Sterbehilfe

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Harald Zagar

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07.07.2000
Liebe Freunde im Board,

nun ist es soweit, die Niederlande hat das erste Gesetzt zur aktiven Sterbehilfe verabschiedet. Es ist ein Thema das auch in der deutschen Krankenpflege diskutiert werden muß. Auch wenn es für viele von uns ein Tabu-Thema ist.

Pflegepersonen werden heute mehr als in der Vergangenheit mit dem Thema der Sterbehilfe und der Sterbebeihilfe konforontiert. Wie wollen wir uns verhalten? Was ist ethisch richtig?
Hier drei Stellungnahmen:

Jemanden auf eigenes verlangen zu töten oder jemanden Beihilfe zum Selbstmord zu leisten, ist nach geltendem Strafrecht verboten.

Exit, die Vereinigung für humanes Sterben, propagiert die Selbsttötung und unterstützt Sterbebeihilfe

Das menschliche Leben, dessen verfassungsmäßigen Schutz wir anstreben, "endet mit dem natürlichen Tod". Der Zeitpunkt liegt in Gottes Hand. Wer sind wir, dass wir ihm hier hineinpfuschen dürfen, so fragt die christliche Ethik.

Damit Sterbehilfe nicht zu Sterbebeihilfe ausartet, darf es für uns in der Krankenpflege keine hoffnungslosen Fälle geben. Der hoffnungslose Fall beginnt, wenn wir einen Menschen nur noch als "Fall unter vielen anderen mehr oder weniger gleichartigen Fällen" sehen, nicht mehr aber als diesen besonderen Menschern in seinem eigenen Schicksal.

Mit diesem Gesetz in den Niederlande ist erstmals der Damm der Ethik wirklich aufgebrochen worden. Was kommt danach; der geklonte Mensch?
Ich hoffe auf eine umfangreich Diskussion im sinne einer noch nicht verelenden Ethik in unserem Beruf Krankenpflege.

Gruß Harald
 
H

haus maranatha

Gesperrter Benutzeraccount
Hallo Harald,

Du hast Recht, es ist so weit. Wenn ich richtig informiert bin, sind auch in Deutschland 36 % der Bevölkerung für die Sterbehilfe.

Ich denke, daß nicht viele neue Aussagen gemacht werden. Die eine Gruppe ist dafür, die andere dagegen. Es ist zu erwarten, daß jetzt der Kreis der Befürworter sehr schnell größer wird. Selbst wenn sich viele darum bemühen, diese Entwicklung aufzuhalten, wird dies nicht gelingen.

Wie Du weißt, wurde das Thema Ethik schon sehr intensiv und konträr hier diskutiert. Es ist eine Tatsache, daß denjenigen, die einen Gott als oberste Instanz anerkennen, eher Fanatismus vorgeworfen wird als jenen, die vorgeben, ohne Gott auszukommen. Bereits vor ca. 3500 Jahren sagte der Herrscher eines großen Reiches: "Wer ist der Gott, dem ich gehorchen sollte?" Heute denken und reden immer mehr Menschen in gleicher Weise.

Gott sagte: "Wenn Du liebst, wirst Du nicht töten!" Wir sagen heute: "Du darfst töten!" Ich gehe davon aus, daß es in nicht allzu ferner Zukunft heißen wird: "Du mußt töten!" Diese Forderung wird aufgestellt werden von jenen, die nicht bereit sind, die vorhandenen Ressourcen zu teilen.

Wenn jetzt in Holland "eine schon lange geübte Praxis nun endlich legalisiert" wird, wie es in der Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen war, wird ersichtlich, daß meine These zutreffend ist: "Wir müssen nur lange genug die Gesetze übertreten, dann werden diese an die gängige Praxis angepasst und Unrecht wird zu Recht erklärt!"

Es ist bekannt, daß jetzt bereits in Belgien und der Schweiz in die gleiche Richtung gedacht wird wie in Holland. Die paar Pflegekräfte, die sich gegen diese Entwicklung stellen, werden sie doch nicht verhindern. Sie können sie lediglich ein wenig hinauszögern. Es ist zwar traurig, aber nicht zu ändern.

