriekauffrau
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zwangsverrentet
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