Intensiv Umgang mit Angehörigen?

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sunflower

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06.07.2000
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Hallo,

in der aktuellen Sept.-Ausgabe der "intensiv" ist ein sehr interessanter Artikel über den Umgang mit Angehörigen.
Mich würde mal allgemein interessieren, wie Ihr mit diesem Thema so umgeht.
Empfindet Ihr die Angehörigen als eher störend und seid Freunde starrer Besuchszeiten (z.B. 2xtäglich je 30Min) oder seht Ihr die Angehörigen eher als Chance und Herausforderung für die Genesung Eurer Patienten und bindet diese auch entsprechend, wenn diese dazu bereit sind, in Eure Pflege mit ein?

Mir ist während meiner Weiterbildung aufgefallen, daß es schon alleine in einem Haus ganz beträchtliche Unterschiede gibt.
Da gibt es Stationen, wo die Besucher absolut unwillkommen sind und es ihnen auch entsprechend vermittelt wird (sie bekommen es dort wirklich massiv zu spüren, z.B. durch nur eine Besuchzeit zw. 15-16:00Uhr, an die sich strikt gehalten werden muß und der Besuch pro Patient auch nur max. 10Min bleiben darf, durch Informationsvorenthaltung und auch einfach durch unfreundliche Behandlung seitens des Pflegepersonals und der Ärzte). Aber auch Stationen, wo Angehörige voll mit integriert werden und jederzeit kommen können. Trotz Saalprinzip ist es dort immer irgendwie jederzeit möglich, z.B. durch spanische Wände usw., Besucher abgeschirmt herein zu lassen.

Wie empfindet Ihr die Einbindung von Angehörigen in Eure Pflege?

Viele Grüße,
sunflower
 
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Hallo sunflower,

die Frage die sich mir in diesem Zusammenhang stellt: Liegt es nicht eigentlich fast immer an uns wenn uns Angehörige auf die Nerven gehen? Können Angehörige wirklich so viel "falsch" machen, als das wir sie wie Fremde behandeln anstatt auf sie zuzugehen und ihnen die Angst vor dieser geballten Hightechmedizin zu nehmen? Liegt es nicht an uns, wenn wir uns in unserer Arbeit gestört fühlen, nur weil ein besorgter Ehemann um seine Frau bangt und uns mit unangenehmen Fragen "belästigt"? Sind wir nicht vielmehr so sehr mit unserer Arbeit beschäftigt, als das uns viel persönliches abhanden gekommen ist?
Kleines Beispiel: Älterer Mann, Multiorganversagen nach Sepsis (Blatzbauch nach akutem Abdomen), beatmungspflichtig, dialysepflichtig (CVVHD), kinestetische Therapie mit Rotorestbett bei schwerem ARDS, katecholaminpflichtig, PA-Katheter ect. Kurz um: Das gesamte Spektrum der Intensivmedizin. Eines Tages stand ein eingerahmtes Bild auf dem Nachtschränkchen. Auf diesem Bild war ein netter alter Herr zu sehen der mit seiner Enkelin an einem Fischteich stand und den Fischen zusah. Ich mußte mehrmals hinsehen um zu erkennen, das es sich bei diesem netten Herren um meinen, mit allen möglichen Kabeln und Verbänden versorgten Patienten handelte.
Es sind Momente wie diese, wo einem deutlich wird, wie menschlich doch eigentlich alles sein sollte was wir tun und somit sollte auch der Umgang mit Angehörigen kein Problem darstellen.
Gruß
Heike
P.S. Hört sich ein wenig an wie eine Predigt. Ich hoffe Ihr versteht was ich meine!!
 
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Kai-Uwe

Hallo Sunflower

Würde mich erstmal der Heike anschliessen wollen und ergänzen bei uns sind die Besuchszeiten offen.Wir binden die Angehörigen wenn möglich mit in die Betreuung ein,wir nutzen sie als Co-Therapeuten.Ich würde ohne Anwesenheit meiner Angehörigen und deren Wärme und Nähe nicht Gesund werden!

MfG Kai-Uwe

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Sven

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Hallo
Ich bin neu hier im Forum und das Thema liegt mir sehr am Herzen da ich mich viel mit der Basalen Stimulation beschäftige, beziehe ich gerne Angehörige mit in die Pflege ein. Das ist bei uns nicht ganz so einfach weil die Kollegen sich zu 80% starr an die Besuchszeiten halten, helft mir mal mit Tipps wie man das ändern kann
sven
 
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sunflower

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Liebe Heike,

genau das meine ich ja!!!
Ich wollte es nicht gleich so plastisch formulieren.
Kenne solche Situationen selbst oft, daß wenn man einen Angehörigen bittet, mal ein Foto mitzubringen, die KollegInnen oft sehr betroffen und betreten schauen...

