TV Diskusion: teuere Pflege

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wernecla

wernecla

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26.03.2007
32427
Ich glaube was Ullrich meint ist weniger die Zusammenlegung von den Beiden Töpfen, als vielmehr von Kompetenzen (momentan noch inkompetenzen)
Herr Meyer von der AOK wird zum Pflegefall, er bekommt seinen Sachbearbeiter, der entscheidet, welche Leistungen aus PV und GKV erstattet werden. Er muss sich rechtfertigen bzw. seine Leistungen werden auf erfolg hin überprüft. Ein unabhängiger Dienst (nicht der MDK)
Du hast vergessen zu erwähnen, das mit der zusammenlegung von Pflegekasse und Krankenversicherung auch eineige überflüssige Aufsichtsrats und Vorstandsplätze wegfallen würden, und diese Symbiose durchaus einen positiven Synergieeffekt haben könnte.
 
Qualifikation
Diplom Pflegepädagoge
Fachgebiet
krankenpflegeschule
T

TwoFingers

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09.01.2007
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Hallo wernecla,

ich kenne die Organigramme der Organisationen nicht und bei Fusionen werden selten Vorstände wegrationalisiert sondern nur anderweitig positioniert. Außerdem ist ja die Trennung vom Gesetzgeber gewollt und dies entspricht auch dem Subsidiaritätsprinzip.
Beide Systeme können so leichter reformiert werden (wenn man die Mehrheit im Bundestag und Bundesrat hätte).

Die Pflege hat viel zuwenig Ahnung davon wie das System funktioniert (oder wie Gesetze in der Realität beschlossen werden). Hatte einen Dozenten der selbst an der Entwicklung der Pflegeversicherung beteiligt war. Der Jurist weiß genau was die Pflege mehr leistet und sie wertschätzen diese Leistung (aber er betonte immer wieder das es ja nur eine Teilkaskoversicherung ist, da man die Lohnnebenkosten nicht explodieren lassen konnte). Die Politik verkaufte die Pflegeversicherung jedoch als Vollkaskoversicherung und der Kunde denkt dies teilweise immer noch!!!
Deswegen wundern sich viele über zu hohe Kosten, weil sie denken das die Pflegeversicherung alles abdeckt. Wieso sollen sie mehr bezahlen?
Die Gesellschaft hat den Wert von psycho sozialer Betreuung aus den Augen verloren und nicht jede Pflegekraft erbringt diese Leistung (man hat ja immer so seine speziellen Kollegen/innen gehabt die dem Taylorismus verfallen sind).

Im Grunde sind wir alle einer Meinung: Es muss was getan werden aber beim wie "streiten" wir uns. Ein fruchrbarer Boden für Veränderung!

Gruß TwoFingers
 
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Student Pflegemanagement
Fachgebiet
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stern3007

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29.07.2005
Köln
Meine Erfahrungen aus 10 jähriger Arbeit in der Pflege decken sich nach wie vor nicht mit dem was du hier schreibst. Fakt ist, dass unendlich viele Gelder verschwendet werden, weil jeder versucht, seinen eigenen Topf möglichst wenig zu belasten.

Folge aus diesen irrsinnigen Aktionen ist in der Regel eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten, was letztendlich beiden Töpfen schadet. Ich könnte dir unendlich viele Beispiele geben, wo Patienten unter dem heutigen System irrsinnig zu leiden haben.

Ich frage mich, wann dieser Wahnsinn endlich aufhört. Krankheit und Pflege gehören untrennbar zusammen, denn ohne Krankheiten wäre auch keine Pflege notwendig.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
U

UlrichFürst

Meine Erfahrungen aus 10 jähriger Arbeit in der Pflege decken sich nach wie vor nicht mit dem was du hier schreibst. Fakt ist, dass unendlich viele Gelder verschwendet werden, weil jeder versucht, seinen eigenen Topf möglichst wenig zu belasten.

Folge aus diesen irrsinnigen Aktionen ist in der Regel eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten, was letztendlich beiden Töpfen schadet. Ich könnte dir unendlich viele Beispiele geben, wo Patienten unter dem heutigen System irrsinnig zu leiden haben.
Genau so meinte ich das! Hab's offensichtlich zu kompliziert ausgedrückt.