Gruß

------------------
Johannes Paetzold
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Leitung
K

kentauren

Mitglied
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15.03.2001
Intensivtherapie oder Intensivwahn??
Viele Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten sind fraglich und bleiben fraglich. Wie weit darf man im medizinischen Bereich gehen?? Darf ein Arzt, nur um sein Ego zu stärken, über den Willen des Patienten hinweggehen und eine Therapieform wählen, die zwar ein längeres "Überleben" gewährleistet, aber kein Leben mehr beinhaltet??
Empathie und Akzeptanz sind leider noch kleine Worte, die auch bei mir leider nicht immer ankommen. Menschlich. Aber ein Mensch, der aus Angst (der Ärzte) nicht mit den richtigen Schmerzmitteln behandelt wird, der vielleicht auch gar nicht mehr behandelbar ist, wieso sollte man ihm einen Wunsch, der überlegt und gezielt dargestellt wird, nicht erfüllen??? Wieso muß jeder Mensch bis zum Erbrechen reanimiert werden, wenn keine Aussicht auf Erfolg besteht??
Aktive Sterbehilfe kann auch passiv geschehen, durch Unterlassung von möglichen Maßnahmen. Ein Tabuthema, wird aber sehr oft praktiziert. Mut zur Langsamkeit!! Oft verschwiegen und in vielen Krankenhäuser täglich Brot.

Öfter sollte man versuchen, sich in die Situation eines unheilbar Kranken zu versetzen. Wie würde man reagieren, was würde man wollen? Und dann die Frage: Könnte ich einem Patienten, der mich bittet, dabei helfen? Würdevoll Abschied nehmen ist leider oft nicht möglich für diese Patienten.

"Das geht doch nicht"!!!! Ich kann doch keinen Menschen vorsätzlich töten!!!!!!!!! Unverschämt so etwas überhaupt zu hinterfragen!!!!!!!!!! Frechheit!!!!!!!!!!!

Oder doch nicht???
Warum darf man jedes Tier, das unter Krankheiten leidet oder gar starke Schmerzen ertragen muß, einfach töten? Es ist ja zum Wohl des Tieres, es hätte doch nur noch gelitten.
Natürlich ist ein Mensch kein Tier, er steht in der Rangordnung an erster Stell, darin bin ich mir bewußt.

Doch steht ein Mensch, der sich seines Wunsches sicher ist, dann nicht an letzter Stelle?? Er wird entmündigt auf eine Art und Weise, wie es schlimmer nicht sein kann. Solange man jung und gesund ist, wird dieser Fall sicher nicht so einfach entstehen, aber im Alter....................

Für mich ist nur eines wichtig: "Sollte ich je in die Lage kommen mir den Tod, aus triftigen Gründen, herbei zu sehnen, möchte ich darüber entscheiden dürfen.

Um Mißbrauch erst gar nicht aufkommen zu lassen, benötigen wir allerdings gute Gesetze und Vorschriften. Wie diese Aussehen, dazu kann und will ich mich nicht äußern, da ich mich nicht kompetent genug, für diese Frage, halte.
Aber wie oft wird es heute schon, aus niederen Gründen versucht, Menschen zu töten?? Ich denke, daß eine Legalisierung der Sterbehilfe keine großen Veränderungen in diese Statistiken bringen würde. Aber wo gibt es keine Ausnahmen?

Sterbehilfe und geklonte Menschen, wie oben angeführt, sind für mich zwei verschiedene Themen. Beim einen geht es um die Würde des Menschen, beim anderen handelt es sich um ein Spiel mit dem Feuer. Darum bin ich der Meinung, hier ist der falsche Ort um beide Themen gegenüber zu stellen. Ethisch sind es natürlich wichtige Fragen, aber wenn wir uns nicht auf ein Thema einigen, dann wird diese Diskussion ein nicht endendes Spektakel.

Gruß Stefan
 
Qualifikation
ex. Krpfl.
Fachgebiet
Neurochirurgie/Wachraum
Bob Brewer

Bob Brewer

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01.12.2000
44287
Hallo @lle!

Ich glaube dass es wichtig ist zu erkennen, dass in Holland ersteinmal eine gesetzliche Grundlage geschaffen wurde, für etwas, was stillschweigend geduldet wurde.

