Stellenplanberechnung in zentraler Notaufnahme

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
F

Flo

Neues Mitglied
Basis-Konto
10.07.2006
36124
Hallo alle zusammen!
Ich bin neu hier und möchte mich gern kurz vorstellen. Mein Nickname ist Flo und ich habe vor kurzem die Leitung einer interdisziplinären Notaufnahme übernommen. Diese Richtung ist eher Neuland für mich, da ich die letzten Jahre auf einer Station gearbeitet habe.
Vor einem Jahr hat ein privater Träger das Krankenhaus in dem ich arbeite übernommen und die pflegerische Besatzung um etwa 10% gekürzt. Um dagegen argumentieren zu können möchte ich eine Art PPR- Berechnung für die Notaufnahme erstellen. Kann mir jemand helfen in welcher Weise ich hier eine Berechnung vornehmen kann. Gibt es dafür Vorgaben?
Ich freue mich auf Eure Antworten
Tschüß
 
Qualifikation
Stationsleitung
Fachgebiet
Zentrale Notaufnahme
M

MatthiasB

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.01.2004
92237
Hallo Flo.
Punkt 1 ist erst mal die Frage der Struktur der NA. Gibt es einen Bettenbereich (Langlierger) o.Ä denn dann gäbe es ja die herkömmliche ppr.

An sonsten kann in eine Planstellen Berechnung das Arbeitsplatzmodell hilfreich sein. Zeigt dir anhand einer vorgegeben Mindestbesetzung auf wie viel Planstellen du brauchst um den Betrieb samt Fehlzeiten wie Urlaub, Krankheit, Fortbildung, etc. gewährleisten zu können.
Mit dem Ergebnis hast du dann schon eine ungefähre Hausnummer.

Um jedoch eine genaue, dem Arbeitsaufwand entsprechende Planstellenberechnung zu erhalten wirds etwas schwieriger und ein richtig bewährtes Konzept suchst du warscheinlich vergebens (!!! Wenn du eines Finden solltest bitte bescheidgeben!!!)
Hierzu könntedie EDV hilfreiche infos geben. Es gibt Kliniken, die für eine solche Berechnung die Verweildauer der Patienten mit einbeziehen, bzw. für die einzelnen Patientenarten "Behandlungszeiten der Pflege" mit Einbeziehen, z.B. Für einen stationären Fall 1Std, für einen ambulanten 30Min, hinzu kommen Routine Tätigkeiten, und das Summiert man dann auf 1 Jahr. :-(

Fazit:
Am schnellsten gehts wenn du dir mal einen Verlauf machst wann über ein Jahr verteilt Arbeitsspitzen an den 7Tagen in deiner Notaufnahme sind und du dir dadurch mal für jeden Tag eine Sollbestzung/Mindestbesetzung zurechtlegst.
Diese wandelst du dann über das Arbeitsplatzmodell (Benötigte Personen x Stunden (pro Tag) x Wochentage x Ausfall /Geiteilt durch/38,5 (Wochenarbeitszeit) = Planstellen)
in Planstellen um (Vielleicht gibts bei euch sogar ein Programm für diese Berechnung ;-) ).

Viel Erfolg,
Hoffe dir weitergeholfen zu haben.

Grüße MatthiasB
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Inderdiziplinäre Patienten-/Notaufnahme (mit Notfallambulanz)
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Person
G

