Sterbebegleitung - Teamkonflikt: Zwang zu Essen oder verhungern lassen?

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rosenkind

Hallo,
ich habe ein Problem mit einigen aus meinem Team.
Wir haben momentan eine Bw auf Station, die in nächster Zeit sterben wird. Sie ist sehr schläfrig, kann aber Wünsche und Befinden klar äußern in ihren wachen Phasen (sie kann aus ihren Schlafphasen geweckt werden, kann also mindestens einmal in der Stunde sich zu Wünschen äußern). Sie und ihre Tochter baten mehrmals darum, dass wenn sie nicht essen oder trinken möchte sie in Ruhe gelassen wird. Was ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte-meint man.
Nun habe ich aber einige im Team, die sich damit brüsten, dass sie dieser Bewohnerin ja mit gutem Zureden so und soviel zu essen eingeben konnten.
Die Bewohnerin sagte darauf zu mir und noch einer anderen Pk, dass sie nur isst, damit wir zufrieden sind und einige Pflegerinnen zu ihr sagen wenn sie noch "einen" Löffel ist sie dann dies und das bekäme (also in Ruhe gelassen wird, auf den Schieber kommt etc.), die erzählte sie auch ihrer Tochter, die sich daraufhin natürlich über diese Pks beschwerte.
Zu der PDL oder Heimleitung möchte sie mit dieser Beschwerde nicht gehen, da ihre Mutter ja eh bald verstirbt und sie kein Drama daraus machen möchte...

Daraufhin habe ich mit diesen Pks gesprochen, diese meinten zu mir, dass sie das nicht könnten ihr nichts zu essen zu geben, sie nicht so kaltherzig sind jemanden verhungern zu lassen. Alle logischen Begründungen, dass sie mit ihrer Flüssigkeitsaufnahme von ca. 500ml täglich ihren Bedarf an Kalorien und ihr Hunger-/Durstgefühl befriedigt (soweit sie diesen Bedarf noch hat, sie sagt nur wenn sie trinken möchte, aber möchte definitiv nichts mehr essen), und ihrem Wunsch entsprochen werden sollte schlugen fehl. Im Gegenteil ich wurde als kaltherzig dargestellt, da ich die Bw nicht zum Essen zwinge und sie somit verhungern liese.

Wie klärt man am Besten diese Situation?

Der Hausarzt wurde auf wunsch der Tochter nicht miteinbezogen, da sie schon seit längerer Zeit festgelegt haben, dass der Wille der Bw ausschlaggebend ist und sie keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht.
 
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romana

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Ostrach
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AW: Sterbebegleitung - Teamkonflikt: Zwang zu Essen oder verhungern lassen?

Diese PK's sagen, dass sie nicht so kaltherzig sein könnten, diese Frau nicht verhungern/verdursten zu lassen und denken dabei aber nicht an die Bewohnerin, sondern an ihre eigene Befindlichkeit. Sicher ist es nicht schön und psychisch belastend, einen Menschen beim Sterben zu begleiten. Aber jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung, auch in der Endphase seines Lebens, und dieses Recht nehmen ihr diese PK's schlicht und einfach weg ! Für diese Frau ist es doch furchtbar, wenn sie neben ihrem Wunsch, friedlich ihr Leben zu Ende gehen lassen auch noch auf Befindlichkeiten der PK's Rücksicht nehmen muss ! Es ist ein klarer Wunsch, eine klare Aussage und die MUSS respektiert werden. Wenn diese PK's das nicht können, würde ich dies sehr wohl mit der PDL besprechen, vielleicht ist es möglich, dass diese PK's von der Versorgung der Bew. ausgeschlossen werden. Dazu gibt es sicher Absprachen im Team, und die sind eben einzuhalten.

LG
romana
 
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QMB
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Bin Praxisanleiterin und MAV
Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
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Ren-Hoeck

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AW: Sterbebegleitung - Teamkonflikt: Zwang zu Essen oder verhungern lassen?

Zuerst denk ich mal zählt der freie Wille. Wenn du die Argumente deiner Kollegen so hinschreibst seh ich da bedenkliche Parallelen zum Helfersyndrom (schau da mal besonders auf die Motivationsebene, denn bei diesem Syndrom werden eigentlich ganz andere Ziele verfolgt als Hilfe zu leisten). Kann natürlich nur n Psychologe diagnostizieren, aber wundern würd es mich nicht, da grad Pflegeberufe stark unter diesem Negativphenomen leiden.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
ambulant/Heimbeatmung
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