Hier in Deutschland ist das Thema ohnehin emotional besetzt - was zum Teil richtig ist. Allerdings kommt keine sachliche Diskussion zustande, wenn alle hysterisch werden.

Wir reden einerseits von Tötung auf Wunsch, andererseits ist die Situation der Reanimation bei chronisch Kranke und über 80jährige Sterbende noch nicht geklärt. Solange Ärzte nicht in der Lage sind, für ein ruhiges Sterben zu sorgen, solange wird diese Diskussion problematisch sein.

MfG

Bob
 
Qualifikation
Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
Altenheim
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WBL, PDL, TQM-QMB, HL
H

Harald Zagar

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07.07.2000
Hallo Stefan,Bob,Johannes
und alle Freunde im Board,

eure Beiträge zeigen mir schon in der kleinen Diskussion wie problematisch dieses Thema ist, und auch weiterhin sein wird. Es wird wohl immer eine " Für-und-Wider-Bewegung" geben.

Ob Verdrängung (Tabu) oder Überspielen (Exit)- beides spricht für eine bestimmte Einstellung und Haltung des heutigen Menschen dem Tod gegenüber. Die Angst vor dem Sterben wird aber weder durch Verdrängen noch durch Überspielen aus der Welt geschafft. Sterben als existentielles Geschehen wird kaum ohne ebenso existentielle und das heißt wahrhaftge und ehrliche Auseinandersetzung damit bewäligt werden können.

Der vorzeitig herbeigeführte Tod habe eine Erlösung von unerträglichem psychischem und physischem Leiden herbeigeführt, so wird von Exit-Befürwortern argumentiert. Im Normalfall aber ist der Lebenswille stärker als der Todestrieb. Die Phase des "Verlangens nach der erlösenden Spritze" wäre dann eher ein Ausnahmezustand. Wer kann aber darüber entscheiden, ob und wann der Sterbende sich in einem Ausnahmezustand befindet, in einer Phase tiefster Depressionen und Verzweiflung, die vorübergeht und die notwendigerweise teil eines letzten Reifeprozesses ist??

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Phase abgelöst wird und dass der Betroffene dann froh ist, dass er die Krise durchgestanden hat und ihm das tödliche Medikament verweigert wurde.

Ich gehe mit Kübler-Ross einig, wenn sie sagt, Menschen, die eine echte, menschliche Sterbebegleitung erfahren (dazu gehört auch eine größtmögliche Schmerzfreiheit), brauchen keine tödliche Spritze (s.hierzu auch meine Artikel in www.pflegenet.com "Wenn die Seele Trauer trägt... und "Die Wahrheit am Krankenbett")

Ich wünsche allen lesern ein frohes und gesegnetes Osterfest.
Gruß Harald
 
J

Joerg Guenther

Guten Tag liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte mich heute losgelöst von Euren Beiträgen zum Thema Sterbehilfe äußern.

Wichtig ist mir vor allem eines,
Sterben muß in Würde und ohne Schmerzen möglich sein, letzteres vor allem, wenn es der/die Sterbende wünscht.

Diesem Wunsch muß Folge geleistet werden. Ich denke, das in diesem Falle mit der Unterstützung durch Hospize und/oder ähnliche Institutionen es nur noch ganz vereinzelt zu Anfragen nach Sterbehilfe durch dem Tode nahe Menschen kommen wird.

Wie sollten wir dann mit diesem Wunsch umgehen? Ist es das legitime Recht eines jeden Individiums selbst seinem Leben ein Ende zu bereiten, so muß es auch dem Arzt möglich sein in noch so ausweglosen Situationen die Möglichkeiten einer Selbsttötung an die Hand zu geben. Ist dies nicht der Fall, so dürfen wir, bzw. die Legislative als auch Judikative ihm diese Möglichkeit nicht geben.

Weiterhin muß es endlich verbindlich geregelt werden, das Patiententestamente auch Rechtskraft und verbindliche Wirkung haben. So ist darauf hinzuwirken, das, wenn ein Patiententestament vorliegt, die hierin als zu unterlassende Handlungen festgelegte Vorgänge auch im Nachhinein wirksam werden. Dies heißt, das, wenn ein Patient, gegen seinen Willen an lebensverlängernde Geräte bei weiterhin aussichtloser Prognose angeschlossen ist, diese abzustellen sind, bzw. auch die Medikamentöse unterstützung einzustellen ist.

