Arbeitsrecht ständiges Ändern der Dienstpläne durch Krankheit

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catwizzle

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huhu...

ich hab da mal wieder ne Frage, eigentlich sogar 3.

Nr.1: Als Mitarbeiter in der Häuslichen Intensivpflege (Betatmung, Monitoring) arbeite ich in einem kleinen Team (ca 2 Vollzeitstellen, mehrere Teilzeitstellen, mehrere 400 Euro Kräfte, alles examiniertes Personal). Einige arbeiten in mehreren Teams, einige nur in diesem. (einige sogar in bis zu 8 Teams).
In diesen Team ist eine 24h Pflege vereinbart, d.h. 8h in 3 Schichten sind von uns abzudecken. ICh selbst arbeite als Vollzeitkraft nur in diesem Team.
Bereitschaftsdienste gibt es nicht.

Jetzt kommt es dummerweise auch mal vor, dass das Personal krank wird, ergo muss Ersatz herangeschafft werden. Dazu nun meine Frage. Einer unserer Kollegen ist "dauerkrank", d.h. er ist mal da und mal 2 oder 3 Wochen krank. Durch seine Krankheit bedingt, lässt es sich auch schlecht voraussagen, wann er sich das nächste mal wieder krank melden wird. Der Kollege arbeitet dummerweise (sry) auch als Vollzeitkraft, demnach muss also jedesmal der fast die meiste Zeit der Krankheitstage abgedeckt werden.
Das Problem das sich daraus für mich aber ergibt ist, dass ich daraus sehr oft meine bestehenden Schichten umplanen muss. Zum einen weil wir viele von den Teilzeitkräften haben die nur Nachtwachen übernehmen (wobei das, soweit ich weiss nicht vertraglich festgehalten ist) und diese somit keine oder kaum Tagschichten übernehmen können. Die Änderungen sind meistens sehr kurzfristig, meistens von heute auf morgen, wenn eine erneute Krankmeldung ins Haus geflattert kommt. Abgesehen davon dass ich nicht weiss ob ich mir gefallen lassen muss, dass jedes mal meine Schichten umgeplant werden, weiss ich auch nicht, ob es so rechtens ist, dass meine freien Tage so ohne weiteres dafür geopfert werden können. Demnach ergibt es sich oftmals, dass ich dann 7, 8 oder auch 9 Tage am Stück arbeite. Der kurzfristige Ausgleich wird zwar hin und wieder im Dienstplan bei der ursprünglichen Planung berücksuchtigt, dann aber meist auch nur ein Teil der Überstunden. Oftmals ist dies dann auch wieder hinfällig, wenn wieder jemand ausfällt.

ich weiss das sind schon mehrere fragen aber hier noch eine:
Mir ist es dann auch schon mehrmals passiert, meine Vorgesetzten mich angerufen haben (wohlgemerkt im Dienst), dass ich am nächsten Tag die fehlende Schicht zu ersetzen habe. Eine Dienstanweisung, der soweit ich weiss folge leisten muss. Auf meine Begrüngung, dass ich (als alleinerziehende Mutter 2er Kinder) für diesen Schicht aber keine Betreuung meiner Kinder organisiert bekomme (weil es eben von heute auf morgen passiert) bekam ich dann zur Antwort, dass ich ja auch keine Kollegen anrufen könne, um Ersatz zu finden. Hm... geht das einfach so? muss es da keine Planbarkeit für das Personal geben, dass die sich auch darauf einstellen können? Im Übrigens ist es auch so, dass vornehmlich wir aus dem Teams uns selbst um den fehlenden Ersatz kümmern müssen. Ergo müssen wir unsere Kollegen in ihrem Frei anrufen und sie "bitten" zu arbeiten. Die PDL wird dies, so denke ich, aus diesem Grunde nicht machen, da die PDL ja nicht die Mitarbeiter in ihrer Freizeit zu dienstlichen Zwecken anrufen darf (wenn ich richtig informiert bin). Gibts da also ne Regelung, wie oft z.B. ein bestehender Dienstplan geändert werden darf? Wieviele Überstunden sind dabei überhauot für einen Vollzeitmitarbeiter zumutbar?