Aber leider ist für einige unserer Mit-KollegInnen die Intensivpflege mehr Plattform der eigenen Selbstdarstellung und Profilierung, als es Ihnen hierbei um das tatsächliche Wohl des Menschen geht.

So long,
sunflower
 
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Hallo Zusammen,
es gibt allerdings einige Situationen, wo Angehörige wohl doch nicht unbedingt dabei sein sollten. (Reanimation ect.) Aber auch da habe ich aus dem RD-Bereich etws anderes erlebt. Was mache ich mit Eltern deren Kind reanimiert wird? Kann ich sie einfach hinaus schicken oder sollten sie die ganzen Maßnahmen miterleben?
Ich denke es kommt immer auf die Umstände an. Liegt eine chronische Erkrankung vor, sind Angehörige auf alle Situationen vorbereitet, haben die Angehörigen vieleicht schon einmal mit dem Patienten über seine Lage und der daraus resultierenden medizinischen und pflegerischen Maßnahmen gesprochen oder sind sie völlig überfordert und kommen überhaupt nicht mit der ganzen Situation zurecht?
Ich denke, daß einzig unser Fingerspitzengefühl und unsrere Erfahrung ausschlaggebend für eine flexibel gestaltete Besucherzeit sein darf. Bei uns läuft das i.d.R. auch so. Geht es einem Patienten schlecht, besprechen wir im Team (Arzt, Pflegeperson)wie flexibel die Besuchszeit in diesem Fall geregelt wird. Bei bestimmten Pflegemaßnahmen bitten wir den Besuch aber dann doch für einen kurzen Moment hinaus. Auch um den Angehörigen eine kleine Verschaufspause zu geben. Es dürfen bei uns auch nur maximal zwei Besucher gleichzeitig zu einem Patienten. Hier sehe ich den Vorteil, daß andere Patienten nicht gestört werden.
Bei stabilen Patienten haben wir schon unsere festen Besuchzeiten tägl. von 17.00 bis 19.00 Uhr.
Ich hätte da aber an Euch auch eine Frage: Ab wieviel Jahren darf bei Euch der Besuch hinein? Habt Ihr da schon mal Ausnahmen gemacht und welche Erfahrungen habt Ihr damit?
Gruß
Heike
 
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Kai-Uwe

Hallo Sven

Hallo
Ich bin neu hier im Forum und das Thema liegt mir sehr am Herzen da ich mich viel mit der Basalen Stimulation beschäftige, beziehe ich gerne Angehörige mit in die Pflege ein. Das ist bei uns nicht ganz so einfach weil die Kollegen sich zu 80% starr an die Besuchszeiten halten, helft mir mal mit Tipps wie man das ändern kann
sven
Wie steht die Stationsleitung dazu,warum ist die Besuchszeit so starr geregelt?
Wie steht das Ärztliche Personal dem gegüber?
Ansonsten wirst du es nur mit viel Geduld und Zeit zu einer änderung der Denkweisen bringen.Du musst versuchen Kollegen davon zu überzeugen das Besuch nicht Arbeit macht sondern viel Arbeit abnehmen kann.Desweiteren gibt es in der zwischenzeit viele Berichte in Fachzeitschriften die dem Positiv gegenüberstehen vieleicht ist das eine mögliche Überzeugungsquelle?Bleib auf jeden Fall aktiv dem Pat. hilft es bestimmt weiter.

MfG Kai-Uwe



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K

Kai-Uwe

Hallo Heike

Hallo Zusammen
Ich denke, daß einzig unser Fingerspitzengefühl und unsrere Erfahrung ausschlaggebend für eine flexibel gestaltete Besucherzeit sein darf. Bei uns läuft das i.d.R. auch so. Geht es einem Patienten schlecht, besprechen wir im Team (Arzt, Pflegeperson)wie flexibel die Besuchszeit in diesem Fall geregelt wird.

Was heisst, geht es einem Pat. schlecht? wenn er Präfinal ist?


