Innere Medizin Transfer mit Lifter gegen den Willen des Bew.anordnen?

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romana

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Hallo zusammen !

Unsere PDL und ich sind uns nicht einig in folgendem Punkt.
Bei uns können fast keine Bewohner mehr beim Transfer mithelfen, haben durch ihre Grunderkrankung starke Spastiken und z.T. Kontrakturen. Manche werden sowieso schon immer mit Lifter vom Bett in den Rollstuhl und zurück transferiert, jetzt hat unsere PDL aber gemeint, aufgrund mehrerer krankheitsbedingten Ausfälle wegen Rückenbeschwerden sollen alle Transfer mit dem Lifter gemacht werden. Mache Bewohner möchten das aber nicht, das Argument läßt sie mit dem Hinweis auf unsere Gesundheit nicht gelten.
Ich habe jedoch vor zwei Jahren einen Grundkurs in Kinästhetik gemacht und dort gelernt, dass der Transfer mit Lifter Spastiken fördert. Ich komme mit den erlernten Techniken gut zurecht, auch das Feedback der Bew. ist positiv. Da ich außerdem Mentor bin und diese Techniken gerne weitergeben würde, stehe ich nun in dem Dilemma, dass da einerseits die Anordnung "mit Lifter" ist, andererseits der Wunsch des Bewohners und meine bevorzugte Technik. Ich habe seit Anwendung der Kinästhetik keine Rückenprobleme mehr .
Wie seht ihr das ? Wie soll ich mich verhalten ? Ich sehe einerseits die Anordnung, andererseits ist es auch nicht gut für den Bewohner, wenn jede Pflegekraft andere Techniken anwendet.

Freue mich auf Antworten

LG
Romana
 
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traveler

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Hallo romana,

tja wie sollst du dich Verhalten? In Bezug auf was?
1. dass du deine Transfertechnik beibehältst?
2. dass deine Kollegen es nicht einhalten?
3. willst du dich der Anordnung widersetzen? In deinem Namen oder für alle?

Wie stehen deine Kollegen dazu?
Wie steht deine SL/WBL dazu?

Ist ein kausaler Zusammenhang von Transfer und Rückenbeschwerden herstellbar?
Dann hätte der AG ein vitales Interesse dieses schnellstens abzustellen. Vor diesem Hintergrund wäre die Anordnung nachvollziehbar.

Sind deine Kollegen nicht dazu in der Lage, oder haben diese kein Interesse die von dir propagierten Techniken zu erlernen oder anzuwenden?

Was heißt du würdest die Techniken gerne weitergeben? Warum ist dies bisher noch nicht geschehen? Wer oder was hat dich bisher daran gehindert?
Du bist Mentor? Aufgrund deiner Ausbildung oder Funktion im Betrieb?

Du siehst also ich empfehle dir eine Standortbestimmung für dich. Erst dann würde ich mir überlegen, was kann oder sollte ich aus meiner Position heraus (dienstliche Funktion und im Team) tun.

Viel Erfolg

Gruß renje
 
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romana

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Hallo renje !

Viele Fragen und der Tag ist nicht mehr ganz frisch, aber ich versuche es mit Antworten.

1. Ja ich möchte meine Transfertechnik beibehalten !
2. Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden, wie er den Transfer macht.
3. Ich weiß, dass ich mich der Anordnung eigentlich nicht widersetzen darf, aber ich habe etwas dagegen, dass so etwas von einer Person für alle entschieden wird ohne Rücksprache mit allen Kollegen.
4. Die Kollegen machen es meistens nach Anordnung mit Lifter, aber auch nicht alle, nur machen die es bei Anwesenheit der PDL mit Lifter und wenn sie nicht da ist einfach ohne Lifter, was ich blöd finde.
5. Die eine WBL ist gleichzeitig PDL, und der anderen SL ist es egal, die steht auf dem Standpunkt, jeder soll so machen, wie er will, es gibt zwischen den beiden immer wieder Differenzen.
6. Es gibt zwei Kollegen, die immer wieder über Rückenbeschwerden klagen, ist für mich dann auch klar, dass sie den Lifter nehmen, aber es sind ja nicht nur die Transfer, die den Rücken belasten, es ist ja auch das Lagern, Korrekturen der Lage im Rollstuhl usw.
7. Leider braucht das Vertiefen der erlernten Techniken Zeit, ich habe bis vor vier Monaten Nachtdienst gemacht, musste eh viel alleine machen und war froh über das Gelernte. Ausser mir haben den Kurs noch 7 andere MA gemacht, sie wenden aber fast nichts davon an, was ich sehr sehr schade finde. Ein Faktor ist die Zeit und knappe Personaldecke, was aber auch manchmal als Ausrede herhält, Neues kennenzulernen.Würde das gerne vertiefen und weitergeben, bin aber noch beschäftigt mit meiner Mentorentätigkeit, die wieder in Gang kommen muß, da lief nichts mehr !
8. Ich habe eine Zusatz-Ausbildung zum Praxisanleiter, die ich jetzt wieder im Tagdienst mit Freude aufnehme. Da die Schüler ebenfalls den Transfer ohne Lifter mit Kinästethik lernen, möchte ich das natürlich auch so weitergeben, bin aber im Dilemma mit der Anordnung der PDL.