Ich würde mich hier sicher nicht melden, wenn es "mal" vorkommen würde, aber wie oben schon erwähnt ist einer unserer Kollegen chronisch krank, rein rechnerisch müsste er schon sein Frühjahr aus der Lohnfortzahlung raus sein (die 6 Wochen die der AG übernimmt). Diese Dienstplanänderungen betreffen uns eigentlich jeden Monat (aber auch wg anderer Kollegen, die auch schon mal krank sein dürfen).

also schreibt mal, ob und wie man sich dagegen wehren kann. Aussage der PDL ist meistens, dass zu wenig Personal da wäre um den dienst abzudecken. Aber über Monate hinweg? Da muss es doch ein anderes Mittel geben. und vor allem warum müssen wir uns darum kümmern, wo doch nur wir den Einblickt in die Schichten unserer Kollegen in unserem Team haben, nicht in die Schichten der anderen Teams. (ich hatte das Thema schon einmal in einem anderen tead angeschnitten).

Gruß Kati
 
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Hallo Kati,

ich bin doch jedesmal aufs Neue entsetzt, wie GF und Führungskräfte ihren Anteil an Leistung, nämlich die Oraganisation und Planung korrekter Dienste auf ihre Mitarbeiter abwälzen und genauso entsetzt wie qualifizierte Fachkräfte sich das auch noch gefallen lassen!

Viel schlimmer noch, werden häufig sogar Kollegen die sich für sich selber einsetzten und auch mal nein sagen und das auch durchziehen von den eigenen Kollegen geächtet und als unkollegial hingestellt.:sad:

Zu deinen Fragen:

Wenn ein Dienstplan steht ist dieser verbindlich!
Wenn jemand krank wird, kann man dich fragen ob du von den geplanten Diensten abweichen und andere Dienste machen kannst/möchtest oder vielleicht auch zusätzlich einspringen kannst.
Der Dienstplan regelt ja auch deine Freizeit und diese kannst du selbstverständlich eigenverantwortlich und selbstständig planen. OHne weiteres kann hier weder etwas verschoben noch freie Tage geopfert werden. Das unterliegt voll deiner Zustimmung.

Ich finde es schon schlimm, dass du dich überhaupt für deine Freizeit rechtfertigen mußt und finde es braucht keinen Status "alleinerziehend" oder kleine Kinder um nein sagen zu können!

Ich muß meine geplante Freizeit nicht rechtfertigen, wenn ich nein sage, sondern die Leute in den verantwortlichen Positionen müssen sich darum kümmern dass der Laden läuft.

wie oft z.B. ein bestehender Dienstplan geändert werden darf?
So oft du das zulässt! Mal son bißchen platt formuliert.

also schreibt mal, ob und wie man sich dagegen wehren kann.
Wehren kannst du dich immer! Die Frage ist ob du auch die Konsequenzen aushalten kannst?
- denn wenn ja alle einspringen.....
- die PDL sauer auf einen ist......
- einen das schlechte Gewissen plagt, weil dann ja nen anderer Kollege einspringen muß.....
- vielleicht sogar cholerische Wutausbrüche über einen hereinbrechen....
- mit Kündigung gedroht wird....
- oder einem als Konsequenz die übelsten Dienste reingewürgt werden....

Ich weiß nicht wie groß euer Betrieb ist. Habt ihr ne MAV? Betriebsrat? Stell ne schriftliche Anfrage an diese mit der Bitte um schriftliche und verbindliche Antwort.