<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>
Original erstellt von Heike Breuer:Original erstellt von Heike Breuer:
Bei stabilen Patienten haben wir schon unsere festen Besuchzeiten tägl. von 17.00 bis 19.00 Uhr.
<HR></BLOCKQUOTE>


Benötigen diese Pat. nicht den Beistand ihrer
Angehörigen?Kann es diesen Pat. nicht auch schnell schlecht gehen?Warum nicht flexible Besuchszeiten für alle Angehörigen?


<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>
Original erstellt von Heike Breuer:
Ich hätte da aber an Euch auch eine Frage: Ab wieviel Jahren darf bei Euch der Besuch hinein? Habt Ihr da schon mal Ausnahmen gemacht und welche Erfahrungen habt Ihr damit?
Gruß
Heike
<HR></BLOCKQUOTE>

Ich lasse durchaus auch kleine Erdenbürger zum Pat. wenn es der Anblick es zulässt und wenn in diesem Zimmer nicht gerade eine Infektion bei einem Pat. wütet.Die Erfahrung ist sehr Positiv sowohl von dem Pat. wie auch von dem Besuch.Nur unser Doktor ist davon nicht so erbaut.

MfG Kai-Uwe

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[Dieser Beitrag wurde von Kai-Uwe am 13. Oktober 2000 editiert.]
 
G

Geri

Ich lasse durchaus auch kleine Erdenbürger zum Pat. wenn es der Anblick es zulässt und wenn in diesem Zimmer nicht gerade eine Infektion bei einem Pat. wütet.Die Erfahrung ist sehr Positiv sowohl von dem Pat. wie auch von dem Besuch.Nur unser Doktor ist davon nicht so erbaut.
Das ist der eine Aspekt. Der andere - und das wurde mir in der Einarbeitung eingeimpft: Kinder unter 14 Jahren haben u. U. noch nicht erkannte oder auch stumm verlaufende Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln etc., und deshalb dürfen sie unsere ohnehin abwehrgeschwächten Patienten nicht besuchen. Ist das noch aktuell? Wie seht Ihr das?
Gruß


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Geri

Never ever give up!
 
A

Auggie

Kinder unter 14 Jahren haben u. U. noch nicht erkannte oder auch stumm verlaufende Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln etc., und deshalb dürfen sie unsere ohnehin abwehrgeschwächten Patienten nicht besuchen. Ist das noch aktuell? Wie seht Ihr das?
genau aus diesem eben genannten Grund lassen wir Kinder bis 14 Jahren normalerweise nicht auf die Station;Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.
Ansonsten haben wir eine sehr offene Besuchsregelung,das heisst die Angehörigen werden nur bei einigen Pflegemaßnahmen herausgebeten.So gut es geht,werden die Angehörigen mit in die Pflege einbezogen.
Viele Grüße


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Rolf
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Elisabeth

Hallo @all,
eine provokatorische Frage zu Kindern. Kann man Kinderkrankheiten nur bis zum Alter von 14 Jahren bekommen?
Lasse ich Kinder zu Patienten? Ja. Ich bin selbst Mutter und nichts war mir wichtiger als mich mit eigenen Augen von dem Wohlergehen meiner Kinder überzeugen zu können. Ihr glaubt gar nicht, wie beruhigend dieses Wissen sein kann.
Sicher gebe ich den "Beschützern eines Intensivpatienten" recht, nicht jeder Anblick ist einer Kinderseele zuträglich. Aber in diesem Fall führe ich ein aufklärendes Gespräch mit der Mutter/ dem Vater des Kindes. Dabei überlasse ich die letzte Entscheidung immer den Eltern. es gab bis jetzt noch nie Probleme. Ich sehe es auch nicht als Problem, eventuell das Kind mitzunehmen in den Schwesternaufenthaltsraum um es dort vielleicht zu beschäftigen.
Wie sollen Kinder lernen, daß das Leben nicht nur aus jungen, schönen Menschen besteht. Legen wir nicht selbst schon die Grundsteine für die Entwicklung kranke, alte Menschen ins Krankenhaus zu geben und die Pflege abzudelegieren, sich fernzuhalten von allem Kranken?
Ich halte es mit Besuchszeiten eher sehr locker. Kriterien sind Ruhezeiten, die der Patient vorgibt; invasive Eingriffe u.ä.. Eine Körperpflegesituation ist für mich kein Grund Angehörige hinaus zu komplimentieren. Wieviele Besucher? Je nach Zustand des Patienten und nach Art der Besucher. In Mehrbettzimmern wird auch der Zustand des Mitpatienten eine Rolle spielen.

Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr im Krankenhaus wäret? Wen möchtet ihr sehen, wen nicht? Wollt ihr wirklich von der Schwester hören: Nur fünf minuten, sie sehen ja es geht ihm noch nicht so gut. Und euer Angehöriger kann sich nicht schnell genug in die Situation einfinden. Er sieht dich an, du hast ihn erkannt, aber die Worte wollen nicht so schnell kommen- dich zu berühren traut sich dein Angehöriger nicht, es geht dir schlecht hat die Schwester gesagt. Und da ist das geliebte Gesicht auch schon verschwunden, schließlich geht es hier um Wichtigeres. Und du bleibst allein... .
Eine nachdenkliche Elisabeth
 
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Gabriele Horn

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Hallo !
Bei uns ist die Besuchsregelung auch so, daß man normalerweise immer rein kann. Wir bitten allerdings die Besucher vorher anzurufen, damit wir es besser abschätzen können, was noch dringend vorher zu machen ist Z.B.Konsile oder Verbände etc.Das klappt dann auch gut.Aber ich habe oft den Eindruck, daß Angehörige wirklich einfach nur Angst haben irgendetwas falsch zu machen.Auch den Patienten zu berühren.Allerdings wenn sie sich dann nach Aufmunterung doch dazubewegen können , ist es für beide Seiten toll.Endlich sehen sie die Zeit als "sinnvoll".Was die Kinder anbetrifft, so durfen bei uns keine Kinder unter 14 Jahren rein.Wir haben da auch oft Kompromisse gemacht.Ich finde allerdings, die sollten gut darauf vorbereitet werden.
Viele Grüße noch
Gabi
 
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HBR69

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05.10.2000
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Hallo Zusammen,

ist ja toll wie reichlich hier produktiv diskutiert wird. Aus anderen Foren bin ich schlechteres gewohnt. Zum Thema: Auch bei uns dürfen Kinder erst ab 14 Jahren auf die Station. Ich merke das das wohl die Regel ist. Wir machen auch mal eine Ausnahme wobei ich der Meinung bin, daß Kinder mit 14 Jahren auch mit dem Gesehenen umgehen können bzw. man ihnen vieles erklären kann.
Die Sache mit dem telefonischem Voranmelden ist eine sehr gute Idee. Danke Gaby.
Was ich mit stabilen Patienten meine ist ganz einfach. Da wir fast nur beatmungspflichtige Patienten haben sind alle anderen als stabil zu betrachten. Wenn einer dieser Patientegruppe aber aus ihrgend einem Grund seine Angehöhrigen sehen möchte, regeln wir das meistens im Sinne des Patienten.
Kai-Uwe
Ich meine nicht nur präfinale Patienten mit "schlecht gehen". Bei uns liegen auch sehr viele Patienten denen es vorübergehend "schlecht geht". Auch dann, bzw. gerade dann, beziehen wir die Angehörigen mit ein oder lassen sie zumindes zu den Patienten. Ich arbeite z.Z. nur im Nachtdienst und merke; in der Nacht ist vieles viel einfacher zu organisieren.
Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
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K

Kai-Uwe

Hallo Elisabeth


Hallo @all,
eine provokatorische Frage zu Kindern. Kann man Kinderkrankheiten nur bis zum Alter von 14 Jahren bekommen?
Lasse ich Kinder zu Patienten? Ja. Ich bin selbst Mutter und nichts war mir wichtiger als mich mit eigenen Augen von dem Wohlergehen meiner Kinder überzeugen zu können. Ihr glaubt gar nicht, wie beruhigend dieses Wissen sein kann.
Sicher gebe ich den "Beschützern eines Intensivpatienten" recht, nicht jeder Anblick ist einer Kinderseele zuträglich. Aber in diesem Fall führe ich ein aufklärendes Gespräch mit der Mutter/ dem Vater des Kindes. Dabei überlasse ich die letzte Entscheidung immer den Eltern. es gab bis jetzt noch nie Probleme. Ich sehe es auch nicht als Problem, eventuell das Kind mitzunehmen in den Schwesternaufenthaltsraum um es dort vielleicht zu beschäftigen.

Du sprichst mir aus der Seele!!!




Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr im Krankenhaus wäret? Wen möchtet ihr sehen, wen nicht? Wollt ihr wirklich von der Schwester hören: Nur fünf minuten, sie sehen ja es geht ihm noch nicht so gut. Und euer Angehöriger kann sich nicht schnell genug in die Situation einfinden.

