Suizid

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aviane

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15.10.2007
74189
Hallo allerseits. Seit gestern versuche ich mich hier anzumelden , heute hat es endlich geklappt. Meiner Meinung nach ist das mit dem Anmelden hier recht umständlich. Jetzt zu meiner Frage und zwar ,was sage ich den Patienten, wenn sich jemand von den Mitpat. suizidiert hat ? Es kommt leider doch hin und wieder zu solchen Vorfällen und wenn Mitpat. merken ,dass der Tischnachbar/Zimmernachbar fehlt dann fragen sie natürlich .Ich fühle mich dann recht unwohl in meiner Haut ; was sage ich , darf ich überhaupt was sagen(Schweigepflicht!) , wieviel darf ich Preis geben? Eine sehr heikle Angelegenheit und ich bin dann immer froh wenn mich niemand fragt , aber wenn doch , habe ich ein ungutes Gefühl ...Wie mach ihr das ?

Danke und liebe Grüße
Aviane
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Akutpsychiatrie
K

kreatix

Mitglied
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Liebe aviane,
in meiner Ausbildungszeit gab es auf der Psychiatrie auch einen Suizid eines Patienten. Dafür wurde die allgemeine Morgenrunde genutzt darüber zu sprechen. Es wurde den Patienten erklärt wieso der Mitpatient dies als letzten Ausweg fand. Es wurde total offen gesprochen und nicht drum rum gedruckst. Ich fand das damals eine sehr gute Lösung.

Liebe Grüße
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Septische Chirurgie
Weiterbildungen
Wundexperte (ICW)
CBRN-Beauftragter
EPZ-Mitglied
A

aviane

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
15.10.2007
74189
Guten Morgen und danke Kreatix , wir haben auch eine Morgenrunde , und ich hatte auch die Idee es dort zu erzählen , aber niemand wollte dann derjenige sein , der's macht( ich auch nicht) und außerdem waren wir uns nicht sicher ob nun das PP das machen darf (Schweigepflicht ) oder ob das die Aufgabe vom Arzt ist .Und so kamen wir zu keinem Ergebnis und haben uns entschieden gar nichts zu sagen in der Hoffnung dass Pat. nicht nachfragen .Völlig hirnlos wenn du mich fragst ! Mein Stationsleiter wird das in der nächsten Abteilungsbesprechung ansprechen , mal sehen ob die oberen Herren zu einem Ergebnis kommen.
LG
Aviane
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Akutpsychiatrie
M

MiChung

Hallo Aviane,

Suizid eines Patienten ist immer ein schwieriges Thema und sicher gibt es keine allgemeingültige Lösung in Bezug auf den Umgang mit Informationen der Patietengruppe. Es kommt immer auch darauf an, welches Klientel sich gerade in der Behandlung befindet.
Ich habe auf einer offenen psychotherapeutischen Station gearbeitet, dort wurde so ein Thema innerhalb einer Stationsversammlung bearbeitet. Wichtig dabei ist, dass die zuständigen Theapeuten sich Zeit nehmen, Fragen, entstehende Krisen bei Mitpatienten o.ä. auch im Nachhinein auffangen zu können.
Auf der Station auf der ich jetzt arbeite, werden akut erkrankte Patienten behandelt, hier macht es nicht immer Sinn, darüber zu sprechen. Oft ist es besser abzuwarten, ob und welche Fragen kommen und in der Situation zu entscheiden, ob es nicht zu belastend ist - vor Allem im Hinblick darauf, dass es häufig auch zu weiteren Suizidalen Krisen bei den Mitpatienten kommen kann.
Dass irgendetwas nicht stimmt, merken die anderen Patieten natürlich, weil ja auch die Mitarbeiter durch einen Suizid während der Behandlung sehr belastet sind. Es ist unmöglich in einem solchen Fall zum "Tagesgeschäft" überzugehen ohne dass die "Umwelt" etwas davon mitbekommt.
Ich würde das Thema auch mit den zuständigen ärztlichen Leitungen (Oberart/ Chefarzt) besprechen und wenn Ihr sowas habt auch in jedem Fall in der Supervision zum Thema machen. Auf keinen Fall im Alleingang Patienten informieren.
Wichtig finde ich ebenfalls zu schauen, welche emotionale Unterstützung Ihr auch als Team bekommen könnt, die Situation zu besprechen. Wie geht es jedem einzelnen Teammitarbeiter, macht sich vielleicht jemand Vorwürfe, was ist mit der Frage, ob es hätte verhindert werden können, etc...
Eine gute Anlaufstelle kann dabei auch die Seelsorge der Klinik sein.
Ich wünsche Euch, dass Ihr den nötigen Beistand und entsprechende Unterstützung seitens Eurer Vorgesetzten bekommen könnt. So ein Vorfall ist immer schlimm und sehr belastend (spreche da aus Erfahrung...)

