Intensiv Thromboseprophylaxe

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K

Konny

Neues Mitglied
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16.01.2001
Hallo liebe Kollegen/-innen!

Ich habe eine Frage an Euch und stelle dieses Thema zur Disskussion.Auf unserer Intensivstation werden unseren Patienten zur Mobilisation Anti-Thrombose-Strümpfe(ATS) angezogen.Im Bett liegend,werden ihnen die Strümpfe ausgezogen.
Ich habe in meiner Fachweiterbildung(vor 4 Jahren)gelernt,das den Patienten ATS angezogen werde,wenn sie im Bett liegen und imobil sind.Die Muskelpumpe ist passiv, funktioniert nicht,der venöse Rückstrom ist behindert oder gestört.Bei Mobilisation ist die Muskelpumpe aktiv und der physiologische Rückstrom gewährleistet.
Bei einer Disskussion mit unserer KG kamen wir zu keinem Konsens.
Wie ist es bei Euch auf den Stationen?
Welche Verfahrensweise ist die Richtige?
Gibt es neue Erkenntnisse aus der Pflegeforschung oder Ähnliches?
Ich bin auf Eure Reaktionen gespannt und würde mich über eine rege Disskussion freuen.
Konny
 
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Hallo,

ATS sind doch nur wirksam, wenn sie rund um die Uhr getragen werden. Im Bett, wie Du schon geschrieben hast,um den venösen Rückfluß zu fördern, aber auch bei der Mobilisation des Patienten, um eine orthostatische Dysregulation und ein Versacken des Blutes in der Peripherie zu verhinden. Nicht selten sind die zu mobilisierenden Patienten hierfür prädestiniert, da ihre Peripherie durch Entzündungsmechanismen, aber auch durch lange Immobilität einfach "weit" ist und es so schnell zu einem Kollaps kommen kann.
Auch wenn es für den Patienten unangenehm ist, finde ich, daß man konsequent sein muß und die ATS von der Aufnahme in die Klinik bis zur Entlassung tragen sollte!!! Denn ein Patient der sich in der Klinik befindet bewegt sich automatisch deutlich weniger als er im alltäglichen Leben tun würde und ist erhöht trombosegefährdet, v.a. in den operativen Disziplinen. Allzu lasche Handhabung (wie es oftmals individuell von Pflegekraft zu Pflegekraft entschieden wird "bei mir brauchen Sie diese Strümpfe heute nicht...") kann u.U. dem Patienten das Leben kosten und darf nicht toleriert werden.
Voraussetzung für den Gebrauch der ATS ist allerdings der korrekte Sitz des Strumpfes. Die häufig total ausgeleierten, labbrig am Unterschenkel des Pat. herunterhängenden Strümpfe bewirken nichts. Ich verwende grundsätzlich für jeden Patienten einen frischen, fabrikneuen Strumpf, denn wenn man an die anderen Kosten denkt, liegt ein ATS mit durchschnittlich 9,00-11,00DM im untersten Bereich der Kosten, die ein Klinikaufenthalt verursacht;)

Gruß,
sunflower
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
M

MarcMann

Hallo Ihr,

Nebenfrage bezüglich sunflowers Beitrag:
Neuer ATS ist ok, aber er muß gewechselt werden. Wir wechseln alle 3 Tage; jedes Mal einen neuen ATS? Einmalig 9-11 DM kann man vielleicht noch rechtfertigen, aber bei 14 Tagen Aufenthalt 5 Paar, da wird doch das Kostencontrolling aufmerksam. Sagt da bei Euch niemand etwas ?

Ansonsten gibt die Erklärung eigentlich jeden fachlichen Grund, ATS "vollzeit" zu tragen.
Natürlich muß jeder Beteiligte den gleichen Standard halten, ob Physiotherapie, Pflege oder Ärtze. Also: Zusammensetzen und Richtlinien festlegen.

Marc
 
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Hi Marc,

da hast Du schon recht, mit dem Wechseln der Strümpfe. Auf unserer Intensivstation wechseln wir die Strümpfe nicht nach einem konsequenten Intervall, sondern nur nach Bedarf, z.B. wenn sie vollgestuhlt oder blutverschmiert sind.

Bezüglich der Kosten sollte man sich vor Augen halten, daß auch Kosten in Höhe von 60,-DM für 6Paar ATS während eines stationären Aufenthaltes Peanuts sind, im Vergleich zu den Kosten für ein z.B. teures PPSB oder FFP, welches dem gerade sterbenden Patienten noch zu Teil wird oder seine "finale Fahrt" (der Patient wird mit einem 40er Druck unter max. Katecholamintherapie noch dorthin gefahren) ins MRT um noch mal kurz zu Studienzwecken die Hirndurchblutung mittels Kontrastmittel darzustellen;) Könnte Dir hiervon unzählige Beispiele nennen.