Ich hab das vor einiger Zeit so gemacht, dass ich ziemlich kathegorisch ( wir bekamen dann immer nen Zettelchen ins Fach mit der Aufschrift du mußt.....) ein Zettelchen zurückgegeben habe mit der Aufschrift, Es tut mir sehr leid aber ich kann da nicht, wenn du mich gefragt hättest hätte ich dir sagen können wann ich gekonnt hätte! (denn natürlich springe ich auch ein, wenns hakt, aber ich bin es doch wohl wert so viel Respekt entgegenbracht zu bekommen, dass man mich fragt!!! Und ich bin ja auch für meine Gesundheit und die meiner Familie verantwortlich, kann also nicht rund um die Uhr arbeiten egal wie groß das Problem gerade zu sein scheint, welches ja tatsächlich andere zu lösen hätten!!)

Das "mußte" ich zweimal machen und seit dem werde ich angerufen oder auch mal per Zettelchen gefragt ob ich aushelfen kann und wenn ja wann?

Sklavenzeiten sind vorbei!

Gruß Hexe
 
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georgie

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hallo.das kenne ich zur genüge.soweit ich es jetzt mitbekommen habe musst du so kurzfristig gar nichts ändern am dienst.ein dienstplan ist bindend und änderungen max.4 tage früher.
also von heut auf morgen ist nicht ok.und als dienstanweisung schonmal gar nicht! du hast auch rechte, und letzten endes ist es nicht unsere aufgabe, uns gedanken um die dienstabdeckung zu machen.
weiss der chef das der mitarbeiter ständig krank ist, muss er sich eben um einen längerfristigen ersatz bemühen.
wenn ihr das natürlich immer alle schön brav mitmacht, ist klar das ihr ausgenutzt werden.
du kannst ja mal ein bisschen hier rumstöbern, es gibt schon viele die genau das hier schon gepostet haben.
ich habe für mcih den mittelweg gefunden.passt es mir dann springe ich auch mal ein, passt es mir nicht, sag ich s auch.
ich hab auch schon anrufe und sms vom chef bekommen, mit der mitteilung, sie müssen arbeiten.aber ich muss gar nicht!
ist schwer aber du wirst sehen, es lohnt sich auch mal nein zu sagen.
lg
 
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SchwesterWolfgang

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Hallo catwizzle,
das Thema haben wir hier schon mehrmals erörtert. Nur soviel für Dich: Dein Arbeitgeber schöpft sein Direktionsrecht mit dem gültigen Dienstplan aus. Änderungen sind nur noch im beiderseitigem Einvernehmen möglich. Anscheinend gibt es da bei Euch Leitungsschwächen. Z.B. würde ich als PDL mit dem/der betreffenden MAin ein ordentliches Krankenrückkehrgespräch führen und versuchen, den Gründen für die häufigen Ausfälle auf die Spur zu kommen. Aber vor allem ist es die Aufgabe der PDL, sich um die Dienstabsicherung zu kümmern und das nicht auf Euch abzuwälzen. Damit spekuliert sie dann mit Sicherheit auf das schlechte Gewissen, wenn man einer Kollegin "nein" sagen müsste. Aber um es mal deutlich zu sagen: die Absicherung von Ausfällen gehört mit in den Bereich unternehmerisches Risiko und nicht in Euer Umfeld.
Bei Dir käme dann noch hinzu, dass solche kurzfristigen Änderungen gegen den § 106 GewO verstoßen, denn der Arbeitgeber ist danach verpflichtet, die Arbeitszeit nach "billigem Ermessen" einzuteilen. Eine ständige Art Dauerbereitschaft bei einer alleinerziehenden Mutter entspricht mit Sicherheit nicht einem solchen billigen Ermessen, auch wenn dieser Begriff sonst sehr schwammig ist. Das was Du beschreibst, widerspricht allen guten Sitten. Es wird Zeit, dass Du mal lernst, "nein" zu sagen . . .
 
