Arbeitsrecht Sollstundenberechnung

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Cori

Hallo zusammen, egal, was in irgeneinem Tarifvertrag steht, es gelten Arbeitszeitgesetze. Kann man im Netz abrufen. In diesem Falle, das

Entgeldfortzahlungsgesetz.

An Feiertagen wird nicht gearbeitet und trotzdem das Gehalt bezahlt, als wenn du gearbeitet hast. Wer gearbeitet hat, bekommt den gearbeiteten Tag als Frei wieder zurück.
Ein Beispiel für die Errechnung der AZ.

Wochenstunden (laut Arbeitsvertrag)geteilt durch die Anzahl der Arbeitstage( 5 T, 5,5 T oder 6 Tage Woche) mal Anzahl der Arbeitstage im Monat. Dabei werden die Wochenfeiertage nicht mitgezählt, so das hier eine Nettoarbeitszeit pro Monat= Soll herauskommt. Es muß aber vorher festgelegt werden, welche Wochenarbeitstage gelten sollen, weil das beim Zählen wichtig ist.
Ich bin in der Weiterbildung tätig(PDL und STL) dabei kommen mir immer wieder solche komischen Rechnungen unter.
Überschrift: Kompletter Blödsinn.

Alles schön und gut, ... aber wie erkläre ich dies dem Arbeitgeber?
Auch bei uns werden die Feiertage in die Sollstunden mit eingerechnet und man macht dann Minusstunden, wenn man an einem Feiertag frei bekommt.
Arbeitet man, bekommt man den Ausgleich (100% frei und die 35% Zulage)
 
Bethke Axel

Bethke Axel

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27.02.2002
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Hallo Cori,
ja das ist ein Problem. Wenn man für seine Rechte einstehen will, hat man mehrere Möglichkeiten:
1. Information der Mitarbeitervertretung, damit die Gesetze umgesetzt werden. Gibt es keine Mitarbeitervertretung muß man persönlich seine Rechte einfordern, hier zwei weitere Möglichkeiten.
2. Sein Recht durch seine Gewerkschaft einfordern. Die Gewerkschaftssekretäre helfen bei diesen Problemen. Ist man nicht in einer Gewerkschaft, gibt es eine weitere Möglichkeit.
3. Durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht seine Ansprüche einfordern evtl. einklagen. Der Fachanwalt wird (jedenfalls der Erstbesuch ) durch seine Rechtschutzversicherung bezahlt. Hat man auch diese nicht, darf man sich nicht beklagen wenn der Arbeitgeber einen Übervorteilt, dann lädt man den Arbeitgeber zu solchen Maßnahmen ein.

Grüsse
Axel
 
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U

UlrichFürst

Da mag die MAV etc. erzählen was sie will, auch der Tarifvertrag ist hier egal. Bundesgesetz steht immer über Tarifverträgen, diese können nur besser sein, dann gilt etwas anderes wie das Bundesgesetz.
O.k., das waren eigentlich sehr kompetente MAVler; aber auch die können eben irren.

Auszug aus dem Arbeitzeitgesetz § 10 und § 11.
Hier ist ganz klar geregelt wie mit einem Wochenfeiertag verfahren werden muß.

ArbZG § 10 Sonn- und Feiertagsbeschäftigung
------------(1) Sofern die Arbeiten nicht an Werktagen vorgenommen werden können---------------, dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen abweichend von § 9 beschäftigt werden [...]
Soweit, so klar, ich darf arbeiten:wink:


ArbZG § 11 Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung
[...]
----------(3) Werden Arbeitnehmer an einem Sonntag beschäftigt, müssen sie einen Ersatzruhetag haben, der innerhalb eines den Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von zwei Wochen zu gewähren ist. Werden Arbeitnehmer an einem auf einen Werktag fallenden Feiertag beschäftigt, müssen sie einen Ersatzruhetag haben, der innerhalb eines den
Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von acht Wochen zu gewähren ist.------------
Hier wird geregelt, was passiert, wenn ich an einem Feiertag arbeite.

Besonders der vorgehobene Passus in § 10 bzw. § 11 ist wichtig, denn er besagt, dass Arbeit an Feiertagen nur unter Ausnahmen zulässig ist, somit sind erwirtschaftete Minusstunden für einen Feiertag nicht möglich. Denn Arbeit ist nur unter Ausnahmen zulässig, nicht frei. Und wenn ich an einem Tag nicht arbeiten darf kann dieser Tag auch nicht in der Sollstundenberechnung auftauchen.
Hm, IANAL but...
Letztendlich sagt (für mich) keiner der obigen §§ etwas über das nichtarbeiten an Feiertagen aus. Wenn ich als "normaler" Arbeiter, sagen wir im Einzelhandel arbeite und frei habe, bekomme ich doch für diesen Feiertag auch keine Stunden gut geschrieben!?! Warum sollte ich dann als Pfleger Stunden gut geschrieben bekommen, wäre ja eine Bevorzugung von mir gegenüber der Einzelhandelsangestellten?!?
:confused:
Ulrich
 
U

UlrichFürst

Hätte ich mir wohl vor meiner Antwort durchlesen sollen; mit Gesetzestexten hab' ich so meine Probleme...
Es muß aber vorher festgelegt werden, welche Wochenarbeitstage gelten sollen, weil das beim Zählen wichtig ist.
Nur den Satz versteh ich nicht ganz: Ist damit gemeint, dass die Anzahl der Wochentage festgelegt werden muss? Also ob 4, 5 oder 6 Tage Woche?