GPP

Hallo Flo, hallo Mathias,
ich kann mich dem nur anschließen, auch wenn ich die Berechnung...
(Benötigte Personen x Stunden (pro Tag) x Wochentage x Ausfall /Geiteilt durch/38,5 (Wochenarbeitszeit) = Planstellen)
noch nicht so ganz verstehe.
Zur Planstellenberechnung musst Du erst mal wissen, wieviel Arbeit Du tatsächlich hast. Es gibt eine Grundauslastung... getreu meinem Motto "Wir produzieren Sicherheit"... meint: Immer eine Pflegeperson anwesend!
Danach ist es wichtig welche Arbeiten auf Euch zukommen und wie sehr ihr damit belastet seid. Wieviele Patienten seht ihr jeden Tag? Wie lange verweile die bei Euch? Sind das kritische Patienten, so dass in den meisten Fällen eine "Ganzzeitbetreuung" durch 1 Pflegekraft gewährleistet werden muss? Wieviele Pat. pro Tag, pro Schicht? pro Nacht?... Diese Statistik musst Du führen. Denke daran, dass Du die entsprechenden Zusatzleistungen wie z.B. Laborgänge, Untersuchungen... mitdokumentierst. Es wird, wahrscheinlich, in der Anfangszeit gemotzt weren... wer schreibt schon gerne? Es ist aber auch eine schöne Art, in Stationsbesprechungen die Arbeitsleistung der Abteilung zu präsentieren.
Wenn es Dir zur Zeit akut an Persdonal fehlt, so dass Du keine Zeit hats, Statistiken zu erarbeiten und Ergebnisse abzuwarten, so empfehle ich Dir, diese zu dokumentieren und eine Belastungsanzeige bei Deiner PDL zu machen...
Cave: kann nach hinten losgehen!

ToiToiToi

Gerhard
 
cyberhex

cyberhex

Mitglied
Basis-Konto
08.02.2006
8041
Hallo Flo,

Kann mich meinen Vorredner nur anschliessen, ohne Statistiken und Zahlen und Zeiten, wirst du keine Berechnung schaffen und auch nicht mehr Personal bekommen.

Führe die Statistik über mindestens 3 bis 6 Monate, so hast du mal einen guten Durchschnitt (aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sind die Monate Jänner bis März die patientenstärksten Monate).

Auf jeden Fall brauchst du die Verteilung der Patienten über den ganzen Tag, wir hatten ein Aufnahmebuch, in dem die Ankunft des Patienten mit Uhrzeit vermerkt wurde, diese Zeiten waren die Grundlage meiner Statistiken, sinnvoll ist auch die Entlassungszeit zu erfassen.

Du kannst hier herauslesen, wann es tageweise Spitzen gibt, wenn du diese Statistik immer führst, hast du jederzeit Zahlen und Fakten zur Verfügung, um die Personalsituation zu diskutieren.

Der nächste Schritt ist dann die Leistungserfassung; welche Tätigkeiten werden durchgeführt, hier habt ihr mehrere Möglichkeiten, der Mitarbeiter schreibt seine ganzen Tätigkeiten mit, anhand einer Stricherlliste.
Oder ihr nehmt einen Laufzettel pro Patienten und erhebt einmal alle Tätigkeiten, die beim Patienten anfallen - Telefonate im Hintergrund und wie schon oben erwähnt Laborwege miteinplanen. Diese Erhebung sollte mindestens für ein Monat laufen, damit du aussagekräftige Werte hast.

Diskutiere mit deinen Mitarbeitern die Möglichkeiten zu einer genauen Erfassung eures Zeitaufwandes zu kommen, sobald sie wissen, dass es darum geht die Personalsituation in den Griff zu bekommen, werden sie für alle Schandtaten bereit sein :smile:

Meine Erfahrungen dazu, sobald du mit der Stoppuhr dastehst und Zeiten erheben willst, arbeiten alle auf Hochtouren, ich musste meine Kolleginnen einbremsen, damit ich reele Werte bekomme, :wink:

Sobald du dieses Grundgerüst hast, kannst du erkennen, wieviele Mitarbeiter du pro Schicht brauchst, jetzt gehts an die Tageszeitverteilung, von wann bis wann ist Frühschicht, Mittagsschicht und wie sind die Zeiten des Nachtdienstes.
Überschneidungszeiten werden sich zur Mittagszeit ergeben, hier auch mit Desinfektionsarbeiten und Mittagspause argumentieren, dafür brauchst du aber auch den Hygieneplan dazu und das Arbeitszeitgesetz als Diskussionsunterlage, denkt mal auch gemeinsam über Tätigkeiten in der Überschneidungszeit nach.