Ich finde, wir Pflegenden sollten aufhören, immer nur bei uns eine Sparwut walten zu lassen, die im Endeffekt nur Schaden anrichtet.
Da werden Berge von ATS gewaschen und kommen, da sie schon 30X gewaschen wurden, ausgeleiert und labbrig zurück auf Station und werden von den Pflegekräften immer noch verwendet, "weil die Strümpfe ja so teuer sind und wir sparen müssen".... Dieses Verhalten entbehrt doch wirklich jeder Grundlage! Der Patient ist letztlich der Leidtragende, wenn er eine Thrombose oder Lungenembolie erleidet, nur weil die Pflegekraft sparen möchte und ihm so einen ausgeleierten, in dem Fall dann absolut nutzlosen Strumpf anzieht und die Thromboseprophylaxe damit keine Prophylaxe mehr ist!

Da gibt es ganz andere Bereiche (s.o.) wie noch wirklich Einsparpotential besteht, als bei einem Paar ATS.

Viele Grüße,
sunflower
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
N

Noli

Mitglied
Basis-Konto
19.10.2000
Hallo zusammen!
Ich war mal auf einer Fortbildung wo eine Dozentin direkt die Hersteller befragt hat. Baiersdorf zum Beispiel hat gechrieben daß man deren Strümpfe ca. 3-4 mal waschen kann, bevor sie ihre Elastizität verlieren, dann müssen sie in den Müll.
Bei uns betreiben wir auf er IPS eine Prophylaxe mit Liquemin. Die Strümpfe dürfen ab dem 2.Postop Tag ausgezogen werden und werden zur Mobilisation wieder angezogen. Bisher ist noch nichts nachteiliges für die Patienten passiert.
Gruß, Noli
 
Qualifikation
Krankenschwester FA Intensivpflege
Fachgebiet
IPS
A

Auggie

Hallo All
ich kann mich den Ausführungen von Sunflower nur anschliessen. ATS nur zur Mobi oder gar nur stundenweise zu benutzen,bewirkzt gar nichts.Wenn schon Thromboseprophylaxe mit ATS dann doch bitte konsequent 24h am Tag.
Und was die Kosten angeht,bitte ich zu bedenken,das die Kosten für ein paar neue ATS sehr viel geringer sind,als die Kosten für eine nachfolgende Thrombose oder gar einer Lungenembolie.
Bei uns bekommt jeder Patient ein neues Paar ATS,das Vorgehen hat sich mittlerweile als Standard bei uns durchgesetzt,und zwar mit Absegnung der Verwaltung.

------------------
Rolf
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G

Geri

In unserem Haus wurden ATS schon vor Jahren abgeschafft - aus Kostengründen einerseits und wegen mangelnder konsequenter Handhabung andererseits. Die Strümpfe wurden zu oft gewaschen, in der Größe nicht richtig ausgesucht, nicht richtig angezogen, über Nacht ausgezogen, nur zum Aufstehen angezogen, zum Aufstehen ausgezogen, was man sich nur denken kann. Thromboseprophylaxe erfolgt seither durch Heparingabe, Mobilisation und KG, spezielle Therapie, z.B. bei chron. ven. Insuff. mit elastischen Binden. Meines Wissens ist es in den meisten Abteilungen bis heute dabei geblieben. Eine erhöhte Thromboserate ist mir nicht bekannt. Allerdings habe ich auch nicht den Supereinblick in alle Kliniken (1200 Betten).

------------------
Gruß

Geri
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Never ever give up!
 
M

Mattis

Mitglied
Basis-Konto
07.12.2000
Hi @ all!

ATS sind doch nur wirksam, wenn sie rund um die Uhr getragen werden. Im Bett, wie Du
schon geschrieben hast,um den venösen Rückfluß zu fördern, aber auch bei der
Mobilisation des Patienten, um eine orthostatische Dysregulation und ein Versacken des
Blutes in der Peripherie zu verhinden. Nicht selten sind die zu mobilisierenden Patienten.....

Dem muß ich widersprechen. Die herkömmlichen ATS, die im Klinikbereich zur Thromboseprophylaxe zum Einsatz kommen, sind, ob nun oberschenkellang oder knielang, sogenannte Liegestrümpfe. Diese ATS haben einen Druck, der in der Regel im Wadenbereich bei 10-25 mmHg liegt. Dieser Druck reicht aus für eine Beschleunigung des venösen Rückstroms um 100%, falls die Größe stimmt und die Strümpfe faltenfrei sitzen.
Dies aber nur im Liegen. Bei der Mobilisation verliert sich dieser Effekt. Um einer orthostatischen Dysregulation vorzubeugen werden Kompressionsstrümpfe mit einem Druck von mindestens 40-65 mmHg im Wadenbereich benötigt. Diese Strümpfe müssen aber im Liegen wieder ausgezogen werden, da es sonst zu Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten kommen kann.

Servus
Mattis
 
B

Bubbleman

Es ist natürlich absoluter Quatsch die Strümpfe im Bett auszuziehen, den dort ist die Thrombosegrfahr mit am größten (wir erinnern uns an die Virchow`sche Tras).
Kündigt der KG !