Auf jeden Fall den Beistand meiner Lieben würde ich mir wünschen,und natürlich auch den Beistand meiner 7 Jährigen Tochter.Und das ganze nicht Kompremiert in 5 Minuten!


MfG Kai-Uwe


------------------
 
H

Hartmut

Neues Mitglied
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29.09.2000
22309
Hallo,
ich danke für die Idee für dieses Thema.
Auch bei uns wird sie sehr kontrovers diskutiert. Einige Kollegen unserer Station wünschen strikte Besuchszeiten. Aber, Gott sei Dank, setzt sich die Einstellung durch, dass flexible Besuchszeiten die Regel werden.
Ich meine wohl, dass immer individuell entschieden werden soll, wie lange die Besuche dauern sollen, denn es gibt auch Angehörige, egal ob ersten oder zweiten Grades, sehr ungehalten reagieren, wenn nicht sofort das passiert, was sie wünschen, teilweise auch frech und unfreundlich werden. (Gerade erlebt)
Wir haben insgesamt sehr gute Erfahrung gemacht mit flexiblen Besuchszeiten. Dabei empfehlen wir jedoch, erst ab 15 Uhr zu kommen, denn erfahrungsgemäss findet bis dahin die meiste Arbeit statt und die Angehörigen hätten wenig Ruhe für ihren Besuch. Das ist aber kein Dogma.
Auch Kinder unter 14 Jahren sollte Besuch gewährt werden. Viele scheinen die Situation wirklich zu verkraften, sicherlich anders als die Erwachsenen. Vielen scheint es wichtig zu sein, einfach nur zu wissen, ob ihr Vater oder Mutter noch lebt, zu wissen dass sie noch da sind. Auf eine Art und Weise auch sind sie auch neugierig auf diese total andere Welt.
Ich glaube wir unterschätzen die Kinder unter 14 Jahren, wenn wir ihnen nicht zumuten wollen die grausame Intensivstation zu sehen.

Gruss Hartmut
 
Qualifikation
Intensivpfleger
Fachgebiet
UKE Hamburg kardiochirurgische ITS
Weiterbildungen
2005 Berufung in den Prüfungsausschuß für die Fachweiterbildung A&amp;I in Hamburg.
K

Kai-Uwe

Hallo Hartmut

Meinst du das mit der Grausamen Intensivstation ernst?Ich finde nicht das die Intensivstationen grausam sind hier wird
Menschen mittels Maschinen geholfen weiterzuleben.Mag sein das das nicht gut aussieht dennoch finde ich es nicht Grausam.

MfG Kai-Uwe

------------------
 
S

sunflower

Mitglied
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Themenstarter/in
06.07.2000
80469
Hallo,

finde ich ja toll, daß dieses Thema solch einen großen Zuspruch gefunden hat!

Was Hartmut bezüglich der "grausamen Intensivstation" beschrieben hat, finde ich stellenweise durchaus zutreffend.
Sicher, lieber Kai-Uwe, helfen wir Menschen mittels Maschinen weiter zu leben. Doch welche Qualen müssen sie dabei zum Teil erleiden und vor allem -sehr wichtig-, wie wird ihr Leben nach dieser Intensivtherapie ausschauen?
Ich persönlich arbeite auf einer Universitäts-Intensiv, auf der wirklich alles bis zum Exzess betrieben wird (es stirbt selten einer, bei dem nicht Arterenol und Supra pur auf 99,9ml/h läuft...) und stelle immer häufiger fest, daß unsere Patienten die Station, nach oftmals wochen- und monatelanger Intensivtherapie wirklich als "Wrack" verlassen....
Sicherlich ist es erfreulich, daß man einen Patienten "gerettet" hat, doch ob der Patient immer darüber so erfreut ist, wage ich sehr stark zu bezweifeln. Die Lebensperspektive von solchen "Intensivopfern" ist doch sehr stark eingeschränkt, sofern überhaupt noch vorhanden.

Sicherlich wird es vielerorts auch humaner und mit mehr Achtung vor dem Menschen auf den Intensivstationen ablaufen.
Aber ich denke, man sollte auch mal die "Schattenseite" sehen, wie es in der Maximalversorgung abläuft. Nämlich nicht immer unbedingt zum Wohle des Patienten... Vor allem wenn er in irgendeiner Studie drin ist, dann wird alles daran gesetzt, ihn -koste es was es wolle- durchzubringen, nur um die Letalitätsrate zu drücken...