Die Arbeitsplatzberechnung ist dann der letzte Schritt:

Pro Dienst:
Zahl der notwendigen Arbeitsplätze x Anzahl der Stunden x 52,14 Wochen x Tage/ Woche
geteilt durch die Jahresarbeitszeit in Stunden (minus der Ausfallzeit)​


Beispiel(natürlich mit Hausnummern):
Frühdienst Dienstzeit von 7:00 bis 15:00, benötigte Arbeitsplätze 4; 7 Tage pro Woche,
Jahresarbeitszeit in Stunden fiktiv 1670 Stunden (bei 40 Std. Woche minus Feiertage und 15% Fehlzeiten)

4 x 8 x 52,14 x 7
1670​

ergibt insgesamt 6,99 Dienstposten

Die Ausfallzeit ist abhängig von deinen Gegebenheiten, wird meistens im jeweiligen Haus gleich geregelt, in unserem Unternehmen beträgt sie derzeit 15%

Zu den Ausfälen zählen: Urlaub, Sonderurlaub, Pflegefreistellung, Krankheit/Kur, Mutterschutz/Karenz, Fort- und Weiterbildung und Betriebsratstätigkeiten. Auch hier könnte dir wieder eine Statistik helfen, die eigenen Ausfallszeiten durchzusetzen.

Denke auch an deine speziellen Aufgaben und lasse dich nicht in den Berechnungen miteinbeziehen, als Leitung gehörst du ausserhalb der Berechnung, denke an deine Ausfallzeit, und erechne eine Statistik mit deinen Vertretungen, sollte es noch andere spezielle Zusatzfunktionen deiner Mitarbeiter geben, denke ebenfalls daran.

Mit diesem Grundgerüst kannst du dann in die Verhandlungen gehen, behalte bei deinen Forderungen das Augenmass, verlange aber auch nicht zu wenig, erfahrungsgemäß werden zumeist irgendwelche Positionen gestrichen.

Solltest du eine Beobachtungseinheit bei deiner zentralen Notaufnahme dabei haben, muss der Personalbedarf dafür gesondert berechnet werden.

Puh, das war jetzt viel an Statistiken und Berechnungen, aber wie gesagt, nur so hast du eine Chance auf einen annehmbaren Personalstand zu kommen.

Ich wünsche dir noch viel Freude und auch Kraft für diese Herausforderung.

Liebe Grüsse
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Person
F

Flo

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
10.07.2006
36124
Vielen Dank Euch allen. Hört sich ziemlich kompliziert an, aber ich werde es auf jeden Fall in Angriff nehmen!!!
Liebe Grüße Flo!!
 
Qualifikation
Stationsleitung
Fachgebiet
Zentrale Notaufnahme
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
Dieses Thema hat seit mehr als 365 Tagen keine neue Antwort erhalten und u.U. sind die enthalteten Informationen nicht mehr up-to-date. Der Themenstrang wurde daher automatisch geschlossen. Wenn Du eine ähnliche Frage stellen oder ein ähnliches Thema diskutieren möchtest, empfiehlt es sich daher, hierfür ein neues Thema zu eröffnen.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Verwandte Forenthemen

P
Hallo Kollegen, ich werde demnächst als stellv. Stationsleitung mit dem Thema Dienst- und Urlaubsplanung befasst sein und bin da bisher...
  • Erstellt von: Psy-Hans
0
Antworten
0
Aufrufe
126
P
C
Sehr geehrter Leser/-in, vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen und diese Nachricht lesen. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit möchte...
  • Erstellt von: Christoph Schreibe
0
Antworten
0
Aufrufe
132
Zum neuesten Beitrag
Christoph Schreibe
C
L
Hi. Ich arbeite seit über 10 Jahren bei meinem AG und habe mich ganz klassisch hoch gearbeitet über die Stellvertretung bis hin zur...
  • Erstellt von: LuIsadwi
2
Antworten
2
Aufrufe
581
TimSzDo
G
Hallo, Ich arbeite auf einer psychosomatischen Station mit 18 vollstationären Betten als Leitung. Wir sind aktuell in heftigen...
  • Erstellt von: gravis
1
Antworten
1
Aufrufe
507
I