Ulrich
 
Sonnensturm

Sonnensturm

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Hm, IANAL but...
Letztendlich sagt (für mich) keiner der obigen §§ etwas über das nichtarbeiten an Feiertagen aus. Wenn ich als "normaler" Arbeiter, sagen wir im Einzelhandel arbeite und frei habe, bekomme ich doch für diesen Feiertag auch keine Stunden gut geschrieben!?! Warum sollte ich dann als Pfleger Stunden gut geschrieben bekommen, wäre ja eine Bevorzugung von mir gegenüber der Einzelhandelsangestellten?!?
:confused:
Ulrich
Aber es wird auch nicht abgezogen(habe ich in einigen Beiträgen gelesen:confused: ) Oder glaubst Du in Eurer Verwaltung muss einer nacharbeiten, weil ihm Stunden abgezogen werden, da die Verwaltung am Feiertag nie arbeitet?
Die Feiertagsstunden haben doch eigentlich überhaupt nichts mit den Sollstunden zu tun.
Es steht doch in den Gesetzen, dass an Sonn- und Feiertagen nicht gearbeitet wird, wie auch in der Nacht. Da es die Ausnahme von der Regel gibt, ist aufgeführt, wer arbeiten darf. Da dies zusätzliche Arbeit ist, wird sie auch "belohnt", hoffe ich.

Ich finde das doch ziemlich eindeutig. Für mich bleibt die Frage, warum sich einige oder viele(?) sich einfach nicht dran halten.:angry:

Grüsse vom Wassermann:eek:riginal:
 
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Bethke Axel

Bethke Axel

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Hallo Ulrich,
ich hätte vielleicht auch den § 9 Arbeitszeitgesetz einstellen sollen. Das hole ich jetzt nach. In diesem Abschnitt steht ganz klar, dass man an einem Feiertag nicht arbeiten darf. Somit zählt dieser Tag auch in keiner Stundenberechnung. Die § 10 und 11 sind nur die Regelungen für Ausnahmen wenn man arbeiten muß, die dann aber auch besonders berechnet bzw. vergütet werden. Primär ist aber immer noch jegliche Arbeit an einem Feiertag verboten.

ArbZG § 9 Sonn- und Feiertagsruhe
(1) Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden.
(2) In mehrschichtigen Betrieben mit regelmäßiger Tag- und Nachtschicht kann Beginn oder Ende der Sonn- und Feiertagsruhe um bis zu sechs Stunden vor- oder zurückverlegt werden, wenn für die auf den Beginn der Ruhezeit folgenden 24 Stunden der Betrieb ruht.
(3) Für Kraftfahrer und Beifahrer kann der Beginn der 24stündigen Sonn- und
Feiertagsruhe um bis zu zwei Stunden vorverlegt werden.

Ich hoffe nun wird verständlich wie es laufen muß?

Grüsse
Axel
 
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Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
U

UlrichFürst

Sorry für die späte Rückmeldung, ich war über 'ne Woche nicht am Rechner...
Ich hoffe nun wird verständlich wie es laufen muß?
Leider nicht wirklich.

Ich versuch vielleicht noch mal mein gedankliches Problem anders darzu stellen:
Wenn ich immer von Montag bis Freitag arbeite, habe ich am Wochenende Frei und bekomme logischerweiße keine Stunden angerechnet.
Arbeite ich immer nur an Mo, Mi, Fr bekomme ich an Fronleichnam auch keine Stunden angerechnet. Fällt nun ein Feiertag auf z. B. Montag muss ich nicht arbeiten, bekomme aber die Stunden gut geschreiben.
Nur ich arbeite ja, als Schichtarbeiter völlig ohne jegliche Regelmäßigkeit. Irgendwie lässt sich dieser Gedankengang da nicht übertragen, finde ich. Aber nach welcher Regel geht es dann?

Ulrich

P.S. Es geht ja nicht darum, ob ich arbeiten darf oder nicht, oder um die Vergütung mit Zuschlägen, sondern schlicht, ob es als Arbeitszeit gilt, wenn ich nicht arbeite...
 
