Umfrage Pflegealltag & Sterbehilfe für ARD-Dokumentation

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L

Lisy

Hallo Kris,
das siehst du in der Tat falsch. Ich habe schon bei einigen Wohlfahrtsverbänden gearbeitet und weiß durchaus wo das Geld versickert.
Den Pflegebedürftigen kommt es jedenfalls nicht zu gute.
Außerdem als privater Anbieter arbeite ich viel effizienter und Kunden freundlicher und das man nicht reich wird in der Pflege, weiß eigentlich jeder.
Gruß Lisy
 
nachteule44

nachteule44

Mitglied
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19.06.2007
24941
Hallo Kris,
ich sehe das so wie Lisy, mache auch ähnliche Erfahrungen mit Wohlfahrtsverbänden.
Für mich hört es sich ziemlich gut an, das jemand hier in dieses berufsspezifische Forum kommt, um etwas über den Pflegealltag zu erfahren.
Ich bin interessiert an einer emailadresse...
LG, flens
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
stat. Pflegeeinrichtung
Bernd-Kl

Bernd-Kl

Mitglied
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Ich möchte mich aus eigenem Erleben einmal ganz allgemein mit dem Thema "Sterbebegleitung - Sterbehilfe" äußern.

Ein sehr nahe Verwandte (92 Jahre alt), wohnte bei uns in der Einrichtung.
Anfang Mai kommt sie wieder einmal ins Krankenhaus, weil Wasser in der Lunge ist.
Sie ist sehr unruhig.
Mitte Mai bittet sie den Krankenhausarzt, ihr beim Sterben behilflich zu sein, was dieser natürlich verweigert.
Die Kinder, Enkelkinder und Schwiegerkinder beginnen mit Sitzwachen rund um die Uhr.
2 Tage später verweigert sie die Nahrungsaufnahme, nimmt aber weiterhin mit Hilfe Flüssigkeit zu sich.
Wiederum 2 Tage später verweigert sie die Einnahme von Medikamenten.
Sie wird als "austherapiert" beurteilt und aus dem Krankenhaus entlassen.
Die Sitzwachen werden im Seniorenheim fortgesetzt.
Kinder und Enkelkinder, die teilweise in Australien und Asien aber auch in ganz Deutschland leben, reisen an, um sich zu verabschieden.
Ende Mai verweigert sie die orale Einnahme von Flüssigkeit.
Die Abnahme von Blut zur Blutzuckerspiegelbestimmung wird verweigert.

Es tritt eine sogenannte Ethikkonferenz zusammen.
Teilnehmer:
Der Hausarzt, ein 2. Arzt, ein Pastor, der älteste Sohn, 2 Töchter und ich.
Beschluss:
Die Veweigerung von Medikamenten und Blutentnahme wird akzeptiert.
Die Zufuhr von mindestens 500 ml Flüssigkeit (ohne Zusatzstoffe) wird durchgeführt.
Spuckt, bzw. würgt sie (wie bisher meistens geschehen) die Flüssigkeit aus, erhält sie eine subkuntane Infusionslösung (Ringerlösung).
Dabei wird aber die Einstichstelle so gewählt, dass sie selbst die Möglichkeit hat, die Nadel zu entfernen.
Falls das geschieht, wird es von allen Beteiligten akzeptiert und keine weiteren Versuche mehr unternommen, ihr Flüssigkeit zuzuführen.
Dieser Beschluss wird in der Pflegeakte dokumentiert und von den Verwandten und den beiden Ärzten gegengezeichnet.

Der weitere Verlauf:
Mal behält sie die mind. 500 ml oral drin, mal wird eine Infusion gesetzt.
Sie äußert wiederholt, dass sie endlich sterben möchte.

Eine erfahrene Mitarbeiterin erklärt, dass diese Frau sich vermutlich noch mehrere Wochen quälen wird - es sei denn: die beiden abwechselnd noch anwesenden Töchter und der Schwiegersohn stellen die Sitzwachen ein und erklären ihr, dass sie jetzt erst einmal in Urlaub fahren werden.
Diese Frau war in ihrem Leben immer sehr stark und dominant - ihrer Familie gegenüber - aber auch innerhalb der Dorfgemeinschaft.
Die Kollegin sagte, sie wird sich nicht die "Blöße" geben können, vor ihren Töchtern zu sterben.
Die Sitzwachen werden eingestellt (allerdings ohne Erklärung bezügl. Urlaub).

2 Tage später bittet die Frau die Nachtwache um einen Jogurt, nimmt diesen mit Unterstützung zu sich - und stirbt 2 Stunden später völlig gelöst.