Meines Erachtens gehört allerdings auch dazu, das zum Beispiel keine Operationen die nur ein Leiden verlängern erlaubt sein dürfen, es sei denn, sie lindern die Beschwerden.

Es grüßt ein nachdenklicher

J.Günther



[Dieser Beitrag wurde von Joerg Guenther am 12. April 2001 editiert.]
 
Bob Brewer

Bob Brewer

Mitglied
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44287
Hallo Harald!
<hr>
Ich gehe mit Kübler-Ross einig, wenn sie sagt, Menschen, die eine echte, menschliche Sterbebegleitung erfahren (dazu gehört auch eine größtmögliche Schmerzfreiheit), brauchen keine tödliche Spritze
<hr>

Ich bin auch diese Meinung - schade dass es immer noch ein Problem ist, obwohl wir alle sterben müssen. Aber, nachdem eine Frau aus einem Hospiz zu uns kam, weil die Krankenkasse der Aufenthalt nicht mehr finanzieren wollte, frage ich mich, ob bei den Krankenkasse es Befürworter der Todesspritze gibt!!!

Die Frau starb nach einige Tagen bei uns.

Schöne Feiertage wünsch ich Euch alle auch!

Bob
 
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Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
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Altenheim
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F

frank

Wichtig ist mir vor allem eines,
Sterben muß in Würde und ohne Schmerzen möglich sein, letzteres vor allem, wenn es der/die Sterbende wünscht...

...Wie sollten wir dann mit diesem Wunsch umgehen? Ist es das legitime Recht eines jeden Individiums selbst seinem Leben ein Ende zu bereiten, so muß es auch dem Arzt möglich sein in noch so ausweglosen Situationen die Möglichkeiten einer Selbsttötung an die Hand zu geben. Ist dies nicht der Fall, so dürfen wir, bzw. die Legislative als auch Judikative ihm diese Möglichkeit nicht geben.
lieber jörg,
ich habe ziemlich lange darüber nachgedacht und ich komme für mich zu dem schluss, das es todkranken nicht versagt sein darf aus dem leben zu scheiden, wenn es für alle anderen Menschen doch möglich ist. ich meine das natürlich bei menschen die ernsthaft und nachvollziehbar ihre entscheidung nicht mehr zu leben dargelegt haben, mündlich oder schriftlich, anhand von pat.verfügungen.
problematischer für mich entfinde ich es bei menschen in situationen wo es für sie nicht möglich ist, freie entscheidungen zu treffen und die keine pat.verfügung haben, vorrausgesetzt sie wird in zukunft anerkannt.
in holland, habe ich gelesen, werden pro jahr ca.1000 menschen getötet, die sich nicht mehr frei äussern können,dabei nehmen die Angehörigen oder die Ärzte an, das die menschen sterben wollen.

<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>Weiterhin muß es endlich verbindlich geregelt werden, das Patiententestamente auch Rechtskraft und verbindliche Wirkung haben. So ist darauf hinzuwirken, das, wenn ein Patiententestament vorliegt, die hierin als zu unterlassende Handlungen festgelegte Vorgänge auch im Nachhinein wirksam werden. Dies heißt, das, wenn ein Patient, gegen seinen Willen an lebensverlängernde Geräte bei weiterhin aussichtloser Prognose angeschlossen ist, diese abzustellen sind, bzw. auch die Medikamentöse unterstützung einzustellen ist.
<HR></BLOCKQUOTE>

Wie siehst du die flüssigkeitszufuhr/ ernährung über MS bei sterbenden patienten? brauche ich, wenn ich sterbe flüssigkeit bzw. nahrung über die MS ?
in der praxis erlebe ich meist nur flüssigkeitszufuhr,G5 oder NaCl 0,9%, bei sterbenden patienten...

auch ein sehr nachdenklicher

frank

allen ruhige ostertage
 
J

Joerg Guenther

Hallo Kentauren Hallo @all

Warum darf man jedes Tier, das unter Krankheiten leidet oder gar starke Schmerzen ertragen muß, einfach töten? Es ist ja zum Wohl des Tieres, es hätte doch nur noch gelitten.
Natürlich ist ein Mensch kein Tier, er steht in der Rangordnung an erster Stell, darin bin ich mir bewußt.
Hier stellt sich eigentlich die Frage, darf ich, dürfen wir das wirklich?