Als annmerkung meinerseits...
Die Strümpfe bringen den gewünschten Kompressionseffekt nur im Liegen, im Stehen reicht der erzeugte Druck nicht aus, so sagt der Hersteller !
 
C

cbh

Neues Mitglied
Basis-Konto
29.01.2001
2503
Hallo
Wir haben einen Standard für Thromboseprophylaxe in Bearbeitung und fanden einige medizinische Vergleichsstudien (Strümpfe versus lowmolekulare Heparine, deren Ergebnis war: Bessere Prophlaxe sind Strümpfe und low-molekulare Heparine (Achtung: iv. Heparinisierung war nicht eingeschlossen). Jetzt sind wir am Abklären, ob nicht alle Patienten Strümpfe tragen müssen.
übrigens: wir geben die Strümpfe b. B. den Angehörigen zum Waschen mit nach Hause. Kendal Strümpfe können sogar mehrmals gekocht werden. gruss cbh
 
Qualifikation
Krankenpflege
Fachgebiet
Aufwachraum
S

Sabine Rüdebusch

Mitglied
Basis-Konto
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bin ehrlich gesagt entsetzt, dass die Frage zur Anwendung der ATS überhaupt thematisiert werden muss!!! Es scheint noch ein grosses Wissensdefizit zu herrschen...

Folgende Fakten sollten bekannt sein:
Immobile Patienten tragen die ATS Tag und Nacht, d.h. 24 Std.

Der Druck beim Stehen und Gehen, d.h. bei der Mobilisation, überschreitet weit den Kompressionsdruck der ATS. Somit bleiben diese dann wirkungslos!!! Ein ideal angepasster ATS erreicht einen Andruck von 18 mmHg im Knöchelbereich, 14 mmHg an der Wade. ATS sind somit " Liege- oder Bettstrümpfe ".

Ich kann folgende Literatur zur Thematik wärmstens empfehlen:
Neander / Zegelin / Gerlach: Thrombose Grundlagen- Prophylaxe- Therapie. Berlin; Wiesbaden: Ullstein Mosby Verlag. ISBN 3-86126-582-6.

Herzliche Grüsse
Sabine

------------------
Sabine
 
Qualifikation
FKS I& A, Lehrerin für Pflegeberufe
Fachgebiet
FWB Intensiv- und Anästhesiepflege
Achim

Achim

Mitglied
Basis-Konto
16.01.2001
Kerken
Hallo Sabine!!!

Ich kann mich Deiner Meinung nur anschließen. Bei uns im Hause wird es auch so gemacht.

Gruß
Achim
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Hospiz & Substitutionspraxis
Weiterbildungen
RettAss
S

Schöhler

Mitglied
Basis-Konto
04.02.2001
Ludwigshafen
Hi all,

kann mich o.g. Meinung nur anschließen...vielleicht ist es erwähnenswert (für die Sparbrötchen unter uns/den Kliniken) das es Wäschestifte gibt mit denen man die ATS markierenn kann/soll. Und bei konsequenter Markierung garantiert der Hersteller für 20 Wäschen ohne ausleiern (können auch 30 sein)............................

Gruß
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Herzchirurgie
A

Auggie

Hallo
ein Wäschestift zum markieren?Wofür eine Markierung,was soll die bewirken?Das die ATS anders gewaschen werden als der Rest der Wäsche?


------------------
Rolf
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S

stefan blumenrath

Neues Mitglied
Basis-Konto
01.08.2000
Hi,
nein, man soll die strümpfe jedesmal markieren, bevor sie in die wäsche gehen. so kann man tatsächlich nachhalten, wie oft die strümpfe schon gewaschen wurden ...
aber um die ganze diskussion nochmal ein wenig anzuheizen, wie handhabt ihr denn die sockenproblematik bei patienten, die unter mikro/makrozirkulationsstörungen zu leiden haben ... zieht ihr die dinger trotzdem an?
wie siehts aus bei starken ödemen, hautläsionen welcher art auch immer, herzinsuffizienz ... wenn ich mir die kontraindikationen anschaue, finde ich in der Intensivpflege kaum einen Patienten, dem ich die Dinger anziehen könnte...

schöne grüße
Stefan

ach ja, das wichtigste was ich in der bisherigen diskussion ansonsten gelesen habe, war der hinweis, daß es bettstrümpfe sind !
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger
Fachgebiet
Internistische Intensivstation
S

Schöhler

Mitglied
Basis-Konto
04.02.2001
Ludwigshafen
Hi all,

Auggie: Ja, genau das; bei uns im Haus werden die ATS in ein Wäschenetz verpackt und separat gewaschen; eben dafür könte man den Wäschestift benutzen (wird aber nicht konsequent durchgeführt).

Stefan: Ich denk das sollte man individuell (wer hätts gedacht) entscheiden; kommt m.E. auch und vor alem auf die Art der Strümpfe an; je enger der Bund (oben), desto eher würd ich drauf verzichten (v.a. wenn noch die von Dir beschreibene Problematik Gefäßinsuff., Ödem o.ä. dazu kommt)


Gruß
Christian
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Herzchirurgie
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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