Nun meine Frage:
Ist das letztlich nicht auch aktive Sterbehilfe durch Unterlassung?
Juristisch ohne Zweifel nicht strafbar - aber eben doch aktive Sterbehilfe.
Oder sehe ich das falsch.
Erwähnen sollte ich vielleicht auch, dass ich selbst diesen Beschluss unterstützt habe und mir über die Folgen völlig klar gewesen bin.

Bernd

Noch ein Satz zu den ursprünglich gestellten Fragen:

Ich würde diese Fragen nur beantworten, wenn sie auf Papier geschrieben und per Post abgeschickt werden können.
Bei einigen Fragen kann man sich u.U. strafbar machen und bei den Überwachungsmöglichkeiten, die heute bereits möglich sind, wäre mir das zu unsicher.
Das Internet ist nun wirklich kein anonymer Raum.
Aus diesem Grund schlage ich vor, den Fragebogen als Formular auf einer Webseite zur Verfügung zu stellen und eine Postadresse anzugeben, an die dieser geschickt werden kann.
 
Qualifikation
Heilerzieher/Krankenpfleger
Fachgebiet
Im Ruhestand
M

ms-sophie

Aktives Mitglied
Basis-Konto
14.03.2007
Mannheim
Hallo Bernd,

Ende Mai verweigert sie die orale Einnahme von Flüssigkeit.
Die Abnahme von Blut zur Blutzuckerspiegelbestimmung wird verweigert
Die Veweigerung von Medikamenten und Blutentnahme wird akzeptiert.
Die Zufuhr von mindestens 500 ml Flüssigkeit (ohne Zusatzstoffe) wird durchgeführt.
warum hat man den Wunsch der Dame, nichts mehr zu trinken nicht akzeptiert?

Sophie
 
Qualifikation
QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
Bernd-Kl

Bernd-Kl

Mitglied
Basis-Konto
Nichts mehr zu essen, ist die eine Sache, bei vollem Bewußtsein zu vertrocknen, eine andere.
Kolleg/innen, die fachlich fitter sind als ich, können Dir den Unterschied sicherlich besser darlegen, als mir das möglich ist.

Bernd
 
Qualifikation
Heilerzieher/Krankenpfleger
Fachgebiet
Im Ruhestand
M

ms-sophie

Aktives Mitglied
Basis-Konto
14.03.2007
Mannheim
Hallo Bernd,

das ist wohl eine Ansichtssache. Die Deutsche Hospizgesellschaft hat ein Schreiben verfasst, in dem erklärt wird, wieso es nicht unmenschlich ist, diesen Wunsch zu respektieren.

Der Körper bereitet sich auf den kommenden Tod vor. Durch die verringerte/keine Flüssigkeitszufur schüttet der Körper Endorphine aus, die als körpereigenes Schmerzmittel fungieren.
Die Pflege wird für den Betroffenen erleichtert, er muss icht mehr so oft inkoversorgt werden.
Ich habe hier absichtlich geschrieben, dass die Pflege für den Betroffnen leichter wird, nicht aber für die Pflegenden. Es heisst nämlich nicht, dass wenn jemand sich dazu entschliesst nichts mehr zu trinken, dass dann auch die Pflege weniger wird, im Gegenteil. Die PK müssen dafür Sorge tragen, dass die Schleim häute feucht bleiben. Das ist teilweise sehrviel zeitaufwendiger als einfach eine Infusion anzuhängen.

Ich habe in meiner Zeit in der Pflege schon drei Menschen begleitet, die sich bewusst, für diese Form entschieden haben, und dieser Wunsch wurde vom Team, den Angeh. und dem Hausarzt respektiert. Mein subjektiver Eindruck war, dass diese Leute "gut" sterben konnten.

Ich denke, jedes Tier sucht den gleichen Weg, warum versuchen wir Menschen immer alles festzuhalten???

Leider habe ich keinen Scanner und ich finde dieses Schreiben im Netz nicht. Vielleicht hat einer der anderen User etwas dazu.

Gruss
Sophie
 
Qualifikation
QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.01.2006
63110
Hallo ms-sophie, meinst Du dieses Schreiben?
Hat zumindest einen ähnlichen Inhalt.
http://www.patientenverfuegung.de/pv/detail.php?uid=302

Fakt ist, dass sich die Experten, Recht und Medizin, nicht einig sind.
Fakt ist auch, dass wir über ein FÜR und WIDER heftig diskutieren könnten.
Es bleibt aber die Frage, wie wir in dieser Situation handeln würden, wenn es uns privat beträfe.
Ist ja wohl ein Unterschied, ob ich eine berufliche oder private Entscheidung zu treffen habe.

Und es war ihre Entscheidung, den Zeitpunkt zu bestimmen(Abwesenheit der Töchter). Die Nadel hätte sie ziehen können, wie von Bernd geschildert.