Von daher finde ich den Begriff "grausame Intensivstation" durchaus realistisch.

Was den Einlaß von Kindern betrifft, sollte man meiner Meinung schon großzügig sein und dem Wunsch des Patienten möglischst nachkommen.
Doch darf man dabei wirklich nicht die "Gesamtkulisse" vergessen, was das Kind letztlich daheim verarbeiten muß.
Ich würde es für fatal halten, wenn ein kleines Kind zu seinem Elternteil reinkommt, was analgosediert und beatmet darliegt und zudem noch an zahlreichen weiteren Geräten, wie z.B. CVVH, IABP, NOX und rund 22Perfusoren und 8Infusomaten angeschlossen ist. Solche Eindrücke werden sicherlich ein bleibendes Traumata für das Kind sein, schaffen es ja schon die übrigen Angehörigen selten, solch einen Anblick zu ertragen.

Soviel zum Thema "grausame Intensivstation"...

Viele Grüße,
sunflower

[Dieser Beitrag wurde von sunflower am 17. Oktober 2000 editiert.]
 
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Hallo sunflower,

ich muß Dir Recht geben. Genau so sehe ich die Sache auch. Ich meine auch, daß eine Intensivstation sehr abschreckend auf jeden Menschen, erst Recht für Kinder, sein kann! Auch bei uns läuft eine Maximaltherapie mit Anblicken, wo selbst Erwachsene Probleme bekommen. (Polytrauma ect.) Ich habe selbst zwei Kinder und würde denen nicht zumuten mich zu besuchen. Auch wenn mir dabei mein Herz "bluten" würde.
Gruß
Heike
 
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F

frank

<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>Original erstellt von sunflower:
Doch darf man dabei wirklich nicht die "Gesamtkulisse" vergessen, was das Kind letztlich daheim verarbeiten muß.
Ich würde es für fatal halten, wenn ein kleines Kind zu seinem Elternteil reinkommt, was analgosediert und beatmet darliegt und zudem noch an zahlreichen weiteren Geräten, wie z.B. CVVH, IABP, NOX und rund 22Perfusoren und 8Infusomaten angeschlossen ist. Solche Eindrücke werden sicherlich ein bleibendes Traumata für das Kind sein, schaffen es ja schon die übrigen Angehörigen selten, solch einen Anblick zu ertragen.<HR></BLOCKQUOTE>

ich schliesse mich dir an.
ich arbeitete auf onkologischen intensiv, wir handhaben es mit den Besuchszeiten ziemlich grosszügig....sie sind offen. angehörige können auch bei ihren angehörigen schlafen und sogar für sie kochen!!!
mit kinder allerdings, leider auch ab 14 jahren, da unsere patienten stark immunsuppremiert sind. natürlich gibt es ausnahmen,das muss aber mit allen im team(dazu gehören auch die angehörigen) abgesprochen werden.

gruss frank

[Dieser Beitrag wurde von frank am 17. Oktober 2000 editiert.]

[Dieser Beitrag wurde von Christian am 18. Oktober 2000 editiert.]
 
E

Elisabeth

Hallo @all,
noch einmal ein Gedanke zu Kindern als Besucher auf einer Intensiv. Ich verstehe schon den Gedankengang, dem Kind nicht zuviel zuzumuten. Aber sind wir nicht auch voreingenommen. Setzt euch einmal abends von 18-20 Uhr vor den Fernseher und schaut euch diverse Nachrichtensendungen an. Was man dort zu sehen bekommt ist oft noch himmelschreiender.
Ein analgosedierter und per Tracheotomie beatmeter Patient schläft für Außenstehende oft. Und sagt nicht der Volksmund so schön, man schläft sich gesund. Die vielen Kabel und Strippen lassen sich sicher auch mal so legen, daß sie nicht im Vordergrund stehen (sollte nicht nur bei Kinderbesuchen so geregelt werden).
Was mag ein Kind denken, welche Phantasien entwickeln, wenn es an der Tür abgewiesen wird? Wohl gemerkt Kind ist nicht gleich Kind. Ich wäge jedesmal neu ab, ob der Besuch für BEIDE Seiten zuträglich und wichtig ist.
Starre Muster, von wegen ab 14 Jahre und Zeitbegrenzungen, sind mir suspekt. Man kann sich schnell dahinter verstecken. Die Betreuung von Angehörigen in solchen schwierigen Situationen sehen wir leider all zu oft noch als unnötige Mehrbelastung.
Elisabeth
 
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