Stationär kontra ambulant!?

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haus maranatha

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Ein Vergleich von häuslicher Pflege und stationärer Pflege zeigt, daß in der Gesellschaft einiges übersehen wird:

Für Wohnung (ca. 50 qm), Strom, Wasser, Heizung, Kabelfernsehen, Warmwasser und Müll, tägliche Wäschereinigung, tägliche Reinigung der Wohnung sowie täglich drei Mahlzeiten, zahlen Sie im Pflegeheim im Monat € 972,00.

Für die Pflege über 24 Stunden zu jedem von Ihnen benötigten Zeitpunkt kommen € 2.145,00 hinzu. Das macht im Pflegeheim zusammen € 3.117,00.

Bei einer Kaltmiete für die eigene Wohnung von € 250,00, allgemeine Nebenkosten von € 30,00, Heizkosten von € 30,00 und Strom für € 25,00, täglich 3 vollwertigen Mahlzeiten € 375,00, Putzen der Wohnung 3 x 2 Std. wöchentlich € 240,00, Wäschepflege - waschen, bügeln und zusammenlegen einschließlich Waschmittel monatlich weitere € 80,00 wenden Sie zu Hause im Monat € 1.030,00 auf.

Wünschen Sie zu Hause wie im Heim 24 Stunden Sicherheit und pflegerische Versorgung, zahlen dafür einer Pflegekraft bei nur € 8,00 in der Stunde € 2.400,00 monatlich. Damit liegen die Kosten in der häuslichen Pflege bei € 3.430,00. Diese Pflegekraft verfügt dann - wenn sie selbständig arbeitet - über ein vergleichbares Bruttoeinkommen von ca. € 1.890,00! Ein jeder weiß, daß Putzfrauen bereits häufig € 10,00 pro Stunde netto erhalten, und Babysitter nicht mehr unter € 5,00 zu bekommen sind,um nur zwei Vergleichswerte anzuführen.

Sie sehen, bei ehrlicher Betrachtungsweise heben sich die Unterschiede zumeist auf. Professionelle, stationäre Pflege ist also bei ehrlicher Betrachtung nicht teurer als häusliche Pflege.

Als weiteres gilt zu bedenken:

1. pflegende Angehörige müssen nicht selten ihren Arbeitsplatz aufgeben ohne die Gewissheit, ihn nach der Pflege wieder zu erhalten. Den wirtschaftlichen Verlust mag ich nicht beziffern!
2. pflegende Angehörige verzichten auf sehr viel persönliche Entfaltung, Freizeit, Freizügigkeit
3. pflegende Angehörige sind oft 24 Stunden gefordert
4. pflegende Angehörige sind oft moralisch in der Schraubzwinge mit allen psychischen Belastungen.
5. pflegende Angehörige bekommen oft genug die Unzufriedenheit des Pflegebedürftigen ab, müssen sich beschimpfen lassen.

Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt.

Im Übrigen gilt für beide Versorgungswege: Das Bessere ist der Feind des Guten!
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Leitung
C

camäleon

Mitglied
Basis-Konto
17.09.2002
4444
Haus- maranatha.com schrieb:

"Sie sehen, bei ehrlicher Betrachtungsweise heben sich die Unterschiede zumeist auf. Professionelle, stationäre Pflege ist also bei ehrlicher Betrachtung nicht teurer als häusliche Pflege."


Aus diesem Blickwinkel gesehen ist das sicher richtig. Ich würde hier sogar noch weiter gehen; eine professionelle ambulante 24 Std Pflege kostet bei der Rechnung etwa das dreifache. Dürfte jedem einleuchten, da es sich hier um eine eins zu eins Betreuung handeln würde.

Verfügt der Klient jedoch über ein gewisses Mass an Selbstständigkeit und ist in ein intaktes soziales Umfeld eingebettet, so sieht die Rechnung blitzschnell anders aus.

Ich möcht da noch was grundsätzliches hinzufügen: Was ist eigentlich Pflege? Es ist etwas urmenschliches. Jeder pflegt; es ist der Ausdruck des Menschen zu seiner Umwelt in Beziehung zu treten. Er tut dies vom ersten bis zum letzten Atemzug. Mal etwas geschickter mal etwas ungeschickter.

Wenn wir von professioneller Pflege reden, so heisst dies in erster Linie bloss, ich pflege und dafür kassiere ich Geld. In zweiter Linie bedeutet es, ich verfüge über ein bestimmtes Fachwissen, welches mir ermöglicht, in bestimmten Situationen eine übergeordnette Sichtweise einzunehmen. Was aber prinzipiell nicht heisst, das Andere, welche diese Art von Schulung nicht durchlaufen haben dies nicht ebenso besitzen können, oder auf andere Weise sich erworben haben.

Auch im professionellen Bereich ist nicht alles Gold was glänzt. Zu erwähnen sei hier das häufige Springen in den Schichten, das Kompensieren von Kolleginnen und Kollegen welche krankeitshalber abwesend sind. Der enorme Kostendruck mit den daraus resultierenden Betreuungsschlüsseln. Genauso gilt es unzufriedene Patienten auszuhalten etc. etc. Was daraus entstehen kann, muss ich wohl hier keinem erklären.

Ambulante und stationäre Pflege so gegen einander abzuwägen gibt in meinen Augen einfach keinen Sinn. Insbesondere wenn das Kriterium auf professionell nicht profesionell hinausläuft. Es ist in meinen Augen eine ziemliche Vermessenheit, grunsätzlich zu meinen professionelle Pflege sei a priori besser. Es verzerrt das Bild der Mitmenschlichkeit in gefährlicher Art und Weise.
 
Qualifikation
Dipl. Pflegefachfrau DN2
Fachgebiet
spitex
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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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