Wassermann
 
Qualifikation
Krankenschwester
L

L. Li

Mitglied
Basis-Konto
28.02.2007
40227
danke, sophie, das ist sehr gut geschrieben.
auch wenn vom thema ab: ich habe vor einem jahr in einer FWB geriatrie als referentin gearbeitet und da zum ersten mal, nach über 20 jahren pflege gehört, daß in einer einrichtung in sachsen der umstand, daß bewohner nicht mehr trinken möchten und ärztliche versorgung ablehnen weil sie sich dem tode nahe sehen akzeptiert wird. und dem rechnung getragen wird.

die kollegin aus dem kurs berichtete auch von fällen, das hat mich so ergriffen und nachdenklich gemacht..........
nachdenklich deshalb, weil ich so viele menschen, so elend habe sterben sehen. inbegriffen meinen eigenen vater :°-(

L.Li
 
Qualifikation
Krankenschwester, PDL
Fachgebiet
ambulanter PD
F

Fleschor_Max

Aktives Mitglied
Basis-Konto
08.09.2007
04275
Nun meine Frage:
Ist das letztlich nicht auch aktive Sterbehilfe durch Unterlassung?
Juristisch ohne Zweifel nicht strafbar - aber eben doch aktive Sterbehilfe.
Oder sehe ich das falsch.
Hab gerade ein paar Seiten dazu schreiben dürfen, angelehnt an den Wikipedia-Artikel mal zur Begriffsklärung:
"Formen der Sterbehilfe:
  • Aktive Sterbehilfe (in Deutschland: „Tötung auf Verlangen“; „erweiterte Selbsttötung“,zB.Gabe tötlicher Medikamentendosen)
  • Indirekte Sterbehilfe (Gabe schmerzstillender Medikamente die evtl. lebensverkürzend wirken)
  • Passive Sterbehilfe (Abbruch von lebenserhaltenden und -verlängernder Maßnahmen)
Sterbehilfe ist nicht:
  • Beihilfe zur Selbsttötung, welche in Deutschland straffrei ist
  • der Abbruch der ärztlichen Behandlung auf Verlangen des Pat. (oder dessen Bevollmächtigten)"
Also entweder passive Sterbehilfe, aber wohl eher Abbruch auf Wunsch des Pat..

Interessant ist noch dass ein zur Verfügung stellen von potentiell tötlichen Medikamenten, die der Patient im klaren Zustand sich dann selbst zuführt, unter Beihilfe zur Selbsttötung fällt und maximal als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz strafbar wäre.
EDIT: Man muss dann natürlich den Raum verlassen, ansonsten muss man sofort wenn er nicht mehr ansprechbar ist, Erste Hilfe leisten, sonst Tötung durch Unterlassen+Unterlassene Hilfeleistung.

Gruß und frohes neues Jahr euch allen, Max
 
Qualifikation
GuKPf, Student
Fachgebiet
innereITS
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo Kris,
ich finde deinen ersten Fragebogen sehr gut. Ich selbst habe gerade eine wissenschaftliche Hausarbeit zum Thema Patiententötungen in der Pflege geschrieben. Ich habe mich diesem Thema angenommen, da jeder dazu öffentlich Stellung nimmt, nur die Pflege selbst nicht. In der Pflege ist dieses Thema oftmals ein Reizthema. Gerne würde ich wissen, welcher renommierte Psychiater das ist, mit dem ihr da zusammenarbeitet? Die Idee mit dem Chor finde ich echt gut und ich finde auch gut, dass dich die Stellungsnahmen der in der Pflege arbeitenden interessiert. Trotz alledem braucht man wirklich sehr viel Vertrauen um so einen Fragebogen nicht anonym auszufüllen.
Empfehlen kann ich dir ein Buch:

Großklaus-Seidel Marion (2002): Ethik im Pflegealltag, Wie Pflegende ihr Handeln reflektieren und begründen können. W. Kohlhammer, Stuttgart

und das Beste waas ich daszu noch gelesen habe war:
Maisch Herbert (1997): Patiententötungen, dem Sterben nachgeholfen, Mit einem Vorwort von Gerhard Mauz, Kindler, München

Das Buch ist zwar schon 10 Jahre alt, aber wirklich viel hat sich seit dieser Zeit in der Pflege nicht wirklich verändert. Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Maisch war Gerichtsgutachter und hat viele Aussagen von Pflegenden ausgewertet und ein sehr sachliches, neutrales Buch geschrieben und viele Antworten auf die Fragen der Patiententötungen gefunden, vor allem zum Thema "Mitleidstötung".

Auch der DBFK hat Stellung zu diesem Thema genommen.

Viele Grüße Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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