Liebe Grüße MC
 
Cr@shPS

[email protected]

Mitglied
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17.10.2007
66955
Ich würde jetzt behaupten so einen "Morgen-Runde" verstößt gegen die Schweigepflicht! Oder etwa nicht???
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Interdisziplinäre Intensivstation/Stroke Unit
Weiterbildungen
Mitglied in der JAV seit 2005
MuuuHaaa

MuuuHaaa

Gesperrter Benutzeraccount
07.02.2007
0815
Hallo,

bei uns findet dafür eine extra einberufene Patientenrunde statt.
Schweigepflicht? Ich habe noch nie mitbekommen das die Patienten das nicht mitbekommen haben. Mir ist es lieber wir sprechen es offen an, da die Patienten durch so etwas belastet sind (und wir natürlich auch).
Achja...die Schweigepflicht....wir fragen die Patienten was sie wissen und bauen darauf auf. Wir reden nicht über die Erkrankung sondern wie die "überlebenden" Patienten damit klar kommen.

Die Führung des Gespräches machen wir mit den Ärzten zusammen.


Gruß

Vader
 
Qualifikation
Pointenkiller
Fachgebiet
Niemansland
Haderlomp

Haderlomp

Neues Mitglied
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21.10.2006
25795
Ich würde jetzt behaupten so einen "Morgen-Runde" verstößt gegen die Schweigepflicht! Oder etwa nicht???
Eine Schweigepflichtsverletzung im engeren Sinn ist meiner Meinung nach nicht vermeidbar. Zum Einen Leben hier Menschen wochenlang auf engsten Raum miteinander und zum Anderen arbeiten diese meist intensiv in therapeutischen Gruppen miteinander und wissen somit ziemlich viel voneinander. Hier mit einer Schweigepflicht zu argumentieren wäre wohl etwas zu kurz gedacht, oder? In einem Bereich in dem psychotherapeutisch gearbeitet wird ist es zwingend notwendig Suizidhandlungen zu thematisieren und nicht zu tabuisieren. Sich hier mit einer strengen Schweigepflicht schadlos zu halten ist meiner Meinung nach unprofessionell und rücksichtslos.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
G

Goldlocke

Mitglied
Basis-Konto
17.09.2007
47447
Hallo
Habe mit dem Thema Suizid im Alter Gott sei Dank in meinen 21 Berufsjahren als Pflegerin nicht viel Erfahrung. Als es dann doch passierte, vor 4 Jahren,war es das bis jetzt schlimmste Erlebnis meines Lebens. Das was mich immer noch beschäftigt, ist das bekannt war das die Dame suizidgefährdet ist, wochenlang in einer psychiatrischen Klinik war, als "geignet zum Leben in einem Altenheim" wie unserem beurteilt wurde. Diese Frau hatte im Vorfeld (zuhause) schon mehrfach versucht sich das Leben zu nehmen, vielleicht dachten die Angeh. das sich das mit der Heimeinweisung geben würde....
Sie hatte viele Freundinnen bei uns, war nach der Entlassung aus der Psychiatrie( nach einem Suizid-Versuch) unauffällig,kontaktfreudig. Zwei Wochen später sprang sie aus ihrem Fenster. genau zur Abendbrotzeit. Zu der Zeit essen ca 50 Bew. in unserem Speisesaal unten, sie landete genau daneben. alle haben es gesehen!!! Soviel zum Thema verschleiern. Am schlimmsten war die Enkeltochter. Sie hat eine Kollegin fast gewürgt. Es wäre alles unsere Schuld gewesen.Das war eine schlimme Zeit, die traumatisierten Bew.,die armen Angehörigen. Das für mich schlimmste ist immer noch, vergessen kann man so was nicht. Es hat sich keiner um uns Pflegepersonal gekümmert, das schlechte Gewissen bleibt. Haben wir uns doch zu wenig gekümmert? Auf der anderen Seite: warum kümmern sich Angehörige nicht um einen Pflepgelatz; der auf die Bedürfnisse ihrer Mutter etc. zugeschnitten ist. Muss man sich auf den letzten Drücker kümmern? Fazit für mich: Wer sich umbringen möchte, schafft das auch. Aber man kann,wenn es bekannt ist, einrichtungen suchen. Dort wird gezielt auf die Person eingegangen. Auf gar keinen Fall 08/15 Altenheime.
also die Frage mit der Info an die anderen Bew hatte sie quasi selbst geklärt.
Sarkamus lass grüßen. Wünsche keinem so ein Erlebnis
 