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catwizzle

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Huhu, und danke für die schnellen Rückmeldungen

Das Problem beid er sache ist, wann sagt man zu recht "nein" und wann setzt man sich damit ins Fettnäpchen? Nach dem was Ihr schreibt, bin ich also die bisherigen Dienste nicht aus pflichtbewusstsein angetreten sondern eher aus meiner gutherzigkeit (mit anderen Worten "Dummheit").

Eine Dienstliche Anordung in der der Form, dass mein AG mir auf der Dienststelle mitteilt, dass ich morgen statt Nachtdienst lieber Frühdienst machen soll, weil weiss ich was für eine Notlage eingetreten ist, ist also NICHT GÜLTIG? Erst die Anordnung, "in 4 Tagen musst Du..." wäre demnach rechtens? Hat da jemand einen §? Wenn es sich dabei nur auf das 2005 gefällte Urteil bezieht, dann kann ich es mir auch selbst heraussuchen (hatte das schon mal gefunden)

Die Dienstpläne nach denen wir uns richten sind nicht unterschrieben, nach denen wird bei uns aber gearbeitet. Änderungen werden darauf vermerkt, udn ebenso ununterschrieben von uns zurück an die PDL gegeben (nach Monatsende). Wäre es damit also Möglich, zu behaupten, dass es einen solchen Dienstplan gar nicht gab, der somit nur durch beiderseitiges Einverständniss geändert werden kann? Ergo besteht auch keine Zustimmungspflicht meinerseits. So wie ich es bisher mitbekommen habe wird dieser Dienstplan auch "Dienstplan unter Vorbehalt" genannt.

Diese Unsicherheiten sind hauptsächlich der Grund dafür, dass hier kaum einer "nein" sagt. Es gibt Leute, die auf Grund von "probierten" Brotaufstrichen oder Pfandbons ihre Jobs verlieren weil es dafür rechtliche Grundlagen gibt. Und genau so befürchten halt die meisten von uns, in so eine Falle zu tappen. Mal schaun, vielleicht tut sich ja wirklich was, wenn ich die rechtlichen Grundlagen dazu habe.

und Übrigens, nen Betriebsrat gibt es. Leider hat es mit dem schon in sofern schlechte Erfahrungen gegeben, dass Mitarbeiter das Gefühl hatten, Ihre Beschwerden würden ungeschminkt an die PDL´s weitergegeben, natürlich nicht anonüm.

gruß Kati
 
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josephine

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Hi catwizle,

bist du beim Staat angestellt und verbeamtet? Klang bisher nicht so. Ansonsten vergiss bitte "Dienstanweisung" oder "Dienstliche Anordnung", das sind Begriffe aus dem Beamtenrecht.

Zu deinem Problem: Die 4 Tagesfrist steht im TZBfrG; gilt also für Mitarbeiter in Teilzeit, heißt "Arbeit auf Abruf, wird vertraglich vereinbart! Wenn ich`s richtig gelesen habe, arbeitest du Vollzeit, das Gesetz gilt also für dich nicht. Für deine TZ Kollegen schon, der Paragraph halt für Vertraglich vereinbarte "Arbeit auf Abruf"; wennn dass nicht drinsteht, stehen die Kollegen im gleichen Boot wie du. Hier die schlechte und erstaunliche Nachricht: unser regelwütiger Staat hat tatsächlich keine gesetzliche Grundlage (außer der obengenannten) die die ständigen Änderungen am Dienstplan /Schichtplan/Einsatzplan zeitlich beschränkt.
Du kannst aus dem TZBfrG UND dem AGG irgendwie herleiten, dass du nicht schlechter gestellt sein darfst als deine TZ Kollegen. Ist schwierig und hatte vor Arbeitsgerichten schon Erfolg, aber auch schon Mißerfolg. Sorry.