Wenn wir Tiere töten, ist das nicht auch eine ethisch verwerfliche Tat ?

Nur mal so gefragt. Natürlich töten wir Tiere zu Nahrungszwecken etc. aber wie ist es z.B. im Bereich der BSE oder MKS mit der Ethik bestellt. Keulen bis zum Umfallen und dann verbrennen das Ganze. Wo ist da die Ethik. Tausenden Menschen leiden Hunger auf der Welt. Wir aber vernichten durchaus essbares Fleisch. Wir gestatten eine nicht Menschen und Tierwürdige Massentierhaltung und beschwören damit diese Krankheiten herauf.

Hier schließt sich dann auch wieder der der Kreis. Die Tiere erhalten Antibiotika und Hormone, wodurch beim Menschen Mißbildungen ausgelöst werden können und Antibiotika in der Therapie nicht mehr wirksam sind.

Die Frage ist denke ich, wie gehen wir allgemein mit der Schöpfung um (Herr Paetzold ich bitte diesen Ausdruck nicht nur von der religiösen Warte zu sehen.) Wir sorgen dafür, das diese Welt für unsere Nachfahren immer unbewohnbarer wird. Auch dies sehe ich als ethisches Problem. Aber sicherlich gehört dieses Thema nicht in den Bereich Ethik in der Pflege.

J.Günther
 
M

Michael Dewes

Neues Mitglied
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14.01.2001
Hallo zusammen,

ich stimme diesen KollegInnen zu, die eine adäquate Sterbebegleitung und Schmerztherapie in den Vordergrund stellen.
Ich glaube, es war Wolfgang Thierse, der sich kürzlich zu dem Thema etwa so äußerte:

Viele chronisch Kranke, todgeweihte Patienten wären mit ihrem Wunsch nach Sterbehilfe nicht so schnell bei der Hand, wenn sie eine angemessene Schmerztherapie erlebten.
Diese Diskussion verlagert ein finanzielles Problem in einen Bereich, in dem es gar nichts verloren hat. (sinngemäß)

Für uns Pflegende sollte der Todeswunsch eines Patienten etwas absolut ernstzunehmendes bleiben; trotzdem wird mir ganz übel bei dem Gedanken, daß ein solches Problem, das die gesamte Gesellschaft angeht, in unseren Bereich abgeschoben werden soll.

Alles Gute,
Michael
 
Bob Brewer

Bob Brewer

Mitglied
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01.12.2000
44287
Hi Jörg!

Du hast Recht! Eine rhetorischer Frage und eine Provikation zugegeben - doch manchmal frage ich mich ob eine Lobby für Euthanasie eher aus Kostengründen zustande kommen könnte, als aus irgendwelche andere Gründe.

Es ist, wie es an unzählige andere Stellen auch gesagt wurde, als ein Versagen der Gesellschaft anzusehen, wenn Menschen in Not meinen, es gibt nur die Todesspritze, um mich aus meinem Not zu befreien.

Gerade die Medizin hat jetzt unzählige Möglichkeiten, Menschen einen würdigen Tod zu geben, doch viele Ärzte sind fixiert auf ihr lebensverlängernden Apparatenmedizin. Solche Ärzte haben eher ein Handwerkerverständnis als soziale Kompetenzen und sie wurden lieber mal 'rein schlagen, als nachzufragen.

Zum Glück gibt es einige, die gemerkt haben, wo das Leben abspielt. Sie haben ihre Scheuklappen abgelegt und sind mittlerweile als Menschen anzusprechen. Die Patienten können sie in die Augen sehen und es entsteht der berühmte therapeutische Beziehung.

Ich möchte, sollte ich jemals in solche Not geraten, in den Augen meines Arztes sehen und ihn sagen können: Nein, Herr Doktor! Und die Hoffnung haben, dass er mein Wunsch respektiert und es mir ermöglicht, von meine Angehörigen in Ruhe zu verabschieden.

Gruß

Bob
 
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05.07.2001
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