Ulrich
 
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TwoFingers

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09.01.2007
74357
Hallo,

das verschwendet wird bestreite ich nicht, es hat nur definitiv nichts mit den 2 Töpfen zu tun aber sehr viel mit dem Satz: "Krankheit und Pflege gehören untrennbar zusammen, denn ohne Krankheit wäre keine Pflege notwendig."

Die Menschen leiden unter einem krankheitsorientiertem System welches erst reagiert, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Das ist der entscheidende Punkt. Wenn man diesen Gedankengang weiterverfolgt und sich mal Antonowski zu Gemüte zieht (Stichwort: Salutogenese) merkt man recht schnell was schief läuft.

Außerdem verwies ich auf Singapur: bessere qualitative Versorgung wie bei uns und ebenfalls mit 2 Töpfen ausgestattet. Aber dort funktioniert es und die verwenden weniger Geld!

Das System kostet dort 3,7% vom BIP und wenn man die Deutsche Alterstruktur übertragen würde in etwa 5.5% vom BIP. Wir geben rund 11% vom BIP aus (BIP in beiden Ländern ähnlich hoch).
In Singapur werden die Gesundheitspotentiale der Bevölkerung gestärkt. Puplic Health wird dort betrieben und Pflegende sind zunehmend beratend/präventiv tätig.

Die Bilanzen sprechen für sich.

Es ist nicht nur ein überlegenes System, es ist auch ein anderer Denkansatz!

Die Geldverschwendung der 2 Töpfe bei uns ist ein Symptom und die Ursache liegt im Gesamtsystem und dem Denkansatz reagieren vor agieren.

So meinte ich das

Gruß TwoFingers
 
Qualifikation
Student Pflegemanagement
Fachgebiet
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stern3007

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29.07.2005
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Wenn du 2 Töpfe beibehalten willst, löst du damit aber nicht das Problem, dass jeder Topfinhaber auf seinem Topf hockt und Kosten möglichst zu ungunsten des anderen Topfes abwimmeln will.

Wenn ich aus dem Topf Krankheit eine Leistung finanzieren soll und diese einen positiven Erfolg hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich damit den Topf Pflege entlaste. Ich bin aber für meinen Topf Krankheit zuständig und muß dafür sorgen, dass dieser Topf entlastet wird. Ergo lehne ich die Maßnahme doch ab, denn letztendlich kostet sie mich nur Geld und der andere Topf profitiert davon. Dieses "Töpfedenken"muß ausgemerzt werden, denn wir alle arbeiten gemeinsam an einem großen Problem, nämlich die Gesundheit unserer Mitmenschen.

Erkläre mir, wie du dieses für die kranken Menschen schädliche "Töpfedenken" verhindern willst. In dem Moment, wo du ein System in mehrere Bereiche aufteilst, kämpft jeder für seinen Bereich. Jeder schottet sich ab, keiner will etwas mit dem anderen zu tun haben. Das ist unser Problem, nicht das einzige, aber ein sehr großes.

Krankheit und Pflege gehören zusammen und ich sehe keinen Grund, dass dies nicht aus einem Topf finanziert wird. Da ist es mir ehrlich gesagt auch egal, was in Singapur passiert. Singapur ist nicht Deutschland und man kann nicht einfach nur einen streng abgegrenzten Bereich vergleichen. Das gesamte System und die Mentalität der Menschen muß einbezogen werden.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
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UlrichFürst

Die Geldverschwendung der 2 Töpfe bei uns ist ein Symptom und die Ursache liegt im Gesamtsystem und dem Denkansatz reagieren vor agieren.
Soweit sind wir uns auf jeden Fall einig.

Ulrich*der noch nicht zum Lesen gekommen ist:blushing: *
 
U

UlrichFürst

@TwoFingers:
Hab's jetzt durchgelesen. Ist aber natürlich ohne Referent etwas rudimentär. Wie das funktioniert ist mir weiterhin nicht klar.

Davon abgesehen: für 2500 € macht doch hierzulande ein Herzchirug noch nicht mal 'n Beratungstermin aus, geschweige den das eine ganze OP mit Aufenthalt + Pflege + Verpflegeung bezahlbar wäre.