Jetzt die (hoffentlich) guten Nachtrichten:
Unser Staat hat so ziemlich alles andere mit gesetzlichen Grundlagen versehen!
Du musst nur wissen wo zu suchen ist!
Die Schriftliche Form des Dienst-/Schicht-/ Einsatzplanes ist bspw in der Heimpersonalverordnung (es gibt sicher was entsprechendes für die abulante Pflege) und im PflegeWeiterentwicklungsgesetz geregelt. Am besten du schaust mal auf der Seite von eurem zuständigen MDK oder Heimaufsicht; die heißen jetzt FQE und sind auch für ambulante Dienste zuständig.
Überstunden sind i.d.R. im Tarifvertrag geregelt (so denn einer gilt). In deinem Arbeitsvertrag steht, nach welcher Grundlage dien Vertrag geschlossen ist. Ist kein Hinweis auf irgend einen Tarifvertrag zu sehen, gilt das Arbeitszeitgesetz.

Was du beschreibst, kenne ich gut. Wir haben uns damals geschlossen gewehrt und hatten recht umfassenden Erfolg. Es wird ordentlich gefragt, die Überstunden wurden abgebaut und halten sich seither in Grenzen.

Was mich wirklich entsetzt, ist, was du von eurem BR schreibst! Wehrt euch! Ihr habt diese Kollegen zu euren Interessenvertretern gewählt und das sollten sie jetzt auch tun!
Im Frühjahr sind Wahlen, also wählt doch bitte vernünftige Leute! Und wenn das zeitlich zu lange ist, darf sich auch jedes Gewerkschaftsmitglied an verdi wenden und da mal sagen, was der BR so treibt. Das ist dann anonym und die fragen mal nach.

Lass dir nicht alles gefallen,

LG,
josephine
 
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SchwesterWolfgang

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Hallo catwizzle,
also erst mal will ich Dich beruhigen: es ist nicht Dummheit, dass Du nicht nein sagen kannst, sondern zeugt davon, dass Du Deinen Job mit Herz und Seele ausfüllst. Aber es gibt tatsächlich einen schönen abgewandelten Spruch : "der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist" ;-) Also pass auf, dass Du nicht so lange vergisst "nein" zu sagen, bis Du irgendwann mit burnout oder ähnlichem zu kämpfen hast, denn diesen Kampf mit Deinem Körper musst Du dann leider alleine ausfechten.
Auf Euren BR würde ich auch mal nicht gleich so unbesehen Dreck schütten. Erstens gibt es Situationen, bei denen man schon gegenüber dem Arbeitgeber bzw. der PDL mit Name und Adresse arbeiten muss. Wenn sich z.B. jemand mit einer Beschwerde an den BR wendet - wie soll er, wenn die Beschwerde berechtigt ist, nach §85 BetrVG für Abhilfe sorgen, wenn nicht genau der Beschwerdeinhalt und der betroffene Arbeitnehmer genannt wird? Okay, unser BR, der das nun seit 16 Jahren macht, hatte in der Anfangsphase einen sehr guten anwaltlichen Berater, der denen mal ein paar Binsenwahrheiten eingepaukt hat. Und eine davon ist: die MA so lange wie möglich raushalten! Beispiel: es gibt Unzulänglichkeiten im Dienstplan (wie bei Euch - die ständigen Änderungen). Dann sagt unser BR nicht "die Kollegin catwizzle hat sich beschwert", sondern sie gehen hin, schauen sich die Dienstpläne an und wenn sie so einen Hinweis bekommen haben, dann sagen sie besser: "bei unserer regelmäßigen Dienstplankontrolle haben wir festgestellt, dass hier bei Kollegin catwizzle laufend Änderungen in ihrem Plan stehen. Das ist rechtlich so nicht in Ordnung, also lassen Sie sich bitte was einfallen, damit wir bei der nächsten Kontrolle keine Beanstandungen mehr haben". Und wenn sie ganz nett sind, geben sie auch einen Vorschlag mit dazu. Verstehst Du den feinen Unterschied? Klar kann die PDL vermuten, dass der BR einen Tipp bekommen hat - aber der betroffene MA kann ganz unschuldig mit den Schultern zucken und sagen "ach, ist ja schön, dass die das rausgefunden haben - ich wollte auch schon mal was sagen, haben es mich aber nicht getraut". Und dafür, dass die MA möglichst außen vor gelassen werden und der BR sich schützend vor die MA stellt - dafür haben die den Sonderkündigungsschutz. Aber wie beschrieben - vielleicht hatte Euer BR noch nicht so einen guten Berater ;-)