Qualifikation
ex.Altenpflegerin
Fachgebiet
stat.Altenpflege
T

thomasmaurer

Mitglied
Basis-Konto
26.07.2006
79312
Hallo Aviane,

allso bei uns hat sich Gott-Sei-Dank eine, meines Erachtens, recht gute "Kultur" beim Umgang mit Patientensuizid entwickelt. Ein Suizid wird offen bekannt gegeben, ohne Namen zu nennen. Der Arzt oder Oberarzt der betroffenen Station gibt den immer tragischen Suizid eines Patienten über E-Mail bekannt, die betroffene Station kann von dem Oberarzt, der als "Suizidbeauftragter" im Haus fungiert, eine SonderSupervision erhalten, die Terapeuten der betroffenen Station stehen gemeinsam mit dem verfügbaren Pflegepersonal nach der Bekanntgabe im extra einberufenen Patientenforum für Gespräche und Krisenintervention zur Verfügung. Natürlich läuft das ganze Procedere nicht immer rund, aber ich finde es schon gut, wenn es Leitlinien und allgemein gültige Verhaltensregeln in einer Institution zu diesem Thema gibt.
Meines Erachtens ist das Thema Suizid ein zentrales im Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und sollte sowohl im interdisziplinären Austausch als auch in der Ausbildung mehr Beachtung finden.

Mit herzlichen Grüßen

Thomas
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Gerontopsychiatrie
M

Mietze-Katze

Mitglied
Basis-Konto
22.03.2007
13353
Bei uns wird schon mal gesagt, der Patient sei verlegt worden. Wird auch gesagt, wenn jemand gestorben ist. Manchmal glaube ich die Mitpatienten wollen auch nichts anderes hören.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Med.Klinik
J

Jodoli

Neues Mitglied
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17.01.2008
53783
Hallo Aviane,
Spannend und entäuschend das keiner auf die Rolle der eigenen Pflege Vorgesetzten zu sprechen kommt. M.E. erachtens ist es aus dieser Funktion heraus gut möglich das Rahmenprogramm (Psychologische Soforthilfe) als auch die Sicherheit zu vermitteln die jeder in einer solchen Sizuation braucht. Die Schweigepflicht stellt kein Problem dar die Selbsttötung kein anvertrautes Geheimnis ist. Durch die bekannt gabe kann auch keine Person mehr in Ihren Rechten verletzt werden solange man sich nicht so Details verlert das Angehörige hier eine Verletzung Ihrerseit sehen.
Aber zurück zur eigentlichen Frage es scheint mir eher Fahrlässig Patienten nicht zu informieren und mit Ihnen offfen darüber zu sprechen. es gibt immer wieder die Situation das Mitpatienten es vorher wussten sich Vorwürfe machen, nachahmer und das Thema neigt eindeutig zur weiteren Einengung sowie zur Retraumatisierung. Das Team (interdisziplinär) muss sich gemeinsam dieser Aufgabe stellen.
Mein Buchtip: Suizid und Suizidversuch, Ethische und rechtliche Herrausforderung im klinischen Alltag Wolflast und Schmidt, C.H. Beck Verlag
isbn:3 406 539890
 
Qualifikation
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05.07.2001
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