Ulrich
 
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TwoFingers

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09.01.2007
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Tag Ulrich,
da müssten wir mal die DRG Vergütung für die OP vergleichen um eine Antwort zu finden. In Singapur werden KHs besser subventioniert und die Verweildauern sind recht niedrig (trotz Case Mix). KHs müssen keine Mieten bezahlen und das Gebäude wird komplett gestellt, dies könnte eine Erklärung sein.
Überdies ist das KH System extrem kompliziert, daher ist der Verwaltungsaufwand des Gesamtsystems auch recht hoch (11%, in D sind es 6%). Kompensiert wird dies allerdings durch die effizientere Mittelnutzung.

Gruß TwoFingers
 
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UlrichFürst

da müssten wir mal die DRG Vergütung für die OP vergleichen um eine Antwort zu finden. In Singapur werden KHs besser subventioniert und die Verweildauern sind recht niedrig (trotz Case Mix). KHs müssen keine Mieten bezahlen und das Gebäude wird komplett gestellt, dies könnte eine Erklärung sein.
Überdies ist das KH System extrem kompliziert, daher ist der Verwaltungsaufwand des Gesamtsystems auch recht hoch (11%, in D sind es 6%). Kompensiert wird dies allerdings durch die effizientere Mittelnutzung.
Gibt's auch Gemeinsamkeiten? Für mich als Wirtschaftlaie hört sich das so an, als ob die Systeme nicht vergleichbar sind und eine Einführung eines ähnlichen Systems in Deutschland, hm, ich sag mal, nur bedingt möglich ist?

Ulrich
 
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TwoFingers

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09.01.2007
74357
Hallo Ulrich,

die Gesundheitssparkonten können übertragen werden. Die allein wirken schon regulierend.
Es geht auch nicht um eine 1 zu 1 Kopie sondern um Lösungsansätze. Singapur suchte ein neues System und fand nur defizitäre. Ergo, sie entwickelten ein eigenes. Sie fingen 1984 mit den Savings Accounts an und die anderen Säulen entstanden erst nach und nach.

So würde es auch in Deutschland laufen: Erst die Gesundheitssparkonten und dann die Ergänzungen.

Gruß TwoFingers
 
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Student Pflegemanagement
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HS-Esslingen
wernecla

wernecla

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26.03.2007
32427
Hallo wernecla,

Außerdem ist ja die Trennung vom Gesetzgeber gewollt und dies entspricht auch dem Subsidiaritätsprinzip.
Beide Systeme können so leichter reformiert werden (wenn man die Mehrheit im Bundestag und Bundesrat hätte).


Also was die trennung der beiden Systeme mit dem Subsidärprinzip zu tun hat, ist mir nicht klar.
Das subsidärprinzip sieht doch nur vor, das der Staat als letzte Instanz zuständig ist, diese wäre auch durch eine zusammenlegung dieser beiden Organisationen durchführbar.

Das Problem ist doch nicht die Machbarkeit. Sondern die unglaubliche Lobby der
- Pharmafirmen
- Ärzte
- Apotheker auf der einen Seite,
und die nicht existente Lobby der
- Pflegekräfte
- Hebammen
- Physiotherapeuten..
auf der anderen Seite.

Wenn das Geld verteilt wird oder Gelder gekürzt werden, und die eine Seite massiv interveniert, und die andere schweigt, wer oder bei wem wird dann wohl gestrichen???
Ich bin selber Mitgklied in der gewerkschaft, aber sollte sich eine Berufsgruppe wirklich mit so völlig anderen berufsgruppen verhandeln lassen???
Können die Sorgen und Anforderungen einer Gruppe wie der Pflege wirklich angemessen berücksichtigt werden , wenn Busfahrer und strassenreinigung mitverhandelt wird???
 
Qualifikation
Diplom Pflegepädagoge
Fachgebiet
krankenpflegeschule
U

UlrichFürst

und die nicht existente Lobby der ...
...Patienten.

Hast Du noch "vergessen".

die Gesundheitssparkonten können übertragen werden. Die allein wirken schon regulierend.
Sorry, aber das versteh ich jetzt nicht. Ich vermute mal, dass sich das auf meine Aussage bezieht, dass die Kosten nicht vergleichbar sind? Welchen Zusammenhang gibt es dann da? Und was kann da viel übertragen werden? Gerade alte Menschen sind doch häufig Krank (bzw. schwerer Krank, haben längere Krankenhausaufenthalte...

Ulrich
 
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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Teammitglied
05.07.2001
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