Innere Medizin Thrombopenie -> Thrombosegefahr?

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milan

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Kann ein Mensch bei bestehender Thrombopenie eigentlich eine Thrombose entwickeln?

Diese Frage hab ich letztens gestellt bekommen und wusste keine Antwort, deshalb frag ich hier mal und hoffe auf Antworten.

Unser Patient war ein älterer geschwächter Herr, der überwiegend im Bett liegt. Er hatte neben KHK, Herzinsuffizienz, Polyneuropathie wegen eine Stenose in der Wirbelsäule (alte Kriegsverletzung) und Cholangitis, eine Leuko- und Thrombozytopenie unklarer Genese. Verdachtsdiagnose war eine AML, aber nur ein wager Verdacht. Wenn jetzt kein Tumor im Beckenbereich vorliegt, kann trotzdem eine Thrombosegefahr bestehen? Ich wurde nämlich gefragt, ob bei dem Patienten eine Thromboseprophylaxe notwendig sei.

Was meint oder wisst ihr hierzu oder wo kann ich etwas dazu nachlesen?

Herzliche Grüße

milan
 
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access

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Re: Thrombopenie->Thrombosegefahr?

Hallo Milan,

die Antwort zu deiner Frage kann ich meines Wissens nur mit JA beantworten,
jeder Mensch kann im Prinzip eine Thrombose entwickeln, in deinem spez. Falle liegt die Wahrscheinlichkeit nach Ausschluss aller Erkrankungen, z.B. Überprüfung der Gefäße, Leber usw., eher gering. Sollte man aber auf Grund seiner Bettlägerigkeit, bzw. massiven Einschränkung in der Mobilität, in Erwägung ziehen diesen Pat., auch nur im prophylaktischem Sinne, gerinnungstechnisch zu schützen, müssen alle evtl. Parameter kontinuierlich überprüft werden.
Ich hoffe dir geholfen zu haben

access
 
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josephine

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Re: Thrombopenie->Thrombosegefahr?

Hi,

also, das ist jetzt sicher nicht sehr sachlich und begründen kann ich es auch nicht.
Lediglich ein erfahrungswert: mein bruder hat im Zuge seiner ALL mehrfach Throbosen, Lungenembolien und Tia`s gehabt. Bei drei Vorfällen war er definitiv throbopen.
Warum, kann ich -auch mit meinem kleinen Fachwissen hierzu- nicht sagen.
Vielleicht fragst du mal einen Hämatologen bei euch im Haus.
Die erklärung würde mich auch interessieren.

LG,

J
 
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milan

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Re: Thrombopenie->Thrombosegefahr?

Vielen Dank access und josephine für Eure Antworten.

Ihr bestätigt beide meine Vermutung, nämlich, dass es möglich sein kann, dass auch bei wenig vorhandenen Thrombozyten sich Thromben bilden können.

josephine, dass mit Deinem Bruder ging mir unter die Haut, tut mir leid. Wie geht es ihm denn zur zeit?

Deinen Tipp mit dem Hämatologen werde ich umsetzen und hier was dazu schreiben.

Herzliche Grüße

milan
 
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Allround

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Wenn jetzt kein Tumor im Beckenbereich vorliegt, kann trotzdem eine Thrombosegefahr bestehen? Ich wurde nämlich gefragt, ob bei dem Patienten eine Thromboseprophylaxe notwendig sei.
Hallo milan,

unser Hämatologe/Onkologe ordnet bei ausgeprägter Thrombopenie kein Clexane an, sondern schreibt manchmal sogar unter AO "Kein Clexane!", damit keine Schwester aus freien Stücken auf so eine Idee kommt...:innocent:

Die Blutungsgefahr überwiegt die Thrombosegefahr.

Bei Grenzwerten gilt das, was oben schon geschrieben wurde.

Grundsätzlich sollte bei Clexane-Gabe mind. einmal die Woche das BB kontrolliert werden.

LG, Allround
 
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josephine

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Hi Milan,

Danke der Nachfrage, derzeit geht es ihm wirklich gut. das was er "colateral Schäden" nennt bleibt halt. Ich weis, dass es für ihn nicht einfach ist, so völlig aus dem normalen Leben gerissen zu werden. Die ALL ist "vorbei", falls man das sagen kann, er gilt als geheilt. Wer in der Onko bzw. Hämaonko arbeitet, weis sicher, wie breit da das ranking ist. Die Begleiterscheinungen und Folgeschäden durch die Therapien und die möglichen Folgeerkrankungen sind eben wie sie sind. Er lebt und das nicht allzu schlecht und hoffentlich noch für eine ganze Weile. Wir haben gelernt mit den Einschränkungen zu leben, das geht mal besser und mal schlechter. Aber im großen und ganzen sind wir zufrieden, dass wir meistens ganz gut klar kommen.

Bitte schreib hier, was du sonst noch zu den Thromben bei thrombopenie erfährst. es interessiert mich, aber ich will seinen Hämatologen nicht dauernd nerven; dass habe ich während der Akutphasen schon recht ausgiebig getan ; ).

LG, j
 
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milan

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Hallo Allround,

danke für Deine Antwort. Das mit dem Clexane und der erhöhten Blutungsneigung sehe ich völlig ein, ist sicher zu beachten und ich hätte meine Frage genauer formulieren müssen. Ich muss schmunzeln wegen "aus freien Stücken nicht auf so eine Idee kommen", so ist das manchmal...

Nun wurde ich vom Schüler gefragt, ob er in seiner Versorgung dieses Patienten die Thromboseprophylaxe gezielt mit aufnehmen soll, also so spezielle Bewegungsübungen o.ä. Ja und da musste ich passen. Wir haben hin und her diskutiert. Bewegung im Rahmen seiner Belastbarkeit unterstützt neben Atmung, Darmbewegung usw. natürlich auch den venösen Rückfluss. Aber mir ist aufgefallen, dass ich nicht sicher die Thrombosegefährdung einschätzen konnte. Gibt es da eigentlich auch eine Skala wie beim Thema Dekubitus und Pneumonie?

Hallo josephine,

freut mich zu hören, dass es Deinem Bruder ganz gut geht. Klar schreibe ich hier was, wenn ich unseren Onkologen gefragt hab (bin manchmal 1-2 Monate nicht im Kontakt mit der Onkologie,weil dann grad kein Schüler dort eingesetzt ist, dann ist es schwierig, den Doc zu finden).

Herzliche Grüße,

milan
 
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