S

Sabine58

Mitglied
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03.05.2006
Uetersen
Hallöchen, wir haben einen EDV gestützten Dienstplan. Dieser rechnet die Sollstunden im Monat aus. Sollstunden sind die Arbeitstage im Monat, ausgeschlossen sind die Wochenende und die Feiertage! Die Arbeitstage werden mit 7,7 Stunden gerechnet. Hier spielt es keine Rolle ob wir eine 5 oder 5,5 Tage Woche arbeiten. Die Sollstunden müssen erreicht werden. Wir arbeiten nach dem AVR, der dem BAT angeglichen ist.

Gruß Sabine
 
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Altenpflegerin
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Praxisanleiterin im Altenheim
C

Cori

Hallo,
ich habe mal bei der Regierung von Schwaben
-Gewerbeaufsichtssamt- Dez. 1A - Sozialer Arbeitsschutz
nachgefragt und folgende Antwort bekommen:

Bei der Anrechnung (Sollstunden) von Wochenfeiertagen stimmt tatsächlich etwas nicht.
Im Kommentar § 9 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)) steht:
"Die Zahlung des Arbeitsentgelt an gesetzlichen Feiertagen
erfolgt durch den Arbeitgeber gemäß § 2 des Entgeltfortzahlungsgesetz."

Ebenso gibt es ein höchstrichterliches Urteil vom BAG:
"Eine Verpflichtung zur unentgeltlichen Vor- oder Nacharbeit
der durch den Feiertag ausgefallenen Arbeitszeit besteht nicht.
Kürzungen oder Negativbuchungen auf einem Zeitkonto sind ebenfalls nicht
zulässig."
(BAG 14.8.2002, 5AZR 417/01)

Feriertage dürfen nicht negativ gebucht werden. Fällt für den Arbeitnehmer infolge eines gesetzlichen Feriertages Arbeitszeit aus, so hat der Arbeitgeber für diese Zeit dem Arbeitnehmer den Lohn zu zahlen, den dieser an einem normalen Arbeitstag verdient hätte.
Der Arbeitnehmer ist so zu stellen, als hätte er an dem Feiertag schichtplanmäßig gearbeitet. Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, unentgeltlich vor- oder nachzuarbeiten.
_____________________________________________________________
Das sagt doch deutlich aus, dass die Wochenfeiertage nicht in die Sollarbeitszeit eingerechnet werden darf.
Mal sehen was mein Arbeitgeber dazu sagt ;-) noch habe ich Urlaub.
Grüßle
Cori
 
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
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:00000965: :00000965: :00000965: für diese gute Tat.
Ich hatte schon Zweifel an meinem Verstand, als ich diese Beiträge gelesen hatte.
Klang doch aber auch irgendwie unlogisch.
Obwohl, man weiss ja nie...
Nun bleibt doch wieder die Frage: Wussten sie nicht, was sie tun oder war es Absicht?

Aber ein Fazit bleibt. Endlose Diskussionen führen zu nichts, es muss gehandelt werden. Keine Angst vor Behörden, so schlimm sind die gar nicht.

Es grüsst der Wassermann
 
Qualifikation
Krankenschwester
C

Cori

:00000965: :00000965: :00000965: für diese gute Tat.
Ich hatte schon Zweifel an meinem Verstand, als ich diese Beiträge gelesen hatte.
Klang doch aber auch irgendwie unlogisch.
Obwohl, man weiss ja nie...
Nun bleibt doch wieder die Frage: Wussten sie nicht, was sie tun oder war es Absicht?

Aber ein Fazit bleibt. Endlose Diskussionen führen zu nichts, es muss gehandelt werden. Keine Angst vor Behörden, so schlimm sind die gar nicht.

Es grüsst der Wassermann
Genau diese Zweifel hatte ich auch! Im Übrigen sind (manche) Behördenmitarbeiter auch ganz nett ;-)
Bei uns wurde dies laut eines Gerichtsurteil so gehandhabt, welches aber vor 2002 entstand (leider weiß ich das Aktenzeichen nicht mehr). Ich gehe mal von Unwissenheit aus ;-)
Gespart hat der Arbeitgeber in dieser Zeit sicher eine Menge (was er hoffentlich zurückgeben muss - zumindest die ganzen Minusstunden der freien Wochenfeiertage)

Euch allen noch eine sonnige Woche.
Grüßle
Cori
 
U

UlrichFürst

Also ich geh' jetzt erst mal davon aus, dass es so ist wie Ihr alle sagt!
Feriertage dürfen nicht negativ gebucht werden. Fällt für den Arbeitnehmer infolge eines gesetzlichen Feriertages Arbeitszeit aus, so hat der Arbeitgeber für diese Zeit dem Arbeitnehmer den Lohn zu zahlen, den dieser an einem normalen Arbeitstag verdient hätte.
Auf genau diesen Satz haben die sich ja berufen. Deshalb ja die konfuse Trennung zwischen "hatte Frei weil Feiertag" und hatte frei weil er halt frei hat. Letzteres wäre also ein "normaler Arbeitstag" mit null Arbeitsstunden (weil frei) und die werden am Feiertag angerechnet, mit 0,0 Stunden eben. :sick:

Ulrich
 
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05.07.2001
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