Meine Frage ist einfach, soll ich mich nochmal nur mit der PDL auseinandersetzen und um eine "Ausnahmegenehmigung" bitten bezüglich meiner Technik oder die MA mobil machen und dazu auffordern, Stellung zu beziehen und zuzugeben, dass sie den Transfer bei manchen immer ohne Lifter machen ? Damit treffe ich aber die MA, die viel über die Rückenbelastung klagen. Denen würde ich die Techniken gerne zeigen, aber bis jetzt zeigen die wenig Offenheit, außerdem habe ich das Thema Kinästhetik nur vereinzelt angesprochen, es wäre sicher den Versuch wert, dazu eine hausinterne Weiterbildung anzuregen.

Ich finde die Arbeit im Team toll und möchte aber der PDL nicht in den Rücken fallen. Ich sage offen, dass und warum ich den Transfer bei manchen Bew. ohne Lifter mache und finde einfach, dass das jeder für sich entscheiden sollte. Außerdem ist bei zwei Bew. ganz klar der Wunsch da, ohne Lifter transferiert zu werden. Ist doch auch ein Argument, diejenigen mit Rückenproblemen müssen diejenigen ja dann nicht transferieren.

So für heute hab ich genug reflektiert und mein Gehirn schaltet jetzt auf Nachtbetrieb....

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende allen Kollegen !

Romana
 
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smily

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Hallo zusammen,

zunächst muß ich was sagen, was mir echt den Kamm und Hals schwellen läßt:mad_2: :
es spricht nicht gerade für Deine PDL, wenn sie nur eine Lösung kennt, wenn es um die Gesundheit Eurer MA geht (ich denke, schon in der Vergangenheit versagt!:mad_2: )! Wie wäre es, wenn man statt dieser (sorry, wenn ich das sage) schwachsinnigen Anordnung mit dem Lifter mal drüber nachdenkt, Schulungen in den richtigen Techniken (z.B. Hoher/Tiefer/Passiver/Aktiver/Knie-/Hocker-/ Schulter- Transfer..) durchzuführen???

Mal ganz abgesehen davon, was Eurern Bewohnern "angetan" wird- hat sich mal einer von Euch mit nem Lifter "transportieren" lassen- mit Höhenangst und zu wenig Vertrauen habt Ihr dann noch mehr Probleme mit Spastiken & Co, weil sich Eure BW noch mehr verkrampfen! Und wenn ich höre, daß anscheinend die Wünsche der BW (keine Lifter zu benutzen) übergangen werden, krieg ich Haarwurzelsausen!

Und den Zeitfaktor als Argument zu bringen- ich weiß nicht. Bis der Gurt/ das Netz von so einem Lifter richtig da ist, wo es hingehört, dauerts ja schon ne ganze Zeit, oder?

Ich arbeite seit 8(!) Jahren mit schwer- und schwerstbetroffenen neurologischen Patienten, bin mit 1,50m nicht gerade ein Riese und habe bisher noch NIE einen Lifter benötigt! Gut, manchmal haben wir Transfers, die nur zu zweit gut zu machen sind, aber bisher haben wir noch jeden transferiert bekommen. Wer Lust hat, kann gern mal bei uns hospitieren:thumbsup2:

Und der Lifter is ja das eine, habt Ihr auch ne Vorrichtung zum Lagern, Positionieren im Rolli o.ä.? Da nützt ein Lifter herzlich wenig und bei falscher Technik ist das schlimmer für den Rücken als ein Transfer.

Was würde ich Dir raten?
Zunächst ein offenes Gespräch mit allen MA und den Leitungen incl. der PDL, wo Du Deine Bedenken, Wünsche, Kritik und vor allem Vorschläge zur Verbesserung vorbringen kannst. Besonderes Augenmerk sollte da auf Kollegen mit aktuellen Rückenbeschwerden und deren Wünsche/Möglichkeiten gelegt werden.
Langfristig sollte man für interessierte MA einen Bobath-Kurs/Kinesthätik planen (meine Empfehlung Lothar Urbas= Bobath-Instructor), der die wichtigsten Dinge vermittelt, dazu immer wieder interne Fortbildungen (wöchentlich ca. 1 Stunde), die auch vorzugsweise von fähigen MA gehalten werden sollen, wo auch gegenseitig alles ausprobiert werden sollte- zum einen um Sicherheit zu gewinnen, zum anderen um zu spüren, was man als Patient ampfindet.

Liebe Grüße, smily
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Neurologie / Pflege
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Manu5959

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Hallo romana,

8. Ich habe eine Zusatz-Ausbildung zum Praxisanleiter, die ich jetzt wieder im Tagdienst mit Freude aufnehme. Da die Schüler ebenfalls den Transfer ohne Lifter mit Kinästethik lernen, möchte ich das natürlich auch so weitergeben, bin aber im Dilemma mit der Anordnung der PDL.
Frage hierzu: hast du als PA eine Weisungsbefugnis gegenüber deinen Kollegen? Diese wäre hier eine kleine Hilfe. Ich argumentiere gerne damit, das wir eine Ausbildungsstätte sind, und mit gutem Beispiel vorangehen sollten.

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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Amarillo

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Ich finde es gut,das auch die Wünsche der Bewohner beachtet werden,ja viele haben einfach Angst vor dem Lifter,angst sie würden hinfallen,dann ein sehr prof,Gespräch oder den Tranzfer mit Kinästetik,ist leider nur zu Zeitaufwändig.Immer nur schnell schnell,es ist manchmal zu mäusemelken.
 
Qualifikation
Familienpflegerin
Fachgebiet
hier
Weiterbildungen
Würde gerne mehr über Demenz wissen,und der Zwischenmenschliche Umgang pflegebedürftiger Personen,Ho
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