So und letztens noch: Dein Hinweis auf die Maultaschen und Pfandbons ist völlig korrekt! Gut, dass Du selbst daran gedacht hast und nicht gleich Rundumschlag gemacht hast. Denn, es kann tatsächlich ins Auge gehen und als Arbeitsverweigerung angesehen werden - je nachdem, ob das zuständige Gericht AN-freundlich oder AG-freundlich entscheidet. Es gibt bei den Gerichten tatsächlich solche Tendenzen. Welche, die mehrheitlich im Sinne der AN entscheiden und solche, die AG-freundliche Entscheidungen treffen. Das hängt mit der persönlichen Auffassung der Richter zusammen. Deshalb gibt es ja auch wiederum den bitteren Spruch: "man bekommt in Deutschland kein Recht, sondern ein Urteil"
Und deshalb empfiehlt sich ein eindeutiges "nein" nur in einer eindeutigen Situation.
Z.B.: ich habe frei, bin zu Hause und will gerade mit meinem Mann shoppen gehen, oder einfach nur mal die Beine hochlegen und alle fünfe grade sein lassen. Wenn da ein Anruf kommt, dass ich bitte Abend zur Nachtschicht kommen soll, weil jemand ausgefallen ist, dann kann ich ohne jegliche Begründung und ohne Bedenken "nein" sagen. Also kurz gesagt: wenn ich zu Hause bin, dann stehe ich nicht unter der Fuchtel der PDL, da habe ich frei. Sie kann mal gaaaanz höflich anfragen, aber mehr nicht. Und wenn ich gar keine Lust habe, könnte ich theoretisch auch sagen, dass ich keine Lust habe, mit ihr zu kommunizieren und auflegen. Sie kann mich ja ansprechen, wenn ich wieder im Dienst bin.
Anders: ich befinde mich im Betrieb und die Chefin sagt, dass ich morgen anstatt Früh - eine Spätschicht machen müsse. Da würde ich sicherheitshalber nur nein sagen, wenn ich gewichtige Gründe ins Feld führen könnte. Denn da käme es im Zweifelsfall auf die Einstellung der Richter an, im Gegensatz zum ersten Beispiel - da ist die Situation eindeutig und auch vom BAG schon mehrfach entschieden, so dass nicht mal der arbeitgeberfreundlichste Richter einen anderen Spruch machen kann.
Empfehlenswert ist, wenn dieses Dauerzustand ist, sich nochmal den BR zur Brust zu nehmen, oder anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Entweder bei der Rechtsabteilung der zuständigen Gewerkschaft (wenn Du Mitglied bist) oder beim Fachanwalt für Arbeitsrecht (wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast). Du musst ja nicht gleich draufhauen - der Gang zum Anwalt heißt ja erst mal, sich beraten zu lassen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt und dann nach mehrmaligem Überschlafen sich für eine Möglichkeit zu entscheiden. Z.B. muss man ja auch nicht unbedingt gleich zum Gericht - der Anwalt könnte z.B. erst mal mit dem BR reden und denen klar machen, was deren Aufgabe ist. Zweite Möglichkeit wäre ein netter aufklärender Brief an die PDL und erst dann, wenn alles nichts fruchtet, käme der Gang zum Gericht in Frage.
Vor einem Anwalt, der Dich gleich zum Gericht schicken will, würde ich Dich eindringlichst warnen. Das wäre einer, der nur den Verdienst im Blickfeld hat . . .
 
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